lebst

Es ist schön, dass du lebst.

Es ist schön, dass du lebst

In unserer Gesellschaft wird allein gelassen:
Unsere Krankheit ist die Einsamkeit.
Es wird geschwiegen in diesem Land, es wird verschwiegen.

Besser wäre es, jedes Kind würde am Anfang seines Lebens erfahren:
Es ist gut, dass du lebst, ich will, dass du lebst – ohne Bedingung

Du sollst verstehen lernen, dass es völlig reicht, dass du da bist:
ohne Grund, ohne Beweis, ohne Rechtfertigung.

Elia

Elia: Guten Morgen meine lieben Freunde.

Hajo: Guten Morgen Elia.

Beatrix: Guten Morgen.

Elia: Beatrix, wie schön! Ein Abenteuer wartet. Gegen die Angst, gegen die Zweifel die Segel setzen. Sich lebendig fühlen. Wie schön! Du hast Mut. Wie gut, dass du Mut hast.

Du hast Angst? Angst ist die Voraussetzung, um Mut zu entwickeln. Du hast deinen Mut wieder gefunden. Wie schön!

Wir freuen uns über dich.

Wir haben dich herzlich lieb. Nicht nur, wenn du Mut hast. Auch, wenn du ihn verloren hast. Nicht nur, wenn du stark bist. Auch, wenn du schwach bist.

Wir haben dich herzlich lieb. Ich soll dir Grüße ausrichten, von deiner Mutter. Ich soll dir sagen, wie gern sie immer noch in deiner Nähe ist.

Ich soll dir sagen, du fühlst recht, wenn du sie spürst, du denkst recht, wenn du ihre Antwort auf deine Gedanken spürst.

Es ist schön, dass du lebst, soll ich dir sagen.

Stell deine Fragen.

Beatrix: Tja, also ich möchte gerne wissen, warum ich nicht so offen auf fremde Menschen zugehen kann, wie manche das können. Ich würde es gerne tun, aber ich kann’s einfach nicht. Irgendetwas blockiert und dadurch schließe ich auch sehr, sehr schwer nur Freundschaften, was mich eigentlich sehr bedrückt.

Elia: Liebe, schau einmal auf die Tiere. Kennst du so Welpenrudel, kennst du die?

Beatrix: Hmm.

Elia: Da sind die ganz forschen. Sie laufen IMMER vorweg. Und es sind die zögerlichen, die lassen sich Zeit. Ist ein Hund, der zögerlich ist, ein verkehrter Hund?

Beatrix: Hm, hm.

Elia: Nein. Ist er nicht dennoch ein wunderbares Tier?

Beatrix: Ja. Elia: Bezaubernd anzuschauen. Zart. Vorsichtig. Es ist schwer, sein Vertrauen zu erringen.

Aber wenn es jemand schafft, ist er gerade DARUM besonders stolz darauf, ist ihm gerade dieses Tier besonders viel Wert. Jene, die nicht die Geduld aufbringen, auf dich zu warten, dass du dich öffnest, denen bist du auch zu wenig Wert.

Wer warten kann, wer Geduld hat, wer zart ist, der hat die Freude mehr als eine Bekanntschaft in dir zu finden. Mehr als ein Vergnügen der Unterhaltung. Der hat die Freude, einem Mitmenschen zu begegnen.

Ich möchte dir vorschlagen, dass du nicht fragst, warum du anders bist als andere. Sondern dass du dahin dich entwickelst, dies Wert schätzen zu lernen.

Es hat seinen Wert, dass du langsam im Vertrauen bist. Du sagst, du zerstörst dir damit Chancen.

Ich sage dir: Die Chancen sind nicht auf etwas ausgerichtet, was du suchst. Du bist keine Seele, der es Freude bereitet, oberflächliche Kontakte zu pflegen.

Du brauchst, um dich wohl zu fühlen, Tiefe. Du brauchst, um dich in einer Beziehung zu entfalten, Vertrauen.

Du brauchst, um in einer Beziehung zu wachsen, Ehrlichkeit. Das bunte, laute Treiben ist nicht deins. Es ist nicht deine Art.

Ich möchte dich ermuntern, die Art, in der du auf andere zugehst, Wert zu schätzen.

Was du ihnen zu geben vermagst, ist kostbarer als ein oberflächliches Amüsement. Hast du mich verstanden?

Beatrix: Ja.

Elia: Es ist keine Blockierung, die eine bestimmte Angst besetzte Ursache hat, sondern es ist DEINE Art des Seins.

Du bist wie einer dieser kleinen Hunde, die sehr vorsichtig, zaghaft kommen, und die den Menschen, denen sie sich öffnen, nach langem Mühen das Herz öffnen und wärmen können. Ist das nicht wunderbar?

Beatrix: Ja.

Elia: Ich hatte viele Freunde, meine Liebe, und mir waren jene am Teuersten, für deren Gegenwart, Zuneigung und Vertrauen ich kämpfen musste. Deine nächste Frage.

Beatrix: Ja, das steht im Zusammenhang. Diese Beziehung, die ich seit einigen Monaten zu Irmi habe, die ist so innig und so eng, obwohl wir uns eigentlich gar nicht kannten, dass ich also gerne wissen möchte, welche Bedeutung diese Beziehung jetzt hat für mich. Besteht da eventuell eine Seelenverwandtschaft oder vielleicht sogar noch mehr? Denn das ist also für mich nicht ganz normal, wie das so läuft.

Elia: Ja. Ja, Seelenverwandte seid ihr. Ihr wart Schwestern, soviel darf ich euch verraten. Und ihr ward einander gut. Im Leben wie im Sterben ward ihr einander gut. Ihr habt euch wieder getroffen und ihr habt euch von Seele zu Seele erkannt. Was für ein Geschenk.

Es trennen euch dennoch Dinge, die euch unterscheiden. Temperamente, Ansichten, Erfahrungen.

Ihr habt beide ein langes Leben, in denen ihr geprägt wurdet, hinter euch, wo unterschiedliche Prägungen stattfanden. Aber hinter alle dem, erkennt ihr, liegt eine Zuneigung, ein Einverständnis, das tiefer geht und im Grunde wortlos ist.

Wie soll man in Worte fassen, was dort geschieht. Das Äußere verliert seinen Wert. Das Äußere wird als das erkannt, was es ist: Eine Maske, ein Kleid, das man anzieht und ablegt.

Ihr erkennt euch in eurem Inneren. Ist das nicht eine Freude?

Beatrix: Ja

Elia: Ja. Es gibt nicht nur schwere und lastende Aufgaben, die sich aus vergangenen Leben erklären. Es gibt so viel mehr Gutes, Wahres und Reines, das euch von Leben zu Leben begegnet. Die Liebe zu einem Menschen ist eines davon. Sei vergeht nicht, nicht einmal über die Jahrhunderte. Deine nächste Frage?

Beatrix: Also ich hab in den letzten Wochen oft, ja, wie soll ich das ausdrücken, einen tiefen Frieden, so verbunden mit dem Gefühl der Weite. Das kommt im Laufe des Tages, wenn ich im Auto sitze und durch die Landschaft fahre ganz plötzlich ohne irgendeinen Grund. Was ist das? Was bedeutet das?

Elia: Was du spürst, ist dein Guide. Wir möchten, dass du uns spürst. Wir möchten, dass du die Gewissheit hast, geborgen zu sein.

Wir möchten, dass du spürst, wo deine wahre Heimat ist. Deine – und jetzt muss ich ein wenig theoretisch werden – Energie verändert sich. Sie wird, würden wir es in Helligkeit ausdrücken, heller, weiter, klarer.

Das „In-sich-abgekapselt-sein“, das einer Verhärtung gleich kommt, löst sich mehr und mehr auf zur Wahrnehmung einer Realität, die deine Ängste bisher verschlossen haben.

In meinem Sinne könnte ich sagen: Deine Seele öffnet endlich die Augen. Und sie nimmt, für Momente manchmal nur, aber doch wahr, dass es eine Realität ist, die weitreichend ist.

Wer uns nicht sieht, der spürt uns aber doch. In sich! Er spürt es als Teil seines Selbstes. Und damit liegt er richtig, denn: Wir sind mit ihm verwoben. Wir sind Teil seines Selbstes.

Wenn du diesen Frieden spürst, die Klarheit, die Einfachheit dabei, dann ist das etwas, das heilig und zugleich völlig vertraut ist. Das besonders ist und zugleich, als wäre es immer schon so gewesen. Und beides stimmt.

Du erlebst dich in uns. Und das ist alt vertraut und doch ganz neu. Hast du verstanden, was ich dir gesagt hab?

Beatrix: Ja.

Elia: Deine nächste Frage, meine Liebe.

Beatrix: Ja, diese ständig vorhandenen Schuldgefühle, die mich immer wieder niederdrücken und immer wieder erreichen. Wo kommen die her, was kann ich tun, damit ich da endlich davon loskomme?

Elia: Ja, betrachten wir das Wesen der Reue. Völlig unabhängig davon, ob wir objektiv zu Recht oder Unrecht Reue empfinden, beutelt es uns bis in die Tiefe unserer Seele.

Es ist, als hätte jemand an einen Gong geschlagen, der nicht mehr aufhört Töne von sich zu geben.
Jede Gelegenheit, jeder kleine Satz, jedes auch noch so beiläufig erwähnte Wort ist in der Lage, diesen Gong wieder laut werden zu lassen. Nun ist es gut, sofern wir tatsächlich Fehler begangen haben und wir aus der Reue heraus in der Lage sind, unser Verhalten oder unser Denken zu korrigieren.

Was aber, wenn das unmöglich ist? Was, wenn wir keinen Weg finden etwas zu verändern? Dann setzt das Urteil ein, das in seiner Wirkung geradezu vernichtend ist.

Was geht dem voraus? Es geht dem voraus, dass wir uns für mächtig halten Dinge zu tun oder zu lassen.

Wir sind der Ansicht, dass es in unserer Macht liegt, ob etwas einen guten oder schlechten Ausgang nimmt. Nun, es gibt Dinge, da haben wir tatsächlich diese Macht.

Aber, meine Liebe, es gibt Dinge, da ist diese Macht nichts weiter als eine Phantasie, eine Illusion, eine Täuschung. Eine Täuschung liegt dann der Reue zugrunde.

Eine Selbsttäuschung, die zur Selbst-ent-täuschung führt. Reue ist dann nichts anderes als der Mantel über Wut.

Schau, ich sage dir, deine Reue ist der Mantel deiner Wut. Deine Seele schreit vor Wut. Wut darüber, dass du eben keine Macht hattest. Gar keine. Du kannst es drehen und wenden wie du willst.

Die Möglichkeiten, die du hattest, die Alternativen, die da waren, führten alle miteinander in eine Situation, in der du entmachtet warst.

Wie auch immer und wo auch immer du deine Mutter gepflegt hättest, du wärst auf deine tiefe Machtlosigkeit gestoßen. Kein Ausweg. Gar keinen. Selbstaufopferung? Kein Ausweg.

Die Aufgabe von Kompetenzen, es anderen überlassen? Auch kein Ausweg. Die Wahl zwischen Möglichkeiten, die beide dir unmöglich waren, DAS war die Ausgangssituation.

Die Wahl zwischen Möglichkeiten, die du alle miteinander als unerträglich empfunden hast. Unerträglich! Egal, welche Entscheidung ich treffe, unerträglich.

Ich bin machtlos und das macht mir WUT. Ja? Wut, die sein darf. Wer schreibt den Lebensplan? Sag es mir, wer?

Beatrix: Das Gesamtselbst oder wir? Ich weiß es nicht.

Elia: Das Gesamtselbst legt ihn fest, legt die wichtigen Punkte fest. Danach kommt es zu einer Abstimmung, zu einem sich miteinander zu einem Ziel hinbewegen der Seelen.

Was dort an Entscheidungen stattgefunden hat, ist auf Erden nicht korrigierbar. Das sind nur allzu oft jene Situationen, die uns vor Wut bebend machen, weil es keinen Ausweg gibt.

Ist das erlaubt? Ist das erlaubt, in ausweglosen Situationen Wut zu entwickeln? Tja, manchen Menschen fällt das leicht. Anderen ist es unmöglich.

Und was sie dann entwickeln, ist Reue und Schuldgefühle, damit die Wut nicht laut wird. Zu Recht bist du empört.

Zu Recht, das sage ich deiner Seele, empfindest du tiefe Empörung darüber, wie gestorben wird in deiner Kultur. Allein gelassen, alle miteinander. Die Sterbenden und die Pflegenden. Allein. Schaut, wie ihr damit klar kommt.

Das ist das verdrängte Thema einer Gesellschaft, in der weder richtig gelebt noch richtig gestorben wird. Allein gelassen, alle miteinander.

In einer Gesellschaft, in der nicht der Mensch in allen seinen Phasen im Mittelpunkt des Interesses steht, sondern der schnelle Gewinn.

Ich schaue mich um in eurem Land und ich sehe so viel Einsamkeit: Allein gelassen die Kinder mit ihren neu geborenen Ansprüchen auf ein Leben in Liebe und Geborgenheit mit ihren allein gelassenen Müttern, nicht wissend, wie sie erfüllen sollen, was sie selbst nicht kennen: Liebe, Nähe, Vertrautheit, Zuverlässigkeit.

Allein gelassen eure Jugendlichen, die nicht wissen, welchen Sinn ein Leben haben soll, in das sie hinein gehen, es sei denn, sie sind reich.

Allein gelassen eure Menschen in den besten Jahren, die nichts weiter zu tun haben als zu kaufen und zu verkaufen.

Allein gelassen eure Alten, deren Lebensweisheit nichts gilt. Allein gelassen eure Sterbenden, weil sie nichts mehr bringen, weil sie nichts mehr nehmen können.

Eure Krankheit ist Einsamkeit. Wut darüber zu empfinden ist richtig. Aber Wut, die zu nichts führt, meine Liebe, frisst dich auf.

Dein Schuldgefühl ein Mantel nur, nur ein Mantel, den du ablegen kannst. Aber darunter findest du deine Wut. Und diese Wut – und das weißt du und deshalb trägst du den Mantel der Selbstbeschuldigung – braucht ein Ziel.

Eine Wut, die nichts verändern kann, frisst uns auf. Wege aus der Wut sind Wege aus der persönlichen Ohnmacht heraus.

Es liegt nicht bei mir, dir zu sagen, was du gegen deine Wut tun kannst.

Aber: ich möchte dir Anstöße geben. Ich möchte dich darauf aufmerksam machen, dass du nicht allein bist mit deiner Wut.

Und dass du nicht allein bist mit der Not, die du damals hattest zu entscheiden, wie und wo deine Mutter zu sterben hat. Tausenden, Tausenden geht es so.

Es wird geschwiegen in diesem Land, es wird ver-schwiegen. Tausenden kannst du nicht helfen. Wie helfen wir uns selbst am besten? In dem wir unseren Blick von uns zum anderen lenken.

Sie sind immer noch da, die Heime und Hospize, sie sind in deiner Nähe und erreichbar. Sag nicht, das bringt nichts, wenn ich dorthin gehe.

Sag nicht, das bringt doch gar nichts, wenn ich mich an das Bett eines Sterbenden setze und ein wenige lese aus der Zeitung.

Wenn ich mich an das Bett eines Siechen setze und nichts tue außer da sein und die Hand halten.

Überlege dir, ob es Wege gäbe, deine Wut in eine Tätigkeit münden zu lassen. Und ob dies nicht deiner Mutter die Ehre geben wäre.

Wie sehr wäre ihr Tod geehrt, wie sehr wäre ihr Leiden geehrt, wenn es darin münden würde, dass du auch nur einem dieser Elenden eine Stunde deines Lebens schenkst.

Quasi eine innere Stiftung zum Andenken deiner Mutter.

Ich bin mir bewusst, dass ich dich jetzt sehr aufgewühlt habe. Aber versteh doch: Wir haben keine Hände denn eure.

Wir haben keine Ohren außer euren. Wir haben keine Lippen außer euren.

Manchmal bitten wir sanft und manchmal rütteln wir an der Tür. Die Not eines jeden einzelnen in eurem Land schreit zum Himmel. Und wir antworten durch euch selbst.

Deine Wut ist eine heilige Wut. Kleide sie nicht mehr mit Selbstvorwürfen.

Deine Wut ist ein heiliger Zorn und wir wünschten uns mehr und mehr und mehr würden den Mut aufbringen, diesen Zorn laut werden zu lassen und würden den Mut aufbringen persönlich zu tun, was die Gesellschaft nicht zu tun bereit ist.

Deine nächste Frage.

BEATRIX: Ja, was hat die Seele meiner Mutter daraus gelernt, was ihr widerfahren ist?

Elia: Ich muss immer das Richtige tun. Das war eine Wahrheit deiner Seele. So wie es ihre Wahrheit war. Ich muss das Richtige sagen… Ich muss das Richtige tun… Ich muss das Richtige bewirken.

Nur dann, NUR dann bin ich es wert, dass ich lebe. Das ist eine verheerende Wahrheit. Es ist eine Wahrheit deiner Familie seit Generationen von Frau zu Frau.

Deine Mutter, ihre Seele, hat erfahren, dass es nicht stimmt. Sie hat sich durchaus als schwach erlebt, als klein, unzureichend. Erinnerst du dich noch an ihre Ungeduld am Anfang, wenn die Dinge nicht mehr so gingen, wie sie wollte?

Sie hat sich durchaus als unzureichend erfahren. Und DU warst es, die dennoch wollte, dass sie lebt. Und auch das hat sie erfahren. Du hast ihr etwas geschenkt, was sie so nicht mehr kannte. Auch nicht Anerkennung hat.

Und sie durfte durch dein bedingungsloses JA zu ihr, durch ein gezeigtes und gelebtes „Und trotzdem will ich, dass du lebst“ zutiefst erfahren, dass sie mehr Wert ist als die Summe aller Dinge, die sie bewirken kann.

Ein hoher Preis? Ja. Ein sehr hoher Preis. Besser, besser wäre es, jedes Kind dieser Welt wüchse in dem Bewusstsein auf, dass es so ist.

Jedes Kind würde am Anfang seines Lebens zutiefst erfahren: Es ist gut, dass du lebst, ich will, dass du lebst – ohne Bedingung. Sie hat es am Ende ihres Lebens erfahren. Durch dich.

Was sie nicht kann, ist, DIR zu sagen: „Liebe Tochter, es ist gut, dass du lebst. Ganz egal, ob das, was du tust oder sagst oder fühlst wichtig, richtig und ausreichend ist.

Ganz egal, ganz unabhängig von allem, was du bewirkst oder nicht bewirken kannst – ich will, dass du lebst.“

Liebe, du musst verstehen lernen, dass wir mit der falschen Wahrheit deiner Mutter auch DEINE falsche Wahrheit zutiefst berühren. Nur wenn ich richtig bin, darf ich sein.

Das ist eine Last, die du aus alter Inkarnation mitbekommen hast. Das muss aufhören. Nur wenn ich richtig bin, darf ich sein. Nein.

Leben ist ein Geschenk, das ohne Bedingungen geschenkt wird. Liebe ist nur dann wahrhaftig, wenn sie das, was wahr ist, liebt, ohne es zu verbessern zu wollen.

Deine Mutter war dir keine Hilfe mehr. Deine Mutter war eine Last. Und obwohl sie das war, hast du gesagt: „Ich will, dass du lebst, Mutter! Nichts ist mir so wichtig, als dass du lebst!“ Es war eine ungeheure Erfahrung für ihre Seele.

Ich weiß, ich weiß, es gab Zeiten, da warst du müde. Es gab Zeiten, da hast du gedacht, wenn’s doch vorbei wär, ich kann nicht mehr.

Das ist etwas anderes. Das ist ein Zeichen der Erschöpfung. Aber hinter der Erschöpfung war die tiefste aller Wahrheiten: Bleib bei mir, ich liebe dich. Nichts hat sich daran geändert.

Und nun, da deine Mutter bei uns ist und sie dir nichts, nicht einmal mehr ihre Gegenwart schenken kann, sagst du ihrer Seele dennoch: Ich liebe dich.

Ich fürchte, du kannst nicht ermessen, welche Erlösung das für diese Seele ist.

Sie wird eines Tages in ein neues Leben gehen. Und sie wird aufwachsen mit einer Mutter, die wird ihr sagen: „Ich freue mich, dass du lebst.“

Sei wird NIE WIEDER sich in die Not bringen lassen, unablässig beweisen zu müssen, dass sie es wert ist zu leben. Sie wird sich ihres Wertes bewusst sein. Das hast DU geändert.

Und nun wird es Zeit, höchste Zeit, dass du diese Wahrheit auch für dich selbst akzeptierst.

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass du manchmal sehr stark und manchmal sehr schwach bist? Wie sind diese Differenzen zu erklären?

Es ist dadurch zu erklären, dass du in dir selbst auch eine Antwort darauf suchst, auf die Frage: Darf ich Liebe beanspruchen?

Darf ich mein Leben ergreifen, ohne dafür einen Gegenwert zu bringen?

Gibt es jemanden, der zu mir sagt: Trotzdem, ich liebe dich. Die erste, die es dir sagen sollte, bist du selbst.

Und du bist hier, um das zu lernen. Du bist darum hier. Du bist hier, um nach diesem Tag in dein Leben zu gehen und zu sagen: Ja, ich bin’s wert zu leben. Ohne Gegenleistung.

Ich möchte dir die innige Bitte deiner Eltern ausrichten, dass du diese Wahrheit begreifst. Ich möchte dir von ihnen ausrichten, dass sie alles tun, damit du das fühlst.

Sie wollen, dass du lebst. Sei wollen, dass du verstehst, dass ihre Liebe zu dir nie wieder daran gebunden ist, ob du etwas richtig oder falsch machst.

Jetzt ist es Zeit, dass ich mich verabschiede.

Hajo: Gut, danke dir.

Elia: Unbedingt das Problem nicht aus dem Auge verlieren. Was hier erforderlich ist, ist die Erkenntnis, dass der Wert des Lebens völlig unabhängig ist von dem, was wir bewirken.

Am Ende deines Lebens soll Freude stehen, ein Satt-Sein mit dem, was abgeschlossen ist.

Und Neugierde auf das, was nun auf dich zukommt. Und nicht die Angst, nicht genügend getan zu haben.

Am Ende deines Lebens soll es keine Not mehr haben, dass erst durch Siechtum du von deinem Sohn bewiesen bekommst, dass er will, dass du lebst, einfach nur damit du da bist.

Schau, am Ende deines Lebens, da möchten wir, dass du die Weisheit hast zu verstehen, dass eine Blume auf der Wiese, ein roter Klatschmohn vielleicht, schön und wunderbar ist, obwohl er überhaupt keine Wirkung hat, kein Heilmittel, nicht einmal Duft. Er ist einfach nur schön. Es ist schön, dass er da ist und das reicht.

Und du sollst verstehen lernen, dass es völlig reicht, dass du da bist, ohne Grund, ohne Beweis, ohne Rechtfertigung.

So im Frieden sollst du gehen können ohne diese Erkenntnis, durch Leid provozieren zu müssen.

Das wünsche ich dir. Aber vor allem anderen wünschen es dir deine Eltern.

Sie danken dir sehr, dass du ihnen so sehr hilfst, das selbst für sich zu verstehen.

Nun leb wohl.

Hajo: Leb wohl, Elia.

Beatrix: Leb wohl.