Kinder

Elia – Es ist nicht klug, einem Kind das Recht auf Gefühle abzusprechen.

Es ist nicht klug,
einem Kind das Recht auf seine Gefühle abzusprechen.

Es ist nicht erzieherisch richtig,
einem Kind nur dann Zuwendung und Aufmerksamkeit
zukommen zu lassen,
wenn es in einem stabilen emotionalen Zustand ist.
Ein Kind schreien zu lassen,
ist nicht klug.

Elia

Zu Gast ist Constanze.

Elia: Guten Abend, liebe Freunde.

Hajo: Guten Abend, Elia.

Constanze: Guten Abend, Elia.

E: Guten Abend, Constanze. Ich grüße dich.

C: Schön, dass du da bist.

E: Ich bin gerne hier.
Und ich bestelle dir sehr liebe Grüße von jenem,
der dir sehr verbunden ist.

Ich möchte diesen Abend ausklingen lassen
mit einigen Bemerkungen von uns:

Anders sein als die Masse ist ungewöhnlich.
Das ist, wenn es lukrativ ist, erstrebenswert.
Lukrativ in eurem irdischen Sinn.

Wenn es euch etwas bringt
– Prestige, Anerkennung, finanzielle Ressourcen, Macht –
dann ist das Ungewöhnliche äußerst erstrebenswert –
dann wird das Ungewöhnliche sogar überhöht.

Ist das Ungewöhnliche
aber nicht mit diesen Vorteilen verknüpft,
dann wird es zu einer Art Fluch!
Wer in solcher Weise ungewöhnlich ist,
der wird an den Rand der Existenz geschubst.

Zwischen den beiden extremen Polen
scheint es keinerlei Verbindung zu geben,
aber das ist nicht wahr.
Die Verbindung zwischen beiden Extremen existiert.

Was beide verbindet, ist die Wirkung auf die Seele!
Sie hat sich mit der Einsamkeit auseinanderzusetzen.
Es widerstrebt der Natur der menschlichen Seele,
einsam zu sein!
Es ist nicht unsere Art: ob im Körper oder nicht.
Gemeinsamkeit ist unsere Art!

Wie schwer ist die Aufgabe,
die sich die Seele hier stellt!
Wenn ich nicht in Gemeinschaft mit anderen Menschen sein kann,
dann wird die Seele –fern von Gemeinsamkeit – darunter leiden.

Bitte stell mir deine Frage, Constanze.

C: Elia, ich möchte gerne wissen,
warum ich so zu bin?

E: Du schützt dich vor Überforderung!
Zum Teil ist das nichts weiter
als vermeintliche Überforderung.

Darüber habt ihr schon gesprochen.
Zum Teil ist dies aber in dir auch so angelegt.

Dahinter steht die Furcht: 
Bei zu starken Emotionen dich nicht mehr ordnen zu können,
dich in ihnen völlig zu verlieren –
dies ist das Eine.

Und das Andere,
dass Emotionen – deine Emotionen –
unerwünscht sein könnten.

Letzteres ist ein erzieherisches Problem:
Es ist nicht klug,
einem Kind das Recht auf seine Emotionen abzusprechen.
Es ist nicht erzieherisch richtig,
einem Kind nur dann Zuwendung und Aufmerksamkeit
zukommen zu lassen,
wenn es in einem stabilen emotionalen Zustand ist.

Ein Kind schreien zu lassen, ist nicht klug.
„Ich fühle nicht, was ich fühle,
sondern was ich fühlen darf, um unbehelligt,
um ungestraft durchs Leben zu gehen.“

Ganz wirst du diese Grundeinstellung
nicht verlieren können.

Du musst sie respektieren lernen als eine Basis Erfahrung,
die die Aufgabe mit sich bringt,
besonders achtsam mit deinen Gefühlen zu sein.

Die die Aufgabe mit sich bringt, darauf zu schauen:
Wie fühlt sich etwas an.

Das kannst du nicht immer im Moment,
sondern sehr oft erst in der Reflexion,
vielleicht Stunden später.

Wenn du also gefragt wirst:
„Was fühlst du denn jetzt gerade, meine Liebste?“
Und du nicht antworten kannst,
dann sage nicht: „Ich fühle nichts“.

Dann sag: „Ich weiß es jetzt noch nicht,
aber vielleicht heute Abend“.


Ja? Hast du das verstanden?

C: Ja, Hm hm.

E: Deine Gefühle sind tief und klar und warm.
Aber sie brauchen einen langen Weg,
um dort anzukommen,
wo du sie auch ausdrücken kannst!

Dafür haben sie den Vorteil,
sehr stabil zu sein,
sehr belastbar.
Wen du liebst,
den liebst du.
Wem du grollst du,
dem grollst du.

Wenn du Gefühle erkennst,
dann sind sie auch nicht so leicht wandelbar.
Das ist eine große Qualität!

Deshalb möchte ich dich bitten,
deine Art der Gefühle
nicht als Mangel zu begreifen,
sondern als ein dir zugehöriger Wesenszug!
Ja?

C: Ja.