Das Gebet von Jesus: …und vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Elia 

 „Und vergib uns unsere Schuld,
so wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“…

Das ist die nächste lebensnotwendige Bitte.
Wir sprachen über das tägliche Brot.
Das ist lebensnotwendig.
Und nun das Nächste.

 

Es gibt nur diese zwei Lebensnotwendigkeiten:
Das, was Körper, Geist und Seele notwendig brauchen.
Und „Vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir vergeben …“

Warum ist das lebensnotwendig?
Wir sind es nicht, Gott ist es nicht, der euch verurteilt.
Nein.

Das Gefühl, sich schuldig gemacht zu haben, das Bewusstsein,
Ursache einer fatalen Wirkung zu sein,
ist eine erschreckende Erkenntnis für einen lebenden Menschen.
Schuld an etwas zu sein, das anderen geschadet hat,
ist das Entsetzlichste überhaupt,
wessen sich eine Seele zu stellen hat.

Denn es raubt ihr jede Illusion über ihre eigene Unfehlbarkeit:
Dass sie unfehlbar ist, Gott gleich!
DIESES Bewusstsein steht am Anfang JEDER Seele.

Und damit hat sie sich aus dem Paradies genommen.
Denn NIE war sie Gott gleich.

DAS ist der eigentliche Sündenfall.

Und es ist die Aufgabe der Seele, es ist ihre tiefste Sehnsucht,
in das richtige Verhältnis zwischen sich und Gott zurückzufinden.

„Ich bin unfehlbar!“
Das ist die einzige Sünde.
Und diese Einstellung, die muss sie revidieren.
Sie ist fehlbar!

Gott ist unfehlbar.
Sie ist es nicht.
Er ist Vater, sie ist Kind.
Für ewig.

Der Weg ist so lang.
Mit dieser Wahrheit Frieden zu machen, scheint so schwer.
Und deshalb verstricken wir uns wieder und wieder in Schuld.
Oh, wir suchen nach Erklärungen.
Wir suchen nach Begründungen, wir suchen nach Ursachen.
Dennoch stehen wir da und machen uns schuldig.

Wir sind Ursache von Wirkungen, die uns zutiefst erschrecken.
Wir können uns nicht vergeben.
Wir können uns herausreden, aber wir können uns nicht vergeben.

Vergeben heißt:
„Es ist erledigt es ist vorbei, ich kreide dir das nicht an“.

Es bedeutet nicht, dass du schlecht bist.
Sondern: Ich denke darüber nicht mehr nach. Es ist erledigt.  
DAS heißt vergeben.
Das heißt nicht:
„Ich bin trotzdem lieb und nett zu dir, obwohl du schlimme Dinge getan hast.“

Sondern: „Es ist wirklich gelöscht“.

Früher hatten die Kaufleute eine schwarze Tafel in ihren Läden hängen.
Da stand drauf, wer dem Kaufmann wie viel schuldete.
Und wenn der Kaufmann den Schwamm nahm und die Kreide-Zahl wegwischte,
dann war die Schuld erledigt.

DAS ist vergeben.

Und wir bitten Gott darum, dass er DAS tut.
Dass ER es wegwischt. 
Wie kann ER das?
Es ist ja in unserem Bewusstsein.

Wie kann ER das? Es ist ja unsere Wahrheit: „Wir haben uns schuldig gemacht“.

Ja, ER kann das!
ER kann das, weil er weiß, dass wir fehlbar sind!
So wie der Vater eines Kindes es weiß, dass es einfach zu klein ist,
um all das richtig zu machen, was es zu beachten gilt.
So kann ER das.

ER kann sagen:
„Liebes Kind, selbst diese deine Schuld ist ein Teil meines großen Plans.
Daher wische ich deine Schuld ab.
Du brauchst nichts zu bezahlen“.

Huuuh, DAS anzunehmen, das ist schwer.
Darum ringen Seelen viele Inkarnationen lang.
Das ist viel schwerer als der Versuch, Pfennig für Pfennig zurückzuzahlen,
womit ich in der Kreide stehe. 
Denn es demütigt mich.

Es bringt mich auf den Platz unterhalb von Gott.
Es bestätigt meine Fehlbarkeit.
Und das ist sehr schwer zu ertragen.
Das widerspricht dem ersten Sündenfall.

Nein, nein, meine Lieben!
Wir alle sind nicht wie Gott.
Ihr nicht und ich nicht und niemand.

Wir alle sind fehlbar.
Wir alle sind nämlich in der Entwicklung.
Und selbst wenn wir vollendet sind,
sind wir doch nicht so vollkommen, wie ER es ist.

Und das zu wissen, ist eine große, große Gnade!
DAS wirklich als Wahrheit zu begreifen:
„Ich brauche NIEMALS, niemals von mir erwarten, dass ich unfehlbar bin.
ER erwartet es nicht von mir und ich brauche es auch nicht.

Das ist ein großes Glück.
Darin liegt ALLE Seligkeit: „Lösch meine Schuld aus, ich bitte dich.“

Das ist etwas, was Vertrauen verlangt in ihn.
Und das ist etwas, was mit einem Lächeln getan werden sollte.
Sich schuldig machen und daraus lernen:
SO ist es richtig.
Nicht daran zu verzweifeln, nicht daraus Selbsthass speisen.

Sondern lernen, das zu sehen, was wahr ist.
Nämlich: Dass wir fehlbar sind, unvollkommen, demütig werden im besten Sinne.

„Ja“, sagt Gott zu uns.
„Ja, ich will euch. So, wie ihr seid.
So fehlbar und unvollkommen, wie ihr seid:
Ich will euch.
Ich will euch so sehr, dass ich ALLES tue, damit ihr begreift, wie sehr ich euch liebe.
Wie sehr ich euch will.
Ich liebe euch mitsamt euren Fehlern. Ich liebe euch mitsamt euren Sünden.
Ich liebe euch so, wie ihr seid.

Und ich lösche eure Schuld.
Ich nehme einen Schwamm und wisch es weg. 
IHR BRAUCHT MIR NICHTS ZURÜCKZUZAHLEN.

Es gibt nichts, was ihr mir zurückzahlen könntet.
Eure Schuld ist geschehen.
Ihr habt getan, was ihr getan habt.
Aber ich rechne es nicht an.“

Könnt ihr euch vorstellen, welche Gnade das ist, DAS zu begreifen?

Eure Inkarnation ist die Folge anderer Inkarnationen.
Sie ist es, damit eben DIESES geschehen darf: das Auslöschen eurer Schuld.
Nicht das Abtragen, nicht das Zurückzahlen, Pfennig für Pfennig, Leben für Leben.

Es gibt nichts, was ihr zurückzahlen könntet.
Es gibt nichts rückgängig zu machen. 

Sondern eure Inkarnationen haben eines zum Ziel, dass ihr eins versteht:
dass ihr fehlbar seid. Und dass das so in Ordnung ist.
Und dass Gott eure Schuld löscht.
Einfach so. Aus Liebe.
Weil ER die Ursache dafür ist, dass ihr seid, wie ihr seid.
Weil ihr so sehr ein Teil von ihm seid, wie eure Kinder ein Teil von euch sind.

„Vergib mir meine Schuld“, beten wir, weil uns unsere Schuld TÖTET.
Ja, das tut sie.
Wer sich schuldig wähnt, der fällt ein Urteil über sich.
Darüber, was er wert ist, was sein Leben ist.
Und wer sein Urteil über sich gefällt hat, der wird diesem Urteil folgen.
Folgerichtig und gradlinig.

Und oft genug über viele Inkarnationen!
Bis endlich, endlich die Seele nach der Möglichkeit greift,
die Schuld löschen zu lassen, Vergebung anzunehmen.

„Vergib mir meine Schuld, so wie ich vergebe meinen Schuldigern“.

Ja, wie ist das?
Wie ist denn das?
Wie vergeben wir denn unseren Schuldigern?
Mal leicht, mal schwer.
Wir messen, wir beurteilen, wir schauen uns die Folgen an.
Wir lassen uns von unserer Angst treiben, erneut verletzt zu werden, Opfer zu sein.

„Ich vergebe dir.“
Das ist so ein Satz, der hat sehr wenig mit dem Löschen von Schuld zu tun.
Sondern der hält das Bewusstsein, dass der andere schuldig ist, aufrecht.

GOTT MACHT WAS GANZ ANDERES:
Der sagt nicht „Ich vergebe dir …“.
Der löscht die Schuld.
Sie war nie da!

Wenn wir mit all der Bitterkeit, die ein Opfer empfindet,
mit all der Angst, die ein Opfer leidet,
von einer Inkarnation in die nächste gehen,
werden wir immer und immer wieder daran erinnert,
dass DAS noch keine Vergebung ist.

Erst dann haben wir Frieden, wenn wir es wie Gott machen und die Schuld löschen. Wenn wir unsere Angst aufgeben, wieder verletzt zu werden.
Wenn wir unsere Wut aufgeben, die sich aus dieser Angst speist.
Wenn wir unsere Bitterkeit hinter uns lassen, die daraus entstanden ist,
dass wir unserer Wut keinen Namen geben konnten.

Löschen wir doch einfach die Schuld!
Was geschehen ist, ist geschehen. 
Man kann schauen, warum es geschah, um es zu verstehen.
Man kann schauen, was man unternehmen kann,
damit es nicht wieder geschieht.
Euch oder anderen.

Das ist „Vergeben der Schuld“: daran arbeiten, dass diese Wahrheit sich ändert.

„Ich höre auf, dein Opfer zu sein.
Es ist erledigt, es ist vorbei.“

„Ich höre auf, wütend auf dich zu sein.
Das war gestern. Es ist vorbei.“

„Ich höre auf, bitter über das zu sein, was du mir angetan hast.
Ich lösche all das, was mich so bitter gemacht hat.
Es ist endgültig vorbei.“

DAS ist Vergeben der Schuld der anderen.
Beides hängt zusammen.
Beides hängt in einem Satz zusammen, weil beides einander bedingt.
In dem Maß, in dem ich vergeben kann,
in dem ich auf meiner schwarzen Tafel die Kreidestriche lösche,
in dem Maß kann ich diese Gnade auch von Gott annehmen.

Das Eine geht nicht ohne das Andere.

Ohne Schuld zu inkarnieren bedeutet:
Mit allem zu inkarnieren, wozu ihr fähig seid.
Es bedeutet nicht, vollkommen zu sein!

Aber es bedeutet, keine Angst mehr zu haben.
Und da, wo keine Angst mehr ist vor dem Urteil, nicht zu genügen,
da, wo diese Angst endgültig gelöscht ist,
da kann Gottes Liebe wirken, da bricht sie durch.

DAS ist nämlich unser „Kind sein in Gott“.
Deshalb sind wir seine Kinder.
Darin sind wir ihm ähnlich: dass wir lieben können. 
Zu lieben bedeutet, zu leben.
Wer Angst davor hat, lebt nicht.
Er hat einen Körper, das mag sein. Er hat einen Verstand, das wohl.

Aber er lebt nicht!

Liebe und Leben: Das klingt nicht nur ähnlich.
Das ist beides der gleichen Wurzel entsprungen.
Die Wurzel ist Gott.

Darum ist diese Bitte wohl die wichtigste Bitte überhaupt im „Vater unser“.

Denn sie greift über das irdische Leben weit hinaus.
Diese Bitte hat Bezug auch auf unsere jenseitige Entwicklung.
Ganz besonders dort!

Denn Vieles, wessen wir uns schuldig gemacht haben,
kommt im vollen Ausmaß uns erst ins Bewusstsein, wenn wir jenseitig sind.
Und Vieles, was wir erlitten haben, kommt im jenseitigen Bewusstsein erst zum Tragen.

HIER sind wir bis in die tiefste Tiefe unseres Seins darauf angewiesen,
es anzunehmen, dass unsere Schuld endgültig gelöscht wird.
Und HIER können wir für immer und alle Zeiten die Schuld anderer an uns löschen.

Leben ist mehr als inkarniert sein.
Auch WIR leben.
Wir sind lebendige Seelen!

Und auch WIR bitten um Vergebung!
Und auch WIR vergeben, weil auch wir – genau wir ihr – nichts so sehr ersehnen,
wie zurückzufinden in die vollkommene Einheit mit Gott.

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit.
Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende.

Ich wünsche euch, dass ihr die ganze Vergebung Gottes annehmen könnt.

DAS ist der Weg der Freiheit.

Elia