Nächstenliebe

Elia – über Eigenliebe: Wie verhalten wir uns gegenüber unserem Partner?

Wie verhalten wir uns gegenüber unserem Partner?
Thema Nächstenliebe und Eigenliebe.

Elia

Zu Gast bei der Therapie sind Annette, Karl und Pierre.

Elia: Wenn ein Kind laufen lernt, liebe Annette,
was muss die Mutter unbedingt tun, damit es laufen lernt?
Weißt du das?

Das ist ihr so selbstverständlich, dass sie es nicht mehr weiß…

Annette: Es laufen lassen…

E: Ja. Genau.
Sie muss die Hände zurückziehen und das Kind muss laufen.
Und was muss es denn noch?

Hinfallen…
Es muss sich den Kopf stoßen, es muss weinen…

Und mit jedem Hinfallen lernt das Gehirn immer besser und besser
über immer neue Synapsen, wie das Laufen funktioniert.
Was hat die Mutter, wenn es die Hände loslässt?
Tiefes Vertrauen in seine Stärke…

Aber was macht eine Mutter auch,
wenn das Kind hingefallen ist und weint?

Sie hilft und zeigt und ermutigt,
sie schützt hier und da. 
Beides muss sein, beides gehört zusammen.

So wird es sein.
Und nur so ist es gut und richtig.

Hast du noch eine Frage, Karl?

Karl: Ich habe eine Beziehung gehabt,
die lässt mich jetzt beschatten, sie ist hasserfüllt.

E: Du wirst morgen erfahren,
warum es überhaupt zu dieser Art von Beziehung gekommen ist.
Dann kann sie sich auch von dir lösen. 
Sie kann es zurzeit einfach nicht!

Ich kann dir nicht mehr sagen, bitte versteh das.
Sie ist ja nicht mit einbezogen.

Aber ich möchte dir sagen:
Was dich irritiert, ist, dass du Schmerz ausgelöst hast,
der ist so groß, dass er in Hass umschlägt.

Nicht wahr?

K: Ja, und es tut mir weh…

E: Ja, und das ist das eigentliche Problem:
Du möchtest niemanden so weh tun,
das ist das eigentliche Problem.
Aber du kannst auch nicht so weitermachen.
Das ist eine Grenze für dich.

Karl, du hast die Neigung,
ganz ähnlich wie unser junger Freund Pierre:
Du möchtest so sehr lieben
und dann übernimmst du Verantwortung um Verantwortung.

Du wirst morgen feststellen, dass es sehr wichtig ist,
wirklich zu erkennen, wie weit deine Verantwortung gehen kann…

Und wie weit sie gehen darf! 
Du hast dich von ihr getrennt, ja, das ist richtig…
Und sie war dein Opfer?
Ach komm, sie war nicht dein Opfer, sie wählte ja dich…

Sie blieb ja bei dir, sie traf keine Entscheidung für sich außer der,
alles dir zu überlassen.
Da ist sie gut raus.

Da steht sie fein da das Opfer! 
Das ist nicht die ganze Wahrheit.

Die ganze Wahrheit wäre, zu schauen:
Warum tut sie das,
warum ist ihr das lieber, als für sich da zu sein,
als sich Gutes zu tun?
Warum ist ihr die Abhängigkeit
– positiv oder negativ, auch Hass ist Abhängigkeit –
lieber, als bei sich zu sein?

Karl, glaubst du, dass du sie jemals,
wenn du bei ihr geblieben wärest,
dazu hättest bewegen können,
bei sich zu sein?

Niemals…
Sie hätte es immer dir überlassen, sie glücklich zu machen.

K: Und hätte immer große Erwartungen gehabt…

E: Du hättest sie glücklich machen sollen…
Und das bedingt in einer Paar-Beziehung zweierlei. 
Der Eine, der dem Anderen die Aufgabe überträgt:
Mach mich glücklich.

Und der Andere, der diese Aufgabe aufnimmt und sagt:
Ich bin so stark, die Verantwortung zu übernehmen,
dass du glücklich bist.
Beide, beide sind in einem großen Irrtum!

So geht es nicht!
Für beide nicht…

K: Das ist doch letztlich eine missverstandene Partnerschaft…

E: Ja. Sicherlich, das ist missverstandene Liebe.
Liebe ist etwas anderes.
Und deshalb hat Jesus Recht:
Liebe ohne Eigenliebe geht nicht.
Das hängt ganz eng zusammen.

Nehmen und Geben muss auf einer Ebene stattfinden.
Kommt das ins Ungleichgewicht,
dann habe ich es nicht mehr mit Liebe zu tun,
dann habe ich es mit Kosten- und Nutzen-Faktor zu tun.

Was nutzt es dem Nehmenden,
die Verantwortung für sein Wohlbefinden
ganz dem Anderen zu überlassen?

Es führt zu einer Trägheit der Entwicklung.
Ich muss mich nicht entwickeln,
der Andere sorgt schon für das Entwickeln…

Und was nützt es Demjenigen, der immer gibt?
Ich bin gar nicht so wenig!

Ich bin tatsächlich so gut und wertvoll,
dass ich in der Lage bin,
einen anderen Menschen glücklich zu machen.

Das ist nicht richtig!

Was beide brauchen,
können sie auf diese Weise einander nicht geben.
Der, der immer nur nimmt,
ist kein Opfer,
der ist auch Täter!
Der tut was mit seinem sich Fallen lassen? 
Er verweigert sich,
wichtige Schritte zu unternehmen…
Er verweigert sich, eigenverantwortlich zu sein… 
Er verweigert sich überhaupt,
die Verantwortung für sich und seine Gefühle zu übernehmen.
Er bleibt in einer kindlichen Phase stecken
und wird so niemals
seine Stärken und Kräfte entdecken können, die er hat.
Dieser hat ein zu großes Ego,
so paradox es klingen mag,
aber der hat ein zu großes Ego!

Und der Andere,
der immer nur gibt und gibt,
der hat ein viel zu kleines Ego,
ein viel zu Kleines! 

Der braucht den, der immer nimmt,
damit er sich besser fühlen kann…

Damit er durch seine Güte meint,
die Berechtigung zu haben, geliebt zu werden,
damit er sich mit sich besser fühlen kann!

Das geht nicht!
Zwei Menschen, die sich liebend begegnen,
sollen sich selbst lieben
und aus dieser Liebe heraus den Anderen.
Dann ist es gut!
Dann ist es im Gleichgewicht!
Dann gibt mal der Eine und mal der Andere.

Aber solange sie sich in dieser negativen Weise gebrauchen,
missbrauchen, ist es nicht in Ordnung.

Du bist aus diesem Teufelskreis ausgestiegen
und sie kann dem nicht folgen…

Sie wird dem folgen müssen,
es ist vielleicht ihre letzte und einzige Chance,
zur Besinnung zu kommen und anzufangen, sich zu fragen:
Was kann ich für mich tun,
damit ich glücklich bin?

Annette, das war jetzt auch für dich wichtig, denke ich…

A: Ja, mir kommt es vor,
als lebe ich die gegenteilige Seite…

E: Ja, das ist richtig,
das kommt dir nicht nur so vor…

A: Dass ich dann auch noch fühlen und sehen muss,
wie die andere Seite ist…

E: Du musst nicht, nein!

A: Aber vielleicht möchte ich das…

E: Im Moment meinst du, dass du es möchtest.
Nein, nein, das wird nicht dabei bleiben,
es ist noch immer eine Flucht vor der Begegnung mit der Liebe.
Ihr liebt so sehr und du fliehst gerade ein bisschen davor,
aber im Prinzip ist das dasselbe.

Ihr sehnt euch, aber ihr bekommt nicht,
wonach ihr euch sehnt,
bevor ihr euch nicht selber glaubt,
dass ihr es verdient habt.
Das ist eines der Gespenster,
die ich aber als Gartenzwerg erkenne.

Ihr müsst es nicht so sehen.
Das war mal, dass ihr das so sehen musstet.

Das gilt auch für Pierre.
Ihr seid aller Liebe wert!
Nein, nein, nicht, weil ihr so großartig seid…

Natürlich seid ihr großartig.
Aber deswegen allein nicht…

Wenn ihr dereinst sabbernde Greise seid
und zu nichts mehr nutze, 
als dass man euch Brei in den Mund steckt,
dann seid ihr immer noch aller Liebe wert.

Wenn ihr das als Wahrheit begreift, alle Drei:
Dann seid ihr befreit!
Es ist kein schwerer Weg zu dieser Freiheit.
Ihr habt so viel mitgemacht.
Eure Seele ist so tief abgelehnt worden,
als sie sich noch gar nicht dagegen wehren konnte,
als es noch keinen helfenden Verstand gab…
Und euch noch kein theologisches, psychologisches, 
philosophisches Wissen beiseite stand.
Abgelehnt wurdet ihr,
eure Liebenswürdigkeit wurde nicht erkannt.
Das prägt, das ist eine offene Wunde.

Und jeder versucht auf seine Art und auf seine Weise,
die Absolution zu erhalten für etwas,
was er doch gar nicht getan hat.

Ja, ich muss doch wohl irgendeiner Sache schuldig sein,
wenn man mich nicht lieben kann, wie ich bin!

Ja, dann muss wohl ganz besondere Anstrengungen treffen,
ganz besonders viel geben,
damit ich das Unheimliche da ausgleichen kann…

Nein, nein, das ist ein Irrtum!
Jeder von euch ist aller Liebe wert!

Das war kein Scherz, als ich sagte,
dass der Himmel sich heute freut.

Es war kein Scherz, als ich sagte:
Ihr werdet wieder Lichtträger sein!
Jeder auf seine Weise.

Aber vorher müsst ihr alle Drei ganz sicher sein,
dass ihr aller Liebe wert seid.
Und das werdet ihr sicherlich an diesem Wochenende begreifen.

Keiner von euch ist hier,
um sich einen Scherz zu machen.
Keiner von euch ist hier,
um sich bedienen zu lassen.
Sondern ihr seid alle Drei gekommen,
weil ihr spürt, dass es jetzt Ernst wird.

Es geht jetzt um euch,
es geht um euch!
Ihr spürt, das darf nun auch das Schicksal Anderer bewegen,
aber das ist die Wahrheit.
Morgen als ist Gespensterjagd!

Und ich hoffe sehr, dass ihr,
wenn ihr aus diesem Haus raus geht,
eine Fackel mit euch tragt,
die niemals mehr ausgeht.
Ich wünsche euch allen ein wunderbares Miteinander.

Es war schön,
euch wieder hier zu erleben.

Hajo: Ja, danke.
Ich wünsche dir eine schöne Zeit, Elia.