Borderline

Elia – über Borderline: das Krankheitsbild.

Krankheitsbild Borderline

Wir haben beim Borderline das Phänomen,
dass die Gefühle nicht zur Seele vordringen.

 Elia

Guten Abend, Hans-Jürgen.

Hajo: Guten Abend, Elia.

Ihr habt nun die ganze Bandbreite mitbekommen,
wie Borderline diskutiert wird
und wie es gehandhabt wird.
Und ihr seid natürlich betroffen,
weil auch in der befreundeten Familie L.
der Sohn Ansätze dieser Fehlfunktion zeigt.

Hajo: Ist das nun eine Behinderung oder eine Fehlfunktion?

Es ist Beides. 
Ich habe euch erklärt
– und das gilt auch für diese Erkrankung –
Dass die Gefühle körperliche Reaktionen auslösen
und dass die Seele die Verbindung
zu den Gefühlen halten kann oder nicht.

Und wir haben beim Borderline das Phänomen,
dass die Gefühle nicht zur Seele vordringen! 
Dies geschieht in aller Regel schon
kurz nach dem Schock der Geburt.

Und dann beginnt eine entscheidende Zeit: 
Dann beginnt die Möglichkeit, Schäden,
die durch das Geburtstrauma gesetzt sind
– also durch die Gefühle, die entstanden sind – zu beheben.
Und zwar durch einen ganz intensiven,
emotionalen Kontakt der Mutter zum Kind.
Das ist nicht ersetzbar.

Denn es ist die Mutter,
die den Leib bildete des Kindes vor der Geburt. 
Es ist ihr Herzschlag, ihr Impuls, ihre Stimme,
ihre Schwingung, die das Kind identifiziert mit Geborgenheit.
Gelingt es ihr, ihrem Kind die Symbiose wieder anzubieten
– nun allerdings statt im Körper außerhalb ihres Körpers –
gelingt es ihr,
so bildet sich dieses Kind ganz normal weiter
ungeachtet der Tatsache,
dass es ein Traumata erlitten hat.

Aber es gelingt eben nicht immer. 
Und es kann noch bis ins Alter von drei Jahren
massiv gestört werden
und wieder zu einem Rückfall kommen.
Einem neuen Traumata, in dem die Entwicklung gestört wird.
Die Seele zieht sich von ihrer Anbindung an die Emotion zurück.

Ihr kennt dieses Phänomen, es ist vielfach beschrieben
in der medizinischen und psychiatrischen Literatur. 
Es ist sehr häufig verbunden mit einem Trauma,
das entstanden ist zum Beispiel bei schweren Unfällen,
Verletzungen,
Verwundungen im Krieg.
Ereignissen, die derart traumatisch sind,
weil sie voller Gefahr sind, weil sie brutal sind. 

Dann hat die Seele die Möglichkeit,
sich aus der Situation herauszuziehen
und nur mehr Beobachter des eigenen Lebens zu sein. 
Sie fühlt nicht mehr mit!

So gibt es zum Beispiel Berichte über Kriegsverletzte,
die, obwohl sie unter enormen
psychischen und körperlichen Schmerz litten
– zum Beispiel durch den Verlust eines Körperteils –
sich herauszogen aus dieser Situation
und sich nur mehr beobachteten! 
Zum Schutz der Seele geschah dies.

Diese Funktion, sich aus der Einbindung,
aus der Verbindung mit den eigenen Emotionen herauszunehmen,
behalten Borderline geschädigte Menschen bei.
Und das ist der große Schmerz
und macht die Basis aus
für die Vielfältigkeit der Erkrankung.

Sie haben Gefühle, sie lieben, sie hassen.
Aber diese Gefühle kommen nur unter Extremen in ihrer Seele an.

Dass heißt: Wenn Liebe nicht Liebeswahn wird,
ist es nicht zu fühlen. 
Wenn aus Frustration nicht Hass wird,
ist es nicht zu fühlen.

Es ist ein Leben wie unter einer Glaskuppel. 
Die Emotion ist da,
es fehlt an der Resonanz in der Seele.
Es sei denn,
sie schaffen Extreme
oder sie leben Extreme.

Sie wollen unbedingt einen Zugang haben. 
Sie wollen, dass ihre Gefühle sich wieder mit der Seele verbinden. 
Aber gleichzeitig haben sie enorme Angst davor.

Sie fürchten, dass
– wenn die Verbindung
zwischen Seele und Gefühlswelt wieder stattfindet –
sie in ein nicht zu bewältigendes Chaos stürzen.

So wie es geschehen ist,
als das Trauma stattgefunden hat. 
Das Problem liegt nicht daran,
dem so Erkrankten lediglich Wege aufzuzeigen,
so in der Umwelt zu agieren,
dass diese sie akzeptieren. 

Das Problem liegt darin,
sie wieder rückzuverbinden: 
die Seele mit ihren Emotionen wieder zu verbinden.

Hajo: Hilft da die eine Übung aus dem Reading
mit dem zwei Minuten inniger Verbindung
und in die Augen schauen?

E: Ja, das ist schon korrekt.
Allerdings darfst du nicht vergessen, Hajo,
dass wir es mit Menschen zu tun haben,
die ununterbrochen im Schauspiel sind. 
Sieh mal:
Wir sagen euch ja immer, euer Leben ist ein Schauspiel!
Ihr seid Schauspieler auf einer Bühne
und spielt ein Stück! 

Der normale Schauspieler,
der gute Schauspieler identifiziert sich mit seiner Rolle: 
Der ist König Lear,
der ist Othello,
der ist der Faust,
sie ist das Gretchen. 
In der Zeit, in der er auf der Bühne steht,
ist er seine Rolle, die er spielt.

Ein Borderliner aber nicht. 
Ein Borderliner spielt das Stück
und ist in keiner Phase wirklich identifiziert mit der Rolle! 
Und das macht sein Problem aus,
das macht die Langeweile aus,
das macht die Leere aus. 

Ja, die Langeweile: 
Ja natürlich!
Er erlebt es ja nicht
und er sehnt sich so sehr danach, zu erleben.

Wenn also jemand dieses Instrument benutzt,
dass meine Freundin euch genannt hat,
wenn also jemand versucht,
über Augenkontakt Zugang zu seiner Seele zu finden,
dass er in die Augen schaut,
dann sieht er in Augen, die ein Stück spielen! 
Und es ist sehr schwierig
und es ist sehr anstrengend für den Therapeuten
und für den so Belasteten,
diese Wand zu durchbrechen. 
Es geht, aber sehr langsam…
Und es wäre so wichtig!

Schaut in diese Augen,
haltet den Kopf fest,
schaut in die Augen,
nehmt denjenigen ganz, ganz nah bei euch,
legt euch Bauch auf Bauch,
legt euch Seite an Seite, ganz nah. 
Er darf nicht entweichen können! 

Und dann lasst ihn in eure Augen schauen und sagt,
was ihr dort lest, einfache, kurze Worte: 
Angst, Angst, Angst.
Ihr lest: 
Nichts, nichts, nichts. 
Ihr lest: 
Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Gebt das wieder,
gebt wieder, was ihr in seinen Augen lest. 
Und dann lasst ihn sagen,
was er in euren Augen liest: 
Und ihr werdet erschreckt sein,
was da kommt an Fehldeutungen. 

Das ist nämlich das allergrößte Problem: 
Die Einschätzung,
was Andere fühlen können,
hängt von der Fähigkeit ab,
die eigene Emotionalität seelisch aufzunehmen.

Wer die eigenen Emotionen nicht aufnimmt,
der kann auch die Emotionen
Anderer nicht deuten
und das macht einen Großteil
der tiefen Angst und Verzweiflung der Borderliner aus.
Sie deuten falsch
und sie merken es an den Reaktionen Anderer.
Ihre Deutung der Emotionen der Anderen
ist in aller Regel falsch.

Sie können analysieren, sie können,
weil sie fast immer eine sehr hohe Intelligenz haben,
Rückschlüsse ziehen aus den Worten,
aus der Gestik,
aus der Mimik.
Aber wenn das weg fällt,
wenn es keine Worte gibt,
wenn es keine Mimik gibt,
wenn es keine Gestik gibt,
dann können sie nicht sagen,
mit welcher Emotion ihnen begegnet wird.

Borderline ist also
– so, wie ich es definiert habe –
sowohl eine körperliche Störung
als auch eine rein seelische Störung.

Die körperliche Störung ist um so schwerer,
je früher das Trauma stattgefunden hat
und je weniger es nach dem Trauma
zu der Möglichkeit kam,
diesen Mangel an Beziehung
zwischen Gefühl und Seele wieder aufzunehmen.

Dann bleiben tatsächlich einige Areale des Gehirns brach liegen,
einige Synapsen werden nicht gebildet,
weil sie nicht gebraucht werden.
Bei Menschen,
bei denen dieses Traumata sehr früh eingesetzt hat,
braucht es sehr viel Geduld bei der Behandlung.

Die Übung, von der wir gesprochen haben,
soll euch als Anregung dienen,
worum es geht bei der Behandlung der Borderline-Patienten.

Es geht ausschließlich darum, die Emotionalität,
die Auffassung der Emotionen
– der eigenen und die der Anderen –
zu trainieren.

Es ist die Basis der Erkrankung,
alle anderen Syndrome sind Folgen der Tatsache,
dass es keine Verknüpfung zwischen Seele und Emotion gibt.

Und alles was dazu dient
– abseits von Mimik, von Gestik und von Worten –
Gefühle darzustellen,
Gefühle zu leben,
dient dazu, Borderliner zu heilen.

Seht ihr,
sie versuchen es ununterbrochen selbst:
Sie setzen uns mit ihren Verhaltensweisen,
die wir als auffällig bezeichnen,
ununterbrochen Signale, wo der Mangel liegt. 
Der Mangel liegt in dem mehr oder weniger
ausgeprägten Unvermögen,
Emotionen in die Seele aufzunehmen.

Und deshalb versuchen sie,
Überreaktionen auszulösen.
Es reicht kein „NEIN“,
es muss geschrien werden.
Da reicht kein „Ich hab dich lieb“,
es muss Liebeswahn bis zur Hörigkeit sein.

Es reicht kein
„Wie schön ist dieser Tag, ich gönne mir etwas Schönes“.
Es müssen Unmengen von Geld ausgegeben werden,
um hinterher eine soziale Reaktion des Umfeldes zu bekommen.

Immer alles im Übermaß. 
Immer wird die Überreaktion gesucht und provoziert,
damit überhaupt etwas bei ihnen ankommt.

Warum inkarniert eine Seele? 
Sie inkarniert, um zu erleben.
Und das tut der Borderliner nicht! 
Er erlebt nur,
wenn ihm Extreme geboten werden. 
Und er sorgt selbst dafür,
dass es zu Extremen kommt.

Das ist das Problem: 
Ihm dabei zu helfen,
für die Aufnahme und das Weiterleiten für Emotionen
auch einen niedrigen Level benutzen zu können.

Das löst auch die vielfältigen sozialen Probleme,
mit denen er zu kämpfen hat. 
Denn natürlich stößt ein solches Verhalten
auf Widerstand,
auf Ablehnung
und damit haben wir einen Teufelskreis. 
Denn abgelehnt hat er sich ja von Anfang an gefühlt,
ausgestoßen, man könnte es auch geboren nennen.

Hast du Fragen, Hajo?

Hajo: Wir haben die Therapie bei Kindern angesprochen,
aber wie ist die bei Erwachsenen?

Genau so, es ist genauso. 
Also muss man auch dort die Emotionen
mit dem „In die Augen schauen“ trainieren. 
Ja, ja.

Hajo: Und stimmt das, dass das zwei Jahre dauert?

Ja, ja, ein bis zwei Jahre. Das dauert lange. 
Therapeuten und Angehörige werden Tage erleben,
wo es diesen Zugang überhaupt nicht gibt,
wo sie überhaupt keine Gefühle in den Augen sehen werden. 
Und sie werden andere Tage haben, da geht es sehr gut,
das wird unterschiedlich sein.

Besser noch wäre es, wenn eine neutrale Person,
ein Therapeut immer diese Übung mit dem Borderliner macht,
weil er natürlich versuchen wird, den Angehörigen zu gefallen. 

Und es kann sein, dass er mit großem Widerstand reagiert,
dass er schreit, dass er schlägt, das ist auch möglich. 
Die Angst, Gefühle zu erleben, kann enorm groß sein.

Ein Therapeut wäre zu empfehlen.
Es wäre immer besser, wenn eine neutrale Person das tut. 
Aber der Therapeut sollte seine Erwartungen ganz minimieren. 
Vergleichbar wäre es mit einem Menschen,
der ungern in kaltes Wasser geht, der gerade sich traut,
einen Zeh kurz ins Wasser zu tauchen
und dann erschreckt wieder zurückweicht.
Und es dauert lange, lange, lange, bis er schwimmt. 
Aber das Schwimmen ist möglich.

Es ist definitiv möglich, diese Erkrankung zu heilen. 
Und es ist eine Erkrankung der Seele. 
Es ist der Ausnahmefall.
In aller Regel – auch bei Geisteskrankheiten –
haben wir keine Erkrankung der Seele. 

Aber in diesem Fall ist es eine Erkrankung der Seele!
Und das ist auch die Ursache,
warum ihr das Borderline-Verhalten
ganz viel bei Persönlichkeiten im Belt findet.
Denn es ist eine kranke Seele, eine Seele, die nicht empfindet.

Ich möchte abschließend noch sagen: 
Ihr werdet Borderline so viel gefächert sehen
und in so unterschiedlicher Ausprägung, dass ich darum bitte,
dass mein Anstoß ein Gedanken-Anstoß ist für weitere Konzepte. 

Denn es kann in einigen Fällen sehr wohl nötig sein,
dass Psychopharmaka gegeben wird. 
Und es kann in einigen Fällen extrem gefährlich sein,
meine Anregung wirklich zu versuchen!
Gerade dann, wenn eine extreme Suizid-Gefahr besteht.

Das gilt es abzuwägen. Es ist nicht der Kardinals-Weg,
aber es ist ein weiterer Weg.
Und es trägt, wie ich hoffe,
zu einem erweiterten Verständnis der Erkrankung bei.

Diese Art der Erkrankung war im Übrigen
schon bei den indianischen Schamanen bekannt,
die Techniken haben, um die Seele wieder rückzuverbinden. 
Sie sprechen von abgeteilten Anteilen der Seele,
die anders funktionieren. 

Das ist ein wenig anders als meine Sicht der Dinge: 
Es sind keine Teile, die abgespalten wurden,
sondern die Seele selbst hat sich aus dem Erleben ausgeklinkt.
Sie schaut sich nur noch zu.

Das erklärt auch eines der Phänomene, die Borderliner haben: 
Das Miss-Empfinden oder Falsch-Empfinden
oder Nicht-Empfinden des eigenen Körpers.
Diese Seele ist nicht im eigenen Körper!
Und wenn sie es ist, dann nur für sehr kurze Zeit.
Daher kommt es also auch zu diesem Miss-Empfinden.

Diese Seele hat auch keine Realität. 
Sie ist sich der Tatsache bewusst, dass alles Schauspiel ist.
Also hat sie keine Realität. 
Es kann das Eine wie das Andere sein:
ein Spiel, nichts ist wahr.

Und das ist ein weiterer Schmerz, den Borderliner erleben: 
Nichts ist wahr. 
Nichts ist wirklich. 
Alles ist nichts.
Es ist eine sehr traurige Krankheit und eine Krankheit,
die sehr einsam macht.
Es ist eine Krankheit, die kein ICH hat.

Und was sagte ich euch im Zusammenhang
zwischen Liebe und dem Du? 
Sehr viel ICH braucht wenig DU. 
Sehr wenig ICH braucht enorm viel DU.

Deshalb: Alle Angehörige von Borderlinern
müssen unbedingt lernen, die Grenzen zu ziehen. 
Sie müssen sagen, wie viel DU sie bereit sind,
einem Borderliner zu geben. 
Denn der wird, weil er kein ICH hat, das ganze Du fordern.

Ich möchte noch kurz zu der Symptomatik Borderline
im Jenseits Stellung nehmen. 
Ich sagte euch, dass die innere Wahrheit, die ihr habt,
die äußere Wahrheit wird im Augenblick des Todes. 
Diese Wahrheit heißt bei dem Borderliner: Nichts.

Und es ist sehr schwer für ihn,
seine Seele in Bezug zu anderen Realitäten zu setzen. 
Er tut es. Er hat ja einen großen Drang nach erlebtem Leben. 
Und es ist so, dass er sehr wohl geneigt ist,
sich dem Abenteuer zu stellen. 
Denn jedes Abenteuer bedeutet einen Reiz, einen Widerhall in seiner Seele.

Aber: Es ist Funktion des Jenseits, sanft zu sein und nicht extrem. Alles, was geschieht in unserer Welt,
entspricht der inneren Wahrheit.

So, wie es seine innere Wahrheit war, nur Extreme für wahr zu halten,
hält er auch im Jenseits Extreme für wahr. 

Und die Extreme kurz nach dem Tod im Belt könnt ihr euch vorstellen: 
Es kann extreme Glückseligkeit sein
und es kann die extremste Hölle sein,
die ihr euch vorstellen könnt, je nachdem. 
Er pendelt, er pendelt zwischen Seligkeit und Selbst Verdammnis.

Und dies ist seine Wahrheit!
Und es ist ein langer Weg, ihn im Jenseits zu stabilisieren.
Denn es erfordert etwas,
was ihm schwer als Wahrheit eingepflanzt werden kann.
Ich muss es so nennen: 
Nämlich die Erkenntnis der Tatsache, dass er Hilfe braucht.

Das braucht er eigentlich auch schon im Diesseits.

Ja, und das ist im Belt nicht anders.
Es ist doch im Belt nicht anders, Hajo.
Sie haben doch kein erweitertes Bewusstsein dort drüben.
Und drüben ist alles freiwillig,
basiert auf den Erkenntnissen der Seele. 

Und es fehlt ihm doch an Erkenntnissen der Seele. 
Es fehlt ihm ja gerade dieses wahre Empfinden. 
Nichts ist wahr: Entweder Weiß oder Schwarz,
ganz Hoch oder ganz Tief.
Keine Mitte.
Und so mag es wohl sein, dass man ihn bewegen kann,
sich ins Jenseits zu begeben, ins Licht zu gehen.
Aber von da an wird es schwierig.

Denn dann ist die nächste Aufgabe der Seele,
ganz in sich zu wohnen. 
Und davor hat er Angst.

Hajo: Pendelt Herr B. deswegen so oft?

Ja, es ist genau der Grund. 
Er hat die Schwelle zum „In-sich-Ruhen“
nie vollständig überschritten.
Er ist immer vorher schon raus gegangen,
bevor er wirklich sein ICH wieder entdeckt hat.

Ursache ist dafür schlicht und einfach Angst. 
Denn er meinte schon immer,
entweder der Beste oder der Schlechteste zu sein.

Und das ist etwas, was immer wieder kommt,
sobald er anfängt, sich auf sich zu konzentrieren. 
Und ehe diese Angst nicht völlig von ihr abfällt, wird er pendeln. 
Er wird pendeln!

Er ist immer noch zwischen den extremen Gefühlslagen
und er ist immer noch nicht bei sich angekommen. 
Das ist etwas, was ihm keiner abnehmen kann.

Denn es funktioniert nur aus dem Wagnis heraus,
der Erkenntnis heraus, es endlich einmal zu tun.

Das ist wie mit dem Schwimmen,
wir sind wieder beim Beispiel Schwimmen: 
Ein Schwimmer weiß nicht, ob er schwimmen kann oder nicht,
bis er sich die Schwimmhilfen abnimmt und es versucht. 
Das kann man nicht vorwegnehmen,
man kann es nur sich trauen, es zu tun.

Es kann nur seine Wahrheit sein, dass es gut ist, bei sich zu sein. 
Er kann es nur tun, wir können ihn nicht dazu überreden. 
Es ist eine Tatsache und seine Angehörigen müssen damit rechnen: 
Er ist ans Haus gebunden,
so dass er das noch sehr lange tun wird.

Gut, jetzt zu deinen Fragen.

Hajo: Eine Frage, die die Mutter von A. hat, einem Borderliner, 
die scheinbar mit Borderlinern zu tun hat:
Sie hat Rheuma bekommen.
Haben Krankheiten von Angehörigen mit den Borderlinern zu tun?

Das Rheuma ist in der Tat Zeichen
ihrer inneren Einstellung des „in der Falle stecken“.
Sie kann ihre Bewegung nicht umsetzen,
sie ist in einer Verfassung, in der sie sich
– ich will nicht sagen – bedroht, aber sehr unsicher fühlt,
ob sie in der Lage ist, das zu handhaben, den Weg zu gehen.
Und wenn du sie nachher fragst, wo ihre Schmerzen sind,
wird sie sagen:
in den Händen und in den Beinen.

Es ist also eine tiefe Verunsicherung,
ob sie sich bewegen kann in dem Rahmen,
den sie jetzt noch für sich sieht.
Und das bezieht sich hauptsächlich auf ihren Sohn,
weil sie natürlich nicht anders handeln kann
und keinen Weg gehen kann,
sondern völlig fremd bestimmt ist.

Das ist das Eine.
Und das Andere ist,
dass sie mit dieser Problematik zu tun hat,
immer wieder Borderlinern zu begegnen,
weil es bei ihr darum geht, zu lieben,
aber auch Grenzen zu ziehen,
um sich selbst lieben zu können.

Also, es geht hier um das Gleichgewicht der Liebe. 
Und sie neigt dazu
– und hat es auch in letzten Inkarnationen getan –
so sehr zu lieben, dass sie sich selbst nicht sieht
und ihre Bedürfnisse.

Wir werden solange auf Fehleinstellungen hingewiesen,
bis wir begreifen, dass wir ein Gleichgewicht herstellen müssen.

Und nichts ist so sehr geeignet, eine Seele darauf hinzuweisen,
für ein Gleichgewicht zwischen Eigenliebe und Nächstenliebe
zu sorgen, wie das Zusammenleben mit einem Borderliner. 
Da muss Gegenwehr kommen oder man überlebt nicht!

Und du weißt, Hajo, die Seele ist da sehr konsequent,
die zieht es dann notfalls vor, nicht zu überleben,
falls gar nichts gelernt wird.

Das ist also sehr wichtig,
dass die Mutter aus ihrer Ohnmachts-Position herausfindet,
dass sie also dem Benutzt werden
durch den oder die Borderliner etwas entgegensetzt.
Etwas, wo sie sich wertschätzt, wo sie sich geliebt fühlt
und weiß und sich selbst liebt und fühlt und weiß,
dass das richtig und berechtigt ist.

Sie hat die Möglichkeit, Zugang dazu zu bekommen,
sich selbst angemessen zu lieben.
Aber es ist sehr schwer für sie, denn bis jetzt hat sie,
wenn es darum ging, zu lieben,
immer auf Alles oder Nichts gesetzt!
Und sie hat alles gegeben und nichts bekommen!

Und wenn sie jetzt anfängt, Bilanzen zu ziehen, dann ist das richtig. 
Dann muss man keine Schmerzen bekommen
und man muss auch nicht gehen. 
Man muss eine Bilanz ziehen und dann selbst dafür sorgen,
dass am Ende zwischen Soll und Haben
ein Ausgleich stattgefunden hat. 
Sag ihr das von mir.

Hajo: Ja, gut. Soweit sind die Fragen beendet.

Ich denke, es ist auch für den Mann ein entscheidendes Thema,
um das Gleiche geht es bei ihm.

Hajo: Okay, ich sag es ihnen.

Und es ist halt so,
dass sie hierin eben auch auf Wege kommen müssen,
damit zu leben. 
Die Flucht ist keine Lösung!
Sondern es geht hier darum,
dass sie ihren Seelen das wirklich als Auftrag mitteilen,
für einen Ausgleich zu sorgen. 

Das ist wichtig!
Sie können sich einander dabei unterstützen,
aber sie können auch, wenn sie nicht gefragt hätten,
beide weitergehen, bis sie nicht mehr können,
weil die Kräfte verbraucht sind.

Sie müssen für Ausgleich sorgen,
sonst schaffen sie das nicht.

Das ist im Übrigen so: 
Hat es jemandem gut getan,
dass sie so aufopferungsbereit gewesen sind?
Niemandem!
Auch dem Borderliner nicht.