Elia – Kinder mit traumatischen Erlebnissen

Frage zu den Kindern mit traumatischen Erlebnissen

 Elia

Hajo: Eine Frage hätten wir zu den Kindern.
Zur Erziehung von Kindern,
die ein Trauma erlitten haben
oder denen das, was du beschrieben hast,
bisher an Erziehung nicht zuteil geworden ist: 
Wie geht man mit diesen Kindern um,
wie kann man denen das im Nachhinein noch vermitteln,
was ihnen fehlt?

Elia: Das könnt ihr in der Regel nicht,
das sind Defizite, die nicht aufzuholen sind.
Ihr könnt allerdings dafür sorgen,
dass sie nunmehr in einem Gleichgewicht leben dürfen.

Und ich denke, dass ihr dabei an ein Pendel denken solltet
oder an eine Waagschale oder an eine Wippe:
Zuerst geht der Ausschlag von einem Extrem zum anderen
und nur nach und nach wird die Bewegung und der Ausgleich
ruhiger zwischen zwei Extremen.

Das findet bei traumatisierten Kindern auch so statt!

Wer bei einem Trauma einen großen Verlust erlitten hat,
braucht zum Ausgleich einen großen Gewinn!

Wer erlebt hat, dass er großer Gewalt ausgesetzt wurde,
braucht zum Ausgleich
ein besonders hohes Maß an liebevoller Zärtlichkeit.

So könnt ihr diese Kinder zur Ruhe bringen,
zu sich selbst bringen.
Aber ihr werdet niemals die Verletzungen,
die stattgefunden haben,
gänzlich aus ihrem Bewusstsein
und Unbewussten auslöschen können.

Das ist leider nicht möglich.
Es besteht eine Prägung, die ein Leben lang anhält.
Wichtig ist für diese Kinder, dass sie betreut werden,
dass ihr Bewusstsein in der Lage ist,
die Schwere und Tiefe ihrer Verletzung zu begreifen
und zu relativieren.

Das ist das größte Problem:
Dass in der Kindheit keine Relativierung stattfinden kann.

So könnt ihr zum Beispiel durchaus relativieren,
dass euch schwere Traumatas in eurer Kindheit geschehen sind.
Dass diese aber, da ihr nun erwachsen seid,
längst ausgeglichen sind durch diese positiven Energien,
die ihr inzwischen erfahren habt.

Ein Kind ist nicht in der Lage,
in dieser Weise zu denken
und in dieser Weise seinen Schmerz zu kompensieren.
Sondern der Schmerz lauert gleichsam
wie ein Gespenst unter einer dicken Eisdecke
und jederzeit kann es die Eisdecke durchbrechen
und wieder zu Tage treten.

Das ist das größte Problem bei diesen Kindern: 
Das Gefühl größter Hilflosigkeit,
Ohnmacht und Verletzung
lauert in ihnen als etwas Unbewusstes: 
Etwas, was da ist
und keinen Namen hat.

Es ist sehr schwierig
– ohne neue Ängste auszulösen –
diesem Traumata, diesem Gespenst unter dem Eis
wieder einem Namen zu geben.

Denn erst dann, wenn es in der Lage ist,
wirklich zu begreifen, was geschehen ist,
wirklich darüber zu reden, was geschehen ist
und vor allen, was es dabei gefühlt hat: 
dann ist es in der Lage, zu sehen,
dass dieses Gespenst keinesfalls mehr
unter einer Eisdecke lauert.

Sondern dass es im Hier und Jetzt lebt
und dass das, was ihm passiert ist,
gestern geschehen ist und somit vorbei ist.

Hajo: Vielen Dank, das hat mir schon sehr geholfen.