Fehler

Elia – Menschen müssen Fehler machen, sonst erfahren sie keine Erweiterung ihrer Erkenntnisse.

Menschen müssen Fehler machen,
sonst erfahren sie keine Erweiterung ihrer Erkenntnisse.
Aber Menschen lernen nicht aus Einsicht,
sondern aus Erfahrung.
Das ist gut,
wenn man das weiß für sich selbst.
Und es ist sehr gut,
wenn man das weiß im Hinblick auf Andere.
Elia

Zu Gast sind Katharina und ihr Mann.

Elia: Guten Abend, liebe Freunde.

Alle: Guten Abend, Elia.

Ich heiße euch herzlich Willkommen als Paar, als doppelte Kraft.

Ich hoffe, dass für Katharina nun eine Phase beginnt,
die sie zur Leichtigkeit des Seins führen kann.

Ich hoffe für dich, dass du als ihr Mann ihr dabei Halt
und den sicheren Boden sein kannst, den sie so sehr braucht.

Verwurzelt sein, Sicher sein: Katharina, das ist etwas,
was du sehr lange sehr schmerzlich entbehrt hast.

Wir hoffen alle, dass du in deine Verwurzelung kommst,
die einmalig ist, gut und schön, ohne angebunden zu sein.
In die eigene Kraft finden!

Und damit habe ich für heute – aus meiner Sicht – gesagt,
was uns sehr wichtig ist.
Nun bitte ich dich, Katharina, um deine Frage.

K: Meine Frage ist:
Warum ich immer so rastlos, ruhelos, ängstlich,
ja, eigentlich auch unglücklich in meinem Leben bin.

E: Weil du keine Wurzeln hast!
Du hast Flügel und die willst du ausspannen und fliegen:
immer weiter.
Aber deine Wurzeln tragen nicht.

Einem Kind gibt man Beides: Wurzeln und Flügel!
Das weißt du.
Aber manchmal sind die Wurzeln dürr, sie halten nicht.
Und manchmal ist die Wurzel bitter und verdirbt den ganzen Baum.

Deine Wurzeln sind gut und tief, habe ich gesagt. 
Aber sie reichen viel weiter als zu deiner Mutter oder Großmutter,
sie reichen viel weiter.
Dessen bist du dir noch nicht bewusst geworden!
Das macht die Unrast.

Fragen wir, was du suchst: Zuhause zu sein.
Fragen wir, wo du das finden kannst, dann müssten wir sagen:
In dir.

Feste Wurzeln, ein Zuhause,
von dem aus du dich in dein Abenteuer-Leben stürzt.
Ein sicherer Grund, ein Hort der Geborgenheit!

Du hast sehr versucht, das Paradies,
das du in deiner Kindheit nicht hattest, selbst entstehen zu lassen: 
Alles sollte gut sein!

Und du hast schmerzlich erlebt, dass alle deine Bemühungen,
ein Paradies zu schaffen, doch nicht reichen können.

Dein Paradies musst du in dir finden
und deine Wurzeln begreifen lernen!

Dann kannst du ruhig werden und deine Kräfte verstehen lernen!
Die, auf die du dich immer verlassen kannst, als Wurzeln erkennen.
Viele Menschen werden in eine Familie geboren,
die keine Wurzeln bietet.
Das ist so, wie wenn eine Rose in einem Garten gesetzt wird,
dessen Erde zu steinig ist:
Sie treibt, sie bildet sogar Blüten, aber sie hat wenig Widerstand.
Ungeziefer oder starke Winde sind in der Lage,
sie völlig aus der Fassung zu bringen.

Der Urgrund gibt nicht genug Kraft!
Da kann sich so eine Rose noch so sehr nach der Sonne strecken!
Es ist ihr kein fester Grund gegeben.
Was muss sie da tun, Katharina?

K: Sie muss sich einen anderen Ort zum Wachsen suchen.

E: Das geht ja nicht, sie kann ja nicht wandern.
Sie muss tiefere Wurzeln treiben und breite!
Das ist die Lösung.

Und genau das würden wir gerne mit dir tun:
Tiefer und breiter werden in der Verwurzelung.

Du hast nicht nur eine Pfahlwurzel – die Mutter also – 
sondern du wirst sehen, du hast viel mehr als das.
Magst du das tun?

K: Hm…

E: Und die Unruhe, die du spürst,
hat aber auch einen weiteren Grund: Kein Ziel.

Viele Ziele, aber nicht das Eine.
Katharina, ich darf dir keine Zukunftsprognosen machen!
Aber ich darf dich auf etwas aufmerksam machen,
was du bis jetzt vielleicht noch nicht genug zu schätzen weißt:
Viele Ziele bedeuten auch, viele Erfahrungen zu machen.

Als ihr heute unterwegs wart, da habt ihr viel erfahren können:
Landschaften und Städte, die ihr so noch nicht kanntet!
Das ist der Vorteil von vielen Zielen.
Dein Leben braucht viele Erfahrungen!
Kannst du dir vorstellen, warum?

K: Weil ich lernen soll.

E: Ja. Für wen?

K: Für mich, um zu reifen. Vielleicht?

E: Hältst du dich für unreif?

K: Manchmal…

E: Manchmal.
Jede Erfahrung, die du machst, dient dir und denen,
an die du sie weitergibst.
Jede Erfahrung, die ein Mensch macht, ist
– da gebe ich dir Recht –
erst einmal für ihn selbst.
Aber ihr seid keine einsamen Sterne!
Ihr seid verknüpft in einem unendlich feinen Netzwerk.
Eine Erfahrung nur für sich zu behalten, hindert das Netzwerk.
Eine Erfahrung, die ihr weitergebt, lässt es wachsen.

Je vielfältiger ein Mensch ist
und je ernsthafter er seine Erfahrungen ergründet,
umso reicher ist sein innerer Schatz, den er weitergeben kann.
Die Ruhelosigkeit: Das Suchen nach Zielen,
das immer neue Aufbrechen müssen zu neuen Ufern.
Das ist auch etwas sehr Kostbares für jene,
die sich einmal an dich wenden und um Rat fragen,
weil sie ruhelos sind und nach immer neuen Zielen suchen.

Aber hinter deiner Unruhe steht auch noch etwas anderes!
Erinnerst du dich daran,
dass du als Kind immer wieder das Gefühl hattest:
Was ich auch mache, es ist nicht genug!
Erinnerst du dich?
Das ist ein grundsätzliches Lebensgefühl für dich!
Ich möchte diesen Satz ein wenig übertreiben,
um ihn deutlich zu machen:
Was immer ich mache, es darf nie genug sein!

Katharina, es ist, als hätte jemand gesagt:
Kind, sei nicht zufrieden!
Zufrieden sein ist dir verboten!
Spürst du, wie weh das tut?

K: Hm…

E: Findest du, dass dieser Satz angemessen ist?

K: Nee, auf keinen Fall…

E: Gut! Nein, das ist kein guter Satz,
das ist kein Satz der Liebe.
Wollen wir ihn korrigieren?

K: Ja.

E: Ja. Zu Frieden sein,
im Frieden sein: Das kann auch bedeuten,
dass jemand sich gar nicht mehr bewegt.
Das wäre schlecht!
Zufrieden sein in dem Sinn, wie wir es meinten, ist:
Im Frieden mit sich sein dürfen, mit sich selbst!
Es ist gut so, wie ich bin!

Was ich heute denke, ist gut,
auch wenn ich morgen anders darüber denken werde.
Jetzt ist es gut!
Ich bin zufrieden!

Das hast du nicht lernen können,
weil du kein entsprechendes Vorbild hattest.
Kinder lernen von Vorbildern, sie schauen sich ab, was gut ist.
Und Frieden schien nicht sehr gut zu sein.

Dies, was ich heute tue, heute denke und heute fühle,
ist heute gut!

Katharina: Nicht mehr!

Es kann sein, dass das, was du heute fühlst und heute denkst,
in sich etwas birgt, was mit der Planung für Morgen
und Übermorgen zu tun hat, das kann sein.
Aber das Wichtigste ist,
dass es heute gut und richtig ist!

Wenn du zurück schaust auf dein Leben,
dann neigst du dazu, so zu schauen:
Als würdest du die Fehler sammeln wie die Perlen an einer Kette.
Ja, freilich!
Da sind in den Jahrzehnten
eine Menge Perlen zusammengekommen.

Und aus Fehlern hast du gelernt und das ist gut.

Wenn du dir überlegst,
wie du als 16-Jährige gedacht hast und fühltest
und als 30-Jährige
und Heute,
dann kommst auch du nicht umhin,
anerkennend zu sagen:
Das ist doch gut.
Sei realistisch:
Wie viele Vorurteile hast du abgelegt auf dem Weg?
Wie oft hast du Mut bewiesen auf dem Weg?
Wie sehr bist du in deiner Verantwortlichkeit
gewachsen auf diesem Weg?
Das ist doch gut!

Die Fehler, die du gemacht hast, dienten dir zur Korrektur.
Und jetzt bist du sogar soweit,
dass du dich selbst betrachtest und sagst:
Ich will mich korrigieren, ich will meine Sicht auf mich,
aber auch auf die Welt erweitern.
Das ist sehr gut.
Kannst du das von dir so sagen:
Das mache ich sehr gut!

K: Ja, manchmal…

E: Manchmal, hm…
Menschen müssen Fehler machen,
sonst erfahren sie keine Erweiterung ihrer Erkenntnisse!

Es wäre wunderbar,
wenn die Menschen aufgrund der Einsicht lernen könnten.
Wenn das so wäre, wäre meine Arbeit überflüssig
und auch die Arbeit jedes anderen Schutzengels.
Wenn das so wäre,
dann würde die perfekte Menschheit längst existieren.

Aber Menschen lernen nicht aus Einsicht,
sondern aus Erfahrung!
Das ist gut, wenn man das weiß für sich selbst.
Und es ist sehr gut, wenn man das weiß im Hinblick auf Andere.