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Elia – Die Borderline-Symptomatik in unserer Gesellschaft.

Die Borderline Symptomatik in unserer Gesellschaft

Leitsatz aus einem Krimi
mit einem und über einen Borderliner:

„Borderliner:
Allein und gemein gegen mich
und die Welt.“

Elia

Borderline ist eine so genannte Persönlichkeitsstörung,
sie in ihrer Intensität unterschiedlich stark ausgeprägt.

Sie wird derzeit sehr stark erforscht, denn die bisherigen Behandlungsmethoden gewähren bestenfalls ein:
„Nicht- mehr- sichtbar -machen“ der Erkrankung.
Aber eben keine Heilung.

Im Vordergrund steht scheinbar einfach das Bedürfnis,
sich zu verletzen! 
Aber darum geht es im Grunde weniger!
Als vielmehr darum, sich selbst wahr zu nehmen.
Das gelingt aber nur in Extremsituationen!

Wie die aussehen, ist sehr unterschiedlich.
Der immense Druck,
„sich lebendig fühlen zu wollen“,
ist enorm hoch.

Stellt euch ein Leben vor,
in dem euch kaum etwas wirklich berührt!
Das ist schlimm.

Borderline = Grenzgänger.
Auch deshalb, weil sie in ihrer Symptomatik durchaus
in andere Formenkreise psychischer Erkrankung
hinüber gehen können.
Fehldiagnosen sind häufig. 

Manische Depression,
paranoide Zustände,
schizophrene Erlebnisse: 
Alles kann in den Vordergrund treten.
Bei offensichtlicher Selbstverletzung
fällt die Diagnose relativ schnell.
Aber Selbstverletzung kann auch ganz anders aussehen:
Spielsucht,
Kaufrausch,
gefährliches Autofahren,
Drogenmissbrauch,
Schlafentzug,
Promiskuität…
Unsoziales Verhalten im Sinn der Eigen-Zerstörung!

Das Extrem wird gesucht und gefunden 
auch im zwischenmenschlichen Bereich.
Mit dieser Erkrankung brauche ich
eine RE-Aktion des Gegenübers auf mich!
Auf mein Verhalten, um zu sehen, dass ich BIN! 
Da aber auch hier nur das Extrem wirklich erlebt wird,
wird eine solche Reaktion provoziert!

Extreme Liebe wird ebenso versucht, zu provozieren,
wie auch extreme Ablehnung.
Das Ziel ist also keinesfalls nur die Selbstvernichtung! 
Sondern die Möglichkeit, dieses Selbst zu spüren. 
Gleichwohl findet sich fast immer eine
mehr oder weniger große Todessehnsucht!

Borderliner leben mit einer sehr tiefen Angst!
Sie kämpfen mit sehr unterschiedlichen Emotionen.
Sie haben Emotionen,
aber auch die nehmen sie eher
aus der Perspektive des Beobachters wahr.
Nur im Extrem verlieren
sie die Distanz zu ihren Gefühlen!

Und so zeigt sich das Bild eines Menschen
mit extremen Stimmungen,
die in keinem Verhältnis stehen zum realen Anlass:
Zu Tode betrübt / Himmelhoch jauchzend…

Unrealistisch selbst bewusst / selbst verachtend,
unrealistisch liebend / verachtend,
unrealistisch hoffend / enttäuscht sein.

Die Frustrations-Grenze ist sehr niedrig…
Oder alles ist gleichgültig.

Zur Diagnose kommt es erst,
wenn das selbst verletzende Verhalten offensichtlich ist
und das ist keinesfalls immer der Fall! 
Kaufrausch, der über die Grenze der eigenen finanziellen Möglichkeiten geht zum Beispiel,
wird durchaus toleriert…
Riskantes Autofahren gilt als sportlich…
Permanenter Schlafentzug als „fleißig“ usw.

Dieses Leiden endet in
10% der diagnostischen Fälle mit einem Suizid.
Wie viele nicht diagnostizierte Fälle dazu gehören,
kann man nur vermuten.
Wie viele Unfälle mit tödlichem Ausgang ebenso!

Dazu kommt,
dass ihr Leiden sich auf ihre Angehörigen auswirkt.

Stellt euch vor,
ihr liebt einen Menschen mit dieser Erkrankung… 
Es ist zum Ver-Rückt werden.
Ihr bekommt auf das,
was ihr tut und sagt,
keine angemessene Reaktion…

Ihr werdet entweder
wie ein Gott geliebt
oder wie der Teufel gehasst…
Nicht selten Beides.

Auf alles gibt es extreme Reaktionen
und es gibt keine Möglichkeit, diese vorherzusehen.
Ihr seid mit ihm im Himmel
oder in der Hölle.
Er ist ein Engel
oder ein Teufel.

Und um es erst richtig kompliziert zu machen:
Manchmal ist auch alles ganz „normal“!

Väter, Mütter, Kinder, Partner:
Alle können Borderliner sein…

Diese Erkrankung hat harte Folgen.
Ich sagte:
Nur bei deutlicher Selbstgefährdung
oder Verletzung kommt es zur Diagnose.
Aber oft kommt es nie dazu.
Der Borderline-Erkrankte weiß häufig gar nicht,
WIE krank er ist, was genau mit ihm los ist…

Wie auch?
Er kennt sich und die Reaktion der Anderen
auf sein Verhalten doch gar nicht Anders.
Er glaubt:
So ist das Leben nun einmal.

Wir müssen davon ausgehen,
dass nur wenige in eine angemessene Therapie kommen.
Und die, die es tun,
bekommen dann im Grunde bestenfalls eine Hilfe dabei,
sozial integrierbar zu werden… 
Aber sie bekommen nicht
ihre große innere Leere wirklich ausgefüllt.

Ich weiß nicht,
warum wir zurzeit derart massiv
auf dieses Problem gestoßen werden.

Hier überschlagen sich die Ereignisse bei uns.
Wir haben in den letzten Wochen
fast ausschließlich Readings gemacht,
die Borderline oder Missbrauch zum Thema hatten.

Viele unterschiedliche Perspektiven
habe ich gesehen zu diesem Themenkreis
und ich fange an, zu begreifen,
wie sehr es in unsere Gesellschaft einwirkt.
Und auch, wie sehr wir eine Gesellschaft sind,
in der sich selbst verletzendes Verhalten
gefördert, gedeckt und sogar gewünscht ist.

Ich sage nicht,
dass wir eine Gesellschaft von Borderliner sind,
aber ich sage:
Dass diese Erkrankung uns alle betrifft.