Elia – Du bist Dein Richter! Du richtest!

Nicht die Anderen müssen dich achten –
du musst es!

Du bist Dein Richter.
Freispruch oder Lebenslänglich?
Du richtest!
Es gibt keinen Gott,
kein Schicksal,
keine höhere Instanz,
die Unglück fordert
als Bezahlung für ein Unglück,
das angerichtet wurde.

Bist du deine Gedanken?
Nein.
Bist du deine Gefühle?
Nein.
Du bist viel mehr als das!

Elia

Zu Gast ist Katharina.

Elia: Guten Morgen, liebe Freunde.

Hajo: Guten Morgen, Elia.

E: Ein kalter Tag.
Böses Wetter,
böse Menschen.
Es geht ums Böse und Gut sein.
Darf ich dir sagen, meine Liebe:
Du bist gut?

Es wird darum gehen,
dass du es auch glaubst.
Gut sein, das heißt nicht:
Aufhören, zu kämpfen.
Gut sein,
das heißt nicht Leiden.

Wir werden darüber heute sehr viel erfahren.

Es geht nicht darum, dir zu zeigen,
wo du böse warst.
Es geht darum, dir zu zeigen,
wie gut du bist.
Wie stark.
Wie vernünftig.
Wir wollen sanft sein zu dir.
Das sage ich auch dir, mein Freund.
Heute soll ein sanfter Tag sein.
Stell deine Fragen…

Katharina:
Ja, warum ich immer schon so Lebensmüde bin.

E: Weil du aufgehört hast,
dir zu glauben,
dass du ein Recht darauf hast, froh zu sein.
Du bist ängstlich.
Dich zu freuen,
scheint dir ein Verbrechen.
Dich in den Mittelpunkt zu stellen,
scheint dir eine Sünde.
Du hast ganz vergessen,
wie du wirklich bist.
Andere urteilen
und du glaubst es,
weil du dir nicht glaubst.
Du glaubst dir deine Liebe nicht mehr!
Du glaubst nicht einmal mehr,
dass du deine Kinder herzlich liebst.
Nur noch Pflichten!
Du raubst dir deine Kraft,
zu lieben!
Und das macht dich müde!

Nicht umsonst habe ich gesagt:
Du bist gut.
Du bist gut!
Punkt!
Kein aber,
keine Einschränkung,
kein vielleicht,
keine Relativierung.
Der Satz ist vollständig.
Du bist gut!

Da sperrt sich alles in dir,
nicht wahr?
„Ja, aber“ kommt sofort.
„Nein, aber“ nicht…

Wenn man von sich nicht zuversichtlich glauben kann,
Gut zu sein,
muss man es sich ständig beweisen!
Immer wieder!
Immer wieder muss man beweisen,
dass man doch gut ist.
Ein ständiger Konflikt.
Nie reicht es!

Menschen, die von sich nicht glauben,
dass sie gut sind,
die suchen sich Menschen,
die Alles von ihnen abverlangen
an Güte,
Geduld,
Nachsicht…
Die suchen sich Menschen
immer und immer wieder,
die ihre Fähigkeit zu dem,
wovon sie meinen, das Gut sei,
in Zweifel ziehen.
Sie suchen sich Diejenigen,
die genauso Böse zu ihnen sind,
wie sie selbst zu sich sind.

Was dir widerfährt an mangelnder Wertschätzung,
an mangelndem Zuspruch,
an mangelndem Verständnis
– da spreche ich nicht nur von deinem Mann –
was dir in deinem ganzen Leben so begegnet ist,
ist das,
was du dir selbst nicht gibst!
Du selbst missachtest dich,
schätzt dich gering!
Die beste Form, die dir geschehen ist,
ist noch die, unbeachtet zu sein.
Die schlimmste Form, die dir begegnet,
ist die, verachtet zu sein…

Nicht die Anderen müssen dich achten,
sondern du musst dich mehr achten!
Du weißt nicht, wer du bist.
Du weißt nicht, wer du wirklich bist.
Du bist Gut!

Das sagt dir Jemand,
der deine Seele kennt.
Der deinen Anfang sah,
der deine Größen sah,
der auch deine Schwächen sah.

Es wird darum gehen,
dich vor die Wahl zu stellen,
wie du dich richten willst.
Du bist dein Richter!
Freispruch oder
Lebenslänglich?
Du richtest!

Wir haben heute, wenn du so willst,
das Revisionsverfahren.
Was wird der Richter
für ein Urteil sprechen?

Das letzte Urteil, das du gesprochen hast, war:
lebenslängliche Haft!
Keine Freude!
Kein Frohsinn!
Nichts Gutes!

Nun beginnt an diesem Tag ein neues Verfahren.
Ich bin – und mit mir meine Freunde –
dein Verteidiger.
Ich bin auf der Seite deiner Seele.
Ich bitte den Richter in dir
nicht um Gnade!
Sondern um Recht!
Es wird bei dir liegen, Richter:
Zu sehen, was Recht ist!
Stell deine nächste Frage.

K: Warum ich mich immer so fühle,
warum ich für Niemanden
im Leben nützlich bin,
für keinen Einzigen,
nicht mal für die Kinder im Endeffekt…
Und warum ich in dieser Situation
jetzt noch diese unglückliche Liebe mitmachen muss…

E: Die Gedanken,
für Niemanden nützlich zu sein,
die sollen die Rechtfertigung dafür sein,
dass du dein Leben verweigerst!
Wenn ich für Niemanden nützlich bin,
dann kann ich auch aufgeben!
Selbstanklage! 
Schon wieder Selbstanklage.
Wieder Urteil.
Die Liebe, die nicht gelebt werden kann: 
wieder ein „Lebenslänglich“! 
wieder die Bestätigung, nicht Wert zu sein!

Deine Kinder sind deine Kinder!
Sie werden dich immer brauchen
und immer lieben!
Egal, was du tust!
Ihre Liebe ist nicht von dem abhängig,
was du ihnen bietest.
Und wenn du die Verrückteste aller Mütter wärst
und wenn du eine Mutter wärst,
die sie vernachlässigt
und wenn du eine Mutter wärst,
die den Weg in den Tod wählt
und sie allein lässt:
Selbst dann würde ihnen deine Liebe fehlen.
Und selbst wenn deine Liebe
so klein wäre wie ein Staubkorn: 
sie würden dich dennoch lieben!

Du weißt das!
Du weißt das, du spürst es.
Und du gibst deinen Gedanken nicht nach.
Aber was machen diese Gedanken in dir?
Sie sind wie Fesseln
an deinen Füßen und Händen.
Sie sind es,
die dich Handlungsunfähig machen.
Bist du deine Gedanken?
Nein.
Bist du deine Gefühle?
Nein.
Du bist viel mehr als das!

Deine Gedanken stehen dir zur Verfügung,
wie deine Füße und deine Hände
dir zur Verfügung stehen.
Du kannst ihnen viel Raum geben,
aber du kannst sie auch verbannen.
Du kannst deine Gedanken glauben,
aber du kannst sie auch Infrage stellen.
Sie gehören dir!
Du kannst sie annehmen
oder verwerfen!

Das Gleiche gilt deinen Gefühlen.
Du kannst deinen Gefühlen
der Trauer und Verzweiflung Raum geben,
sie pflegen und speisen
mit immer neuen Gedanken
über deine Ohnmacht und deinen Unwert.

Aber du kannst deinen Gefühlen
der Ohnmacht und Verzweiflung
auch ‚Unaufmerksam‘ begegnen.
Du kannst sie aushöhlen dadurch,
dass du gegenteilige Gefühle mehr beachtest.
Das tust du seit geraumer Zeit gar nicht!
Es ist kein Gleichgewicht mehr da
zwischen positiven Gefühlen und negativen.
Du kannst aber immer noch positive Gefühle haben!
Du hast sie,
wenn du manchmal in die Augen deine Kinder schaust.
Du hast sie,
wenn du manchmal die Sonne siehst,
wie sie in dein Zimmer fällt.
Es blitzt immer noch was auf,
es ist noch ein wenig Fähigkeit zur Freude vorhanden,
gerade noch genug,
um nicht aufzugeben.

Du hältst dich für schwach?
Ich halte dich für stark.
Viele wären längst gestorben in deiner Situation.

Also willst du leben!
Du willst es,
aber du glaubst es nicht.
Deshalb wird es darum gehen:
zu deiner Stärke zu kommen.
Ja?
Hast du mich verstanden?

K: Ja.

E: Es wird dauern.
Du darfst dir Zeit lassen.
Und du darfst dich frei entscheiden.
Aber du musst wissen!
Du musst wissen:
Dass es deine Entscheidung ist.

Komm raus aus deiner Ohnmacht.
Komm raus aus deiner Selbstverachtung.
Nicht die Anderen müssen dich achten!
Du musst es!

Eine neue Liebe?
Ja, freilich.
Die wird es geben,
wenn du dich liebst!
Wer soll dir denn jetzt begegnen?
Wieder Einer, der dir zeigt,
dass du nicht gut bist?
Wieder Einer, der dir dabei hilft,
dir immer wieder zu beweisen,
dass du doch gut genug bist?
Das willst du?

Wir müssen deinen Willen stärken.
Hier geht es nicht nur um dein Gefühl,
hier geht es um deinen Willen!
Ich will leben!
Und das ist gut so.
Ich muss das nicht begründen,
ich muss das nicht rechtfertigen.
Ich will leben!
Und das ist gut so.
Ja?
Deine nächste Frage.

K: Im Reading hieß es,
ich hätte irgendwann die Macht der Liebe missbraucht.
Ist das jetzt so eine Art Strafe dafür?

E: Niemand straft dich.
Wer soll dich strafen?
Wer straft?
Niemand straft.
Du strafst dich!
Ich hab ja eben gesagt:
Du bist dein Richter, du selbst!

Ja, du hast die Liebe missbraucht.
Ich bin es nicht wert.
Ich bin kein Glück mehr wert.
Dein Urteil ist es!
Es ist nicht richtig,
so zu urteilen!
Es ist nicht richtig,
ein „Lebenslänglich“ zu verhängen!
Dieses ist ein neues Leben,
dieses ist dein Leben.
Und das zu begreifen,
ist deine Aufgabe!

Dein Glück ist dein Recht!
Du hast darauf ein Recht!
Dein Unglück
ist das Gegenteil von Recht!
Es gibt keinen Gott,
kein Schicksal,
keine höhere Instanz,
die Unglück fordert als Bezahlung für ein Unglück,
das angerichtet wurde.
Niemand wird durch Unglück belehrt!

Deine nächste Frage bitte.

K: Welcher Seelenfamilie gehöre ich an?

E: Das wirst du kaum glauben,
dennoch ist es wahr.
Du gehörst zur Familie der Kämpfer!
Kämpfen:
sich für etwas einsetzen,
sich dem Widerstand stellen,
sich stark vor die Schwachen stellen…
Das ist Deins,
du kannst kämpfen.

Aber du bist ein Kämpfer,
der für sich nicht sorgt!
Der aufgehört hat,
seine Kräfte zu stärken,
seine Kampftechnik zu verfeinern.
Der aufgehört hat,
zu schauen, wofür er kämpft!
Der aufgehört hat,
Vertrauen in seine Fähigkeit zum Kämpfen zu haben!
Ein müder Krieger!
Der am Rand eines Schlachtfeldes sitzt
und sich für unfähig hält.

Ein müder Krieger:
Was braucht der denn?
Hm, was meinst du, was braucht der?

Er braucht eine Pause,
er braucht Zuwendung,
er braucht Stärkung und
er braucht fröhliche Gefährten.
Sind wir uns da einig, hm?

K: Jo.

E: Jo. Wenn wir dir das bieten,
was meinst du: 
Magst du das dann annehmen?

K. Tja…

E: Ja, siehst du, da wird es schwierig.
Da bist du noch nicht so sicher.
Vielleicht magst du ja lieber
ein bisschen erschöpft am Schlachtfeld sitzen.
Nein, ich glaube nicht! 
Du magst dich wieder stärken!

Der Wille…
Der Wille ist viel entscheidender im Augenblick
als das Gefühl, ja?
Den Willen sehen und stärken! 
Und dann nach und nach die Probleme lösen,
die dich so müde machen.

Den Willen wieder finden,
ein Kämpfer zu sein!
Du wirst sehen:
Du warst ein sehr starker Kämpfer.

Wir werden nicht zeigen,
wie schwach und elend,
wie schlecht und ohnmächtig du warst.
Wir werden dir zeigen,
wie stark du warst!
Es ist Zeit, dass du begreifst:
wer du bist, ja?

Gegen all die Lügen,
die du dir selbst erzählst hast
und die Andere dir erzählen.
Gegen all die Lügen,
die besagen
– du bist nichts wert – 
müssen wir an diesem Tag die Wahrheit stellen.
Die Wahrheit ist:
Du bist Gut!

Hajo, ich wende mich nun an dich: 
Ich möchte,
dass du zuerst unsere müde Kriegerin ein wenig stärkst.
Es ist wichtig, dass sich ihre Energien beruhigen,
bevor wir ihr zeigen können,
dass sie gut ist.

Ansonsten verfahren wir wie gewohnt.

Am Ende dieses Tages wirst du müde sein.
Am Ende dieses Tages wirst du viele Fragen haben.
Aber du wirst wissen,
dass du gut bist.
Ob du das aushältst oder lieber nicht,
das entscheidest du.
Ich bin zuversichtlich.

Eines noch: 
Da, wo deine Kraft nicht reicht,
da sind wir, wenn du es magst!
Bitte uns, wenn du nicht weiter weißt.
Und wundere dich nicht!
Unsere Wege sind manchmal ungewöhnlich.
Einverstanden?

K: Hm.

E: Ich verabschiede mich.

Ich soll dir von deiner Guidin Guste sagen: 
Sie weiß, dass du es schaffst.