Wahrheit

Elia – über Ahnen: Schaut! Ich tue, was sie nicht wagten.

Schaut!
Ich tue, was sie nicht wagten.
Ich wage, was sie nicht wagten!

Ich, ich lasse mich nicht vom Tornado zerschlagen,
vom Wind verwehen!

Ich werde selbst ein Wind!
Ich werde selbst ein Sturm
und ich würfele die Dinge durcheinander
und stelle die Werte auf den Kopf!

Ich ehre euch,
indem ich das tue,
was ihr nicht durftet.

Elia 

Zu Gast sind Dagmar und Hanna.

Elia. Guten Abend, liebe Freunde.

Hajo & Dagmar & Hanna. Guten Abend, Elia.

E. Ein stürmischer Abend nach einem stürmischen Tag…

Die Stürme des Lebens, die wir vermeiden wollen,
vor denen wir uns verbergen möchten,
die uns aber Flügel geben,
uns weit über unseren engen Horizont hinaustragen können,
uns zeigen, wie weit, wie weit die Welt ist.

Sie rütteln uns durch.
Sie stellen die Dinge auf den Kopf.
Und wir lieben es nicht.
Wir suchen Schutz, einen Ort der Ruhe, des Friedens.

Die Mitte im Sturm, wo finde ich die?
Wenn wir gebeutelt werden
und geschüttelt, getrieben und geschlagen?

Wenn unsere Gedanken so wild sind wie ein Orkan,
sich nicht ordnen lassen,
sondern kreisen wie ein Hurrikan?

Wo finde ich Ruhe?
Wo finde ich Kraft?

Ich will ja glauben – so gerne – dass jeder Sturm vorbeigeht
und alles neu wird danach.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Aber… aber ich brauche eine Ruhe, eine Kraft.

Darum, liebe Dagmar und liebe Hanna, darum geht es uns,
mir und euren Guides:
Euch mit der Ruhe und der Kraft
mitten im Sturm zu verbinden.
Es geht um wohl das Köstlichste und Wichtigste,
was es geben kann im Leben.

Ihr mögt einwenden:
„Ja, wozu seid ihr denn da,
wenn uns nicht gerade
vor diesen schrecklichen Stürmen zu bewahren?“
Und in der Tat, das tun wir gerne, so gerne.

Aber manchmal, da geht’s nicht anders.
Manchmal, da müssen wir zusehen,
wie ihr vom Sturm gepackt werdet und
weit, weit über euren Horizont getrieben werdet.

Und uns ist bang um euch und wir sind traurig mit euch
und wir können es nicht ändern, so gerne wir es täten.

Aber eines können wir: Wir können euch eine Kraftquelle geben,
einen Hort der Stille, der Geborgenheit mitten im Orkan.

Stellt nun eure Fragen.
Ich bitte dich, Hanna, zuerst.

H. Es geht um meine Partnerschaft.
Seit vier Jahren gibt es da eine Krise.
Und ich weiß im Moment nicht mehr, was ich tun soll.

E. Was möchtest du jetzt von mir wissen, Hanna?

H. Wieso habe ich mir diesen Mann ausgewählt?

E. Hm: Hanna, um zu lernen,
dass dein Horizont viel zu klein ist! 
Er zeigt dir das.
Er zeigt dir die Grenze des Erträglichen.
Er zeigt es dir.

Und du bist wie eine, die sagt:
„Gut… Gut, dass du mir meinen Horizont so eng setzt.
Ich akzeptiere das.“

Und die Folge ist nicht,
dass er den Horizont weiter macht,
sondern noch ein wenig enger
und noch ein wenig enger
und noch ein wenig enger!

Du spürst es.
Du spürst es, wie es enger und enger wird,
wie du alles verlierst, was du an Kräften hast.
Wie du bald gar keinen Horizont mehr siehst,
sondern das Gefühl hast,
nur noch Nebelwände um dich zu haben.

Wenn man den Horizont verliert,
verliert man die Ausrichtung,
verliert man die Zukunft:
„Wo soll ich hinschauen, wenn ich an meine Zukunft denke?
Da wird mir bang.“

Ja? Da wird dir bang.

Manchmal müssen wir lernen, uns zu widersetzen.
Manchmal müssen wir den Horizont
mit einem gewaltigen Sturm erweitern.

Das ist nicht leicht.

Da ist noch Liebe in dir, noch Hoffnung, aber kein Trost.
Da ist die Sehnsucht nach Frieden in dir, aber keine Kraft.
Da ist Trauer in dir um das,
was hätte sein können und nicht geworden ist.

Und das ist wie mitten in einem Sturm zu sein
und die Gedanken kreisen
und die Gefühle drehen sich.

Und Heute ist es gut
und Morgen ist es böse.

Und Heute ist es gut und hoffe ich
und Morgen ist alles vergebens.

So geht das hin und her.

Nein, es geht nicht ums Aushalten.
Das mag deine Seele gerne: Aushalten.
Es geht ums Überwinden des Selbst!
Es geht ums Kämpfen für dein Ich!
Es geht ums konsequente Eintreten für dich.
Das ist ein schweres Lehrstück!

Aber es ist so wichtig, es ist so wichtig,
dass du wieder einen weiten Horizont bekommst.
Es ist so wichtig, dass die Nebelbänke verschwinden
und du klar siehst.

Du liebst die Tage so sehr, wenn es geregnet hat
und dann die Sonne wieder scheint wie rein gewaschen,
wie es glitzert und funkelt und wie wunderbar es riecht.

Und wir möchten dir helfen, dass dein Leben so ist,
wie an einem solchen Tag:
klar, rein und glitzernd.

Du hast viel Angst und ich sage nicht:
Fürchte dich nicht.

Sondern ich sage dir:
In deiner Furcht bist du nicht allein!
Sondern bist umfangen von so vielen, die dich lieben.

Und wir möchten dir zeigen,
wie wahr und wie wirklich das ist.

Ja?
Hast du das verstanden?

H. Ich hab’s verstanden.

E. Hm. Nun zu dir, Dagmar.

D. Vielleicht fangen wir erst mal mit dem Erdungs-Bereich an.
Edna hatte ja im Reading gesagt:
Was ich auch fühle, ist diese mangelnde Erdung.

Ich weiß nicht, ob das auch mit der Geschichte
mit meinem Bruder zu tun hat.
Da ist eine Angst in mir.

Ich versuche, mein Leben so einzurichten, wie ich bin
oder mein „Ich bin“ zu finden und auch zu leben.
Aber trotzdem ist eine Angst übrig geblieben,
dass ich wieder umgeschmissen werde.

E. Ja, nicht?
Wenn etwas keine Wurzeln hat,
was macht der Sturm dann damit?

D. Er spielt mit ihm.

E. Hm. Kennst du diese Häuser in Amerika?
Sie sind aus Holz gebaut, zum größten Teil.
Was geschieht mit diesen Häusern,
wenn der Tornado kommt?

D. Sie werden niedergewalzt.

E. Ja. Und dennoch überleben Menschen.
Weißt du, wo?
Im Keller.

Wenn man aber Angst vorm Keller hat,
dann sieht es schlecht aus.

D. Hm.

E. Dagmar, darf ich dir etwas über deinen Keller erzählen?

D. Bitte.

E. Du hast einen wundervollen Keller voller wunderbarer Dinge:
eine Zauberwelt,
verborgene Schätze,
geheime Reserven,
leckere Dinge, gute Dinge.

Ein Keller, so groß und sicher
und geborgen kann man dort sein.

Das ist dein Unbewusstes!

D. Hm.

E. Ich kenne deinen Keller.
Ich liebe deinen Keller!

Aber du, du meinst immer noch:
Da ist ein Gespenst drin!

Ganz gewiss.
Oh, du beleuchtest deinen Keller.
Du gehst mit riesigen Scheinwerfern hinein und schaust.
Aber so ein Scheinwerfer kann immer nur eine Sache beleuchten.
Und schon glaubst du, im Schatten des Lichts
ist dann das Gespenst.

Es gibt kein Gespenst.
In deinem Unbewussten, in deiner Tiefe,
da gibt es Wunderbares, nur Wunderbares.

Dagmar, deine Wahrheit über dich
ist wie ein Schrei eines Kindes,
dem man gesagt hat, es sei böse.

Du bist gut!
Du bist doch gut!
Dein Keller ist wundervoll.
Und du kannst dich darin zurückziehen
und wunderbare Bilder sehen
und Edelsteine finden und einen Schatz,
so schön, dass er blendet.

Du kannst darin sicher sein, so sicher,
dass kein Sturm des Lebens
dich erreichen kann und vernichten.

Aber wie – wie Dagmar – sollen wir dich davon überzeugen,
solange du dem vernichtenden Urteil Anderer glaubst?

Magst du dich trauen, deine Größe zu sehen?
Du hast dir deinen Schatten angesehen,
du hast dir deine Schwächen angesehen.
Oh, wie sehr hast du das getan.

Magst du deine Größe sehen?

D. Ja.

E. Ja?

D. Ja. Deshalb bin ich ja hier.

E. Gut! Das hofften wir!
Das hofften wir.

D. Das merke ich ja.
Das hab ich auch schon mehrfach versucht
auf verschiedenartigste Weise.
Aber der kam immer wieder.

Ich weiß, dass es eine Erinnerung ist.
Das fühle ich ja auch.

E. Er darf gehen.

D. Es wird aller höchste Zeit. Ja.

E. Endlich gehen!
Wir sind bei dir.
Wir sind ganz geborgen.
Kein Sturm kann euch etwas tun.

Wenn ihr eure Größe findet
– du und Hanna, auch du –
dann findet ihr gleichzeitig die Gemeinschaft mit uns:
Wir und ihr auf einem gemeinsamen Weg,
wir und ihr zu einem gemeinsamen Ziel.

Glaubt mir, wir zeigen es euch gern.
Und wenn ihr das erlebt und erfahren habt,
dann gibt es keinen Sturm mehr,
vor dem ihr zittert. Ja?

D. Ja.

E. Wir machen eine Pause.

E. Nun fahren wir fort.
Liebe Hanna, bitte deine nächste Frage.

H. In meiner Familie:
Ich habe zwei Tanten und auch meine Mutter,
die viel zu früh gestorben sind, weil sie krank waren.
Das hängt mit der Beziehung zusammen,
mit ihrer Partnerschaft.
Sie sind da drin krank geworden.


E. Ja.

H. Und ich fühle mich jetzt auch an dem Punkt,
wo ich denke:
„Was mache ich jetzt, oder…“

E. … oder sterben.

H. Ja.

E. Ja. Ja: „Eine anständige Frau stirbt an ihrem Mann.“
Ungeheuerlich, nicht wahr?!
Das ist die Botschaft deiner Familie.

Alle Drei lieben dich sehr, so sehr.
Und du liebst sie mehr, als du weißt,
deine Seele liebt sie.
Und ihr seid alle, alle ganz nah in eurer Seelenfamilie.

Und du, liebe Hanna, du hast einen Auftrag übernommen.
Aus reiner Liebe zu ihnen hast du den Auftrag übernommen,
ihnen die Ehre zu geben.

Aber was ist „ihnen die Ehre geben“?
Ihr Leid zu ehren:
Was heißt das?

Es nachleben?
Um es ganz, ganz deutlich zu machen:
„Schaut, wie sehr sie gelitten haben“?

Nein.
Nein, das ist nicht der Auftrag.

Dein Auftrag lautet:
„Schaut! Schaut!
Ich, ich bin diejenige, die die Kette reißen lässt.
Schaut!
Ich tue, was sie nicht durften.

Ich wage, was sie nicht wagten!
Ich, ich lasse mich nicht vom Tornado zerschlagen,
vom Wind verwehen!

Ich werde selbst ein Wind!
Ich werde selbst ein Sturm
und ich würfele die Dinge durcheinander
und stelle die Werte auf den Kopf!

Ich ehre euch!

Indem ich das tue, was ihr nicht durftet.“

Das ist der Auftrag.
Zwei große Stürme, die du bisher ausgehalten hast:
den deiner Familie und
den deiner Seele.

Seele und Familie sagten:
„Wehr dich nicht.
Du bist schwach.
Halt aus.
Halt einfach aus“.

Und dir geht es da nicht anders als Dagmar.
Auch du musst in den Keller,
in dein Unbewusstes schauen.
Auch du glaubst an ein Gespenst,
das dort lauert.
Aber es gibt keins.
Es gibt keins!

Was dort verborgen liegt, sind
Schätze und Reserven
– gute Dinge
– gute Kräfte
– gutes Wissen.
Hm.

Aber – und hier spreche ich euch Beide an –
wenn das stimmt, wenn in eurem Innersten nur Gutes ist,
wenn das stimmt, dann stimmt kein Urteil,
das man über euch fällte, als ihr noch klein wart.

Dann haben sie sich geirrt.
Sie haben sich geirrt!
Ihr seid weder schwach noch böse,
ihr seid weder ohnmächtig noch dumm.
Ihr seid weder unwahr noch wertlos!

Fehlurteile!
Immer wieder: Fehlurteile!

Es gibt kein Gespenst im Keller!
Außer einem,
das ihr Beide mehr fürchtet als alles Andere:
Wut.
Eure Wut.

Wenn das stimmt
– wenn ihr in eurem Wesen gut seid – 
uneingeschränkt gut,
uneingeschränkt richtig,
uneingeschränkt wertvoll:
Wie kann es dann sein,
dass man euch so verurteilt hat?

Da kommt Wut hoch.
Wer hat euch Klein gemacht?
Wer hat euch glauben lassen,
Böse zu sein?
Wer hat euch glauben lassen,
Schwach zu sein?

Und da kriegt ihr Angst:
Angst vor der Wut.

Aber ich frage:
Stimmt das überhaupt?

Müsst ihr wütend sein?
Oder ist das nur eine Vermutung von euch?

Ich sage euch:
Es ist nur eine Vermutung!

Nein, müsst ihr nicht.
Müsst ihr nicht.

Sie alle, Hanna, haben sich geirrt.
Sie haben sich geirrt!
Das ist bedauerlich.
Das ist auch traurig.

Nicht wahr, Dagmar?
Das ist traurig.

D. Ja.

E. Aber es darf sein.
Das passiert.

D. Hm.

E. Ihr seid gut,
sie haben es nicht gemerkt!

Ihr seid stark,
sie wollten es verhindern!

Das ist traurig.
So was passiert!

Da braucht ihr gar keine Wut!

D. Ich habe Angst.

E. Ja, ich weiß.
Ja?

Verstehst du, Hanna?
Keine Angst.

Keine Angst!
Keine Angst, anders vorzugehen.

Das Urteil, dass du zu schwach bist, ist falsch:
Sie haben sich geirrt.

Sie haben sich für sich geirrt
und für dich mit!

Du bist Stark.
Du musstest leider sehr früh aufhören,
Stark zu sein.

Das heißt aber nicht,
dass die Stärke verschwunden ist.
Sie ist nur leider im Keller.
Holen wir sie raus?
Ja?

H. Ja.

E. Wir holen sie raus.
Wir bringen es ans Licht,
was Gut ist,
was Stark ist,
was Groß ist.
Ja?

Das gilt für euch Beide.

Nein,
du wirst nicht sterben.
Und nein,
es wird keinen Tornado geben.

Und auch du wirst kein Tornado sein,
der eine Vernichtungs-Spur hinterlässt.

Aber!
Aber du kannst deinen Horizont erweitern.
Und du kannst den alten Staub
und den dummen Nebel vertreiben.
Einverstanden?

Traust du dich?

H. Ich traue mich.
Ja.

E. Oh ja: so ein bisschen?

H. Hilflos komme ich mir vor.

E. Das hast du lernen müssen.
Lernen müssen!

Weißt du, was das heißt:
Es lernen müssen?

Das bist nicht du,
die da hilflos ist!
Sondern es ist deine Seele,
die versucht, zu tragen,
was nicht ihre Last ist.

Es ist nicht Ihre!
Ja?

Wir helfen dir,
du bist nicht allein.

Du bist nicht allein!

Aber selbst wenn wir fern sind
und du uns nicht spürst
– und weiß Gott, es gibt Tage, da spürt ihr uns nicht! 
Gerade dann, wenn es uns am Wichtigsten wäre,
spürt ihr uns nicht.

Weil ihr Angst habt,
weil ihr mutlos seid,
weil ihr frustriert seid.

Dann spürt ihr uns nicht.
Ja.

Ja, woher kommen denn dann der Trost
und die Stärke?

Wer kann euch dann die Ruhe im Sturm sein?

Ich werde es euch sagen:
Ihr euch selbst!
Und dass ihr dieses Selbst erfahrt,
erlebt und
nie wieder vergesst,
dafür hoffen wir, dient dieses Wochenende.

Darum geht’s, hm?
Stärken, befreien – darum geht’s.
Dagmar, deine nächste Frage.

D. Ich frage jetzt einfach mal,
weil ich an diesem Wochenende
mich nur um mich kümmern wollte,
aber mir mein Ururgroßvater in einem Reading
noch dazwischen gekommen ist.

Und ich weiß jetzt nicht:
Ist das was Separates
oder gehört es zum Wochenende mit dazu?

E. Es ist etwas Separates
und es ist auch jetzt nicht Thema.
Jetzt geht es wirklich um dich.

Um dich!

D. Ich wollte wirklich nur mal fragen.
Weil ich mehrere Baustellen habe,
wollte ich einfach mal fragen.

E. Ja.
Aber wenn wir dich verbunden haben
mit deinem wahren, wunderbaren Selbst,
dann lösen sich viele Probleme
auch auf jenseitiger Ebene fast von selbst.
Ja?

D. Hm.

E. Insofern hängt Eines mit dem Anderen zusammen! 
Das ist schon richtig.

Nur hier muss es einfach darum gehen,
den Schatz aus dem Keller zu heben.

D. Ja.
Aber trotzdem wollte ich mal fragen.
Du hast ja einen besseren Überblick dazu.

E. Ja.
Solange ich hier bin und
du dort, ist das wahr.
Da wollen wir auch noch nichts dran ändern.

Gut.
Hättest du jetzt noch eine Frage?

D. Ja.
Um das für mich zum Abschluss zu bringen:
Diese Geschichte mit meinem Bruder. 
Ob das jetzt so weit wirklich abgeschlossen ist,
dass ich mir da jetzt nicht mehr
für mich Sorgen machen muss.

Also: Mein Bruder lebt ja sein eigenes Leben
und hat seine eigenen Aufgaben, aber…

E. … Aber das stimmt nicht, ja?
Es fühlt sich auch anders an.

Dagmar, eure Affinität zueinander
erfordert eine Entscheidung! 
Und zwar deine.

Das weißt du auch!
In aller Liebe, allem Verständnis und allem Respekt:
Aber doch!
Doch eine Entscheidung und zwar in dir.
Ja?

D. Muss ich mich von ihm trennen?
Ich kann das jetzt nicht ganz greifen,
die Entscheidung, die ich zu fällen habe.

E. Ich darf dir – und das weißt du –
ich darf dir nicht sagen,
was du zu tun hast.

Aber ihr könnt es erarbeiten
und da bin ich gewiss, ja?

D. Gut.
Weil ich möchte ja zu dem kommen, weshalb ich…
Ich kann das noch nicht genau greifen, aber…

E. Dagmar, das Eine gehört zum Anderen.
Die Frage, die Zugrunde liegt, ist:
Wie viel darf ich mir wert sein?

D. Hm.

E. Wenn ich etwas sehr Wertvolles habe:
Nun sagen wir einmal: 
Zu meiner Lebenszeit hatte ich ein kleines Schnupftabak-Döschen.
Ich liebte es sehr.
Meine Frau hatte es mir geschenkt an einem besonderen Tag.
Es war mir sehr wertvoll.
Ich wusste es zu schätzen.

Weißt du dich auch zu schätzen?

D. Ich denke mal:
Noch nicht so, wie ich es könnte.

E. Warum nicht?
Siehst du.

Du brauchst mir nicht antworten.
Ich weiß es.
Das ändern wir.
Ja?

D. Ja.

E. Ja.
Womit ich natürlich nicht behaupten möchte,
du seist vergleichbar mit meinem Schnupftabak-Döschen.

D. Das hast du schon richtig angenommen.

E. Hm.
Hast du noch eine Frage, Hanna?

H. Ich bin ständig auf der Flucht.
Das nimmt so viel Kraft.
Ich verzettele mich überall,
also auch beruflich.
Ich bin einfach ständig auf der Flucht
vor irgendwas und weiß nicht,
wie ich zur Ruhe kommen kann.

E. Wer flieht,
der muss nicht kämpfen.

Wer flieht,
muss nicht das Schwert in die Hand nehmen.

Wer flieht,
der läuft dem Wind davon.
Nicht?

Und der Wind,
der holt dich immer wieder ein, überall.

Bis du es endlich tust: Kämpfst.
Ja?

Das kommt dir jetzt viel zu viel zugemutet vor.
Das liegt daran, dass du müde bist.
Es geht immer schlechter mit dem Kämpfen.
Es wird besser gehen,
wenn du wieder Heim fährst.

Ich möchte dir einen
mächtigen, mächtigen Krieger vorstellen,
groß und stark.
Ein Held, mutig und treu.

Und der bist du!

Das kannst du gar nicht glauben,
das ist aber wahr.

Das traust du dich kaum,
es anzunehmen.

Es ist aber wahr.
Ja, das ist wahr!

Und dieser mutige Held,
dieser tapfere Krieger,
der kam in eine Familie und lernte,
dass er ganz klein ist
und ganz hilflos
und eigentlich gar nichts Richtig macht.

Nun ist er erwachsen,
hat sehr viel erlebt.
Dass alles bestätigt hat,
wie klein er ist und hilflos
und macht nichts richtig.

Ja, woran liegt das?
Wir werden dir zeigen,
wie du die Kräfte deines mutigen Kriegers
wieder in dir aufnehmen darfst und nutzen kannst.

Wir werden es dir zeigen.
Ja?

H. Hm.

E. Das klingt doch schon besser.
Du wirst es erleben.
Freu dich drauf.

Gut.
Dann machen wir eine Pause
und dann noch einmal eine Runde. Ja?

Also, bis gleich.
Nach der Pause…

E. So, ihr Lieben.
Dann frage ich zunächst mal dich, liebe Dagmar,
deine nächste Frage.

D. Wenn ich die nur richtig formulieren könnte.

E. Nun, ich kann dir dabei helfen.

D. Es geht um das Thema über sich selbst Hinaus wachsen.

E. Ja! Ja!
Die Größe entdecken.

D. Ja.
Weil ich da auch ein paar Regressionen hatte,
wo ich an die falsche Adresse gekommen bin
mit dem darüber Hinaus wachsen.

Und das möchte ich diesmal vermeiden.
Weil: Das ist immer unangenehm,
wenn man an die falsche Adresse kommt
und nicht an die eigene Adresse kommt.

E. Dagmar, zuerst der Keller
und dann das Haus??

D. Hm.

E. Wie ist das,
wenn man in ein fremdes Haus kommt
und man darf im Keller anfangen.
Was kann man daraus schließen,
was man da sieht?
Hm?

D. Hm.

E. Nun, wenn du in meinen Keller gekommen wärest
in meinem lieben, schönen, alten Schloss an der Loire,
da hättest du einiges entdeckt,
woraus du Rückschlüsse hättest ziehen können
über mich: den Herrn des Hauses.

Du hättest höchstwahrscheinlich meinen Weinkeller entdeckt
mit den schönen, alten Fässern.
Was hättest du dir gedacht über mich,
wenn du ihn gesehen hättest?

D. Ein Genießer.

E. Richtig!

D. Der weiß, was gut ist.

E. Ja.
Und es hätte andere Räume gegeben,
da hättest du sehr viele alte Bücher entdeckt:
gut verwahrt, sorgfältig sortiert.
Was hättest du da gedacht?

D. Weise und belesen.

E. Zumindest belesen, nicht wahr?

D. Offen für…
Er schaut über seinen Schreibtisch hinaus.

E. Ja.
Und du hättest einen Raum entdeckt,
in dem sich alte Wäsche stapelt
und allerlei alte Kleidungsstücke.
Was hättest du da gedacht?

D. Upps.

E. Nicht wahr?
Ja, ich gebe zu:
Ich konnte mich schlecht trennen von diesem und jenem,
was mir liebe Erinnerungen bereitete.
So hob ich zum Beispiel die erste Kleidung meiner Kinder auf,
das Brautkleid meiner Frau
und meine allerersten Reitstiefel.

D. Die hab ich auch noch im Keller.

E. Ja, man ist ein wenig sentimental.
Verstehst du, was ich sagen will?
Man kann sehr viel Wahres finden.
Wenn du in mein Haus gekommen wärest,
ohne meinen Keller zuerst zu betrachten,
wäre dir möglicherweise Vieles entgangen.

Es war nicht meine Art
und es entsprach weder meinem Stand
noch meiner Zeit,
dass ein Adliger meines Standes seine Bildung präsentiert.

Und es entsprach schon gar nicht meinem Stand,
dass ich sentimental an alter Kleidung hing.

Meinen Weinkeller hätte ich dir vermutlich gezeigt.
Aber ich entsinne mich nicht,
je einem Gast diese anderen Dinge gezeigt zu haben.
Hm?

D. Hm.

E. Das Wesen eines Menschen
wird deutlich an den Schätzen,
die er in seinem tiefsten Inneren bewahrt.

Und wie eigenartig!
Wie eigenartig: Seine Größe wird gerade dort
in seiner Tiefe Wirklichkeit.

Nicht im Dachboden!
Wie viel Gerümpel da lag einerseits
und andererseits wie viel ungenutzter Raum.

D. Ich frag auch so ein bisschen aus dem Hintergrund
wegen meiner beruflichen Veränderung.

Wo ich nicht weiß,
ob ich jetzt den Visionen mir selbst gegenüber erliege
oder ob das wirklich sozusagen der Lockvogel ist,
um über mich hinaus zu wachsen.
Sagen wir mal so.

E. Wenn aus Angst Liebe wird,
dann bist du über dich hinausgewachsen.

Liebe zu dir ist der erste Schritt.
Ja?

D. Hm.

E. Liebe,
wie du bist und was du bist:
Eine Frau, mutig, tapfer
und – weiß Gott – unbeirrbar,
wenn sie sich etwas vorgenommen hat.

D. Das ist wohl wahr.

E. Wenn aus Abneigung Mitgefühl wird,
dann bist du über dich hinausgewachsen.
Mitgefühl mit dir! 
Ja?

D. Hm.

E. Das ist das Oben! 
Und das Unten sind die guten Gründe dafür,
die du brauchst.
Wollen wir es so halten?

D. Hm.

E. Dann werden wir es so machen.

D. Ich habe eine klitzekleine Frage noch.
Die muss auch nicht lange beantwortet werden.

E. Ich gebe mir Mühe.

D. Ich bin ja ein Dual.
Also zwei Teile.
Oder bin ich drei Teile?

E. Nein.

D. Da gibt es Informationen,
die haben mich ein bisschen verwirrt.
Und bin ich der weibliche Teil
oder bin ich der männliche Teil vom Dual?

E. Du bist der weibliche Teil.

D. Gut.
Ich habe immer gedacht,
ich wäre der männliche Teil.

E. Du bist der weibliche Teil,
aber die Nähe zum Männlichen
ist sehr stark ausgeprägt bei dir.
Das liegt aber daran,
dass du sehr oft männlich inkarniert bist
aus Scheu vor der Weiblichkeit.

D. Das bin ich ja am Verändern,
daran bin ich ja am Arbeiten.

E. Richtig.

D. Und ich gebe mir wirklich Mühe.

E. Jetzt überleg doch mal bitte,
was für ein großer Schritt das ist.
Du hast oft gekniffen.

D. Ich gebe es ja zu.
Aber jetzt will ich nicht mehr kneifen.

E. Nein, es ist schön, eine Frau zu sein.

D. Das einzige Problem, das ich habe,
ist das mit meiner Treue
und diesem Wort „Untreue“ zu meinem Dual gegenüber.

Weil ich ja weiß, dass ich ein Dual habe
und ich hab mit Sicherheit noch etwas zu klären
mit Anderen irgendwie
und ich weiß auch nicht wo.

Und das ist für mich eine große Hemmschwelle.

E. Schau mal: Kannst du jemandem Untreu sein,
der noch gar keinen Anspruch auf dich haben kann?

D. Das weiß ich halt nicht.

E. Nein, das kannst du nicht.
Jede Erfahrung, die du sammelst,
bringst du in das duale System ein.
Und jede Erfahrung, die er sammelt,
bringt er in das duale System ein.

D. Ja, aber das funktioniert ja
nicht immer unbedingt so.

E. Ich diskutiere das nicht.

D. Gut.

E. Du wirst schon sehen.
Aber du darfst dich dem Leben nicht verweigern!

D. Ich will ja nicht kneifen.

E. Ja. Jetzt ist jetzt.
Heute ist heute. Hm?

D. Hm. Okay.
Das hilft mir jetzt weiter.

E. Gut.

D. Danke schön.

E. Gern geschehen.
Ja, Hanna, du bist fast zu müde,
um noch zu fragen.
Magst du trotzdem noch etwas fragen?

H. Ja, ich bin auch im anderen Bereich
– was den Beruf betrifft und das Spirituelle –
sehr unglücklich, weil:
Ich habe das Gefühl:
Ich mache nicht das, was mir gemäß ist.

E. Ich habe oft darüber gesprochen
und ich fass mich darum kurz,
bitte aber dich, Hajo, und Uta,
der Hanna zu helfen.

H. Ja.

E. Was ist eine spirituelle Arbeit?
Die, die hochgeistig ist und gut.
Die, die ganz offenkundig Menschen oder Tieren hilft.
Helfende, pflegende, stützende, beratende Berufe,
die sind spirituell.

Verkennt nicht, was ihr tut, ihr Lieben.
Verkennt es nicht.

Dass du unglücklich bist an deinem Arbeitsplatz, das…
Das ist etwas, was wirklich zählt.

Das ist etwas, was geändert werden will in dir und aus dir heraus.

Aber das, was du getan hast,
was du gearbeitet, geleistet
– und wenn man es einmal im Großen sieht –
der Menschheit damit gegeben hast,
das war nicht nichts!

Das war nicht wertlos.
Das war nicht einmal profan.

Jeder Mensch, der arbeitet,
tut etwas sehr Spirituelles!

Denn fehlten sie
– all die Menschen, die dies tun –
und nach und nach bräche alles zusammen.

Ich halte nichts davon, Arbeit zu werten
spirituell und nicht spirituell.

Jeder von euch
und jeder Platz, an dem ihr steht, ist ein spiritueller Platz.

Denn IHR steht da!
Denn IHR habt die Möglichkeit,
diesen Platz zu erfüllen.

Dient dem, was in euch Gott ist.

Stell dir mal vor, wie das wäre,
wenn Jesus deine Arbeitsstelle hätte.

Vor seiner Zeit als Messias,
da war er ein Handwerker.
Das war eine profane Tätigkeit.
Es war gut.
Es war wichtig.

Ein festes Dach über dem Kopf ist eine wichtige Sache.
Hm?

Ist sie?
Ist sie!

Du möchtest dich verändern
und das ist gut.

„Aber in welche Richtung?“
Das fragst du dich.

Ich werde es dir sagen.
Es ist ganz leicht.

Dorthin, wo dein Herz hüpft,
wenn du daran denkst.

Dahin geht’s.
Genau dahin.

Ich werde dir nicht sagen:
Tue dies und tue das.
Werde Heilpraktiker oder
werde psychologischer Berater
oder Altenpfleger
oder Sterbebegleiter.
Das tue ich nicht.

Und ich will dir sagen,
warum ich das nicht tue:
Weil es dich um das Erlebnis brächte,
zu erfahren, wie es ist, wenn das Herz hüpft,
weil der Platz, an dem man steht, der Richtige ist.

Und das tut es manchmal völlig unerwartet
an einer Arbeitsstelle,
wo man es nie vermutet hätte,
wo man nie drauf gekommen wäre.

Ich war in meinem letzten Leben ein Adliger
und tat meine Pflichten,
die ich zu tun hatte.
Es schien mir so profan.
Ich habe es nicht geliebt.

Als ich jung war,
hab ich mein Schicksal bitter beklagt.
Und es gab gute Gründe, es zu beklagen.
Gewiss: Ich war wohlhabend,
aber viel zu viel Lasten lagen auf meinen Schultern.

Ich liebte meine Bücher
und ich liebte die Weisheiten, die ich darin fand.

Ich suchte den Sinn meines Lebens
und ich suchte, den Sinn zu erfüllen.
Bis ich begriff:
dass das ein Weglaufen war.

Ich sollte nicht mein Leben mit Sinn erfüllen,
sondern meinen Tag!
Nicht mehr und nicht weniger!

Dem einzelnen Tag so viel Sinn abverlangen,
wie nur möglich war.

So, so fand ich Erfüllung!

Manchmal fand ich den tiefsten Sinn meines Seins
in den aller-profansten Dingen.
Manchmal war das Beste,
was ich getan habe, so scheinbar gar nichts.

Vielleicht lobte ich voller Freude,
aufrichtig und reines Herzens das Gericht,
das mein Koch mir gekocht hatte.
Und gerade dieses Lob war es vielleicht,
dass ihm sein schweres Leben
etwas leichter machte an diesem Tag.

Und vielleicht gab ich
– ohne viel darüber nachzudenken –
meinem Nachbar, der auf Besuch war,
einen Rat, der mir gar nicht wesentlich schien.
So unwesentlich,
dass ich mich nicht einmal daran erinnerte.

Und doch war gerade dieser Rat an diesem Tag
wie ein Geschenk von Gott selbst.

Wo immer ihr steht,
wer immer ihr seid,
was immer ihr macht:
Diesen Tag nutzt!

An diesem Tag seit offen dafür,
dass Gott euch bewegt
und durch euch wirkt,
durch euch spricht und
durch euch handelt.

Wenn ihr das tut und beherzigt,
dann gibt es keinen falschen Arbeitsplatz
und keine profane Arbeit.
Dann hat das Leben Sinn:
Tag für
Tag für
Tag.

Hier an dieser Stelle möchte ich abschließen,
wissend,
dass auch dies ein Thema ist,
das euch beide sehr beschäftigt.

Ich wünsche euch die Kraft,
ein Sturm zu sein,
der aus den finsteren, nebligen Tagen
einen wunderschönen Tag macht:
Frisch gewaschen und klar,
hell und rein soll euer Leben sein.

Lebt wohl.

H. Leb wohl.

H. Vielen Dank für Alles
an euch Alle.

E. Gern geschehen.