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Verstorbene – über das Jenseits: Ich bin tatsächlich heim gegangen!

Ich bin tatsächlich heimgegangen!
Ja, glücklich bin ich!
Das siehst du doch!
Das will ich dir ja grad BEWEISEN!
Ich bin wirklich heim gegangen!
Aber es ist schon alles ganz anders, als ich dachte!
Man kommt aus dem Wundern ja gar nicht heraus!
Weißt, hier gibt’s sogar Musik!
Und singen kann ich, stell dir vor!
Ach nein, zwecklos!
Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.
Verstorbenenkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit Josef zu verbinden.
Seine Tochter Ingrid bittet um den Kontakt.

Josef ist sofort da ohne irgendwelche Umschweife.
Allerdings ist sein Haar weiß und ein bisschen zerzaust. 
(Das hört er gar nicht gern und versucht,
die Wirbel mit der angefeuchteten Handinnenseite zu glätten.)
War er ein wenig eitel?

J: Nein! War ich nicht!
(Das raunzt er ein bisschen.)

U: Geh, Josef, eben warst du doch noch so nett…

J: Ich bin auch immer noch nett.
Ah, nein, jetzt das auch noch!
(Er schaut auf seine Schuhe herab,
die Schnürsenkel sind nicht gebunden.)

Kannst du mir die mal zubinden,
ich komm da ja nicht hin (das ärgert ihn!).
Gleichzeitig müssen wir Beide auch ein bisschen lachen…

U: Josef, sag, muss das jetzt sein?

J: Ja, sie soll mich doch erkennen!
Das wird ja nix,
wenn ich daher komm wie ein junger Gott!

U: Na gut, da hast du auch wieder Recht.
Hat dich das geärgert, wenn deine Kleidung nicht in Ordnung war?

J: Nein! (Grinst aber dabei und nickt.)

U: Du, sag mal, du bist aber schon ein Schelm, oder?

Josef schüttelt den Kopf, sagt aber: Ja!

U: Ach, Josef, jetzt ist´s aber gut!

J: Ja freilich, gut ist´s schon lang!
Weißt du, wo das Notenblatt liegt?

U: Notenblatt? Nein, ich hab kein Notenblatt…

J: Schad! Kannst du singen?

U: Schon…
Aber nichts Bayerisches!
(Ich höre im Hintergrund Zithermusik.)

J: Wo kommst denn her, du?

U: Niedersachsen…

J: Drum!

U: Josef, jetzt ist aber genug gescherzt!
Für die Ingrid ist das hier eine ernste Sache.

J: Ja, meinst, dass ich das nicht weiß?
Das weiß ich schon, aber mich freut´s halt doch,
dass ich so glücklich bin.
Sag ihr des nur recht deutlich!

Schön ist´s hier, schön und lustig sind wir!
Das geht ja Gott sei Dank alles gar nicht so traurig und ernst zu.
Sag ihr das mal von mir: 
Das Schönste im Leben, das ist das Lachen.

U: Auch im Himmel?

J: Da erst recht!

U: Warst immer so fröhlich?

J: Na!
Ich konnt auch anders.
Müssen wir darüber jetzt reden,
das ganze, alte Zeug herbeten?

U: Gar nichts musst du…
Nur was du magst!

J: Nur, was ich mag? 
Das gefällt mir!
(Da lacht er, als ob er einen Scherz gemacht hätte.
Aber dann wird er ernst.
Er hat seine Brille in der Hand, fingert daran herum.)

J: Man sagt nicht das, was man denkt…
Ja, das ist doch schade…
Aber ich sag, was ich denk!
Das lass ich mir nicht nehmen.

U: Einverstanden!

J: Als ich jung war, hätt ich nie gedacht,
dass ich einmal so alt werde…
Aber auf meinem Geburtstag hab ich gesagt:
Hundert werd ich!
Was meinst, ob die sich da erschrocken haben?
Also, ich hätt mich erschrocken!
(Da lacht er schon wieder und zwar so sehr,
dass er sich die Tränen aus den Augenwinkeln
mit einem großen Stofftaschentuch wischen muss.)

Ich bin dem Herrgott dankbar,
dass er mich so schnell zu sich genommen hat.
Das war doch eine rechte Plackerei mit dem Alt werden.
So zu gar nichts nütze sein, das war nicht schön.

Ich weiß, sie hats nicht leiden können:
Den Gedanken, dass ich bald gehen muss.
Aber sie wollt auch nicht wie ein Kind sein…
Ja, tapfer war sie doch!
Und hat viel ertragen.

So einfach ist das nicht mit einem alten Vater,
wenn der seine Launen hat!
Das weiß ich schon zu schätzen, da bin ich ihr schon dankbar…
Aber, wenn ich´s recht bedenk:
Es war der richtige Zeitpunkt,
es muss auch einmal eine Ruhe sein mit all dem!
Ja, so seh ich das!

Er beugt sich etwas vor und flüstert mir ins Ohr,
in dem er auf den Unterleib zeigt: 
Das war ja das Schlimmste für mich!

U: Der Unterleib?

W: Sprech mer nicht weiter drüber!
(Winkt ab!)
Aber weißt, was ich vermiss?

U: Nein…

J: Statt einer Antwort zeigt er mir eine große Anzahl
Kuchen und Torten und Strudel.

U: Oh je!

J: Ja schon…
Ist nicht nur gut!
Er macht eine Pause…
Dann bekomm ich das Bild einer jungen Frau
in einem leichten, geblümten Sommerkleid.
Von der Mode her vermute ich:
So kurz nach dem Krieg!
Hübsche Beine und eine schlanke Taille…

Ich denke, er meint deine Mutter…
Mit diesem Bild verbindet er sehr viele Gefühle.
Ich denke, er erinnert sich sehr gern an die Zeit
der jungen Liebe zu ihr.

Ganz aufgeregt wird er bei diesem Gedanken.
Er zeigt mir viele, viele Briefe und dazu fällt das Wort Feldpost.
Und dass er von diesen Briefen gelebt hat
oder wegen der Briefe überlebt hat…

Ich hatt schon Glück mit meinen Frauen (dabei lächelt er ganz lieb).

Hatte er im Alter unter trockener Haut zu leiden?
Er zeigt mir ein Bild:
Da sitzt er mit einer Strickweste
– darunter ein Hemd –
in einem Sessel und es juckt ihn so arg!

Erst mag er nichts sagen, aber dann schon:
Jemand hilft ihm, sich zu kratzen.
Seine Haut scheint sehr trocken zu sein.

Er zeigt mir seine Hand
(nur die eine, war etwas mit der anderen nicht in Ordnung?)
und ich sehe, dass sich da etwas sehr verändert hat.
Auf dem Foto ist er sehr schlank!
Aber er zeigt mir eine Bild,
da sieht die Hand viel dicker aus…
Und er zeigt mir, dass er seinen Hosenbund nicht zubekam…

J: Das sollte jetzt aber reichen! 
Warum hat sie denn bloß das Bild genommen?
Da kennt man sich ja selbst nicht mehr!

U: Ist dir das Soldatenbild peinlich?

J: Nein! (Das kommt sehr entschieden.)
Ich mein ja nur so…

U: Vielleicht wegen deiner Augen, die sieht man da gut…

J: Ach so?

U: Hm, hm…

Er ist anscheinend für andere Bilder.
Er zeigt mir ein graues Auto, sehr altmodisch!
Und ich wage gar nicht zu sagen,
wie es damit bergauf und bergab geht…
Zu sagen, es stottert, ist noch untertrieben…

U: Bist du damit etwa gefahren?

J: Ja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Ich wollt halt was aus meinem Leben machen!
Man lebt nur einmal!

U: Glaubst du das immer noch?

J: Nein, ich weiß schon: Es geht weiter, wenn ich will.
Ich will aber jetzt noch nicht, das wär doch schade!

Er zeigt mir eine Ansichtskarte.
Ein großer See umgeben von Bergen, eine Terrasse,
auf der Palmen in Kübeln stehen…

J: Ja, so was muss man sich gönnen können! 
Schau!
Aus der Ansichtskarte wird „Realität“.
Wir sind jetzt auf dieser Terrasse
und Josef liegt in einem Liegestuhl
(altmodisches Holzgestell, gestreifter Stoff).
Er trägt einen weißen Hut
und schaut mit einem Fernglas in die Weite…

U: Das sieht hier aus wie in den Sechzigern?
Warum hast du dir das als Umfeld gemacht?

J: Gute Zeit!
(Im Hintergrund steht ein Plattenspieler,
goldener Schriftzug an der Seite.)
Ich höre Teile eines uralten Schlagers: 
Tanze mit mir in den Morgen, tanze mit mir in das Glück.
Von drinnen höre ich ein anderes Lied:
Das ist der Itzi bitzi, Tini wini, Honolulu Strandbikini…

J: Stell das aus!
Du gehst mir nicht mit so einem Ding raus!

Ingrid, ich habe keine Ahnung,
was dieser letzte Abschnitt bedeuten soll…

J: Ja, ich schon!
Ich hab halt auf sie aufgepasst.
Heutzutage ist ja alles erlaubt und dann ist der Jammer groß!
Und du kannst wirklich nicht singen?

U: Na sicher nicht so, dass es dir gefällt…

J: Wo ist denn dein Hund hin?

U: Im Wohnzimmer, denk ich…

W. Schad!
Schau einmal da, siehst das?
Jetzt sind wir anscheinend im Wald,
vor mir steht ein wunderschöner Hirsch…

Es ist ganz still, ich hab ein bisschen Angst,
dass jetzt jemand schießen könnte…
Aber das Bild ist weg, wir sind wieder auf der Terrasse…

U: Ein wunderschönes Tier!

J: Man muss die Natur achten, man muss Respekt haben…

U: Da hast du Recht.
Sag, Josef, ich würde jetzt so gern einmal darüber schreiben,
wie ich dich als Seele empfinde, darf ich das tun?

J: Ja, und wozu?
Reicht´s immer noch nicht?

U: Es ist doch so wichtig,
dass dich deine Tochter erkennt!

J: Ja, was weiß ich,
was ihr Frauen wieder miteinander ausgemacht habt!

U: Soll ich das als Ja nehmen?

J: Ja, also, ist es nicht schon schwierig genug,
musste es jetzt ausgerechnet eine preußische Schreiberin sein?

U: Ja oder nein?

J: Meinetswegen!
Mach halt, wenn´s dich druckt!

Ingrid, so frech die eine oder andere Antwort vielleicht klingt:
Es fühlt sich nie so für mich an…
Da ist immer so ein bisschen ein Augenzwinkern dabei!
Und ich kann sagen:
Ich bin sehr gern mit deinem Vater zusammen.

Ich glaub schon, dass der auch mal wirklich streng war
und mitunter Dinge sagen konnte,
die wirklich ins Schwarze getroffen haben.
Sodass man damit zu tun hatte, damit fertig zu werden.
Aber ich bin sicher:
Im Grunde seines Wesens war er ein warmherziger Mann.

Sein Humor gefällt mir, aber auch seine gerade Art…
Beides zeigt er sehr deutlich.
Allerdings hab ich auch den Eindruck,
dass er durchaus auch das war,
was wir Norddeutschen einen Sturkopf nennen würden.

Er war einer, der wusste,
was er wollte und was „richtig“ war…
Und ihn davon abzubringen,
dürfte ziemlich schwierig gewesen sein.
Irgendwie hat er die Neigung,
immer die besseren Argumente zu haben.

Aber die hatte er auch wirklich!
Ich mag seine bodenständige, sachliche Art.
Er mag die Wahrheit, will nichts beschönigen,
will nichts verheimlichen.
Aber ich glaube:
Manchmal hat er es ein bisschen mit seinen Prinzipien übertrieben…

An dieser Stelle kommt ANNÄHERND!!!
so etwas wie eine Entschuldigung, so gut er eben kann.
Ich denke, so ganz einfach war das für dich nicht
als junges Mädchen mit ihm und seiner Sicht der Welt…

Und ich denke allerdings,
er hat es sich selbst auch nie leicht damit gemacht.
Ich denke,
dass der Krieg ein bedeutender Punkt für ihn war.
Er hat dort so viel Lug und Trug erlebt,
dass er von da an sich nie wieder von irgend Jemanden
oder irgend Etwas hinters Licht führen lassen wollte.

Er wollte sich niemals für das schämen müssen, was er tat!
Und das machte ihn zu einem sehr gewissenhaften Menschen.

Ich denke, er hatte einen guten Instinkt für das,
was echt, wertvoll und wahr ist.
Und er hatte ein ausgesprochenes Anstands-Bewusstsein.

Aber er hatte auch sehr viel übrig für das, was wirklich schön ist,
konnte genießen und sich freuen…

Gerade weil das Leben am Anfang alles andere als leicht war,
ist ihm nie der Sinn für das „kleine“ Glück
im Leben abhanden gekommen.

Selten erlebe ich Verstorbene,
die schon so kurz nach ihrem Tod so zufrieden sind
und so dankbar für ihr Leben.
Darin liegt viel Weisheit.
Wenn ich auf seine Kindheit komme, ist es,
als ob sich ein dunkler Schatten über alles legt.

Wurde er von seinem Vater abgelehnt?
Er ist so traurig, wenn ich in diese Richtung gehe…
Und viel mehr Trost kommt auch nicht,
wenn ich an die Mutter denke.
Im Gegenteil: Das tut richtig weh!

Er mag darauf gar nicht gerne eingehen.
Ihm sind die späten Jahre lieber, gibt er mir zu verstehen.
Man soll nicht alte Wunden aufreißen, meint er.

Damit beendet er meinen Versuch, ihn zu beschreiben.
“Das reicht” sagt er.

Er zeigt mir Bilder…
Ingrid, immer wenn Bilder kommen, weiß ich nicht genau,
inwieweit die vom Verstorbenen sind.

Einige sind fast immer aus dem Raum kommend.
Aber ich werde dir dennoch alle beschreiben,
wahrscheinlich weißt du mehr als ich dazu:
Das erste Bild zeigt einen Jungen,
der ein Weihrauchgefäß schwenkt.
Der ist nicht dunkelhaarig,
sondern sein Haar hat einen goldenen Ton…

Das nächste Bild ist ein Heuwagen
und darauf sitzt lachend ein Mädchen mit langen Zöpfen.
Der Wagen wird von einem braunen Pferd
mit heller Mähne gezogen,
daneben geht ein kleinerer Mann mit Hut und O-Beinen…

Das nächste Bild ist ein Foto
(ich sehe nur die eine Hälfte, als wäre die andere abgerissen).
Eine Braut mit einem langen Schleier,
ich bekomme das Wort Schwester.
Aber obwohl es doch ein Hochzeitsfoto ist,
fühlt es sich traurig an, auch bitter irgendwie…

Dann sehe ich ein Spielzeugauto aus Holz
und ich schnauze an mir herab.

Hat dein Vater Weihnachtsmann gespielt?
Ein schönes, fröhliches Gefühl dazu.

Ein Bild, das ich mir nicht erklären kann:
sehr gutes Porzellan.
Aber eben noch bewundere ich das,
jetzt liegt es in Scherben vor mir und ich höre eine Frau weinen.

Zwei Bilder, die sich überlagern wie Dias:
Das Eine zeigt eine Werkbank,
das Andere einen sauber aufgeräumten Schreibtisch,
auf dem eine technische Zeichnung liegt.

Ein Garten, kurzer Rasen, Rosen…
Ein Haus mit Terrasse und Balkon…
Dann stattdessen Erdaushub, sehr viel!
Und ich spüre, dass mein Rücken schmerzt…

Eine Hauptstraße:
Ich gehe an verschiedenen Geschäften entlang,
bleibe vor der Auslage einer Metzgerei stehen…
Ich habe das Gefühl,
dass ich EIGENTLICH zum Arzt sollte,
aber stattdessen die Zeit verbummele…
Kann das sein?

Hast du ihn auf dem Sterbelager noch schön gemacht?
Ich sehe, wie ihn Jemand
– obwohl er schon gestorben ist –
rasiert und kämmt und zwar sehr, sehr liebevoll.
Und ich bekomme dazu ein ganz zärtliches Gefühl,
viel Dankbarkeit und dass er da ganz gerührt ist.

J: Ja, da schon! 
Aber ich mochts gar nicht, wenn mich ein Anderer rasiert hat!
Gar nicht!

U: Möchtest du Ingrid noch etwas sagen?

J: Als sie jung war, hat sie oft gedacht,
dass ich immer was an ihr auszusetzen hab.
Aber das war wirklich so, dass ich sie doch so lieb hatte!
Verstehst du das?

Ich konnte das so doch nicht sagen!
Ich konnte doch nicht sagen, wie lieb ich sie hatte!
Aber wahr ist es schon!
Bis zum Schluss!

Sag ihr, ich konnt nicht anders gehen,
ich brauchte Abstand!
Da muss man mal an sich denken!
Sagst du ihr das, das ist wichtig!

Sie meint ja gleich immer, dass sie ihre Pflicht versäumt!
Aber so was meinen nur Menschen,
die nie freiwillig ihre Pflicht versäumen!
Ich bin dankbar für alles,
ich wollt es gar nicht anders haben.

Streit will ich nicht hinterlassen, aber was soll man machen?
Sag ihr: Was Deins ist, ist Deins!
Was beschlossen ist, dabei bleibts auch!
So, jetzt hätt ich gesagt, was ich zu sagen hatte.

U: Danke, Josef, darf ich dir noch die Fragen von Ingrid stellen?

J: Das darfst du schon!
Und wenn ich will, dann antworte ich…

U: Genau! Ingrid fragt, wie es dir geht?

J: Ja, glücklich bin ich!
Das siehst doch!
Das will ich dir ja grad BEWEISEN!

Ich bin wirklich heim gegangen!
Aber es ist schon alles ganz anders, als ich dachte!
Man kommt aus dem Wundern ja gar nicht heraus?
Weißt, hier gibt’s sogar Musik!
Und singen kann ich, stell dir vor!
Ach nein, zwecklos, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

U: Ingrid fragt, ob sie noch etwas für dich tun können?

J: Die? Für mich?
Nein, aber ich für euch!
Ich sag euch was!
Ein Leben lang fürchtet sich der Mensch davor, dass es aus ist.
Da schluckt er täglich Pillen und spritzt und macht und tut…
Und warum?
Weil er so Angst hat, zu sterben!
Und dann bist tot!
Und das Erste, was du machst, ist: 
Dass du lachst und dich freust!

Aber weißt, was mich freuen würd?
Ich weiß, es ist bald Weihnachten,
ich bin da, darauf kannst dich verlassen!
Ich würd euch so gern noch einmal singen hören,
da würd ich mich freuen!

U: Was sagst du zu ihren Kindern?

J: Da hätt ich schon viel zu sagen,
aber da fragt man sich,
ob die das hören wollen?
Ich sag dir was, damit soll es genug sein: 
Bleib so, bleib, wie du bist,
lass dich nicht so hängen.

Das Leben ist nicht vorbei, nur, weil man älter wird!
Wenn ich so gedacht hätt!
Du hast einen melancholischen Sinn…
Und immer fühlst dich für alles verantwortlich,
aber Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen
und du als Mutter kannst nur eins tun:
Ihnen treu sein!

Ich hab mich auch einmal abgewendet
und wie hab ich das bereut.
Nein, nein, Treu sein ist das Wichtigste als Mutter,
dem Kind treu und der Wahrheit treu!

U: Hast du schon Aufgaben im Jenseits?

J: Ich? Nein!
Muss ich schon wieder Aufgaben haben?

U: Nein, nein…
Genieße nur deinen schönen See…

U: Gibt es noch etwas,
das du Ingrid empfehlen möchtest?

H: Ja, einen Husten soll man ernst nehmen! 
Da hilft nichts, da musst aufpassen!
Sonst hab ich schon gesagt, was ich sagen wollt.

U: Ja?

H: Na (kratzt sich am Hinterkopf, als sei er verlegen).
Gut! Dann!
Ich hab dich lieb!
Hörst du, was dein Vater dir sagt?
Ich hab dich lieb!
Ich bin stolz auf dich!
Lass dir von Niemandem ein Unrecht tun!
Und hab keine Angst vor der Zukunft, alles kommt zur rechten Zeit!

U: Danke sehr, Josef, ich hoffe,
dass wir Ingrid Trost geben konnten…

H: Das hoff ich auch!
Da schau:  Er hält ein feines Damentuch in der Hand,
es duftet ganz zart nach Parfüm…

Ich hab´s nicht vergessen,
dass ich eine schöne Tochter hab,
du darfst es auch nicht vergessen.

U: Damit verabschiedet Josef sich.

Er wirft etwas weg!
Das sieht aus wie ein Spazierstock.
Er richtet sich auf, wird ganz jung.
Jetzt im eleganten Anzug
und er macht sehr elegante Tanzschritte!
Er lacht und winkt…

Und geht schließlich zurück ins Licht!