Dualseelen

Uta – Die Geschichte vom Elfen und vom Loslassen können

Die Geschichte vom Elfen
und vom Loslassen können.

Uta

Es war einmal in einem fernen Land
zu einer fernen Zeit.

Ein kleiner Elf lebte glücklich und zufrieden mit seiner Frau,
der Elfin.

Doch eines Tages sagte die Elfin:
„Liebster Elf, nun muss ich dich leider verlassen.
Du weißt, einmal muss es sein,
das wir uns wandeln und zu den Sternenelfen gehen,
denn so ist unser Elfengesetz.

Ich bitte dich, mein lieber Elf, sei nicht zu traurig.
Denn wenn du es bist,
dann werde ich große Schmerzen haben.

Vielmehr freue dich ein bisschen mit mir,
denn dann werden meine silbernen Sternenflügel wachsen.“

Der Elf bat so sehr, dass die Elfin bleiben möge,
doch es halfen alle Bitten nichts.
Eines Morgens war sie fort.

Die Sternenelfen waren gekommen
und sie war mit ihnen gegangen,
so wie sie es gesagt hatte.
Denn es war Gesetz in diesem Land,
das jeder Elf eines Tages mit den Sternenelfen ging,
um selbst ein solcher zu werden.

Die Sternenelfen hatten wichtige Aufgaben.
Sie förderten und beschützten die kleinen Elfen in diesem Land
und sie förderten und beschützten das Land
und seine Tiere und Pflanzen.

Und jeder Elf, der zu einem Sternenelfen geworden war,
der war im Lande unsichtbar.
Aber er leuchtete gerade dann
– wenn es dunkel wurde im Land –
wie ein Stern in der Nacht
und erhellte den Weg des müden Wanderers.

Unser kleiner Elf aber war so traurig.
Tag ein, Tag aus klagte er:
MEINE Elfin ist gegangen,
MEINE Elfin hat mich verlassen!

Und alles,
was Elf und Elfin sich gemeinsam geschaffen hatten, verging.

In ihrem Garten verloren die Blumen ihren Duft,
weil der Elf vergaß, an ihnen zu riechen.

Die Vögel hörten auf zu singen,
weil ihnen niemand mehr zuhörte.
Und die Bienen hörten auf, zu summen,
weil es niemanden gab,
der ihren Honig wollte.

Wenn es ganz leise war,
dann hörte man die Blumen rufen:
Lieber Elf, bitte rieche an uns, wir sind doch DEINE Blumen.

Und die Vögel sangen leise und hoffnungslos:
Lieber Elf, bitte hör uns doch zu, wir sind doch DEINE Vögel.

Und die Bienen summten verzweifelt:
Bitte, lieber Elf, unser Leben hat ja keinen Sinn,
wenn du unseren Honig nicht naschst.
Weißt du denn nicht, dass wir DEINE Bienen sind?

Aber der Elf hatte seine Ohren verschlossen
und klagte nur immer wieder:
MEINE Elfin hat mich verlassen!

Manchmal kamen Sternenelfen vorbei und er rief:
„Nehmt mich mit, nehmt mich mit
und bringt mich zu meiner Elfin.“

Aber sie antworteten:
„Nein, du hast noch nicht verstanden!“

Und sie flogen weiter leuchtend wie die Sterne.
Das alles sah die kleine Elfin und war traurig.
Sie wäre so gerne mit den anderen Sternenelfen gezogen
durch den Himmel und übers Land.

Sie hätte so gerne mit den Anderen ihren Segen gebracht für alles,
was im Lande lebt.

Aber ihr wuchsen und wuchsen einfach keine Flügel.
Denn Sternenflügel wachsen nur,
wenn man ein fröhliches Herz hat!

Eines Tages erlaubte ihr der oberste Sternenfee,
zum Elfen zurückzugehen,
um noch einmal mit ihm zu reden.
Vielleicht, dass er dann verstand.

Und so ging sie zurück.
Weinend saß er auf einem Stein
und klagte wie jeden Tag:
„MEINE Elfin ist gegangen.“

Sie sagte:
„Liebster Elf, bitte höre auf, zu klagen.
Sieh nur, UNSERE Blumen duften nicht mehr,
UNSERE Vögel sind stumm,
UNSERE Bienen summen nicht mehr.
Ich bin so traurig, wenn ich das sehe,
dass mir keine Flügel wachsen! „

Der Elf aber antwortete:
„Das ist mir ganz egal, dass du traurig bist.
Und es ist mir ganz egal,
dass die Blumen nicht duften,
dass die Vögel nicht singen,
dass Bienen nicht summen
und dass dir keine Flügel wachsen.
Komm wieder zu mir zurück,
dann wird schon alles wieder seine Ordnung haben!“

Da weinte die kleine Sternen-Elfin und bat den Obersten Fee,
dass sie zurückgehen darf und der erlaubte es auch.

Aber, ach!
Wie traurig war sie nun.
Jeden Tag sehnte sie sich zurück ins Sternenland.
Und auch sie vergaß, zu riechen, zu hören, zu schmecken.

Und die Freude des Elfen darüber,
dass er sie wieder besitzen konnte, war kein Trost.
Wie eine Gefangene,
die nie wieder das Licht der Sonne sehen durfte,
verzehrte sie sich nach ihrer Sternenheimat.

Eines Tages sagte der Elf:
„Liebe Elfin, warum bist du nur so traurig?
Es ist doch alles, wie es früher war
und da warst du doch glücklich!
Sei wieder so wie früher!
Es gefällt mir überhaupt nicht, wie du bist!
Ich befehle dir jetzt, glücklich zu sein,
denn du gehörst mir!“

„Nein!“ sagte sie, „das kann ich nicht!
Meine Sehnsucht ist eine andere.
Aber ich bitte dich: Lass mich frei!“

„Du gehörst aber mir!“ schimpfte der Elf.
„Ich bin nicht DEIN! 
Die Blumen, die Vögel und die Bienen, die sind DEIN.
Ich aber gehöre nicht dir und du nicht mir,
wir sind einander nur für eine gewisse Zeit geliehen!
Doch darüber bist du nicht dankbar! 
Du willst mich besitzen!
Du achtest meine Sehnsucht so wenig
wie die Sehnsucht deiner Blumen,
deiner Vögel und deiner Bienen.
Weil mich das alles dauert, kam ich zurück.
Doch hier zu leben, ist nicht mein Wunsch!“

Da wurde der Elf sehr zornig und schrie und tobte!
Die Sternen-Elfin aber ging in der Nacht wieder fort
mit den Sternen-Elfen.
Denn sie sah ein, dass es keinen Sinn hatte,
weiter bei ihm zu bleiben.

Er wollte ihre Freiheit nicht achten,
er verstand immer noch nicht.

Die Sternen-Elfen nahmen ihre Schwester gerne mit
und freuten sich, dass sie wieder zu ihnen kam.

Der Elf in seinem Zorn schrie:
„Nehmt mich auch mit, das ist MEINE Elfin!“

„Nein,“ sagten sie,
„Du hast immer noch nicht verstanden, was dein ist!“

Ja, was mag aus ihm geworden sein?
Und was mag ihn bewegen, zu verstehen?
Ich weiß es nicht.
Aber die Sternenelfen werden erst kommen,
wenn er verstanden hat, was sein ist und was nicht.
 

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