Pferden

Wenn ein Kind als mediale Seele weiß, was nicht zu wissen ist.

Eine mediale Seele, geboren in eine Welt des Umbruchs.

Aglaja wurde als jüngstes Kind geboren.
Sie war von Anfang an „seltsam“, wie ihre Mutter fand.
Seltsam ihr Blick, seltsam ihr Betragen, schon als Baby:
Nie zeigte sie Wut und Ungeduld, nie wehrte sie sich gegen irgendetwas…
Und doch war sie der Mutter nicht „lieb“…

Kaum war Aglaja 3 Jahre alt, zeigte sich zum ersten Mal,
dass sie Dinge sah und wusste, die nicht zu wissen waren.
Sie wusste, wann welcher Besucher kommen würde.
Sie wusste, ehe auch nur ein Wölkchen am Himmel stand, dass ein Gewitter kommen würde.

Je älter sie wurde, umso deutlicher wurde ihre „Gabe“.

 

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Engel von Kerstin zu verbinden, Kerstin bittet um diesen Kontakt. Es ist eine dunkle Winternacht, Schneeflocken so dicht, dass ich kaum ein paar Schritte weit sehen kann…

Aber vor mir ist ein erleuchtetes Fenster, halb in einer Schneewehe verborgen, und nicht weit davon hält jemand eine Laterne hoch. Ich spüre – obwohl ich ihn nur als Schatten neben dem Licht der Laterne sehen kann – dies ist der Engel.

Als ich näher zu ihm komme, sehe ich, wie erstaunlich groß er ist. Gekleidet in eine dicke Wolljacke, lange Hose in Stiefeln, die Hände sehr kräftig, die Augen hell, das Gesicht: ausgeprägte Züge, starke Wangenknochen, große Nase, herzliches Lächeln.

Er nimmt mich bei der Hand und zieht mich zu einer Art Hütte, deren erleuchtetes Fenster mir die Richtung wies. Wir bleiben außen stehen und schauen hinein. Ich sehe eine junge Frau, sehr schlicht gekleidet, vom Schnitt her wie eine Nonnentracht, aber die Farbe ist eher graublau, ungewöhnlich, auch trägt sie ihr Haar offen. In den Händen hält sie einige eng beschriebe Papierbögen.

Sie liest laut vor, das kann ich hören, nicht aber, WAS sie sagt… es ist aber außer einer Katze, die auf einem Bänkchen neben dem Herd liegt, kein Zuhörer zu sehen…

Guide: Das ist sie!

Uta: Kerstin?

Guide: Ja… damals Aglaja.

Uta: Seltsamer Name…

Guide: Russisch! Das hier ist Russland 1807, sagt dir das etwas?

Uta: Napoleon?

Guide: Fünf Jahre vorher…

Hör ihr zu (er öffnet mein Hören).

Aglaja liest: Vertrauen Sie Napoleon nicht, Majestät, er ist ein reißender Löwe. So sah ich ihn: Ein Löwe, der mit seinen mächtigen Pranken über fast ganz Europa steht. Eine zwischen Frankreich und England, eine in den Pyrenäen, eine in Deutschland. Er stellt seine vierte Pranke in unsere geliebte Heimat, bohrt sie tief hinein. Ein alles fressendes Ungeheuer.

Millionen sah ich Hand in Hand den himmlischen Pforten zuwandern. Wie verdorrte Hölzer, so mager waren sie: Kinder, Alte und junge Menschen ausgemergelt bis auf die Knochen, verwundet oder übersät mit Blattern zogen sie dem Himmel zu. Von überall kamen sie, Majestät, auch aus unserer Mutter, dem geliebten Russia!

Majestät, ich bin nur eine verbannte, kleine Frau, Gott selbst aber hat meine Niedrigkeit nicht angesehen. Er schenkte mir, die doch einfach ist und nicht würdig, sich an euch zu wenden, den Auftrag, euch zu berichten, was er mir anvertraute. Er tat es, um unsere Nation zu bewahren vor dem großen Menschenfresser und um unsere heilige Kirche nicht in die Not des Abfalls zu bringen.

Hier nun all meine Gesichte der Zeit, in der sie mir gegeben worden, nach geordnet, möge seine ehrwürdige Majestät selbst entscheiden, welchem Wert…

(In diesem Moment bricht mein Vermögen, zu hören, was Aglaja sagt, wieder ab.)

Uta: Sie hatte Präkognitionen?

Guide: Ja, seit ihrer Kindheit. Eine mediale Seele, geboren in eine Welt des Umbruchs. Komm mit, es ist gar zu ungemütlich für dich.

Er nimmt mich mit, wir verlassen diesen kalten Ort, stattdessen finde ich mich in einem schönen Zimmer wieder: ein hohes Fenster eingerahmt in rote Samtvorhänge, ein großer, runter Kachelofen mit sehr feinen Fliesen, mit weißen und goldenen Ornamenten, ein runder Tisch, an dem wir beide sitzen.

Guide: Ich denke, es wird Zeit, dass ich mich vorstelle. Mein Name ist Ambrosius… jedenfalls ist es der, den ich bevorzuge.

Hier hieß ich Sergei. Das hier war Aglajas Elternhaus.

Ihr Vater ein wohlhabender Händler, der allerdings so gut wie nie zuhause war, er war ständig in Geschäften unterwegs. Ihre Mutter war eine bodenständige Frau, eine gute Mutter ihren drei Kindern, eine gute Hausfrau und durchaus eine Dame.

Aglaja wurde als jüngstes Kind geboren, sie war von Anfang an „seltsam“, wie ihre Mutter fand: Seltsam ihr Blick, seltsam ihr Betragen, schon als Baby: Nie zeigte sie Wut und Ungeduld, nie wehrte sie sich gegen irgendetwas… und doch war sie der Mutter nicht „lieb“…

Seltsam fremd blieb ihr dieses Kind, eine Art Unnahbarkeit schien zwischen ihr und der Kleinen zu bestehen. Aber wie gesagt: Sie war eine sehr bodenständige Frau, wusste, aus allem das Beste zu machen, und so nahm sie es einfach hin, dass dieses Kind anders war als die beiden Älteren.

Kaum war Aglaja 3 Jahre alt, zeigte sich zum ersten Mal, dass sie Dinge sah und wusste, die nicht zu wissen waren.

Sie wusste, wann welcher Besucher kommen würde. Sie wusste, ehe auch nur ein Wölkchen am Himmel stand, dass ein Gewitter kommen würde.

Sie wusste, dass ihr Bruder stürzen würde, obwohl der noch friedlich im Bett lag.

Und sie wusste, wann der Vater kommen würde…

Je älter sie wurde, umso deutlicher wurde ihre „Gabe“. Was anfangs noch sensationell war, wurde mit den Jahren für die Familie zur Selbstverständlichkeit.

Gerne nutzte man diese Fähigkeit in der Familie. Obwohl Aglaja sich gelegentlich ein wenig in der Zeit irrte, in der geschehen würde, was sie voraussah, waren ihre Angaben doch stets exakt genug, um vorbereitet zu sein.

Aglaja selbst fand sich weder seltsam noch besonders. Sie machte sich überhaupt keine Gedanken darüber, so wenig wie darüber, dass sie Sommersprossen hatte. Es war, wie es war. Wirklich wichtig waren ihr ganz andere Dinge: Sie las gern und sie träumte gern, am liebsten Reiseberichte und Liebesromane. Sie war gern allein, was nicht ganz einfach war in diesem Haus. Ausflüge in die Landschaft liebte sie sehr, ob im Winter mit dem Schlitten oder im Sommer zum See: Stets war es ihr die größte Freude, dort in der Natur zu sein.

Sie liebte ihren Bruder, obwohl sie seine Begeisterung für alles Militärische nicht verstand, und sie liebte ihre Schwester, obwohl sie deren Neigung zu jeder Art von Putz – wie Kleidung und Schmuck und Hüte – verabscheute. Sie liebte sie, aber sie verstand nicht, was ihnen von Bedeutung war, genauso wenig wie die Geschwister sie verstanden.

Irgendwann zwischen ihren 10. und 11. Geburtstag hörte Aglaja einfach auf, über das zu reden, was sie interessierte oder beeindruckte. Sie wurde nicht verstanden und damit erübrigte es sich, dies weiter zu versuchen.

Das war durchaus traurig für Aglaja, denn sie konnte ihre Freuden nicht teilen. Aber wie hätte sie die auch erklären sollen? Wie erklärt ein Kind der Mutter vom Glücksgefühl, das der Wind ihr macht?

Wie der Schwester erklären, dass der funkelnde kleine Diamant am Ring nichts ist gegen die Freude, die es ihr bereitet, einen Eiszapfen vor ihrem Fenster zu bestaunen, in den die Sonne scheint? Ach, das war sinnlos!

Aglaja fing an, zu schweigen, um sich zu schützen, oder besser gesagt: um ihre Freude zu schützen.

„Mutter, schau nur, wie ich selbst zum Wind werde, mach das doch auch, es ist schön!“

„Kind, was redest du da schon wieder! Der Wind ist der Wind und ein Mensch ist ein Mensch!“

„Swetlana, schau, schau, wie der Eiszapfen strahlt! Viel schöner als dein Ringlein!“

„Ach, Aglaja, so was Dummes! Mein Ringlein ist ewig, aber dein Ding da, sieh nur, es taut! Morgen ist es weg!“

Wollte sie sich weiter an ihrer wunderbaren Welt freuen, musste sie schweigen.

Einzig wenn sie sagte: „Mutter, mir ist gewiss, der Vater kommt morgen“. Oder „Schwesterlein, nimm deinen Regenumhang mit, es wird ein Gewitter kommen“ oder „Brüderchen, es wird dir heute einer etwas stehlen!“ dann nahm man ernst, was sie sagte…

Wie seltsam die anderen waren, oder war sie es?

Etwa zur gleichen Zeit, als das Schweigen begann, begann auch der Zweifel daran, richtig zu sein, und es rührte sich etwas, das ganz neu wahr, immer wenn die Zweifel kamen: Scham…

Man hätte meinen können, dass Aglaja darum ein unglückliches Kind war, aber das war nicht so. Sie lebte wie selbstverständlich in diesen zwei Welten, einer Inneren und einer Äußeren.

Die Innere war reich, die Äußere langweilig und irritierend. Die Innere führte sie in die ganze Welt und darüber hinaus, sie war „bevölkert“ mit Freunden, aber auch Monstern, ein unendliches Abenteuerland…

Ein Land, in dem aber jedes Abenteuer gut ausging und sie die Heldin war. Man könnte diese innere Welt Fantasieland nennen, aber es war das Jenseits: Die Welt ohne materielle Verdichtung, zu der sie einen freien Zugang hatte. Geborgen und glücklich war sie dort, während die „reale“ Welt sie schnell überforderte.

Dennoch war sie mit beiden Welten zufrieden. Nur hin und wieder überfiel sie eine seltsame Angst, aber damals hätte sie nicht sagen können, wovor.

Als sie 16 Jahre alt war, kam ein bemerkenswerter Gast ins Haus. Ein reisender Priester, den die Mutter kennen und schätzen gelernt hatte. Ein Weiser sei er, ein Heiliger sogar, ein Heiler, ein hellsichtiger Mann Gottes. Viele der Freundinnen der Mutter hatten schon seine Hilfe und seinen Rat in Anspruch genommen und waren voll des Lobes über ihn.

Und so entschloss sich diese gute Frau, ihn auch zu sich zu bitten. Aglajas Mutter war zunehmend beunruhigt vom Wesen ihrer Tochter: zu versponnen, zu empfindsam…

Sie machte sich Sorgen, denn wie und wen vor allem würde dieses junge Mädchen je so sehr interessieren, dass er geneigt war, sie zu heiraten?

Besser, sie holte sich Rat vom weisen Priester. Noch war es Zeit genug, Aglaja zu einer guten Ehefrau zu erziehen!

Sie bat ihn also, sich Aglaja anzusehen: Als Aglaja in dies Zimmer hier zu ihm gebracht wurde, erschrak sie: Es war wie ein Stich ins Herz, als sie in seine Augen sah.

Wie gewohnt unterdrückte sie dieses Gefühl, ließ es ruhig über sich ergehen, dass er sie von oben bis unten beäugte, sie hin und her drehte, ertrug tapfer seine feuchte Hand auf ihrer Wange, seinen faulen Atem unterdrückte jeden Impuls, wegzulaufen…

Schließlich war er ein heiliger Mann und sie wollte doch auch, dass ihre Mutter aufhörte, sich um sie Sorgen zu machen. Vielleicht wusste er ja eine Lösung.Also ließ sie all seine seltsamen Untersuchungen über sich ergehen, lächelte sogar dabei. Auch antwortete sie so ehrlich, wie sie es nur konnte, auf alle seine Fragen, hoffte aber, dass diese Untersuchung endlich abgeschlossen sein möge!

Das Ergebnis war einschneidend! Der Priester behauptete, Aglaja sei besessen und man müsse ihr den Teufel der Vorhersage austreiben! Aglajas Unglück begann…

Ich will auf den schrecklichen Ritus, mit dem er sie bearbeitete (er stellte 21 Teufel in Aglaja fest) gar nicht erst eingehen.

Aber das Resultat war: Aglajas gesunde, freie und schöne Seele war zutiefst traumatisiert! Hatte sie schon Zweifel an ihrer Wahrnehmung gehabt, wurde daraus nun Verzweiflung!

Auch die Mutter klagte sich an, weil sie gar nicht bemerkt hatte, dass ihr Töchterchen mit dem Teufel im Bunde war! Aglaja erlebte, dass sie so, wie sie war, ganz falsch und ganz gefährlich war.

BÖSE! Etwas Schlimmeres kann einer reinen Seele nicht geschehen. Sie hatte die schönste und wichtigste Welt ihrer zwei Welten verloren: ihr Vertrauen in ihr Selbst.Nein, nein, ES GAB gar keine „Besetzung“, es gab gar keine 21 Teufel, das alles hatte der Priester nur erfunden, um viel, viel Zeit aufwenden zu können, die er sich sehr, sehr gut bezahlen ließ.

Über ein halbes Jahr wirkte er auf Aglaja ein! Eine brutale, rigorose Hirnwäsche fand da statt, in deren Verlauf Aglaja jedes Vertrauen in ihre Wahrnehmungskraft verloren hatte. Im übertragenen Sinn war sie damit „blind“ geworden. Von nun an konnte sie sich nur noch und in allem an das orientieren, was ihr gesagt wurde, dass es richtig sei.

Zu nichts wagte sie noch, ein eigenes Urteil zu haben, zu tief war ihr Vertrauen in ihre Auffassung zerstört worden. Und nie sah man sie wieder lachen.

Denn: Auch wenn sie nach Außen nichts mehr von ihren Wahrnehmungen mehr sagte, die waren weiter da! Und auch wenn sie sich einsichtig zeigte und sehr gehorsam alles tat, was sie tun sollte: IN ihr war kein Frieden, in ihr war Trauer und Wut, mal über den Priester und der Mutter, dann wieder über sich selbst…

Und alles das ließ sie fest davon überzeugt sein, wirklich sehr, sehr böse zu sein. Denn schließlich hatten die Austreibungen nichts gebracht! Nur hätte sie das niemals jemanden zu sagen gewagt außer einem: mir…

Ich war hier sozusagen der Diener oder Hausmeister… nenn es, wie du willst. Aglaja liebte mich und ich sie.

Sie liebte vor allem meine Märchen und Sagen, von denen ich Unzählige hatte… Und ich? Ich liebte ihr Lachen, ihre Freude…

Eines Tages kam ich unverhofft in ihr Zimmer, um Holz nachzulegen, und dachte, sie sei mit der Familie zum Einkauf. Aber stattdessen kam ich darauf zu, wie sie sich mit einer Birkenrute selber den Rücken blutig schlug! Ich hinderte sie, rang mir ihr und schließlich brach sie weinend in meinen Armen zusammen.

Alles, was sie bewegte, erzählte sie mir. Doch so oft ich zu ihren selbstverachtenden Worten auch sagte: Unsinn Kind, Unsinn!
Sie glaubte mir nicht.Weißt du, was sie sagte: „Sergei, ich bin eine Ausgestoßene, ich wurde von Gott selbst verbannt!“

Ja, so etwas Schreckliches glaubte sie und ich konnte gar nichts daran ändern.

Am Abend des gleichen Tages wurde ihr mitgeteilt, dass sich drei Interessenten gefunden hätten und man demnächst einen kleinen Ball abhalten würde. Sie solle sich getrost und „freien Herzens“ für einen der drei Interessenten als Ehemann entscheiden.

Einige Tage lang verschloss sie sich in ihr Zimmer, sie aß nichts und weigerte sich, mit irgendwem zu sprechen. Dann endlich kam sie heraus, es war ihr anzusehen, dass sie dem Wahnsinn nah gewesen sein musste. Doch sie schien ganz vernünftig. Am Abend bat sie um eine Unterredung mit den Eltern. Nun erklärte sie, dass sie nicht heiraten werde, dass sie um ein Leben in unbedingter Zurückgezogenheit bat.

Ob sie Nonne werden wollte, fragte der Vater. Sie verneinte.  Erst unter Drängen gab sie dann teilweise die Beweggründe zu. Betroffen schwiegen die Eltern.

Aglaja war also immer noch besetzt! Sie glaubten ihr… sie selbst glaubte es schließlich ja auch!

Der Vater fand ein abgelegenes Häuschen, weit genug von allen Wegen und Orten entfernt. Dort durfte Aglaja leben. Was sie an Nahrung und Kleidung brauchte, wurde in einem nahen Baum abgelegt, Kontakte zu anderen Menschen gab es auf ihren Wunsch hin keine mehr… nie wieder bis zu ihrem frühen Tod.

Uta: Und die Vorhersage für den Zaren?

Sergei: Geschrieben, aber nie abgeschickt, wie so vieles! Jeden Tag schrieb sie, was sie wahrgenommen hatte… und hielt doch jedes Wort für teuflisch.

Als ihr Bruder die Hütte nach ihrem Tod räumen ließ, fand er so viele Schilderungen, die voller Weitsicht, Weisheit und Liebe waren, dass er in Tränen ausbrach…

Uta: Sie hat sich nichts mehr geglaubt?

Sergei: Nein…

Uta: Warum ist sie trotz der wunderschönen Erlebnisse und Wahrnehmungen nicht aufgewacht aus diesem Albtraum?

Sergei: Weil sie sich an all dem nicht mehr freuen konnte. Sie hatte die Freude daran, zu sein, verloren, stattdessen gab es in ihr nichts mehr als Trauer und Wut darüber.

Uta: Sie sah, was schön und gut war…. aber ohne jede Freude?Sie hielt gerade die Freude darüber für den Beweis, dass sie böse ist.

Uta: Puh… das macht auch mich sprachlos. Und was jetzt?

Sergei: Jetzt beginnen wir, wieder aufzubauen, was zerstört wurde.

Meine liebe Kerstin, wir bauen den Mut zur Freude wieder auf. Ja wirklich, dazu brauchst du viel Mut! Den Mut, zu lieben, meinst du, der sei wichtiger?

Du kannst lieben, du tust das! Was fehlt, ist die Freude…

Du meinst, du liebst es nicht, zu leben? Doch, du liebst das, zu sein, aber du hast Angst, dadurch Freude zu empfinden…

Kerstin, sag doch, wie kann das sein? Wenn sich ALLES freut, weil du lebst – Gott, die Schöpfung, die Engel, deine Ahnen – wenn alles das JA! zu der Tatsache sagt, dass du lebst und sich freut, richtig, wirklich freut, wie kann es sein, dass du das nicht SOLLST?

Wer sagt das? Das Schicksal, Karma, Gott, andere Menschen? Die sagen so was? Und du hast genügend Beweise, dass die recht haben?

Ach, Pah!

Das ist doch nur Angst, die da spricht. Diese alte Angst, nicht zu genügen, nicht richtig zu sein in den Augen von…

Ja, von wem denn? In Gottes Augen?

Möchtest du diesen Glauben behalten?

Das kannst du machen, es steht dir frei…

Aber es ist dir schon klar, dass du dann sauer auf Gott sein MUSST? Oder auf dein Schicksal oder auf deine Ahnen oder…?

Oder bist DU dir nicht richtig genug? Dann… nun ja… dann musst du sauer auf dich sein!

Es kann natürlich auch sein, dass du in den Augen der Mitmenschen nicht richtig genug bist…

Klar, in dem Fall musst du sauer auf die sein.

So oder so: Du musst sauer sein und wer so richtig sauer ist auf sein Leben, wie kann der sich freuen, dass er lebt?

Kerstin, es steht dir frei, ob du den Weg zur Freude zurückfinden willst oder nicht.

Wie immer du dich entscheidest: Es wird nichts daran ändern, dass ich mich freue, dass DU BIST, dass Gott sich freut, dass DU BIST…

Denk darüber nach, meine Liebe, beobachte…

Du wirst so viele Menschen sehen, die sauer sind und so wenige, die sich freuen können…

Ich werde jedenfalls nicht aufhören, dich daran zu erinnern, dass du es darfst: Dich freuen mit uns, weil DU BIST!

Uta: Danke, Sergei, ich würde jetzt gerne Kerstins Fragen stellen.

Sergei: Gerne.

Uta: Kerstin fragt, was der Ursprung dieser tiefen Traurigkeit ist und des Gefühls der Einsamkeit, die sie bereits seit ihrer Kindheit begleiten und wie kann sie diese erlösen? Daran geknüpft sind auch ihre sexuellen Ängste.

Sergei: Der tiefste Grund dafür ist, dass deine Seele sich nicht vertraut! Sie hat kein Vertrauen darein, dass sie gut genug ist und Angst, dass sie, sobald sie voller Freude sie selbst ist, etwas „Monsterhaftes“ wäre, etwas, das gegen die Schöpfung wäre…

Aus diesem Mangel an Vertrauen darein, SELBST Teil der Schöpfung zu sein und völlig aus ihr herauszukippen, wenn du nicht nach den Regeln anderer bist, wer du bist, entsteht die Wahrnehmung des Getrenntseins: getrennt von deinem Selbst, damit sowohl von der Schöpfung als auch allen anderen Wesen.

Aber getrennt zu sein, ist gegen deine Natur, gegen dein Wesen und damit kommt die Trauer. Und es verengt sich der Blick auf dich und das Umfeld: Du schaust auf das Trennende mehr als das Bindende. Und du schaust erst recht nicht auf die Möglichkeit der Freude an dem, was jetzt gerade IST.

Aus dieser Freude fliehenden Grundhaltung hat sich alles andere ergeben: Jede Begegnung, jede Einbindung enthält die Möglichkeit, Freude auszuschließen, aber auch dich der Freude zu öffnen. Immer stehst du vor einer Entscheidung.

Uta: Kerstin fragt, warum sie sich dieses Leben ausgesucht hat. Wie lautet ihr Vertrag, was ist ihr Ziel?

Sergei: Kerstin, du hast es nicht einfach ausgesucht, es gibt keinen Lebenskatalog, aus dem man sich ein bestimmtes Modell heraussucht…

Dein Leben ist die Folge dessen, was deine Seele für wahr hält, einerseits und dessen, was wahr ist, andererseits. Wahr ist: Mit der bis jetzt gelebten Selbsterkenntnis ist weiteres Wachstum deiner Seele notwendig…

Da ist Änderungsbedarf, da sind Sehnsüchte deiner Seele, die unerfüllt bleiben, solange sie an ihren Fehlwahrnehmungen festhält. Deshalb sind gleichzeitig die MÖGLICHKEITEN, diese Fehlwahrnehmungen zu korrigieren, AUCH Bestandteil deines Lebensplans. Beides gehört zusammen.

Auf den Punkt gebracht: Du hast Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Einbindung…

Und der Weg, diese zu finden, ist die Freude an dem, was dir lieb ist, zuzulassen…

Einbindung ohne Liebe kann gehen, auch fruchtbar sein…

Aber FREUDE an dieser Liebe erst führt zu echter Verbundenheit.

Lieben kannst du, das war einmal anders…

Nun geht es darum, ob du dich soweit für anderes öffnen kannst, dass es dich freut…

Aber halt, halt, nicht so schnell: ZUERST führt der Weg der Liebe ZU DIR!!!!!!!!!!!!!!!

Anderes und andere lieben? Doch, kannst du!

Und dich? Hm…

Da gibt es so viele Sätze, die fangen an mit: Ja, ABER…

Oder; JA, wenn… hm, hm…

So liebst du andere nicht, da stellst du weniger Bedingungen als an dich selbst…

Du bekommst in diesem Leben Chancen, auch Not-Wendigkeiten, das zu verbessern. Die Schöpfung selbst gibt dir diese Chancen, aber der Wille, es zu tun, zu wagen, hm, das muss deine Entscheidung bleiben.

Uta: Kerstin fragt, wo ihre wertvollsten Potenziale sind und wie sie die entdecken kann, um sie freudvoll anzuwenden…

Sergei: Aha (lächelt), und dann fragst du mich? Ja, Kerstin, aber es geht gar nicht um einzelne Potenziale, es geht um das Gesamtpaket Kerstin. Hier! ist die Freude zu finden.

Nun, Kerstin, schau auf deine Wirkung! Schau, was du bei anderen und in der Schöpfung bewirkt hast und schau, ob es Dinge gibt, bei denen du wirken möchtest?

Wie willst du freudvoll wirken, ohne zu lieben, dass du wirkst? Wenn ich dir jetzt deine einzelnen Potenziale nenne, grenze ich andere aus…

Aber es geht nicht um das Einzelne, es geht um das Gesamte und darum, die Sinnhaftigkeit ALLER Bestandteile zu verstehen.

Aglaja hat genug Zersplitterung ihrer Potenziale erlebt, du doch auch…

Aber der wirkliche Sinn deines Lebens, der liegt nicht darin, von einer Aufgabe zur nächsten zu gehen oder die eine Eigenschaft gegen die andere abzuwägen, sondern in der Schau auf den Sinn des GESAMTEN.

Du BIST, die du warst, aber auch die, die jetzt liest und auch die, die das Jetzige lesen als gestern in sich tragen wird. Wenn du Rückbindung willst, dann nur, indem du dich für dein Gesamtes ICH öffnest: Für den Sinn, den du MACHST.

Uta: Sie fragt, welche Themen sie bereits abgeschlossen hat und welche sie noch bearbeiten muss.

Sergei: Auf beide Fragen: KEINE oder ALLE, weil in allem eines fehlt: Deine Liebe zu DIR und die daraus entspringende Freude daran, dass du lebst!

Unter diesem Aspekt musst du alle „nacharbeiten“… und keine, weil du GAR NICHTS MUSST…

Wie willst du dich lieben, wenn du dein eigener böser Priester bist? Es ist gar keine Bescheidenheit, sich nicht über das eigene Sein und Wirken freuen zu wollen… es ist sogar ziemlich anmaßend! Wer das macht, sag mal, ist das nicht einer, der meint, es besser zu wissen als der Schöpfer selbst? Hm?

Uta: Ich habe mir da eine Notiz gemacht wegen dem toten Kind in ihrem Schoß. Da ist immer noch Verzweiflung.

Sergei: Viele Bedingungen sind dir in den Lebensplan geschrieben, dies ist eine davon…

Alle haben sie gemeinsam, dich bewusster zu machen für das, was dir Freude ist…

NIEMAND kann durch sein SO SEIN, wie er IST, diese irdische Bedingtheit ändern. Die Wahl war nicht, OB du das erlebst, sondern WIE du damit umgehst…

Siehst du, dass du getan hast, was du konntest, oder siehst du, dass du mehr hättest tun sollen?

Das Erstere ist NOT – wendig.

Kinder werden geboren, wenn die Schöpfung / Gott will, dass sie geboren werden. Schau dich um: Kinder kommen TROTZDEM, was immer getan wurde, um es zu verhindern. Wie kann das sein?

Andere kommen nicht, egal, was versucht wurde. Wie kann das sein?

Das liegt an den Müttern?! Oh heilige Einfalt!

Tatsache: Es liegt nicht in euren Möglichkeiten, auch nur das Geringste gegen das zu tun, was im Schöpfungsplan angelegt ist.

All eure Möglichkeiten liegen darin, WIE ihr das, WAS IST, betrachtet.

Uta: Auf die Frage, wer du bist, hast du schon geantwortet, aber Kerstin fragt auch, wie sie im Alltag den Kontakt zu dir intensivieren kann?

Sergei: Sie kann das lernen, die Gabe wäre da… ob aber der Mut da ist, sich daran zu freuen? Das werde ich abwarten müssen.

Uta: Danke, lieber Sergei, ich hoffe, dass es Kerstin hilft, sich auf den Weg zur Freude zu machen.

Sergei: Es ist ganz einfach, aber nicht unbedingt leicht (lächelt).

Kerstin: ICH FREUE MICH, DASS ES DICH GIBT!

Bedingungslos, IMMER! Dein Sergei!