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Elia – Über Depression: Es werden in deinem Gehirn phasenweise weniger Glückshormone ausgeschüttet.

Deine Depression ist nur teilweise die Folge
und das Ergebnis deiner Kindheit.
Sondern es ist in dir auch eine Störung
der Botenstoffe vorhanden.
Hast du davon schon gehört?
Und dagegen kannst du sehr wohl etwas tun.

Das ist behandelbar.
Und das empfehle ich dir auch.
Elia

Zu Gast ist Nora.

Elia: Guten Abend, liebe Freunde.

Hajo und Nora: Guten Abend, Elia.

E: Guten Abend, Nora.
Du hast viel Mut gebraucht.
Und viel Mut kann man nur gebrauchen, wenn man ihn hat.
Ich begrüße also eine mutige Frau.

Ich bin mutig!
Ich bin eine mutige Frau!
Ich wage Experimente!
Das ist eine der kostbaren Perlen,
die du hoffentlich endlich als Schatz betrachtest.

Nora: „Was ich habe, was ich kann, was ich bin, ist gut!“
Das wünschen wir dir so sehr, dass das deine Wahrheit wird.
Wir möchten dir helfen, zu verstehen, dass du gut bist.

Aber wir brauchen dich dazu:
Deinen Mut, den Mut, sich selbst lieb zu haben.
Das schließt vieles ein!

Und eines darfst du sicher wissen: Wir lassen dich nicht allein.
Wir möchten, dass du aufhörst, dich selbst zu bestrafen.
Wir möchten, dass du aufhörst, dich zu richten.
Gott richtet dich nicht.
Gott liebt dich!

Ist Gott dumm?
Was meinst du?

N: Ganz bestimmt nicht.

E: Nein. Ja, wenn er nicht dumm ist,
wie kann er dich dann so liebhaben?
Und weil er Recht hat, helfen wir dir so gerne, ja?

N: Danke schön.

E: Gut. Die erste Frage bitte.

Hajo: Ja, ich stelle sie für Nora,
weil sie ein bisschen aufgeregt ist.

E: Ja.

H: Wie kann ich den so wichtigen Wandel in mir schaffen: 
die schweren Depressionen überwinden
und zur Stabilität gelangen?

E: Nora,
es wird dir in deinem Leben immer wieder einmal traurig sein. Und es wird immer wieder einmal ein Schatten
über deine Empfindung wandern.
Das ist Teil deiner Seele.

Aber damit ist es eine Depression mit allem,
was damit zu tun hat:
Mit dem Widerwillen, weiterzuleben,
mit der Unfähigkeit, sich auch nur den einfachsten Dingen
des Lebens noch stellen zu können, weil die Kraft fehlt.


Damit brauchst du dich nicht ein Leben lang herumschlagen.

Melancholische Zeiten – die allerdings –
die wird es immer wieder einmal in deinem Leben geben.

Bitte verlange nicht von dir, dass das weggeht.
Das wäre so, als wollte ein kleiner Hase verlangen,
dass er kurze Ohren hat.
Das geht nicht.

Deine Depression, liebe Nora,
ist nur teilweise die Folge und das Ergebnis deiner Kindheit.
Sondern es ist in dir auch
eine Störung der Botenstoffe vorhanden.
Hast du davon schon gehört?
Sicherlich.

N: Nein.

E: Es werden in deinem Gehirn phasenweise weniger
– ihr nennt es – „Glückshormone“ ausgeschüttet.
Und dagegen kannst du sehr wohl etwas tun, ja?

N: Okay.

E: Das ist behandelbar.
Und das empfehle ich dir auch, ja?

N: Mit Medikamenten?

E: Ja, natürlich!
Dabei hast du eine reichliche Auswahl
und du solltest es so selbstverständlich tun wie jemand,
der z. B. eine Diabetes hat, Insulin nimmt.
Da gibt es keinen Unterschied, ja?

N: Okay.

E: Auch das ist Teil, dir zu helfen, deine Stärke zu entdecken.
Es ist eben nicht so, dass du einfach nur zu schwach bist,
um mit den üblichen Stress-Faktoren eines Lebens
fertig zu werden.
Nein, es ist einfach auch so, dass in deinem Gehirn phasenweise nicht genug Glückshormone produziert werden.
Ich hoffe, das erleichtert dich schon ein wenig.
Denn Medikamente zur rechten Zeit zu nehmen,
das kannst du lernen, ja?

N: Ja.

H: Ja, hier war noch eine Zusatzfrage:
Ist der Wandel meine Lebensaufgabe?

E: Nein, nein, Nora.
Deine Lebensaufgabe ist, zu lernen,
dich zu akzeptieren mit allem, was du bist:
mit deinen Gedanken, aber auch mit deinen Gefühlen,
mit deinen Wünschen, Nora, und auch mit deinen Grenzen.


Deine Lebensaufgabe ist es, zu erkennen,
dass du erwachsen wirst, unabhängig, frei.
Das ist wirklich eine Lebensaufgabe.
Eine Aufgabe, für die ein ganzes Leben gerade lang genug ist.
Deine Seele ist auf die Welt gekommen,
um endlich zu erfahren, dass sie doch stark ist.
Das ist schwierig für deine Seele.

N: Hm, hm.

E: Nora, es ist ein großer Irrtum zu meinen,
dass ein Mensch,
der hin und wieder um Hilfe bittet oder zugibt,
etwas gar nicht zu können, was andere können,
deswegen nicht stark ist.


Wenn wir dir sagen:
Deine Aufgabe ist es, zu lernen, dass du eine starke Seele bist, dann heißt das nicht:
Dass du nichts mehr brauchst von anderen.
Sondern, dass du die Kraft entwickelst,
dir wirklich auszusuchen, wen du bittest,
dir zu geben, was du brauchst, ja?

N: Okay.