umbringen

Suizid: Ich wollte mich nicht umbringen…

Ich wollte mich nicht umbringen!
Ich wollte nur nicht mehr da sein,
wenns heraus kommt.
So durcheinander war ich in der Nacht.

Verstorbenenkontakt nach einem Suizid 

 

Ich bitte meinen Guide, mich mit Hilde zu verbinden.
Ihre Tochter Marie bittet um diesen Kontakt…

Hilde steht bei mir, sie ist so zierlich, ihre Hände fallen mir zuerst auf:
Sie hat ein Taschentuch in der Hand, ich weiß nicht, warum sie mir das zeigt, es ist ganz nass.

H: Ach, das war doch in der letzten Zeit immer nass!

U: Oh ja, ich hab von deiner großen Trauer gehört, magst du dich nicht setzen?

H: Ja, wenn ich darf?

U: Ich freue mich, dass du gekommen bist, deine Marie hat noch so viele Fragen…

H: Ich, ich weiß es ja! Und schäm mich schon, ach (seufzt)…

U: Brauchst dich nicht schämen, ich glaub, sie versteht dich.

H: Na! Es war nicht recht (schüttelt den Kopf).

U: Was war nicht recht, Hilde?

H: Das hätt ich den Kindern niemals antun dürfen, niemals!

U: Was sagt dein Mann dazu?

H: Dass es gut ist, dass mans hinnehmen muss, der Körper kann krank sein 
genauso wie der Verstand …

U: War dein Verstand krank?

H: Ich mein: nein! Er meint: ja!

U: Und warum hörst du nicht auf ihn?

H: Ach, er konnt mir doch nie bös sein…

U. Du meinst, da gilt das nicht so sehr, wenn er dich entschuldigt?

H: Ich denk schon, ich weiß aber nicht.
Es ist wegen der Kinder, verstehst du mich?

U: Ja, ich versteh dich …

H: Du hast einen Knopf lose, wart, ich näh ihn dir schnell an…

U: Aber ich hab ja einen Pullover an, da ist doch gar kein Knopf…

H. Ich mein ja auch nicht dich!

U: Ach so, so warst du, das meinst du?
Warst immer mit der richtigen Hilfe schnell bei der Hand, soll ich das so verstehen?

H: Ja, so war es einmal.

Ich möchte was sagen und kann es aber nicht…

U: Warum du es getan hast?

H: Ja, ich muss es doch sagen und kann es doch nicht…

U: Hat das was mit dem Geruch zu tun, den ich gerade rieche? (Es riecht nach Stuhlgang.)

Hilde nickt nur, hält den Kopf nach unten und schaut nicht mehr auf, aber dreht das Taschentuch hin und her und zupft an einer Ecke.

U: Du schau, Hilde, wir Frauen sind ja ganz unter uns, da kannst du es mir ruhig sagen…

H: Ich habs nicht mehr halten können.

U: Ach je, das hat dich erschreckt?

H: Ich war ganz durcheinander! Das auch noch!
Das, wenn ich das erzähl, dann komm ich nie mehr da heraus, so waren die Gedanken …

U: Das hast du geglaubt?

H: Sie hatte gesagt: Schau, es ist ja nur vorübergehend!

Aber sie konnt da ja nichts davon wissen, da war ich so durcheinander!

U: Ach, du Arme! Und das war der Grund, warum du es getan hast?

H: Ich weiß es nicht mehr genau, ich war so…
So, die Gedanken, die waren ganz verdreht und wie im Traum.

Bald wusst ich nicht mehr, wer ich bin und wie ich heiß und hab mich so verloren gesehen, dann kam er…

U: Dein Mann?

H: Nein, erst nicht, erst wer anders…

U: Wer denn?

H: Es kann auch sein, ich habs geträumt, ich weiß nicht mehr…

U: Du musst da jetzt nicht in das Elend zurück, liebe Hilde, lass es ruhig gut sein.

H: Nein, nein, nein, wen hab ich nur gesehen, wenn ich dass nur wüsste
(sie schaut sich wie hilfesuchend um, da steht dein Vater da, direkt hinter ihr).

Vater: Sie hat ihren Vater gesehen und gedacht, der schimpft jetzt mit ihr.
Sie war völlig durcheinander.
Sag unserer lieben Marie Luise, es war wie ein Unfall und die Mutti war eben verwirrt dadurch.

H: Ja, verwirrt, dank schön, ich kanns jetzt selbst wieder erklären, jetzt ist es wieder gut…

Ich will das selbst machen, lass nur!

Dein Vater lächelt, streichelt Hilde die Schulter und zieht sich jetzt wieder zurück.

U: Es muss sehr schwer für dich gewesen sein.
Und? Meinst du, jetzt kannst du selbst weitermachen?

H: Ja, jetzt ist es ganz leicht, ich hab meine Kinder doch lieb.
Ich hätte doch nie, wenn ich bei klarem Verstand gewesen wäre, so was getan!
Niemals!

U: Weißt du, Hilde, eigentlich ist das gar kein richtiger Selbstmord…

H: Nein, das sagen sie ja alle!

U: Wer alle?

H: Na, die hier bei mir sind!
Sie sagen, mein Verstand war krank, die Gedanken waren krank.
(wieder schaut dein Vater kurz herein, will etwas sagen, aber sie sagt zu ihm:
Nein, das mach ich schon selbst, geh nur!).

U: Ja, dein Verstand war durcheinander wie nach einem Unfall…

H: So, ja, es stimmt schon, ich war immer traurig, auch das war Unrecht. 
Jetzt werden sie immer denken, dass ihre Liebe nicht genug Grund für mich war,
weiter weiterzuleben, und das macht mich traurig…

U: Warum?

H: Weils so nicht stimmt!

U: Hast du dir viel deiner Lebenszeit genommen?

H: Ach was! Es wär schon im Mai so gewesen…

U: Diesen Mai? 2010?

H: Na ja, so hab ich mich um so viel gebracht.
Ich hab nicht mehr erlebt, wie sie für mich da sind.
Ich hab nicht mehr erlebt, dass ich mich von ihnen verabschieden kann, ach, nein, nein.

Wenn ich meinen Mann nicht hätte, ich würde jetzt verzweifeln.

Wenn ich nur wüsste, ob sie mir verzeihen können, wenn ichs nur wüsste, ob sie es verstehen.

Ich wollt mich nicht umbringen!
Ich wollt nur nicht mehr da sein, wenns heraus kommt, so durcheinander war ich in der Nacht.

U: Ich bin ganz sicher, Hilde, dass deine Kinder das verstehen.
Deinen Buben kenne ich ja nicht, aber die Marie verstehts ganz sicher…

H. Na ja, wenn du es sagst, ich muss es ja glauben.
Bei mir war doch immer alles ordentlich und ich war immer sauber, ach…

U: Hm, hm, ja. Aber der Tod deines Mannes, der hat dich gebrochen.
Oder fühle ich das falsch?

H: Ich weiß auch, das war nicht recht!

Jetzt weiß ich es. Ich habs ihm und mir und allen so schwer damit gemacht! 
Aber mit einem Mal war mir alles ganz sinnlos geworden.

Dabei: Sie haben sich solche Mühe gegeben, mich wieder ins Leben zu holen.
Nur mir war einfach alles ganz gleich…

Sagst du ihr, wie leid mir das tut? 
Fühlst du, wie sehr ich das bedaure?

U: Oh ja, ich fühle deine Traurigkeit darüber…

H: Nie wollt ich jemanden zur Last fallen und nie wollt ich meine Kinder traurig machen…

U: Du warst eben krank…

H: Und müde!

U: Ja, und müde!

H: Sag ihr, meine Beerdigung war schön und ich freu mich, dass niemand was gesagt hat.
Ich musste mich nicht schämen…

Langes Schweigen, sie schaut nur aus dem Fenster, ich warte…

H: Wenn ich nur helfen könnt!

U: Wobei?

H: Beim Stärken…

U: Was willst du denn stärken?

H: Ihr Selbstbewusstsein! 
Ich hab nicht alles richtig gemacht als Mutter, das ist so nicht ganz wahr!

Manchmal hab ich gedacht: Was mach ich nur falsch, dass sie so am Vater hängt?

U: Warst du eifersüchtig? Es fühlt sich so an?

H: Ein bisschen, nicht sehr, aber manchmal schon.
Sie und ihr Vater, das war schon etwas Besonderes…

U: Na ja, da darf man schon einmal ein wenig eifersüchtig sein…

H: Meinst du?

U: Meine ich…

H. Hüte mochte ich nicht, ich weiß noch, wie mich mein erster Hut geärgert hat.
Erst hab ich mich so gefreut, einen zu haben.
Und dann hats mich so gejuckt, wenn ich ihn auf hatte!

U: Wie kommst du jetzt da drauf?

H: Ja, weil man manchmal sich etwas so sehr wünscht.
Aber wenn man es dann hat, dann taugts auch nichts!

U: Ach so! Was hast du dir denn so sehr gewünscht?

H: Na, dass ich meinem Mann bald folgen kann!

U: Und jetzt taugts auch nichts?

H. Ach doch, doch, bei ihm zu sein, ist schon ein Trost, wenn da nicht meine Kinder wären…

Ich hätts nicht tun sollen, jetzt ists mir schwer, fröhlich zu sein.
Aber es wird besser.

Vielleicht war es ja auch besser so. 
Wenn ich sehe, welche Sorgen die Marie hat.
Wenn ich da jetzt auch noch im Sterben gelegen wäre,
das wäre ja nicht auszuhalten gewesen für das Kind!

U: Vielleicht war dein Selbstmord ja Teil deines Lebensplans, hast du danach einmal gefragt?

H: Nein, ich hab nicht gefragt, du meinst, ich hätts tun MÜSSEN?

U: Könnt ja sein, frag einfach einmal deinen Engel…

H: Wenns so wär, bräuchte ich mich nicht zu schämen…

U: Genau!

H: Da frag ich gleich einmal, gleich nachher…

U: Ja, mach das ruhig.

Hilde, ich würde jetzt gern deiner Tochter schreiben, wie ich dich empfinde, wenn ich darf…

H: Ja, wenn das wen interessiert…

U: Die Marie bestimmt…

H: Ja…

Ich habe den Eindruck, Hilde ist noch nicht ganz aus den Selbstzweifeln heraus.
Einerseits freut sie sich daran, bei ihrem geliebten Mann zu sein.
Andererseits tut sie sich sehr schwer damit, Gefühle der Scham zu überwinden.

Sie hat euch Kinder wirklich sehr lieb!
Eben gerade darum schaut sie jetzt auf ihr Ende zurück
und bereut ihre vorschnelle Handlung sehr.

Dass sie sich in dieser Stunde ihres Lebens so wenig im Griff hatte,
das fällt ihr sehr schwer, zu akzeptieren.

Aber ich denke, dass sie es sich ohnehin nie leicht gemacht hat.
Sie ziemlich viel von sich selbst erwartet hat und das ist dann natürlich schwer zu akzeptieren, etwas getan zu haben, was in der Wirkung, so nachhaltig diese war,
nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.

Mir scheint, dass sie ein Leben lang damit zu kämpfen hatte,
ihren Impulsen zu folgen und schon sehr, sehr früh lernen musste, diese zu unterdrücken.

Wenn wir über den Tod deines Vaters reden, spüre ich keinesfalls nur Trauer,
so sehr diese auch im Vordergrund steht, sondern auch Zorn.
Ein großer, tiefer Zorn, der in ihr steckte
und wahrscheinlich viel, viel älter war als der Auslöser:
Ein Zorn auf das Leben selbst, auf die Ungerechtigkeit, die es mit sich bringt.
Nur darüber REDEN oder es gar nach Außen tragen, das war wohl sehr verboten.

Nur sehr beiläufig zeigt sie mir Schreckensbilder des Krieges,
wie sie es gesehen hat und in ihr ist vor allem eins: Empörung und Angst.

Ich fürchte, diese viel zu frühen Erfahrungen haben ihre Seele nachhaltig geprägt.

Ihre Ehe?
Das war wie ein Schutzort vor einem ungerechten und grausamen Leben,
einem bösen Schicksal, das jederzeit über jeden Menschen hereinbrechen kann.

Als dieser Schutz mit dem Tod deines Vaters zerbrach,
brach ihr seelischer Schutzwall zusammen.

Ich glaube nicht, dass irgendwer von euch Kindern
daran auch nur das Geringste hätten ändern können.

Hildes Grundvertrauen ins Leben war viel zu früh viel zu tief erschüttert,
um den Ängsten aus dem Unterbewusstsein entkommen zu können.

Überspitzt formuliert könnte man sagen:
Tief in ihr war sie Gott böse, weil er Dinge zugelassen hat, die ungerecht waren.

Und sie war sich selbst böse, weil es nichts gab, was sie daran ändern könnte.
Beides zusammen macht Angst.

Solange ihre Ehe bestand, war das alles nur am Rande ihres Bewusstseins…

Während ich das schreibe, zeigt sie mir, wie sie mit ihrem Mann nebeneinander im Bett lag
und beide sich bei der Hand hielten.
Nur so war die dunkle Nacht auszuhalten.

Vernünftig sein, das war ihre Lösung aus dieser Not, so vernünftig wie nur irgend möglich. Rational bleiben, so gut es geht…

Aber von der Veranlagung her hatte sie sehr starke Gefühle.
Nichts war oberflächlich, alles ging tief.
Aber sie hat versucht, diese „gefährlichen“ Gefühle zu beherrschen,
indem sie versuchte, ganz nach vernünftigen Regeln zu leben.

Ich kann nur ahnen, wie anstrengend dieser Kampf für sie war
und wie völlig unmöglich, zu gewinnen, nach dem ihr Mann starb.

Ich denke, sie wird lernen müssen, dass sie sich selbst vertrauen kann,
aber dazu wird wohl noch sehr viel Arbeit und Erkennen nötig sein.

Und ich denke, es könnte sehr helfen, wenn ihr Kinder einmal darüber nachdenkt,
was sie alles RICHTIG GUT gemacht hat.
Oder darüber, wie sehr gut sie EUCH behütet hat.

Vielleicht wird ihr dann etwas klarer, dass sie sich auf sich selbst verlassen kann.
Denn das ist das derzeitige Problem: Daran glaubt sie einfach nicht.

U: Danke, Hilde, für deine Geduld, darf ich dir jetzt die Fragen von Marie stellen.

H: Warum denn nicht? Deshalb bin ich ja da.
Oder traust du mir nicht mehr zu, dass ich das noch schaffe?

U: Natürlich trau ich dir das zu!

H: Ich mein ja auch nicht dich!

U: Na gut, hier die erste Frage:
Hast du eine Botschaft für deinen Sohn, die Marie ihm sagen soll?

H: Sag ihm, er hat nichts falsch gemacht, er hätte mir nicht helfen können.

Sag ihm, ich will nicht, dass er sich solche Fragen stellt.

Er konnt mir den Vati nicht ersetzen, niemand hätte das gekonnt.

Es tut mir leid, er hat recht, ich hab ihm gar keine Chance gegeben.

Er konnt mir nie an den Vater heranreichen, das tut mir heut so leid!

Ich hätt ihm doch wirklich oft sagen sollen, dass wir stolz auf ihn sind.

Warum hab ich das nur nicht getan? 
Da versteh ich mich selbst nicht mehr!

U: Deine Tochter fragt, was du machst, welche Aufgaben du im Jenseits hast?

H: Hab ich Aufgaben? Davon hat mir noch keiner was gesagt! 
Muss ich hier arbeiten?

Das wusst ich gar nicht (ist ganz erschreckt und fürchtet, ihre Pflicht versäumt zu haben).

U: Nein, nein, du musst nichts tun!
Erst, wenn du irgendwann einmal etwas tun möchtest…

H: Ich bin einfach da, wir haben so schöne Musik hier und wir wandern auch viel.
Wir sind sogar Boot gefahren, manchmal da darf ich ihm was backen…

(Sie ist anscheinend auf einer Ebene, die noch sehr erdnah ist.
Sie ist noch ganz in ihrer Rolle und dein Vater hilft ihr dabei,
sich zurechtzufinden und vor allem Vertrauen aufzubauen in das Leben, das sie jetzt führt.)

U: Kurz nach deinem Tod ist Marie Luise von einem wunderbaren Gesang geweckt worden.
Warst du das, die sie so wunderschön singen hörte?

H: Nein, das ist die Musik, die wir so gerne hören, ich wollt dir ein Zeichen geben,
wie gut es mir jetzt geht. 
Das hab ich nicht gesungen, das waren die Engel.

U: Sie fragt, ob du ein paar Tage nach deinem Tod bei ihr warst und ihre Hand berührt hast.
Sie ist davon aufgewacht …

H. (schüttelt den Kopf): Nein, das war dein Vater, ach, du hast uns so leid getan!
Aber berühren, das kann ich noch nicht.
Ich muss stärker werden, sagen sie, aber das geht nicht so leicht…

Wenn ich nur sicher wäre, dass ihr mir verzeiht, dass ihr versteht, ach, ja, ja…
Es ist nicht leicht.

U: Sie fragt, wie oft du mit Papa zusammen bist…

H. ganz erstaunter Blick: Immer! Wieso, wird sich daran was ändern? (Erschreckt.)

U: Nein, Hilde, nichts muss sich ändern…

Marie Luise fragt nur, weil es bei manchen Ehepaaren anders ist,
die mögen nicht dauernd zusammen sein im Himmel…

H: Ach so, dann ists gut, ich dacht schon.
Da bin ich jetzt aber froh.

U: Bist du manchmal bei Marie, sie kann dich nicht so spüren wie den Papa…

H: Ich bin schon auch da, aber ich kann das noch nicht machen wie der Papa.
Ich bin noch zu schwer.
(Sie sagt, sie sei noch zu schwer, aber ich denke, sie meint: ES sei noch zu schwierig).

U: Da wäre noch eine Frage über dein Namensschild an der Tür im Altenheim…

Wieder steht dein Papa da und antwortet anstelle deiner Mutter:

Vater: Das weiß sie nicht, das hat sie nicht mitbekommen.
Das war eine von der Station!
Eine, die nicht ganz richtig im Kopf war…

U: Die hat das gemacht? Warum?

V: Ein Impuls, aber für Marie Luise scheint es ein Zeichen gewesen zu sein,
das war es in gewisser Weise auch.
Manchmal wissen die Verrückten mehr als die Gescheiten.

U: Marie Luise fragt dich, Hilde, ob du beim Abschied von ihr schon gewusst hast,
dass du in der Nacht dein Leben beenden wirst…

H: Nein, nein, ich habs nicht gewusst.
Und wenns mir einer gesagt hätt, hätt ich gesagt: Das tu ich doch nie!

Ich denks manchmal und ich denk manchmal:
Erst wenn ichs GAR NICHT mehr aushalte, dann vielleicht.

Aber ich hätt nicht gedacht, dass der Punkt so schnell kommt.
Ich hab mich nur ein bisschen geärgert, weil du wieder so wenig Zeit hattest.

Da war ich nicht böse, nur eben, dass es so schade ist, nie ist Zeit. 
Das war ja schon mit dem Papa so, erinnerst du dich?

Nein, nein, ich wusste nicht, was da kommt.

Weißt du, ich habs nicht lang überlegt.
Es war ganz schnell da, vielleicht, weil ich schon so lang darüber nachgedacht hab.

Nein, nicht erst, seit der Papa tot ist. 
Ich hab so schon als Kind gedacht. 
Ich hab so viele gesehen, die sich gequält haben.

Da hab ich schon gedacht: Eh ich mich einmal so quälen muss, geh ich lieber selbst.
Vielleicht war es dann so schnell da, ich weiß es nicht genau.

Das war wie so eine Versicherung, das konnte mit keiner nehmen.
Aber siehst du: Es war doch ganz dumm.

Es war nicht richtig. Es tut mir so sehr leid. 
Kind, Kind, wie soll ich wieder gut machen, was ich getan hab?

U: Hilde, ich kann nicht für deine Tochter antworten.
Aber schau in ihr Herz, da wirst du sehen, dass sie dich versteht…

H: Ich weiß nicht…

U: Na, dann mach es, sobald du dich traust, das hat ja Zeit.

Hilde, ich danke dir sehr für deine Mitarbeit.

Das hast du sehr gut gemacht!

H: Ja? Kochen.

U: Was?

H: Sie soll ihm was Gutes kochen…

U: Deinem Schwiegersohn?

H: Ja, er muss was gscheits essen!

U: Danke, das ist lieb, dass du dich um ihn sorgst…

H: Sag ihm, ich versteh ihn jetzt.
Jetzt weiß ich, dass der größte Kampf im eigenen Innern stattfindet.
Ich hab ihn wohl nicht gewonnen?

U: Du hast ihn oft gewonnen, Hilde, nur einmal nicht…

H: Ja, das ist wahr. Gute Nacht! 
Es ist schon spät, schlaf schön…

U: Gute Nacht, Hilde, ruh dich aus und grüß bitte deinen lieben Mann von allen.

Genieße dein Sein und sei sicher, deine Kinder verzeihen dir und lieben dich sehr.