Frankreich, 1562-1598 – Die Religionskriege zwischen Hugenotten und Katholiken

Frankreich, 1562-1598

Die Religionskriege zwischen Hugenotten und Katholiken

Wir lebten hier in Frankreich,
1589 war dein Geburtsjahr
und deine Eltern gehörten zum Adel der Hugenotten.

Eine junge Frau von Stand hatte nur dann eine Chance
auf ein halbwegs ruhiges Leben,
wenn sie angepasst war an die Erfordernisse der Zeit.
Noch viel mehr, als ihr euch heute anzupassen habt.

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Schutzengel von Eva zu verbinden. Eva bittet um diesen Kontakt.

Ich gehe über eine blühende Wiese, Margeriten, Mohn und blühender Klee. In der Ferne ein Wald, frisch belaubt wie Ende Mai. Still ist es hier, nur der Wind ist zu hören und in der Ferne ein Kuckuck.

Plötzlich kommt ein kleines Kind hinter einer Baumreihe hervor, lachend läuft es durch die Wiese, hinterdrein eine etwas ältere Frau. Kurzatmig versucht sie, dem Kindchen zu folgen. Dieses versteckt sich geschwind hinter einem Busch, doch die Dame sieht es, tut, als wisse sie nicht, wo das Kind steckt, bis sie es schließlich lachend schnappt, hochhebt und küsst und dann sagt: „Geh schnell heim, du Racker, ehe die Mutter dich sucht“.

Das Kind ist brav und eilt schnell in die Richtung, aus der es gekommen ist. Die ältere Dame aber wendet sich mir zu.

G. Herzlich willkommen, meine Liebe, wie schön, dich hier zu treffen. Lass uns einen Platz suchen, der uns beiden gut tut nach den Anstrengungen.

Sie nimmt mich mit zu einem verborgenen See, den ich bisher nicht sah, weil eine Baumreihe am Ende der Wiese ihn verdeckte. Dort auf einer Bank breitet sie sorgfältig ein weißes Taschentuch aus, ehe sie sich daraufsetzt.

G. Eva, hast du dir deinen Guide anders vorgestellt? Einen Engelsfürst vielleicht, leuchtend und strahlend wie die Sonne? Nein, nein, ich weiß, das ist es gar nicht, was du suchst.

Das hast du nie getan, weder in deinem jetzigen Leben noch in vergangenen. Nie ist es dir um Ruhm gegangen und immer schon hast du dem oberflächlichen Glanz misstraut.

Den Herzensglanz suchst du, den, der Zeiten in der Ewigkeit überdauert, die Liebe suchst du seit ewiger Zeit, dies: Lehre mich, Herr, zu lieben, wie du liebtest.

Ja, das ist ein Teil eines Gebetes, das du mir einmal geschickt hast. Hier in diesem Leben!

Ich war damals deine Großmutter. Du warst die größte Freude meines Alters, aber ich fürchte, ich war die Einzige, die dich ungetrübt genießen konnte. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich im Lauf meines Lebens gelernt hatte, nichts zu erwarten.

Dass es jedem Menschen nur gelang, zu sein, was er wirklich ist, dazu konnte keiner etwas hinzufügen und niemand etwas wegtun, so hatte ich es gelernt. Und darum habe ich nie den Versuch gemacht, das bei dir zu tun, ganz im Gegensatz zu deinen Eltern.

Einen Buben hatten sie erwartet nach drei Mädchen, endlich einen Stammhalter. Aber da musstest du sie gleich das erste Mal enttäuschen und das, obwohl keinerlei Aussicht mehr auf eine weitere Schwangerschaft deiner Mutter nach deiner Geburt bestand.

Doch damit nicht genug: Waren deine Schwestern brave, junge Damen, die sich den Anstandsregeln des Standes, in den ihr geboren seid, willig fügten, gerne sich in den Tugenden der Frauen ausbilden ließen, wie etwa im Gesang und Handarbeit, war dir dies zutiefst zuwider.

Dein Herz war ein wildes Herz: Im Wind reiten und im Morgenrot hier im See schwimmen, nichts hätte dir köstlicher sein können. Und so sehr dich der alte Hauslehrer auch zu strafen wusste, es dauert nicht lange und bei der erstbesten Gelegenheit warst du wieder im See oder wieder mit dem Pferd unterwegs!

Mein Wildfang nannte ich dich oft und musste manches Mal deine Eltern um Gnade für dich bitten.

Natürlich verstand ich sie. In unserer Zeit war es sehr bedenklich für ein junges Mädchen, wenn sie sich nicht zu fügen wusste. Wir lebten hier in Frankreich, 1589 war dein Geburtsjahr und deine Eltern gehörten zum hugenottischen Adel.

Eine junge Frau von Stand hatte nur dann eine Chance auf ein halbwegs ruhiges Leben, wenn sie angepasst war an die Erfordernisse der Zeit. Noch viel mehr, als ihr euch heute anzupassen habt.

Und so sorgten deine Eltern sich, ob sie dich – wenn du nicht änderst – wohl gut verheiraten könnten. Mitgift hatten sie dir nur wenig zu bieten, doch liebten sie dich, auch wenn du das ganz sicher niemals so empfunden hattest.

Die Jahre gingen dahin, für mich waren sie die Beglückendsten meines Lebens, sieht man einmal von meiner Jugend ab. Denn du eröffnetest mir etwas so unendlich Kostbares, dass ich dir bis heute aus ganzer Seele dafür dankbar bin: die Freude am Sein!

Ja, oh ja, das hast du mir vorgemacht, dass nichts so wundervoll sein kann wie sonnen gewärmte Walderdbeeren am Wegesrand zu pflücken oder der Sang der Nachtigall vor dem Fenster, der unserer Seele die Freiheit gibt, all die ungeweinten Tränen loszulassen, die tief verborgen waren. Dass auch traurig sein schön sein kann, auch das hast du mich gelehrt.

Alles um dich herum war für dich ein Wunder, das es nur galt, täglich zu entdecken. Staunend bist du durch jeden deiner Tage gegangen und ich durfte dich begleiten.

Erst dachte ich: Es wird vergehen, diese Freude am Leben, wenn sie erst einmal sechs ist. Aber es verging nicht, auch nicht mit acht, nicht mit zehn, selbst als Fünfzehnjährige hattest du nichts von diesem Talent verloren.

Doch was immer wir haben an Gottesgaben, es kommt die Zeit der Bewährung. Nicht, um uns auf die Probe zu stellen, die Schöpfung hat es nicht nötig, so etwas zu tun! Sondern um die Kraft, die in uns ruht, zu festigen und zu etwas zu machen, das von Ewigkeit zu Ewigkeit Teil unseres Wesens ist.

Und so blieb es nicht aus, dass auch für dich die Bewährungszeit anbrach. Der Anlass war deine Verlobung beziehungsweise die Planung dessen. Du warst gerade 16, aber Vater und Mutter näherten sich bereits eines Alters, in dem man in unserer Zeit damit begann, über sein Sterben nachzudenken.

Sie wollten dich nicht unversorgt zurücklassen. Eine lange Reise musste dein Vater unternehmen, um nach rechten Freiern für dich zu schauen. Die Zahl der möglichen Kandidaten war klein, denn in unserem Land tobte immer wieder ein Religionskrieg.

Selbst wenn gerade keine Schlacht geschlagen wurde, der Friede war doch nie da. Die Hugenotten wollten keine katholischen Frauen und die Katholiken keine hugenottischen.

Dein Vater war ein guter Mann. Ehe er abreiste, fragte er dich, welche Art von Gatten du dir wohl wünschen würdest. Und natürlich war deine Antwort: Ach, Vater, lustig soll er sein, wie ich es bin, und jung und kräftig, damit ich ihm die schwere Arbeit überlassen kann! Und lieben soll er mich.

Als der Vater dich so reden hörte, sah er traurig zu deiner Mutter und die sagte: Kind! Was redest du da wieder, bitte deinen Vater lieber um einen ehrlichen, braven Mann, der fürsorglich ist und der dich nähren kann, wie es deinem Stand entspricht!

Nun, es lässt sich unschwer raten: Davon allein warst du nicht begeistert.

Der Vater sagte: Vielleicht gibt es ja ein Wunder und ich finde einen Gatten für dich, der sowohl den Ansprüchen deiner Mutter als auch den deinen gerecht wird! Und schon leuchteten deine Augen wieder, schon warst du voller Hoffnung und gespannt, was es mit diesem neuen Abenteuer deines Lebens auf sich haben würde.

Und tatsächlich: Das Wunder geschah. Dein Vater hatte einen Kandidaten gefunden, der nicht nur jung und lebensfroh war, sondern auch wohlhabend genug, um dir ein gutes Leben bieten zu können. Nur einen Nachteil gab es: Er war katholisch.

Zwei Monate, nachdem der Vater wieder daheim war, traf der zukünftige Verlobte ein. Man wollte erst sehen, ob ihr einander so zugetan sein würdet, dass sich für dich ein Konvertieren nicht von Nachteil zeigen würde.

Dazu musst du wissen: Wer konvertierte, verlor von dem Moment an jeden Halt in seiner Sippe.

Diese würde ihn ganz gewiss nicht unterstützen, komme, was da wolle. Und dennoch erwogen es deine Eltern, denn das Vermögen des Kandidaten war bedeutend und wog den Nachteil, dass du dein Erbe zu opfern hättest, durchaus mehr als auf.

Aber voreilig wollte man nicht sein. Erst einmal sollte erprobt werden, ob der junge Herr ein solches Opfer von deiner Seite auch verdient habe. 

Ja, ach herrje! Von einer Minute zur anderen warst du lichterloh in Liebe zu ihm entbrannt und er wohl auch verzaubert von dir. Doch deinen Eltern gefiel zunehmend weniger, was sie bei diesem Manne entdeckten! Wohl war er fröhlich, doch trieb er gern Spott mit denen, die sich dagegen nicht wehren konnten.

Auch war er vermögend, doch schien er keinerlei Grenze zu kennen, wenn es darum ging, etwas zu erwerben, was ihn im Moment entzückte. Gewiss schien er begeistert von dir zu sein, doch lobte er stets nur deine jugendliche Anmut, nie aber dein gutes Herz. Schon nach einer Woche waren deine Eltern sich einig: Dieser junge Mann sollte nicht deine Hand erhalten.

Doch da hatten sie die Rechnung ohne dich gemacht. Mitten in der Nacht seid ihr Zwei auf und davon. Nach drei Wochen erhielten wir einen Brief aus Paris: Dass du nun katholisch verheiratet seist und dass sich die Eltern nicht sorgen mögen, denn du würdest sehr geliebt von deinem Gatten. Bald schon würdet ihr auf sein Castell in die Normandie gehen.

Dann kamen traurige Monate: Überall fehlte uns dein Lachen, fehlte uns deine Freude am Leben und wir merkten alle, dass uns das Kostbarste geraubt war, das wir je besessen hatten.

Endlich – mehr als ein Jahr später – kam Nachricht. Unsere Briefe an dich waren unbeantwortet geblieben und der Bote, den wir ausgesandt hatten, zu erkunden, ob du wohlauf seist, kam nur mit der Nachricht zurück, dass zwar jeder wisse, dass der junge Herr geheiratet habe, aber niemand dich je außerhalb der Castellmauern gesehen habe. Die Dienstboten hätte er gefragt, aber aus denen sei nichts Vernünftiges herauszuholen gewesen.

Nun also der Brief von dir. Ein Kind hättest du geboren, aber das sei nicht lebensfähig gewesen. Knapp nur hättest du die Geburt überlebt und seither hättest du ständig Angst davor, wieder geschwängert zu werden.

Dein Gatte sei ganz und gar nicht mehr lustig, vielmehr kümmere er sich gar nicht mehr um dich. Deine Gesellschaft sei nun seine Mutter und deren Schwester, die sie aber als hugenottische Schlampe schimpfen würden, die nicht einmal ein gesundes Kind zur Welt bringen könnte.

Ein einziges Unglück sei sie, so hätte ihr der Pfarrer gesagt, und darum müsste sie nun sechsmal am Tage beten und Buße tun, indem sie sich jeden Freitag selbst mit einer Peitsche zu schlagen hätte.

Diesen Brief hättest du heimlich über einen Mittelsmann gesandt und du bittest dringend um Hilfe, um Erbarmen. Die Eltern mögen dich holen.

Oh, wie verzweifelt das alles klang. Sofort unternahm dein Vater alles, um dich von dort zurückzuholen, aber es gab keine Möglichkeit, wollte er nicht riskieren, einen erneuten Feldzug anzuzetteln, bei dem die hugenottische Seite nie Erfolg haben könnte.

Und so bitter es war: Es galt, anzuerkennen, dass dein Wohl einen solchen Krieg nicht wert war. Ihm gewiss, nicht aber den Waffenbrüdern. Bitter war es, dir diese Botschaft zu bringen, bitter war deine Antwort: Verstoßen seist du nun und verloren.

Nie wieder kam ein Brief, nie eine Antwort auf unsere. Jahre vergingen…

Sowohl dein Vater als auch deine Mutter waren gestorben und ich lebte immer noch. All mein Sehnen galt dir, je älter ich wurde. Endlich kam ein Brief. Nicht wie erwartet aus der Normandie, sondern aus Paris. Deine Ehe sei annulliert worden mit Einwilligung des Papstes.

Schwer hätte das Schicksal dich geschlagen, noch zweimal hättest du Kinder bekommen, aber auch diese hätten die Geburt nur Tage überlebt. Dann seist du an Blattern erkrankt und daraufhin hätte dein Gatte alles getan, um die Ehe zu annullieren.

Man hätte Gerüchte in die Welt gesetzt, in denen du der Zauberei bezichtigt worden seist: Doch hätte das ein Ende genommen und sei nicht zur Anklage gekommen, sobald du in den Antrag auf Annullierung deiner Ehe eingestimmt hättest.

Ob du nun zu Vater und Mutter heimkehren könntest? Eine andere seist du nun, all deinen Trost hättest du im Glauben gefunden und darum sei dir nichts mehr so heilig, als so zu lieben, wie Jesus es getan hätte.

Weswegen du auch kein böses Wort noch Gedanken über deinen Gatten hättest, sondern ihm nichts als Gottes Segen wünschst für seine neue Ehe. Ein Gebet war beigefügt, so fromm, so ernst, dass ich mein liebes Enkelkind darin nicht wiederfand.

Aber ich freute mich, dich endlich in meine Arme schließen zu dürfen! Doch ach: Wie traurig war dies Wiedersehen, nur an deinen Augen erkannte ich dich wieder. Deine Lippen waren schmal vor Bitterkeit, dein Gang – einst so leicht und heiter – nun gebeugt. Deine rosige Haut zum Erbarmen vernarbt, ach, ach!

Nun griff ich alle inneren Kräfte, die ich noch aufbringen konnte, nun hatten meine letzten Jahre ein Ziel: Dich wieder zur Freude am Sein zu führen! Was hab ich versucht! Was hab ich argumentiert! Aber umsonst!
In dir war nichts als Verdammnis für dein Selbst. Lebensfreude? Sünde! Gefährlicher Leichtsinn, Trugbild Satans!

Nein, entsagen müsse man dieser Freude, auf ewig verdammen. Ernst sei es, ein Nachfolger Christi zu sein und nur durch Opfer aller Freuden zu erreichen!

Ja, Eva, viele, viele Inkarnationen ist das jetzt her. Und jede Inkarnation bist du angetreten, weil in dir die Sehnsucht erhalten geblieben ist, die alte, gute Freude an der Schöpfung, am puren Sein zurückzugewinnen. Mit jedem Leben bist du vom Abweg der Seele, auf die sie durch all den Hass und die Herzlosigkeit anderer geraten war, näher zu deinem Wesenskern gekommen.

Und nun, liebe Eva, dürfen wir beide offen darüber reden. Nun darf ich dir in die Inkarnation hinein sagen: Recht so, meine Liebe, such deine Lebensfreude, schenk Gott dein Lachen!

Lass dich nicht beirren von solchen, die meinen, heilig zu sein, indem sie sich bezwingen. Warum sollte bezwungen werden, was doch aus Gott gekommen ist?

Sieh die Schöpfung an: Ist nicht alles wunderbar gemacht und fügt sich nicht eines zum anderen? Allein der Mensch versteht es nicht, damit zufrieden zu sein.

Der Reiche will reicher sein, der Schöne schöner, der Kluge klüger und der Heilige heiliger. Und so wird jeder verlieren, was ihm geschenkt ist.

Siehst du, Eva, du warst so heilig, ehe du das geglaubt hast, was sie dir sagten, dass du eine Sünderin wärst.

Weißt du, was Gottes Heilige sind? Das sind die, die einfach aus der Mitte ihres Herzens wahr sind. Wie die Kinder, die nicht täuschen: Die weinen, wenn sie traurig sind, schreien, wenn sie wütend sind und zärtlich, wenn sie lieben!

Die Welt versucht es, zu rauben, dieses Licht, diesen Glanz. Gestern nannten sie sich Fürsten und Könige, Hohepriester und Weise, sie waren in allen Konfessionen zuhause.

Heute heißen sie anders, aber es sind immer noch die gleichen destruktiven Kräfte, die sie leiten.

Sie versuchen, die Freude zu rauben, zumindest zu verschatten!

Sie sagen, das sei vernünftig.
Sie sagen, das sei der bessere Glaube.
Sie sagen, das sei logisch.
Sie sagen, das sei menschlich.

Sie haben zu allen Zeiten immer gute Gründe gehabt, den Menschen die Freude am Leben und an ihrem Selbst zu nehmen.

Es ist gut, dass du dich in diesem Leben wehrst gegen solches Ansinnen. Doch noch weißt du dich nicht so zu schätzen, wie es sein könnte. Noch siehst du nicht, dass du nichts tun musst, nichts opfern, nichts bezwingen, wenn du nur bist, wie du bist, wenn du nur ganz wahr bist.

Mit Freude schreibe ich dir dies alles. Es ist nicht wichtig, ob andere sehen, wie du siehst, fühlen, wie du fühlst. Das ist ganz unwichtig! Wichtig ist nur, dass du lebst, was du fühlst und deine Sicht der Dinge wertschätzt und zu ergründen suchst, wo in deiner Sicht Gottes Weg zu finden ist.

Nun muss ich schließen und hätte doch noch so viel zu sagen, die Zeit wird’s richten, da bin ich gewiss. Doch jetzt, liebe Uta, ich weiß es wohl, möchtest du mir die Fragen von Eva stellen, nicht wahr?

U. Ja, gerne, darf ich dich nach deinem Namen fragen?

G. Ich bin Elisabeth.

U. Eva fragt, welcher Schutzengel sie begleitet oder ob sie mehrere hat?

E. Ich bin nicht die Einzige, mein Lieb, es gibt auch noch einen sehr weisen Engel an deiner Seite, der besonders dann zum Tragen kommt, wenn es um spirituelle Dinge geht.

Ich bin eher für dein irdisches Sein zuständig. Natürlich ist beides verknüpft und wir wirken auch oft zusammen. Das ist ja gerade unser Ziel mit dir, dass du zu erkennen lernst, die himmlische Freude ist auch in einem Erdbeereis zu finden (sie lacht, als sie das sagt) oder in einem Schokoriegel.

U. Eva fragt, was sich ihre Seele in diesem Leben vorgenommen hat, was möchte sie lernen?

E. Freude zu finden in allem, was ist, und Freude zu schenken mit allem, was in dir ist. Du hast dir viel vorgenommen.

Denn es handelt sich um die Freude, die die Seele erlebt. Nicht um irdischen Glanz, nicht um gesellschaftliche Standardfreuden. Nichts Oberflächliches suchst du, wenngleich selbst im Oberflächlichen auch die tiefe Seelenfreude zu finden ist für den, der achtsam ist.

U. Welche Kraft hilft mir am Besten, mein Leben und meine Umgebung positiv zu gestalten?

E. Eben die genannte Achtsamkeit. Versuche in allem, was dir geschieht und was du siehst, vom Geringsten bis zum Größten den Lehrer zu sehen, der dich unterrichtet, wie man in der Freude bleibt und in der Hoffnung.

Was nicht gut ist, das darf aber nicht wieder gut „gemacht“ werden, nicht so wie in diesem Leben hier.

Was man dir tat, war nicht gut, aber es wurde erst mächtig, als du es glauben wolltest. Du wolltest es glauben, was jene sagten, denn sonst hättest du deren abgrundtiefe Bosheit erkannt.
Und das war dir schlimmer als alles andere.

Deshalb hast du auch dein Gutes verworfen und ihr Böses angenommen, deshalb wurde aus deiner innersten Wahrheit deren tiefer Lebensirrtum. Zum Nachteil für die, das liegt auf der Hand, doch auch zum Nachteil ihrer Seelen.

Nicht einmal plagte auch nur einen deiner Tyrannen das schlechte Gewissen, warum auch?

Du hast nie gesagt, dass sie dir unrecht tun. So sind sie ins Jenseits gegangen, ohne irgendetwas von dir gelernt zu haben. Sie lernten eben nicht, dass man das Edle und Reine, das aus sich selbst göttlich ist, nicht trüben darf aus egoistischen Motiven heraus.

Deshalb lass dich nicht irritieren, Eva: Was nicht wahr ist, was nicht recht ist, was nicht weise ist – egal woher dies kommt – das darfst, nein das musst du auch so nennen dürfen.

Die Achtsamkeit in allen Dingen, die dir begegnen, beginnt mit der Frage: Was lehrt mich diese Situation und was lehrt sie dem Anderen, wenn ich ganz wahr bin?

Du weißt: Nichts kostet dich soviel Energie wie anders sein zu müssen, als es in dir ausschaut. Nun will ich nicht sagen: Liebe Eva, lass jeder Laune in dir freien Lauf und sprich immer sofort aus, was du meinst und denkst.

Ach nein, jeder Mensch denkt mitunter Unsinn und jeder kennt Gefühle in sich laut werden, die ungerecht sind.

Dann gilt es eben, achtsam zu sin, inne zu halten und sich zu fragen: Ist das jetzt wirklich meine Wahrheit, was ich da sagen will und was ich da meine, zu wissen?

Eine Prüfung und die Beherrschung der eigenen Gedanken und Emotionen ist gut, aber das brauche ich dir gar nicht sagen, das tust du sowieso!

Doch wenn du deine tiefe Wahrheit kennst, wenn du dein tiefstes Gefühl ergründet hast, dann eben darf dich nichts mehr hindern, dazu zu stehen.

Niemand kann dir diese Arbeit abnehmen, nur du kennst, was dir wahr und wirklich ist.

Würden sich alle Menschen in Achtsamkeit ihren tiefen Wahrheiten stellen, es gäbe kein Krieg, es gebe keinen Missbrauch der Schöpfung, es wäre eine blühende Erde mit Menschen, die so leben und das tun, wofür die Schöpfung sie ausgerüstet hat.

Stattdessen gibt es so Prinzipien und jeder versucht sich, an denen zu orientieren, am liebsten jedoch andere dazu zu bewegen, sich daran zu halten.

Prinzipien sind gut, ich will nichts dagegen sagen, sie sind für die Menschen, damit sie eine minimale Übereinstimmung haben aufgrund derer sie eine Gemeinschaft pflegen können.

Solche Prinzipien sollen dem Menschen dienen, aber der Mensch ist nicht dazu da, sein Selbst dem Prinzip zu opfern. Wo dies verlangt wird, wird wahre Lebendigkeit im Keim erstickt.

Ergründe deine Selbst-Prinzipien, Eva: Was ist mir das Wertvollste? An mir selbst, im Umgang mit anderen, in meinem Glauben, in meiner Einstellung zum Leben.
Was zeigt sich als Freude, wenn ich diesen Werten folge?
Was gelingt mir wie selbstverständlich?

Und dann schau, ob das mit den Anforderungen, Werten und Gesetzen anderer übereinstimmt oder in Übereinstimmung zu bringen ist.

So sein Leben auszurichten, bedeutet, in der Kraft des Lebens zu sein.

Hab Vertrauen in dein Selbst, Eva, es ist viel weiser, als deine Gedanken es dich manchmal glauben lassen wollen.

Schau zurück auf dein Leben: Wie oft hast du Freude gebracht, wie oft hast du Frieden gebracht?

Für wahr, du darfst diesem Selbst Vertrauen, denn ganz offensichtlich kann es viel Gutes bewirken.

Du musst dich nicht positiver machen, als dein Selbst ist. Ich verrate dir etwas: ABSOLUT positive Menschen haben eine absolut erdrückende Wirkung auf andere, die stehen auf einem nie zu erreichenden Siegessockel.
Es ist schon gut, nur ein menschlicher Mensch sein zu wollen (sie lächelt, als sie das sagt).

U. Eva schreibt: Ich möchte bedingungslos mich und andere lieben können, was kann ich dazu beitragen, um einen Sachritt näher zu kommen?

E. Eva, dich und andere bedingungslos zu lieben, ist nur möglich, wenn du zwischen der reinen Seele, die sich von Inkarnation zu Inkarnation weiter entfalten kann, einerseits siehst und andererseits das, was diese Seele auf ihrem Pfad in die Vervollkommnung tut.

Alles Lieben heißt, alles verstehen, ja, aber es heißt nicht, mit allem einverstanden oder zufrieden zu sein.

Sowenig eine Mutter eine gute Mutter ist, die es aus lauter Liebe zum Kind unterlässt, es zu ermahnen, wohl auch zu schimpfen und gar zu strafen, sowenig ist ein Mensch seinen Mitmenschen und sich selbst gegenüber ein guter Mensch.

Lieb ist er, aber nicht gerecht, freundlich ist er, aber nicht weise.

Wer alles liebt, muss den Mut haben, auch die Tatsache zu lieben, dass es Dinge gibt, die korrigiert werden müssen. Und die Wahrheit, dass manchmal ein Leben nicht ausreicht, um diese Korrektur vorzunehmen.

U. Eva fragt, ob es Schattenseiten gibt, die sie ignoriert?

E. Eva, natürlich hast du solche, ihr alle habt die, das gehört zum irdischen Bewusstsein. Schau auf dich, Eva, schau, wie sehr du gibst und wie schwer es dir fällt, zu nehmen.

Es ist eine Neigung da, sich nur dann ganz liebens – wert zu fühlen, wenn du ganz richtig bist, wenn du anderen viel Nutzen bringst.

Selbst Gott meinst du nur dann so recht gefallen zu können.

Das ist dein Schatten, Eva, aber es ist kein tiefer Schatten mehr, heller und heller ist er von Leben zu Leben geworden. Mehr brauchst du nicht von dir zu erwarten.

Hinter diesem Streben steckt ein Zorn, der so verborgen ist, dass dein Bewusstes nicht herankommt. Ein Zorn darüber, nicht gut genug zu sein.

Dieser Zorn treibt dich weiter und weiter und scheint doch immer wieder nur das ewige „Ich bin nicht gut genug“ zu sagen.

Doch du hast die Gabe, einen realistischen Blick auf alles werfen zu können, auch auf dich selbst.
Nun, realistisch betrachtet, müssen wir da nicht sagen: Keine Menschenseele ist jemals gut genug, gemessen an Gottes Vollkommenheit?

Liebes, keine einzelne Seele – so hoch entwickelt sie auch sei – wird je alle Vollkommenheit in sich haben. Das ist nicht der Auftrag der Menschheit.

Die Menschheit erreicht ihre Vollkommenheit ausschließlich durch das Miteinander aller.

Kein Einzelner wird je ohne Unvollkommenheiten sein, sondern hier gilt mehr denn alles andere: einer trage des anderen Last.

U. Eva fragt, wie es Toni geht, vor allem seine Frau will das wissen?

E: Was kann ich jetzt anderes sagen als zu wenig, Eva? Es geht ihm gut, er ist im Frieden, aber er hat den Wunsch, sich zu erklären.
Es ist in ihm eine Auseinandersetzung mit dem Loslassen. Das ist schwierig, weil er noch immer nicht weiß, ob er das darf. Er bittet darum, ihn realistisch einzuschätzen, als Menschen zu sehen.

Mehr kann ich in der Kürze der Zeit nicht sagen, ohne in negativer Art zu wenig mitzuteilen. Es gibt Dinge, die dürfen nicht verkürzt werden, um sie nicht unwahr werden zu lassen.

U. Vielen Dank, Elisabeth, ich hoffe, dass wir Eva damit geholfen haben und sie sich besser annehmen kann und die Kraft gestärkt bekommen hat, in ihrer Art der Freude am Leben zu bleiben.
Ich möchte mich dann von dir verabschieden.

E. Ich danke dir, Uta, und meiner Eva sage ich:

Immer gibt es Blumenwiesen, selbst im Winter. Du musst sie nur schauen wollen!
Es ist alles in dir, was du brauchst, du musst es nur sehen wollen.

Deine Elisabeth!