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Verstorbene – Nichts ist tot! Und Gott ist nicht starr und unbeweglich und weit entfernt.

Nichts ist tot!
Und Gott ist nicht starr und unbeweglich und weit entfernt.

Ich war da!
Ich war wirklich da!

Das ist wie ein schöner Sommertag auf einem Berg
und du breitest deine Flügel aus
und fliegst ins Licht.
Und es ist nichts als Licht in dir und um dich!
Verstorbenenkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit Regina zu verbinden.
Ihr Sohn Jochen möchte Kontakt zu ihr.

Sie ist gleich bei mir!
Lächelnd steht sie vor mir gekleidet
in einer hellen Jacke mit passendem Pulli darunter,
ein einfacher, gerader Rock
und Schuhe, die einfach „praktisch“ sind…

Sehr akkurat schaut sie aus.
Aber irgend wie scheint sie nicht zu wissen,
wohin mit ihren Armen:
Mal schlingt sie die quasi um sich selbst,
dann hält sie die Hände auf den Rücken…

U: Grüß dich, Regina, bist du nervös?
Als Antwort ein Lächeln und ein tiefer Seufzer.

U: Na, komm, setzt dich ein wenig zu mir
(ich nehme einen leichten Hauch Lavendelduft wahr).

Sie setzt sich, brav schaut das aus.
Artig ein Bein neben das andere, die Hände auf den Knien,
aber immer noch nicht wirklich entspannt…

U: Ja, Regina, was ist denn?
Warum bist du so angespannt?

R: Dass er ja aufpasst beim Fahren, es geschieht ja so viel!

U: Soll ich das Jochen sagen?

R: Ach ja!
Bitte!

U: Machst du dir Sorgen um ihn?

R: Er ist doch mein Sohn!
Da sorgt man sich eben!

U: Ja, Regina, das kann ich verstehen
(an diesem Punkt „erkennt sie mein Inneres“ und lächelt).
Dein Sohn ist nicht verheiratet?

R: Meinst du, er MUSS?

U: Wie meinst du das?

R: Möchtest du ihn dazu bewegen, das zu tun?
Eine Frau suchen, eine Familie gründen?

U: Ich würde es ihm wünschen.
Aber er muss wissen, was ihn glücklich macht!
Da darf ich nicht in ihn dringen…

R: JA! Das sag ich auch!
Man darf die Kinder nicht zwingen:
Nicht in die eine und auch nicht in die andere Richtung,
da verstehen wir uns!

Du darfst ruhig die Musik anmachen, es freut mich.

(Vor einer halben Stunde hatte ich den Impuls,
eine CD mit Liedern von Bach, Schubert
und einigen Instrumentalstücken von Mendelssohn,
Gluck und Bruckner aufzulegen.
Die CD heißt Musik der Engel.
Ich unterließ es aber, um die Seele von Regina nicht zu irritieren.
Aber sie wünscht es sich jetzt so sehr,
dass ich gerne ihrem Wunsch folge).

Die Musik fängt an mit einem Choral:
„Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe“.
Regina singt lächelnd mit und wirkt einfach glücklich!
Alle Anspannung von vorher scheint abgefallen von ihr…

U: Du singst das mit, weil du die Musik liebst oder den Text? 
Was willst du mir damit sagen?

Jetzt setzt sie sich neben mich, ganz vertraut,
den Kopf ein wenig geneigt, die Augen blitzen nur so…

R: DAS muss mein Sohn wissen!
Nichts ist tot und Gott ist nicht starr und unbeweglich
und weit entfernt!

Ich war da!
Ich war wirklich da!

U: Ja, wo denn?

R: Ach, in ihm!
Wie soll ich das nur sagen?
Das ist wie ein schöner Sommertag auf einem Berg
und du breitest deine Flügel aus und fliegst ins Licht
und es ist nichts als Licht –
In dir, um dich!
Hach! (Wieder ein Seufzer.)

U: Ui, danke, Regina, dass du mir dieses Gefühl schenkst.
So glücklich bist du?

R: Ja, da werden alle Sorgen ganz klein!

U: Hast du denn Sorgen?

R: Das Kind!

U: Der Jochen?

R: Ich hätte mir gewünscht, dass ich ihn noch begleiten darf,
aber es war die Zeit gekommen…

U: Das macht dich traurig?

R: Du musst das verstehen:
Wir waren nicht einfach Mutter und Sohn,
wir waren auch Freunde!
Ja, das war so.

Jetzt muss er mit so vielem Allein fertig werden…
Das ist aber sein Lebensweg.
Ich bin froh, dass er ein Mensch ist,
der niemals oberflächlich war, er wird seinen Halt finden.

Er wird seinen Weg zum Glauben suchen
und er wird ihn finden, ich bin an seiner Seite.

Er merkt es, aber wie IMMER:
Er versucht, sachlich zu bleiben (sie lächelt)!
Aber sein Herz weiß es DOCH!

Sein Herz weiß IMMER mehr als sein Verstand,
aber das sagst du ihm besser nicht…

U: Ich muss ihm alles sagen, was du mir sagst,
so ist der Vertrag zwischen uns…

R: So?
Na ja, vielleicht versteht er es ja, was ich meine.

U: Mochte er es nicht,
wenn du von seinen Gefühlen gesprochen hast?

R. lacht: Er mochte es nicht,
wenn ich von SEINEN Gefühlen gesprochen habe!

Dabei ist er so eine gute Seele!
Ich bin so dankbar, dass ich diesen Sohn an meiner Seite hatte!
Er hat mir über Vieles hinweg geholfen!

Sie schaut ins Weite.
Draußen geht ein heftiger Schneeschauer über das weite Land.

R: Er wollte keine Wollmütze tragen!
Mein Gott!
War der hartnäckig!
Was er nicht wollte, das wollte er nicht!

Da kam er vielleicht nach seinem Vater!
Ich dachte schon, dass ich nie mehr Mutter werde.
Ach, das Leben hat es doch gut mit mir gemeint.

Sie zeigt mir ein Bild, mit dem ich nicht viel anfangen kann.
Eine Art Wartezimmer:
Eine Krankenschwester in einer altmodischen Schwesterntracht
mit weißem Häubchen und Schürze und einer Brosche am Kragen öffnet die Tür, hinter der es sehr umtriebig zugeht.

Aber dennoch vermittelt mir Regina zu diesem Bild ein Gefühl
der inneren Erfüllung, der stillen Freude.

Jetzt schaut sie sich bei mir um
und fragt mich, ob sie das Umfeld verändern darf.
Es sei ihr hier zu streng!

Ich erlaube das gerne.
Sie verändert unsere Umgebung, nimmt die Musik aber mit.
Jetzt sitzen wir auf einer Terrasse in einem Garten.
Rosen blühen üppig und vielfältig.
Ein altes Vogelhäuschen sehe ich, es ist halb verfallen…

Aus feinem, edlen Porzellan serviert Regina mir Tee
und eine Art Kuchen:
Flach, cremig und mit Rosinen…

R: Erinnerst du dich nicht an Käsekuchen?

U: Oh doch, natürlich.

R: Sag meinem Sohn:
Keine Freude geht verloren, auch nicht die Kleinste.
Sag ihm:
Es war mir immer Glück, andere zu umsorgen
und daran wird sich niemals etwas ändern.

Im Inneren des Hauses höre ich plötzlich
eine aufgeregte und laute Männerstimme…

U: Wer ist das?

R. zuckt nur mit den Achseln:
Hm! Er regt sich immer noch schnell auf, aber er meints nicht so! 
(Ich bin mir nicht sicher, ob sie ihren Mann meint,
ich bekomme das Wort: Vater.)

Sie ignoriert es einfach.
Sowohl meine vertiefenden Fragen
als auch diese Stimme, was immer es ist:
Es findet für sie einfach nicht statt.
Hatte sie diese Fähigkeit:
Unangenehmes, Schweres einfach „auszublenden“?

Regina verändert wieder das Umfeld.
Jetzt ist sie viel jünger!
Sie trägt einen Badeanzug, einen Sonnenhut
und eine dieser eigenartig spitz auslaufenden Sonnenbrillen.
Anscheinend sind wir jetzt am Meer.

U: Mittelmeer?

R: Warum denn nicht?

U: Regina, du zeigst mir das doch nicht ohne Grund.
Was soll dein Sohn denn verstehen?

R: Dass ich das Leben liebe!
Das soll er verstehen!
Das vergangene und das jetzige!

Ich bin in Gott geborgen gewesen.
Heute sehe ich es ganz klar, damals hoffte ich es nur.
Ich bin da, wo ich glücklich bin,
weil ich an das Glück glaube!
Man muss es sehen!

DAS ist die Kunst!

U: Vielleicht kann man es nicht festhalten?

R: Das kann man nicht, aber es kommt zurück!
Irgendwann.

Junge!
Glaub an das Glück, es liegt so viel Liebe in allem.

Es kommt der Satz:
„Gutes und Segen werden mir folgen mein Leben lang!“

Ich sehe diesen Satz gedruckt in einer schönen Schrift!

Jochen? Das ist mein Segen an dich:
So bitte ich, dass dir Gutes und Segen folgen ein Leben lang.

Tja, aber jetzt müssen wir wohl ernst werden (wieder ein Seufzer).

U: Ernst werden?

R: Seine Fragen?

U: Oh, ich würde gerne, ehe wir zu denen kommen,
deine Persönlichkeit beschreiben.
So, wie ich sie heute empfinde, wenn du mir das erlaubst.

R: Das ist doch nicht so schwer!

U: Sag, wenn dir etwas nicht gefällt.

R: Ja.

Regina ist mir ein sehr lieber Gast.
In alter Zeit hätte man eine Seele wie die ihre
als feinsinnig bezeichnet.

Sie hat etwas, das so fein und ausgewogen ist,
dass es kaum zu beschreiben ist.

Sie ist im wahrsten Sinn des Wortes eine Dame.
Nichts an ihr ist grob oder gar ordinär.
Ihre Art, sich mir zuzuwenden, ist heiter, ruhig und gütig.

Ich frage mich, ob die Ursache dafür in ihrer Kindheit lag,
aber darüber mag sie nicht viel berichten…

Es scheint eine ältere Frau gegeben zu haben,
die ihr viel bedeutet hat und sie zeigt mir Bücher.
Die Welt des geschriebenen Wortes
scheint ihr in ihrer Kindheit viel bedeutet zu haben:
Märchenbücher sehe ich und Kinderbücher.

Sie legt mir ein altes Buch hin:
„Der kleine Wassermann“.
Der ist sicher nicht aus ihrer Kindheit.
Aber vielleicht hat es Bedeutung für dich, lieber Jochen.


Und sie zeigt mir einen Tannenbaum,
geschmückt mit Süßigkeiten und Nüssen.
Sein Duft erfüllt einen Raum, in dem eine große Tafel steht…

Sie zeigt mir ein eingesticktes Monogramm
im Tischtuch und in einer Serviette.
Das Gefühl zu diesem Szenario ist herzlich,
aber dennoch etwas „steif“.

Viele Kinder sind da und alle sind erstaunlich brav.
Man möchte es gar nicht glauben, WIE diszipliniert sie sind!
Mehr sagt sie mir nicht zur Kindheit.

Die Jugendjahre scheinen sehr vom Krieg geprägt gewesen zu sein.
Sie zeigt mir eine Nachricht – offensichtlich von einem Militär –
und ich sehe sie weinen…

Dann folgen Bilder,
die wieder ein Krankenhaus oder Lazarett zu sein scheinen.
Sie läuft einen langen Flur entlang!

Alles, was da geschah, war alptraumhaft für ihre feine Seele!

Vielleicht hat sie hier diese merkwürdige Fähigkeit entwickelt,
Unliebsames auszublenden und sich auf das zu konzentrieren,
was gut, wahr und schön ist.

Ich weiß nicht, wie weit das ging!
Manchmal habe ich das Gefühl, dass daraus in ihr auch
so eine Art „Zwangs-Harmonisierungs-Bestreben“ wurde.
Aber vielleicht täusche ich mich da auch…


Es ist eigenartig, wie wenig Konflikthaftes ich wahrnehmen kann
in so einem langen Leben.
Obwohl ich sicher bin, dass sie wirklich oft genug
plötzliche Verluste und Veränderungen hinzunehmen hatte,
die alles Andere als leicht waren.

Hat sie sehr früh eine Orientierungsperson verloren?
Ich sehe sie als kleines Mädchen mit langen blonden Zöpfen
vor einem leeren Bett stehen und bitterlich weinen.

Schnell wischt sie dieses Bild fort, springt in der „Zeit“
und zeigt mir stattdessen eine Straße, die ich gut kenne:
Der Pass über den Großglockner!

Wir fahren ihn hoch. Ob dies symbolisch zu verstehen ist
oder sie diesen Weg tatsächlich befahren hat,
kann ich nicht ausmachen.


Es kommt der Satz: „Dem Bösen muss man Gutes entgegensetzen,
auch wenn es anstrengend ist.“

Ob dieser Satz von ihr ist, bezweifle ich.
Aber sie ist mit dem Inhalt einverstanden
und zeigt mir wieder ein Bild aus der Kriegszeit.
Sie sitzt mit einigen anderen Frauen zusammen um einen Ofen.
Es sind zwei ältere Frauen dabei, die Anderen sind jünger.
Sie trennen alte Wollsachen auf, binden neue Wollknäuel,
einige der Frauen stricken Strümpfe.

Regina flüstert mir zu: Für die Front!

Ich vermute, hier zeigt sie, was sie mit diesem Satz gemeint hat.
Und wieder sehe ich hier den Charakter einer guten Seele.
Eine, die über das Leid die eigene Verantwortung stellt
und eben versucht, da zu helfen, wo es gut ist.

Jetzt führt sie mich durch ein Haus, es ist sehr still hier.
Das Licht wird durch Jalousien abgedämpft.
Sie öffnet eine Tür
und ich sehe sie im Bett liegen, einen Arm über dem Kopf.
Und ein kleiner Junge in kurzen Hosen mit Hosenträgern
und einem karierten Hemd (der oberste Knopf artig geschlossen)
steht davor und streichelt ihre andere Hand.

Sie flüstert: Geh spielen, Mami hat Kopfschmerzen.
Aber der Junge geht nicht, er überlegt, wie er ihr helfen kann.
Als er merkt, dass ihm gar nichts einfällt, beginnt er zu weinen…

Ich bin sehr gerührt von der tiefen Liebe Beider zueinander.
Sie schließt diese Tür und geht in ein anderes Zimmer mit mir.
Hier sehe ich eine Art „Büro“:
viele Bücher, ein Schreibtisch, ein Telefon.

Dieser Raum wirkt „verlassen“, unlebendig, als hätte der Benutzer es schon vor langer Zeit zum letzten Mal betreten.
Warum wurde nichts verändert?
Das frage ich mich…

Sie lächelt und zuckt mit den Schultern:
Weil ich dachte: Das darf man nicht tun!

U: Und wie siehst du es heute?

R: Ich WEISS, dass es Unsinn ist.
Niemand kann einem, der im Himmel ist, etwas rauben!
Wir haben doch ALLES!
Ihr seid die, die nichts haben!

Ja, Andenken an einen Menschen:
Die kann man nicht in einen Raum einsperren!
Die sind in uns, die kommen überall mit hin!
Auch in die Ewigkeit.

U: Möchtest du Jochen noch etwas Wichtiges sagen?

R: Ja! (Sie setzt sich eine Brille mit Goldrand auf
und hat einen Zettel in der Hand.
Anscheinend hat sie sich notiert, was sie sagen will. 
War das eine ihrer Angewohnheiten,
sich solche Notizen zu machen?)

Plötzlich unterbricht sie diesen Vorgang
und gibt mir das Bild einer Schule.
Sie geht dort hinein und ich habe das Gefühl,
dass sie gerne daran zurückdenkt.

Nicht SIE ist Schülerin!
Ich verstehe nicht ganz, was sie mir zeigen will…


Wir gehen eine sehr große Treppe hinauf
und dann öffnet sie die Tür zur Aula.

Da sehe ich einen Flügel stehen.

Und das Gefühl von Freude und Stolz wird mir vermittelt,
ich vermute, diese Freude gilt dir.

Nach diesem kleinen Aufschub
wendet sie sich wieder ihrem Notizzettel zu.

Sie räuspert sich, ehe sie vorliest:
Jochen!
Du hast deine Pflicht nicht an mir versäumt
und du hast mich auch nicht in meiner Not im Stich gelassen.
Ich will nicht, dass du so denkst!

Erinnere dich bitte: Ich wollte nicht zu dir ziehen!
Weil ich meine vertraute Umgebung nicht aufgeben wollte.

Du weißt doch, wie sehr ich an meiner Heimat hing!
Du hast das Menschenmögliche getan.

Warum quälst du dich mit solchen Gedanken?
Ich wusste im Herzen, dass es nicht mehr lange dauern würde.
Warum sollte ich dann nicht in ein Altersheim gehen?
Andere machen das doch auch!

Wenn ich in ein Heim in deiner Nähe gegangen wäre,
dann hätte ich mich nur traurig gefühlt!
Weil ich meine Heimat verlassen muss!

Du hast also ganz in meinem Sinn gehandelt.
Und jetzt Schluss mit diesen Vorwürfen.

In Liebe und Dankbarkeit,
deine Mutter!

U: Oh, das war dir sehr wichtig?

R. Ja! Das ist ja nicht zum Aushalten,
wie er sich mit diesen Gedanken quält!

Sorgfältig faltet sie den Zettel wieder zusammen
und steckt ihn ein.

U: Dann können wir jetzt seine Fragen beantworten?

R: Ja (lächelnd).

U: Dein Sohn fragt:
War dein Übergang so, wie von mir vermutet,
mit Tante Lisa als Begrüßung?

R: Ach, sie war auch da.
Aber die Erste, die ich sah, war meine Mutter!
Und dann waren eben alle da.

Ich hab sie schon vorher immer mal wieder gesehen,
schön war das.
Lisa war da, um deine Seele vorzubereiten.

Sie haben gedacht:
Wenn es dich völlig unvorbereitet trifft,
dann hältst du es nicht durch.
Wir waren uns einig:
Irgend wer muss dich warnen und dir sagen,
dass ich in gute Hände komme!
Das war dir doch so wichtig.

Es war so schwer für dich,
die Verantwortung für mich in fremde Hände zu geben.
Das wussten alle hier!
Auch dein Schutzengel!
Er hat sich dann mit Lisa besprochen…


Eigentlich ist es schade,
dass du nicht dabei warst, als ich rüber ging.
Das habe ICH nicht gewollt.
Ich dachte, wenn du dabei bist,
dann trau ich mich nicht, dich allein zu lassen.
Bitte nimm es mir nicht übel.
Ich wusste ja nicht, WIE schön es wird!
Ich wollte dich und mich schonen!
Es tut mir leid.

U. Ich soll dich fragen, ob du mit der Art,
wie er den Haushalt führt, einverstanden bist?

R: (Seufzer). Eigentlich solltest du dich
damit gar nicht mehr belasten.
Ich habe hier mein Zuhause, ein Schöneres gibt es nicht.

Jochen, überleg dir selbst, was vernünftig ist.
Du hast dir in letzter Zeit
sowieso zu viel zugemutet
und mir wäre es lieber,
wenn du dir dein Leben etwas leichter machen würdest,
damit du dich erholen kannst.
Das war doch eine schwere Zeit für dich!
Und jetzt kommt auch noch Weihnachten!

Ruh dich aus, das wünsch ich mir so sehr!

Jochen?
Wenn man hier ist,
sieht man manche Dinge klarer als zu Lebzeiten.
Ich hab dir viel Verantwortung für mich aufgebürdet.
Dein ganzes Leben lang hast du alles getan,
um sie zu tragen.
Eigentlich hast du sogar
zu viel Verantwortung übernommen!
Das sehe ich erst jetzt, wie anstrengend es für dich war.

Das tut mir sehr leid!
Willst du mir das vergeben?

Jetzt musst du dich aber endlich um dich sorgen, Jochen!
Und das tun, was für dich gut ist.
Die Zeiten, auf meine!
Gefühle Rücksicht nehmen zu müssen, sind nun vorbei!

Du hast dich als sehr anständiger Mensch bewährt,
das wird sicher nicht unbelohnt bleiben.
Aber jetzt musst du auch akzeptieren,
dass für dich ein neuer Lebensabschnitt beginnt.


Und noch etwas:
Deinem Vater bin ich hier in aller Liebe begegnet.
Die Schwierigkeiten in unserem Erdenleben, die liegen hinter uns.

Ich will dir nur eines sagen, Jochen:
DU warst mein ganzes Glück.
Aber eine Verantwortung dafür,
dass ich bei Vater blieb,
die trägst du nicht.

Denk darüber nach!
Du liebst dich zu wenig!
Weißt du das eigentlich?
Jochen, das will ich nicht,
nie hab ich das gewollt.

Auch dein Vater nicht.
Wir wünschen uns,
dass du dein Glück suchst, es ist nie zu spät.
Und jetzt meine ich wirklich DEIN Glück!
Und nicht das, was ICH für dein Glück gehalten habe!

U: Ist meine Mutter mit der
Nachlass Überlassung (Pelzmäntel) an Dora einverstanden?

R. lachend: Ja, die kann sie doch gebrauchen!
Was machst du dir nur für Sorgen!


U: Er schreibt:
Info an meine Mutter:
Entschuldigung für mein Unvermögen,
über Jenseitsdinge zu sprechen,
danke für die vielen gemachten Sorgen.


R: Ach! Das musst du nicht sagen.
Ich hab dich lieb und du mich,
da sorgt man sich eben…


U: Sollen die Infos der wiedergefundenen Uhr
weitergegeben werden?


R: Es wäre eine Erleichterung für mich!
Sonst muss ich warten, bis sie hierher kommt.
Aber ich weiß nicht,
ob sie mich dann noch sehen will…

Alles wegen so einer Eselei von mir!
Sag ihr, dass ich es nicht bös gemeint habe.
Ich war wohl doch schon etwas seltsam!


U: Gibt es Hinweise, Empfehlungen,
wie ich mein zukünftiges Leben gestalten sollte?


R: Jochen, wenn ich dir das jetzt sage,
dann geht es doch schon wieder darum:
Was ich für dein Glück halte!

Weißt du:
Das ist, was wir „angerichtet“ haben!
Dass du dir so unsicher darüber bist, was DEIN Glück ist.

Du hast dich immer an Vater gemessen und versucht,
mich zu schützen.
Dein Denken war zu sehr anhängig
von unseren Wertvorstellungen.
Ich bin ja froh, dass du es geschafft hast,
dein Leben allein aufzubauen.

Aber Jochen:
Du bist auch nicht mehr jung
und trotzdem noch nicht im Frieden mit dir selbst.
Du fragst dich immer noch: Wer du eigentlich bist
und was dein Leben für einen Sinn hat.
Muttis Sohn zu sein, ist ja nicht genug,
das sehe ich ja ein.

Jochen, wenn ich du wäre,
ich würde versuchen, mein Leben verstehen zu lernen!
Ja, das würde ich!
Ich würde versuchen,
zu Lebzeiten den Sinn meines Lebens zu begreifen!
Solange man noch etwas ändern KANN!

Aber das sollst du selbst entscheiden.
Ich gehe jetzt.
Du darfst nicht denken,
dass ich kein Interesse mehr an deinem Leben habe.
Ganz im Gegenteil!
Aber ich weiß jetzt erst,
welche große Bedeutung du in meinem Leben hattest!
Und wie sehr du mir ein treuer Freund warst,
auf den ich mich immer verlassen konnte.

Vielleicht hab ich das zu selbstverständlich hingenommen.
Jetzt sei gut zu dir!
Gönn dir mal was,
ich tu das hier auch!


Ach, Kind!

Es fällt mir schwer, zu gehen.
Ich sag dir jetzt Gute Nacht und schlafe schön.
(Ich höre sie singen: „Guten Abend, gute Nacht“.)

Dann ist sie fort.