Schutzengelkontakt

Elia – über Familie: König und Königin, das ist unantastbar! Niemand darf daran tasten!

Zu Gast sind Anita und Tim.

Elia: Guten Abend, liebe Freunde.

Guten Abend, Elia.

E: Die Sonne geht unter und damit beginnt die Nacht
– oder der neue Tag – was meint ihr?

Anita: Der neue Tag.

E: Ja – in alter Zeit tatsächlich –
begann der Tag mit der Nacht.

Und das hatte seinen Grund:
Denn auch das Leben beginnt mit der Nacht –
nämlich mit der Zeit im Mutterleib.
Darum, so sagten die Alten,
beginnt der neue Tag, wenn es dunkel wird.
Hoffnung beginnt, wenn es dunkel ist!

Und ich hoffe und wünsche für euch,
dass ihr Hoffnung an diesem Wochenende findet: 
die Zuversicht, dass der neue Tag strahlend und schön sein wird!

Und damit soll meine kleine Einführung auch beendet sein.

Ich bitte um die erste Frage.

A: Die erste Frage dreht sich um Chris und unsere Familie.
Die Situation ist sehr angespannt für jeden von uns Vier.

Was sind die Ursachen?
Wie gehen wir damit um,
damit wir in den Frieden zusammenkommen können?

E: Anita, Frieden kann darin bestehen,
friedlich miteinander zu sein.

Aber Frieden kann auch darin bestehen,
zu sehen, dass Frieden nur begrenzt möglich ist.

Es gilt
– und ich hoffe, dass ich hier nichts vorwegnehme –
es gilt, ganz deutlich heraus zu spüren und zu sehen,
wo ein friedliches Miteinander begrenzt sein muss!

Frieden als Idealvorstellung einer Familie,
das ist euch sehr wichtig.

Frieden als Konzept einer Wahrheit:
Wenn nicht Daheim,
wo sonst soll Frieden sein?

Aber es kann auch das Gegenteil sein:
Wenn ich Daheim nicht unfriedlich sein darf,
wo dann?
Das bitte ich, zu bedenken.

Ein Frieden, der alle trägt,
bei dem Niemand etwas zu opfern hat,
das wird nicht möglich sein! 
Das wisst ihr!
Aber ihr als Eltern habt darauf zu achten,
dass nicht Derjenige das größte Opfer bringt,
der der Schwächste ist!
Nicht wahr?

Ich möchte euch darum bitten, dass ihr,
wenn ihr morgen eure Arbeit beginnt, darauf achtet,
einen machbaren Frieden zu wirken!
Keinen All-Umfassenden,
denn eine solche Erwartung wird enttäuscht.
Einen machbaren Kompromiss! 
Für einen All-Umfassenden ist die Zeit nicht reif.

Machbar heißt:
Von jedem so akzeptabel,
dass er nicht Schaden an Leib und Seele nehmen muss.
Hier ist die Grenze sein:
Es darf kein Schaden entstehen!

Ihr werdet ringen mit ihrer Seele, dies gewiss!
Und hoffen mit uns,
dass sie ihre Position in Frieden akzeptieren kann.
Aber ich kann dir nicht den Weg weisen,
der aus einer für sie konflikthaften Konstellation
einen Friedenskreis macht.
Dies würde bedeuten, zu unterschätzen,
dass das Konflikthafte
Teil ihres Lebensplanes ist.

Hast du Fragen dazu?

A: Ich habe das Gefühl, das zerreißt uns als Familie.

E: Ja!
Und es ist gut, dass du – und auch Tim –
in diesem Zwang nach Auswegen schaust.
Es ist eure Aufgabe, eure Pflicht.
Ihr seid König und Königin!

Und es kann nicht sein,
dass die Prinzessin
König, Königin und Prinz auseinander reißt,
es kann nicht sein!

Die Frage ist,
wie Chris zu überzeugen ist,
ihre Seele zu überzeugen ist,
das Konflikthafte nicht in euch
und eurem Kreis zu suchen.
Die Frage ist ferner,
wie ihr ihre Seele dazu bewegen könnt,
mit sich selbst in den Frieden zu gehen.
Denn dies ist das überaus größte Problem! 

Es ist ein Friedens-Versuch.

Was geschieht in der Politik,
wenn ein Friedens-Versuch scheitert?

A: Krieg.

E: Nicht unbedingt!
Es kann auch einen Waffenstillstand geben.

Euer Land war über Jahrzehnte in diesem Zustand.
Ihr hattet keinen Frieden,
sondern einen Waffenstillstand!

Und dennoch – obwohl es kein Frieden war –
konnte euer Land gedeihen.
Weil die Grenzen sehr klar und deutlich gezogen waren.
Ich bitte euch, euch morgen daran zu erinnern.

Behaltet dieses Bild im Kopf:
Wenn es keinen Friedensschluss geben kann,
dann aber den Waffenstillstand. Ja?

A: Hm, hm.

E: Gut.
Deine nächste Frage bitte.

A: Ist das auch für Tim möglich?
Weil ich glaube, er ist da sehr mit…
Ja, er leidet ganz schön stark unter dieser Beziehung…
mit Tim und Chris.

E: Tim, wenn du verstehst,
dann kannst du viel tragen.
Wenn du eine Chance bekommst,
zu akzeptieren, kannst du viel tragen.
Aber was niemals geht, auf gar keinen Fall,
das ist:
Wenn sich dadurch deine Position als König
in massive Gefahr begibt.

Anita, und das ist etwas,
was auch für dich nicht geht! 
Denn wenn – das ist wie im Schachspiel –
der König fällt, dann ist das Spiel vorbei! 
Die Dame allein wird es nicht mehr gewinnen! 

Versucht, zu begreifen,
dass ihr eine Einheit seid!
Und versucht, zu begreifen,
dass es für Chris eine Katastrophe ist,
wenn sie gewinnt!
Ja?

A: Hm.

E: Wenn sie gewinnt,
verliert sie jede Sicherheit!
Wenn sie gewinnt,
trägt sie von da an eine Verantwortung,
die viel zu schwer zu tragen ist für sie!
Sie mag es wünschen,
aber sie wird’s nicht tragen.

Friedensverhandlungen ja,
aber nicht ohne die Anerkennung,
dass Beide gleichwertig sind!
Das ist entscheidend!
Und das ist das Problem, das Chris bewegt: 
Sie versucht, die Gleichwertigkeit auf dem Prüfstand zu halten.
Und Tim muss ihr immer wieder beweisen,
was er wert ist!
Und das ist inakzeptabel!
Ja?

A: Hm, hm.

E: Hier geht es nicht darum, Recht zu behalten.
Hier geht es um etwas wesentlich Ernsteres!
Es geht darum, dass hier ein Mensch,
der erst noch im Werden ist
– und das ist Chris, sie ist nicht erwachsen –
meint, die Macht zu haben, zu tun
oder in die Wege zu leiten, was sie als Rechtens befindet.

Und das ist etwas sehr, sehr Nachteiliges für sie.
Denn das bedeutet in die Zukunft gedacht
– zehn Jahre weiter, zwanzig Jahre weiter –
dass sie Autoritäten meint,
erschüttern zu können mit allen Konsequenzen, die das hat.
Sie ist ein überfordertes Kind!
Und das müssen wir in den Mittelpunkt stellen!
Es ist eine Überforderung!
Ja?

A: Hm.

E: Ihr werdet – so hoffen wir – morgen verstehen,
woraus diese Überforderung resultiert:
Weit weniger aus den Dingen, die ihr sagt und tut! 
Sondern sehr viel mehr aus den Familienzügen,
in denen sie ist.

Ihr werdet feststellen,
dass es Chris zerreißt und dass alles,
was sie inszeniert, dazu da ist, damit es euch zerreißt!
Im Grunde nichts weiter ist:
als ein Aufmerksam machen auf ihre eigene Zerrissenheit!
Damit sage ich aber nicht, dass es eure Aufgabe ist,
sie vor dieser Zerrissenheit zu schützen.
Sondern dass es eure Aufgabe ist,
ihr an dieser Stelle Hilfe anzubieten!

Ihr Zustand ist ein Zustand beständiger Ambivalenz.
Und sie hat die Fähigkeit dazu,
diese Ambivalenz weiter zu tragen.
Hoffen wir, dass ein Weg gefunden wird,
an diesem Punkt zum Frieden zu kommen
oder zum Waffenstillstand.

Mein Ratschlag an euch Beide ist,
euch in euren Vorerwartungen weniger festzulegen.
Denn je größer eure Erwartung ist,
umso größer das Streben von Chris,
dieser Erwartung zu entwischen! 
Versucht, erwartungslos zu sein!

Das ist eine innere Haltung,
die sehr alt ist und sehr weise.
Die Chinesen bezeichneten sie als „Wu Wei“.
Im Wu Wei
– im Gelassen bleiben
im Handeln
und im nicht Handeln –
da liegt die Chance,
unentdecktes Potenzial entfalten zu können.

Richten wir aber eine feste Vorerwartung,
dann kann es passieren,
dass ein nicht endender wollender Krieg entspringt
und eine Schlacht nach der Anderen geschlagen wird,
ohne dass je ein Sieger da wäre! 
Bis jetzt habt ihr keinen Sieger gehabt
– unendlich viele Schlachten geschlagen! –
und Keiner hat gewonnen.
Und es wird auch Niemand gewinnen können!

Also, ich fasse zusammen:
Vermeidet Vorerwartung!
Bleibt offen,
aber setzt ganz klar
auf die Heiligkeit eurer Beziehung!

König und Königin, das ist unantastbar!
Da darf niemand daran tasten!

Das Problem ist doch auch:
Warum kann sie euch zerreißen?
Sie hat einen Vorteil:
Sie hat einen taktischen Vorteil!
Und das ist die Zeit.
Zeit scheint gleichwertig zu sein mit Nähe.
Je mehr Zeit zwei Menschen miteinander verbringen,
umso näher sind sie sich.

Stimmt das?

A: Nicht unbedingt, aber man meint es.

E: Aber es stimmt gar nicht!
Wäre es so:
Die Insassen vom Gefängnis mit einer lebenslangen Strafe
wären sich ungeheuer nah.

Es stimmt gar nicht!
Und ich bitte euch sehr:
Kommt euch wieder nah!
Das hat nichts mit Zeit zu tun.
Eine einzige Minute wahrer Nähe ersetzt
24 Monate gemeinsames Geschwätz!

Nähe und
Vertrauen und
gegenseitige Wertschätzung:
An solch einem Königspaar kann keine Prinzessin rütteln! 
Nutzt die Zeit für euch!

Euer Wir ist viel bedrohter,
wenn ihr es nicht mehr in den Mittelpunkt stellt! 
Aber ich hoffe,
dass euch der Zugang morgen wieder leichter wird.

Hast du noch eine Frage?

A: Was du sagst, erschrickt mich gerade! 
Weil mir nicht bewusst ist,
dass das Wir bedroht ist.

E: Ihr seid das Paar!
Ihr seid der Kern eurer Familie!

Und dieser Kern
ist das Aller – Entscheidendste in eurem Leben.
Ihr seid der Boden,
auf dem alles Andere wächst,
auch Chris, zumindest teilweise.

Darum ist es sehr wichtig
– auch für sie –
dass sie immer wieder etwas erfährt,
was sie nicht mag und dennoch braucht:
Dass euer Wir
– auch wenn es nur fünf Minuten sind –
wichtiger ist als Chris Schreie nach dem Ich!
Habt ihr einmal überlegt,
wie oft ihr über Chris redet,
nachdenkt,
streitet,
grübelt,
fragt?

Habt ihr auch mal betrachtet,
wie viel Zeit euch das kostet
und wie viel Kraft,
wie viel Optimismus,
Freude,
Selbstbewusstsein inzwischen hinzukommen?

Das meine ich mit Gefahr, ja?

A: Ja.

E: So ist es nicht gut,
auch nicht für Chris! 
Denn was lernt sie?
Wenn sie ihren Krieg gewinnt, würde sie lernen:
So viel Wert ist Liebe auch nicht! 
Das kriegt man Entzwei! 
Mit Allem, was damit verbunden wird:
Mit eigenen Ängsten an Bindungen,
mit eigenen Zweifeln in Beziehungen! 
Das wäre die Folge! 

Sie nimmt eure Zeit und Kraft,
das ist wahr.
Aber das ist ja nur der Beginn einer Entwicklung.
Versucht weiterzudenken:
Ihr seid das erste Testgebiet!
Verstehst du?
Also ganz viel Mut zum Wir-Sein,
auch entgegen allem lauten Ich-Geschrei!
Ja?

A: Hm.

E: Gibt es noch eine Frage?

A: Gibt es etwas in diesem Zusammenhang,
was wir mit Dirk beachten müssen?

E: Ja.
Aber ich denke, das wisst ihr schon selbst
und das macht ihr auch, so gut ihr könnt.
Auf der einen Seite ganz sicher:
Dass er gleichberechtigt ist,
das ist euch wichtig
und auch gut so.

Auf der anderen Seite:
Er ist noch klein.
Ich spreche nicht von seinem Verstand und seinem Körper.
Ich spreche von seiner Seele.
Er ist noch ganz Kind.
Er hat gerade erst die magische Welt verlassen.
Gerade erst beginnt er, zu begreifen,
dass Ursache und Wirkung zusammenhängen.
Und er braucht noch so sehr verlässliche Nähe! 
Das heißt:
Er ist in eurer Konstellation der Schwächste
und damit zu schützen.

A: Hm, hm.
Auch vor Chris.

E: Ja! 
Es ist so:
Wenn ihm –
weil er ja in seinem ganzen Wesen
praktischer, einfacher ist,
weil er nicht versucht,
eure Zeit zu stehlen, wie sie es tut –
der Nachteil erwächst,
dass er überfordert wird,
in seiner Kindlichkeit unterschätzt wird,
dann trägt er eine Last,
für die er noch zu Klein ist.
Er braucht sein Wir
und er sehnt sich immer wieder danach,
das Wir zu genießen.
Aber wie oft kann er es bekommen?

Ihr seid wohl bereit,
es ihm zu schenken! 
Aber wie oft ist das ungestört möglich?

Und hier sind wir wieder bei der
„klare Grenze ziehen“!
Es wird nicht leicht,
aber auch nicht unmöglich sein,
Chris Seele davon zu überzeugen,
dass es nicht ihre Aufgabe ist,
ein Rechtssystem wieder aufzustellen,
das es in ihrer Sippe gegeben hat.
Das ist wichtig!
Ja?

A: Ja.

E: Gut. Hast du noch eine Frage?

Tim: Wir haben eben über Chris gesprochen
und dort habe ich immer das Gefühl: 
Dass ich nicht gehört werde,
dass ich nicht respektiert werde!

E: Ja.

T: Und es gibt im Job eine ähnliche Situation,
wo ich ein ähnliches Empfinden habe,
warum ich nicht gehört werde
oder warum meine Meinung nicht respektiert wird.

Gibt es da einen Zusammenhang?

E: Ja.
Und diesen Zusammenhang
findest du in deiner Familie,
aus der du stammst
und aus der Familie deiner Eltern,
aus denen sie stammen.
Es geht nicht ums Gehört werden,
es geht um die Wertschätzung!
Die Wertschätzung
dessen, was du sagst
und dessen, was du tust!

Es geht darum,
dass du nicht der Ersatzmann bist! 
Das ist in deiner Ehe wichtig!
Das ist aber auch in deinem Beruf wichtig!
Und das ist auch in deinem tiefsten Selbstwertgefühl wichtig!

Denn du bist kein Ersatz! 
Weil du – Achtung – UN-ERSETZLICH bist!

Damit sage ich nicht,
die Welt würde sich nicht weiterdrehen,
wenn es Tim nicht gäbe.
Das wäre Hochmut.

Damit sage ich:
Es gibt keinen zweiten Tim!
Und er fehlt, wenn er nicht da ist!

Und er fehlt deiner Mutter,
deiner Frau und
– ob du es glaubst oder nicht –
auch Chris.
Und er fehlt deinen Kollegen und
– ob du es glaubst oder nicht –
auch deinem Chef.

Tim, in deiner Sippe fehlen Männer!
Und die gilt es, zu finden!
Sicher wirst du morgen einige schöne Erfahrungen machen.
Erfahrung darüber, was passiert,
wenn man da fehlt.

Tim, du bist einmalig!
Ja?
Und du fehlst, wenn du nicht da bist.
Arbeitet morgen daran.
Es ist wichtig.
Es hat auch sehr viel
mit dem Wir zu tun!

Die nächste Frage bitte.

T: Ich habe manchmal dann eben
auch diese existenziellen Ängste! 
Weil ich eben auch eine Verantwortung
meiner Familie gegenüber habe.
Und diese Verantwortung möchte ich tragen
und möchte sie eigentlich auch
in allen anderen Bereichen tragen.

Ist das etwas,
wofür ich kämpfen soll?

E: Zuerst lass mich bitte über Existenzängste reden:
Tim, die sind berechtigt und normal!
Nirgendwo auf der Welt findest du einen Menschen,
der gar keine hat!

Das wäre auch unsinnig!
Aber es gibt Varianten:
viel Existenzängste und
wenig davon.

Schauen wir einmal klug auf deine Existenzangst: 
speziell deine Art.

Sag mir:
Hat dich diese Angst nicht schon
vor so mancher Eselei bewahrt?

T: Ja.

E: Ja, dann ist diese Angst vielleicht gar nicht so schlecht.
Vielleicht hat die ja eine gute Funktion.
Sie ist da schlecht,
wo sie etwas Unsinniges versucht:
Nämlich eine Zukunft vorauszusetzen,
die du nicht kennst.
Das ist unmöglich.

Wenn du von Verantwortung
gegenüber deiner Familie sprichst,
stimme ich dir zu.

Natürlich hast du die!
Und weil du die hast
und weil du die trägst,
bist du aller Ehre wert!
Da stimme ich dir auch zu.
Verantwortung zu tragen,
ist so etwas für dich wie ein Versprechen.

Dabei weißt du doch:
Du kannst hier gar nichts versprechen! 
Und das ist wichtig, dass du das verstehst:
Du kannst nicht versprechen,
dass alles gut geht! 
Du bist ja nicht Gott! 

Und du kannst nicht versprechen,
alles gut zu machen.

Du bist nicht unfehlbar!

Das ist die Last, unter der du einbrichst! 
Nichts, nichts,
nichts in der Welt ist dir so furchtbar,
wie die Menschen, die du liebst, zu enttäuschen.
Das kannst du gar nicht verwinden.
Alles darf sein!
Aber sie zu enttäuschen, ist furchtbar.

Das ist, als würde es dir das Herz zerreißen.
Lieber Tim, was du versprechen kannst, das ist:
Dass du treu und redlich bist.

Dass du deine Arbeit so machst,
wie es möglich ist.
Das kannst du versprechen! 

Aber was du nicht versprechen kannst
– niemals –
das ist, dass alles gut geht.

Menschen, die das versuchen,
die verschleißen sich!
Und das darf nicht sein!

Jeden Tag, an dem ihr erwacht,
gebt ihr in Gottes Hand!

Und was ihr nie erbeten habt,
habt ihr doch bekommen:
Gesundheit,
Nahrung,
ein Heim,
Menschen, die euch lieben! 
All das habt ihr bekommen.

Aber dass die Dinge bleiben,
wie sie sind? 
Das kann kein Mensch dem Anderen versprechen.
Und kein Mensch, Tim,
darf ein solches Versprechen fordern!

Ich tue, was mir möglich ist!
Das kann man sagen, das ist wahr! 
Nicht was Anderen möglich ist… 
Sondern was mir 
– Tim, so wie ich bin und unter den Voraussetzungen, die ich habe –
möglich ist.

Mehr, lieber Tim, bitte:
Mehr versprich Niemandem! 

Nicht einmal ich tue das.
Denn auch ich kann nur tun,
was mir möglich ist.

Und wenn du jetzt in die Augen deiner lieben Frau schaust,
dann wirst du sehen,
dass ihr das völlig reicht.

Nicht wahr, Anita?

A: Ja!

E: Weißt du, Tim:
Das Wunderbare daran ist,
dass, wenn DU so zu dir stehst,
dass Andere auch tun.

Lieber Tim, schaue zurück und schau einmal,
was du alles geschafft hast:
Hättest du dir das als Fünfzehnjähriger vorstellen können?
Ist das nicht überraschend, wie?

Tim schluchzt.

E: Ja, siehst du, manchmal hilft es,
zurück zu gucken! 

Aber die Angst davor,
seine Arbeit zu verlieren
oder seine Gesundheit
oder seine Familie,
Tim, das ist leider Teil des menschlichen Lebens.

Und wenn sie wieder kommt
– diese Angst –
dann sei dir nicht zu böse,
sondern denke:
Ja, und diese Angst hat auch mein Chef
und haben meine Kollegen
und der Mann,
der gerade auf der Straße vorübergeht.
Und der,
der da vorne im Porsche sitzt
und der,
der mit dem Rad fährt.
So ist es halt, das menschliche Leben!

Und diese Angst,
die kann Einen beschützen,
ganz dumme Dinge zu tun.

Und darum ist sie da!
Ja?

T: Hm, hm.

E: Aber was die Wertschätzung angeht
– dass sich Wertgeschätzt Wissen –
nicht Fühlen:
Bis du das fühlst, lieber Tim,
wird noch einige Zeit vergehen.

Aber das Wertgeschätzt Wissen, das ist wichtig!
Und ich hoffe, dass du morgen verstehst,
warum du solche Schwierigkeiten damit hast.

T: Hm.

E: Gut.
Gibt es noch eine wichtige Frage?

T: Es ist eine Frage:
Ich scheue immer das Risiko.
Ist es der richtige Weg,
neue Wege zu suchen?

E: Wir sind hier bei der Möglichkeit,
so zu sein, wie du eben bist:
Ich tue,
was ich tun kann!

Du wirst das Risiko nie lieben.
Das ist auch nicht nötig.
Wichtig ist etwas Anderes:
Darüber entscheiden zu können,
WANN ein Risiko eingegangen werden muss.

Nun sind wir uns einig darüber:
Wenn ein Mensch mit dem Rücken an der Wand steht,
was muss er dann tun?

T: Er muss einen Schritt nach vorne tun.

E: Das muss er dann tun, weil:
Weiter geht’s nicht für ihn.
In der Situation muss es riskiert werden, spätestens dann! 
Da sind wir uns einig.

Aber der Moment,
wann jemand dort steht,
das kann nur der Betroffene entscheiden! 
Und das ist bei jedem Menschen anders! 
Das gilt es, zu akzeptieren!
Beides!

Ich weiß, worauf ihr hinauswollt!
Und ich möchte
– ich denke, völlig im Einklang mit euch beiden –
kein Urteil fällen.

Ich möchte euch vielmehr ermutigen,
dabei zu bleiben,
dass jeder von euch einen anderen Punkt hat,
an dem er sagt:
Jetzt stehe ich mit dem Rücken an der Wand.
Ja?

A: Hm.

E: Hier muss gar kein Gleichklang gefunden werden! 
Sondern hier geht es darum,
bei dem Anderen zu akzeptieren,
wann es jeweils so weit ist! 

Könnt ihr das nachvollziehen?

A. und T: Hm, hm.

E: Natürlich seid ihr beide euch
eurer Verantwortung gegenüber einander
– aber auch gegenüber euren Vorhaben – bewusst:
Ihr möchtet euer Haus behalten
und ihr möchtet euren Kindern eine gute Möglichkeit mitgeben,
ins Leben zu schreiten.
Das ist für euch Beide gleichbedeutend wichtig.

Aber wann beim jeweils Anderen
der Moment gekommen ist,
an dem er etwas riskieren muss,
kann nur der Jeweilige beurteilen,
den es direkt betrifft!

Wenn ihr euch darauf einigen könnt?
Das wäre gut!

Klug vorgehen, Anita,
das ist Tim sehr wichtig.

Wahrhaft vorgehen, Tim,
das ist Anita sehr wichtig.

Ich meine, dass da
– wobei beides sich ergänzt –
die größte Fruchtbarkeit zu erreichen ist.
Und mehr werde ich dazu nicht sagen können,
sonst werde ich doch zum Richter.

Gut, waren das eure Fragen?

A: Ja, im Prinzip hast du mir die Frage
nach dem Vertrauen ins Leben
eigentlich gerade schon beantwortet.
Daran habe ich nämlich auch den Unterschied gesehen:
Weil ich versuche,
mit klitzekleinen Schritten in diese Richtung zu gehen
und ich eben auch die Angst sehe bei Tim
durch die Entscheidungen, die ich fälle.
Und ich möchte natürlich nicht,
dass er diese Angst hat.
Ich möchte nicht, dass er Sorge hat.

Auf der anderen Seite muss ich Entscheidungen fällen!

E: Ja.
Und ohne Angst geht es nicht! 
Und Angst ist auch nicht prinzipiell negativ,
sondern kann ein sehr kluger Berater sein!

Es geht um den Punkt,
an dem jemand mit dem Rücken an der Wand steht!
Dann muss was verändert werden! 
Nun könnte ich sagen:
Wenn der Mensch etwas verändern möchte,
ist es wichtig:
Dass er den Wind in seinen Segeln nutzt.

Aber wann ist das?
Anita, Vertrauen ins Leben haben!
Ja freilich.
Nur: Was heißt das eigentlich?

Es gilt, als erwachsener Mensch auch herauszufinden:
Was ist klug, zu tun?

Ich habe ein Ziel und wann ist es klug,
etwas zu tun?

A: Wenn ich mich in einer Position der Ohnmacht befinde,
dann muss ich, um mich und mein Leben zu erhalten,
Risiken eingehen.
Darüber sind Tim und ich uns sehr einig:
Dann muss ich das tun.

Wenn meine Seele Schaden nimmt,
muss ich auch ein Risiko eingehen.
Das ist ganz klar.
Das heißt:
Im Fall von Gefährdung und Ohnmacht muss ich riskieren!

Wenn ich aber ohne diesen Druck bin,
dann ist es klug, gut in kleinen Schritten vorzugehen.
Und dann ist es auch gut,
Angst im Sinn von Tim
– ich möchte es eher Vorsicht nennen –
walten zu lassen.
Das heißt: Ich muss überlegen,
welche Schritte ich im Einzelnen unternehmen muss,
um mein Ziel zu erreichen.

E: Liebe Anita,
ich weiß darum wie viele Andere:
Der Himmel wird mir helfen! 
Die Engel werden es richten!

Wenn ein Bauer in alter Zeit seinen Pflug in die Erde steckte,
dann sagte der auch:

Der Himmel möge mein Werk segnen.
Aber dann hat er gearbeitet,
die Zeichen der Zeit beachtet:

Wie ist der Boden?
Wie tief muss ich gehen?
Welche Saat ist geeignet und
wann werde ich säen?

Wie sieht es aus mit der Hauptwindrichtung,
brauche ich eine Hecke?

Wie sieht es aus mit den Steinen hier im Boden,
kann ich sie verwerten?

Ja, er setzte auf Gottes Segen bis zur Ernte! 
Aber tat er auch,
was immer er konnte,
um sein Ziel zu erreichen.

Viele Schicksale sind mir bekannt von Menschen,
die setzten ganz und gar auf die Engel! 
Sie riskierten alles, was sie besaßen
und meinten, so einen spirituellen Weg zu gehen!

Anita, ganz am Anfang,
als Jesus begriff, wozu er berufen ist
– als ihm aufging bis in die tiefste Tiefe, was er ist –
da zog er sich ganz zurück auf einen Berg.

Und der Geschichte nach traf er dort Satan
und der sagte zu ihm:

Ist es so, stimmt das?
Gott liebt dich,
weil du sein Sohn bist?
Ist das wirklich wahr?

Dann spring da runter.
Gewiss werden dich seine Engel halten.

Da sagte Jesus:
Hebe dich hinweg von mir, Satan.

Aber Satan kam wieder.
Und er sagte:
Stimmt es: du bist Gottes Sohn?
Ist es wirklich wahr, dass er dich liebt?
Dann sprich doch zu diesem Felsen,
dass er hinabstürze.

Und Jesus sagte wieder:
Hebe dich weg von mir, Satan.

Gott liebt dich!
Das ist alles wahr.
Und er behütet dein Leben schon so lange.

Und er leitet dich auf Wegen,
die du dir nicht einmal hättest ausdenken können! 

Und wenn du eine alte Frau bist,
wirst du zurückschauen und sagen:
Ach, das war ein ordentliches Leben.

Aber dennoch gilt es auch für dich
– da hast du völlig Recht –
dass du genau wie Tim nur das tun kannst oder lassen,
was dir möglich ist.

Dir – der Anita!
Nur in dir liegt das Maß dessen,
was von dir erwartet werden kann! 
Auch von DIR.

Und es ist wichtig zu begreifen, ihr Beiden:
Ja, Gott hat euch lieb!
Und ja, eure Gebete sind nicht umsonst,
bestimmt nicht.

Aber ihr braucht auch wirklich nicht mehr tun,
als euch möglich ist!
Weder im Handeln noch im Lassen, ja?
Das allerdings – das wisst ihr ja –
das muss dann auch getan werden.

Und damit möchte ich mich von euch verabschieden.
Ich wünsche euch Gottes Segen
in all eurem Tun und Nicht-Tun.

Ich wünsche euch Frieden und Waffenstillstände.
Und vor allem:
Dass eure Liebe niemals endet.

Guten Abend.

A und T: Guten Abend.
Danke, Elia.