Anhaftung: Elia über Hans, die Anhaftung von Anton…

Über Hans,
die Anhaftung von Anton
und die Depressionen.

Das volle Ausmaß der Depression,
die Tiefe des sich abgestorben Fühlens
– denn das ist es –
ist für Anton immer dann erreicht,
wenn Hans
– jener Mann, der anhaftet –
sich innig mit ihm verbindet.
Es ist keine Besetzung!
Es ist eine Anhaftung.

Elia

 

Elia: Guten Tag, liebe Freunde.

Hajo: Guten Tag, Elia.

E: Ich freue mich sehr über die Aufgabe, die wir heute haben.
Stelle mir bitte dennoch deine Fragen.

H: Ja, natürlich. Es handelt sich um Anton.
Er hatte vor 16 Jahren einen Autounfall.
Und da ging es los mit den Problemen.

Er fragt, wieso er depressiv geworden ist
und was es mit den vielen OP’s auf sich hat?

E: Ja, das sind sehr viele Fragen.

H: Ja.

E: Ich möchte mich zuerst zu seiner Depression äußern:
Das volle Ausmaß der Depression,
die Tiefe des sich abgestorben Fühlens – denn das ist es –
ist für Anton immer dann erreicht,
wenn Hans – jener Mann, der anhaftet –
sich innig mit ihm verbindet.
Es ist keine Besetzung – es ist eine Anhaftung.

Dennoch liegt auch in Antons Seele der Schmerz am Leben.
Ich sage das bewusst so: Es ist ein Schmerz am Dasein.
Und dieser Schmerz am Dasein,
das ist etwas, das Anton im Grunde mit auf die Welt gebracht hat.
Und wenn er sich genau erinnert, dann wird er erkennen,
dass er schon in seinen jungen Jahren Phasen hatte,
in denen dieser Schmerz, wenn auch unterschwellig, da war.

Dies ist das Ergebnis seiner vorhergehenden Leben.
Antons Seele hat in einem der letzten Leben aufgehört,
sich am Dasein in der Welt freuen zu dürfen.
Sie hat es sich quasi verboten.


Aber Anton ist in diese Welt erneut gegangen,
um eben in diese Freude am Dasein zurückzufinden.
Das ist sein tiefster Sinn des Lebens!
Und darum – nur darum – hat er immer und immer wieder die Kraft,
sich auch aus den tiefsten Täler seiner Freudlosigkeit heraus zu kämpfen.

Anton sieht sich nicht als der Kämpfer, der er ist – aber er ist es. Wenn er auf sein Leben schaut
– wenn er auf seine unzählig vielen Kämpfe schaut –
dann muss es ihm auffallen, wie oft er gesiegt hat.

Der Beweis: Er ist noch da.
Anton lebt.

Sein Ziel ist freilich mehr als bloßes Überleben.
Sein Ziel ist in die Freude,
zumindest auch in die Zufriedenheit am Leben zu kommen.
Und er geht jeden Weg, den er gehen kann, um dieses Ziel zu erreichen.

Seine vielen OP’s sind nichts weiter als ebenfalls Ausdruck dieses Kampfes. Sie sind eine deutliche Sprache!
Sie sind ein immer wieder erklingendes Signal seiner Seele, das sagt: „Schau nur, dies ist dein Ziel:
Zu erkennen, dass du Leben willst!
Ich will leben!
Ich will ein lebendiges Leben spüren!“

Mit diesem Vorsatz ging Antons Seele in den Körper,
in den er geboren wurde.
Es mag paradox erscheinen, dass dann ein Leben folgt,
das derart mühselig ist und unter permanenten Gefahren steht.
Aber das ist es nicht!

Wenn Anton etwas gelernt hat, dann dies:
Es ist richtig, um mein Leben zu kämpfen.
Andere an seiner Stelle hätten dies nicht getan.

Und so mag der Blick zurück wohl schmerzen.
Aber es sollte der Blick auf seine Siege sein!
Dass Krieg ist in seinem Leben, ja, das ist wahr.
Aber Anton sieht zu wenig, wenn er nicht seine Siege erkennt.

Jede Phase der Depression,
aus der er sich herausgekämpft hat,
jede OP, die er überlebt hat
und auch der Autounfall, den er überlebt hat,
waren Siege!

Siege seines Lebenswillens!
Ich hoffe, dass er das zu würdigen weiß.
Ich hoffe, dass diese meine Worte ihm helfen, zu begreifen,
dass er sehr oft der Sieger war.

„Ich will ein lebendiges Leben leben!“
Das ist sein Vorsatz.

Was ihn hindert, ist sein Glauben!
Der Glaube seiner Seele, dass ihm dies nicht zusteht.

Es steht ihm zu!
Wie jeder anderen Seele auch: es steht ihm zu!
Er darf zufrieden leben, er darf seinen Platz in dieser Welt einnehmen.
In diesem Leben und in jedem weiteren.
Er durfte auch in seinen vergangenen Leben seinen Platz einnehmen.
Es waren Andere, die ihm dies abgesprochen haben.

Das Urteil der Anderen!
Das spielt nach wie vor eine verheerend große Rolle bei ihm.
Das Urteil über seinen Wert, das Andere fällen,
kann nicht gerecht sein.
Und es ist wichtig, dass Anton lernt, sich von dem,
was seine Seele im anderen Leben erlitten hat, zu lösen.

Hier gibt es nur den Weg durch die Inkarnations-Bewusstwerdung!
Hier gibt es nur den einen Weg, sich als Seele völlig anzunehmen
im Heute, aber auch im Gestern.

Seine Seele hat sich den Kampf verordnet,
weil das, was einem so schwer gegeben ist, es auch wert ist.

Das Leben ist es wert, gelebt zu werden!
Das wäre das Schönste und größte Ziel,
das Anton in diesem Leben erreichen kann, wenn er das sagen kann.

Das Leid beklagen, in ihm verharren,
das Leid zum Götzen machen, das war gestern.
Das waren andere Leben, die vorbei sind.
Aber die Neigung, dies zu tun, ist nach wie vor Gewohnheit der Seele.
Sich hier davon zu lösen, braucht er Hilfe.

Das Leid zum Götzen machen, das ewige Verharren im Leiden an der Welt, das ist auch das, was Hans
– jener Mann, der anhaftet – im ungeheuren Maß getan hat.
Hans ist ein Selbstmörder!
Er ist jemand, der sein Leben verächtlich verworfen hat.

Das Verharren im Leid – nicht im Leid, das jetzt ist –
sondern in dem, das war, das war sozusagen Hans Lebens-Credo.

Er sammelte Leid wie andere Menschen Kieselsteine.
Er sammelte Leid: sein Leid.

Und jedes Leid – groß oder klein – galt ihm als Beweis dafür,
dass das Leben nicht lebenswert ist.

Tausend Mal, tausend Mal dachte er, es hat keinen Sinn.
Es hat keinen Sinn, ich mach Schluss.

Manchmal stand er kurz davor.
Sein Engel fügte Zufälle:
Zufällig wurden Suizide, die er im Begriff war zu inszenieren, verhindert. Aber Hans Seele ließ sich nicht überzeugen, dass das Leben lebenswert ist. Das Leben ist Leid.

Was Hans nie sah und womit er nicht nur sich,
sondern auch seine Familie in tiefste Resignation stürzte,
das war, dass Leben Leid und Freude ist.
Dass das Leben Mangel gibt und Kampf, aber auch Fülle und Leichtigkeit.

Er sah nur auf das Leid.
Ich spreche hier nicht von einem Mann,
der eine körperliche Depression hat.
Dass ein solcher Mensch nichts als Leid, Mühsal und Traurigkeit sieht, das ist etwas anderes, das ist eine Krankheit. 

Hans entschloss sich dazu, depressiv zu sein und zu bleiben!

Sich willentlich für eine Depression zu entscheiden, bedeutet:
Dass ein Mensch bei klarem Verstand, der in der Lage ist,
die Realität dessen, was er denkt, abzuwägen,
sich für eine destruktive Lebenseinstellung entscheidet.

Ein Depressiver, der aufgrund seiner körperlichen Verfassung
eine solche Einstellung gewinnt, der ist frei von aller Schuld,
der ist als kranker Mensch anzusehen.

Aber jene, die sich weigern, Positives zu sehen,
die sich weigern, ihr Leben in Bahnen zu lenken, die befriedigend sind,
nur um Recht zu behalten.
Jene, die sich in ihrer negativen Sichtweise nicht davor scheuen,
auch andere damit anzustecken, die laden Schuld auf sich.

Diese Schuld ist nicht geringer als bei jenen,
die Straftaten begehen.
Sie werfen bewusst die Chancen auf ein gutes Leben von sich.

In diesem Punkt unterscheiden sich Anton und Hans vollständig!
Niemals und unter gar keinen Umständen ließe Anton sich einreden,
dass das Leben an sich nicht lebenswert sei.

Niemals und unter gar keinen Umständen
gäbe er seinen Lebenswillen freiwillig auf.

Wenn er aber in seine alte karmische Betrachtungsweise
seines Lebenswertes hineingleitet,
dann ist er in Gefahr, von Hans beeinflusst zu werden.

Hans war zu Lebzeiten jemand, der wirkte wie eine finstere Wolke. Wo immer er auftauchte, senkte sich die Stimmung.
Es lag an seinem Blick, es lag an seiner Art,
es lag an seiner Körperhaltung.
Mit ihm zusammen konnte niemand fröhlich sein!

Und genau das versucht er, auch bei Anton zu erreichen.
Er versucht, Anton tiefer zu stimmen, noch tiefer und noch tiefer.
Es kann ihm gar nicht tief genug sein.
Und dann?
Dann stellt Anton erstaunt fest, dass er Dinge denkt,
die er bei klarem Bewusstsein nicht denkt.

Ich möchte es so formulieren:
Ich denke gar nicht daran, zu sterben!
Das ist etwas, was Antons Seele sagen würde bei klarem Verstand.

Während Hans sagt:
Ich denke gar nicht daran, zu leben.

Anton spürt, wenn es soweit ist.
Er spürt, dass sich dann etwas um ihn legt, das wie ein dunkler Mantel ist. Er spürt, dass sich die Farben seiner Welt verändern und blass werden.
Und inzwischen ist er so weit, dass er genau dann den Kampf beginnt.

Aber er vermutet, dass dieser Kampf ein Kampf mit sich selbst ist
und das ist nicht der Fall.

Es ist richtig: Eine gewisse Melancholie am Leben ist ihm zu Eigen.
Aber es ist keinesfalls richtig, dass Anton das Leben aufgeben will,
ganz im Gegenteil!

Hans würde ihn gerne vom Gegenteil überzeugen.
Er versucht es, indem er Antons Stärke schwächt.
Er unterminiert sozusagen seine Lebenskraft.
Und Anton braucht viel Lebenskraft.
Jeden Morgen wieder braucht Anton seinen grundsätzlichen Willen, zu überleben.
Und Hans versucht dies dadurch zu schwächen,
dass er ihm Energie nimmt ganz bewusst und ganz konkret.

Wir haben es hier nicht mit einer Seele zu tun, die zufällig im Belt ist.
Sondern es handelt sich hier um eine Seele,
die sich ganz bewusst dort hinbegeben hat,
die ganz bewusst davon Abstand nimmt, ins Licht zu gehen.

Und ich möchte, dass du, lieber Hajo, das im Dialog mit ihm auch darstellst.

Hans will nicht ins Licht, also wird ihn niemand zwingen können,
du auch nicht.

Dennoch solltest du ihm einmal sagen,
wie unsinnig und unlogisch seine Gedanken sind.
Er hält sich für einen sehr logischen großen Denker.

Widerlege ihn – und du schwächst ihn –
und dann stelle ihn zur Wahl: Er darf jetzt noch einmal entscheiden!

Hat er den Mut, das Abenteuer Glück zu wählen
oder ist er zu feige zum Glücklich sein?

Wenn letzteres der Fall ist, hat er sich Gottes Gebot zu beugen
und Anton für immer zu verlassen, ja?

Hast du mich verstanden?

H: ja.

E: Er hat sich Gottes Gebot zu beugen.
Und darüber wirst du nicht verhandeln.

Du wirst hier unter Umständen wieder
– im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes –
Hans für immer von Anton verbannen.

Er mag sich dann dort niederlassen, wo sich ein Stein befindet.
Und er darf dort nicht heraus, ehe er sich zu
Gottes Liebe – zu ihm bekennt.

Hast du Fragen dazu?

H: Ja. Welchen Stein? Soll er sich selber einen Stein aussuchen?

E: Ich bin dafür, dass er sich selber einen Stein aussucht.
Denn es ist nicht gut, wenn du diese Arbeit tust.
Hans soll sich einen auswählen.
Sag ihm, dass er dort zur Ruhe kommen kann.

H: Hm, hm… ja.
Und ihr zeigt ihm dann einen Stein?

E: Wir zeigen ihm einen, ja.

H: Okay.

E: Er wird dies tun, denn er ist sehr müde.

H: Ah ja.

E: Das ist der Vorteil des langen Kampfes mit dem Anton,
dass Hans müde geworden ist.
Anton ist jemand, der ihn sehr schlecht speist.
Und du wirst erleben, dass sich Hans sehr darüber beklagt.

Er ist wütend auf Anton.
Er hatte sich mehr von ihm erwartet,
sieht aber im Moment keine Lösung
und niemanden in seinem Umfeld, dem er anhaften könnte.

Also biete ihm den Stein zur Ruhe an.

H: Ja, gut. Dann wollen wir mal…

E: Gut.

H: Okay, danke.

E: Ich ziehe mich zurück.

H: Ja.