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Elia – Selbstvertrauen heißt: Dem eigenen so Sein Vertrauen schenken.

Selbstvertrauen:
Das bedeutet gar nicht Mutig sein oder forsch
oder sich überall und jederzeit
in den Mittelpunkt zu stellen.
Selbstvertrauen heißt:
Dem eigenen so Sein Vertrauen schenken!
Elia

Zu Gast ist Carin.

Elia. Guten Abend, liebe Freunde.

Hajo und Carin. Guten Abend, Elia.

E. Ich begrüße dich und freue mich sehr,
dass du einen weiteren Schritt zu dir hin wagst.
Denn das wird es sein:
ein Schritt in die fürsorgliche Beobachtung zu dir hin.

Das wird es sein,
woran du zunehmend mit größerem Vertrauen arbeiten kannst.
Vertrauen in dich gewinnen!
Im Grunde zurück gewinnen.

Denn ganz tief, selbst in den dunkelsten Tagen,
war Vertrauen in dir:
Vertrauen in deine Überlebenskraft.
Dieses Vertrauen gilt es, wieder zum Leuchten zu bringen.

Selbstvertrauen: Das bedeutet gar nicht mutig sein oder forsch
oder sich überall und jederzeit in den Mittelpunkt zu stellen.

Selbstvertrauen heißt: Dem eigenen so Sein Vertrauen schenken.
Magst du dies wagen?

C. Ja.

E. Ja? Das Abenteuer, du selbst zu sein?

C. Ja.

E. Ja! Und nicht nur ich!
Sondern auch Cathy freut sich sehr, dabei helfen zu dürfen.
Stell mir bitte deine erste Frage.

C. Was kann ich tun, um mit meinen Gefühlen
besser umgehen zu lernen, sie zuzulassen und sie anzunehmen?

E. Sie kennen lernen.

C. Sie kennen lernen, genau.

E. Sie sind dir fremd! 
Es ist für dich so, als bewohntest du ein großes Haus.
Und in diesem Haus gehen Wesen ein und aus,
setzen sich an deinen Tisch,
essen von deiner Nahrung,
aber sie stellen sich nicht vor.

Sie sagen nicht, was sie können und was nicht,
was sie lieben und was nicht.

Wie sollst du da Vertrauen haben?
Sie sind scheinbar fremd! 
Wir wollen schauen,
ob aus diesen Fremden nicht auch gute Freunde werden können.
Vielleicht manchmal, vielleicht zunehmend öfter
und vielleicht letztlich immer.
Dann ist dein Haus ein gutes Haus!

Solange aber diese Wesen fremd erscheinen,
kannst du dich nicht mit ihnen verbünden.
Verstehst du, was ich meine?

C. Ja.

E. Stell dir vor,
das Mädchen Liebe käme in dein großes Haus.
Und die setzt sich hin und isst von deinem Teller! 
Aber die spricht nicht mit dir.
Sie schaut sich alles Mögliche an, sie scheint vorwitzig und heiter
und sehr jung und ausgelassen!
Aber sie sagt nicht, wer sie ist!

Was sollst du tun?
Wie sollst du ihr vertrauen?
Sie scheint ja so jung und naiv.
Das ist schwierig.
Also musst du immer einen kritischen Blick
auf diese junge Dame in dir haben,
dass sie nur ja keinen Unsinn begeht.

Dass aus dem kritischen Blick ein liebevoller Blick wird:
das ist die Arbeit!
Darum wird es gehen!
Um jene Dame übrigens zu Allererst1

Erst dann kommt der Herr Wut!
Jener wilde Geselle, der immer griesgrämig schaut.
Was dem wohl alles einfallen könnte!

Wer weiß, woher er kommt?
Jener wilde Geselle steht aber auch vor deinem Haus
und passt auf, dass kein Einbrecher kommt.

So musst du Einen nach dem Anderen kennen lernen.
Die Frau Angst und die Frau Trauer:
Auch sie scheinen Fremd.

Ich bin sicher – denn ich kenne sie –
dass sie liebenswerte Gesellen sind.
Aber ich brauche dieses Vertrauen nicht.
Du brauchst es!

Hajo, hier als Anmerkung.
Ich möchte: Dass ihr diese Hausbewohner aufstellt und befragt.

H. Ja.

E. Gut. Deine nächste Frage, bitte.

C. Was kann ich tun, um mir selbst nicht mehr im Weg zu stehen
und ich die Umwege einfach nicht mehr gehe?

E. Ja. Du merkst es schon, nicht wahr?
Es gehört im Grunde zur letzten Frage.

Wenn du deinem Selbst vertraust,
kannst du auch aus deiner Mitte heraus deinen Weg gehen.
Dann brauchst du keinen Umweg!

Und dann brauchst du auch nicht dein Selbst bremsen.
Dann ist es nicht nötig, dich zu kontrollieren,
ob du auch wirklich auf deinem Weg bist.
Denn dann weißt du es!

Wenn du dir in deiner Weise selbst im Weg stehst,
weil du dich versuchst,
kontrolliert mit deinem Umfeld auseinanderzusetzen,
dann verlierst du dabei die Kräfte deiner Hausbewohner! 
Dann stehen dir diese Mächte in dir nicht zur Verfügung!

Das macht viel von deiner Erschöpfung und Ratlosigkeit aus! 
Und auch dann in der Folge das sich selbst im Weg sein.
Denn dann passiert genau das, was du nicht wolltest:
Zur falschen Zeit das Falsche gesagt! 
Zur falschen Zeit das Falsche gewollt,
weil du verwirrt bist über dich selbst! 
Kannst du das nachvollziehen?

C. Ja.

E. Um aus dieser Verwirrung herauszukommen,
kann es gar keinen anderen Weg geben,
als dein Selbst kennen zu lernen
– und zwar liebevoll! 
So liebevoll, wie eine Mutter auf ihr geliebtes Kind schaut,
auch so nachsichtig, auch so geduldig.

Ich weiß, du wirst jetzt einwenden:
„Nein, das bin ich ja nicht immer!“

Stimmt! Mütter sind nicht immer geduldig
und nachsichtig und liebevoll zu ihren Kindern.
Denn sie sind Menschen! 
Darum lass es mich so sagen:
Mit jedem Mal, mit dem es dir gelingt,
in mütterlicher Weise fürsorglich auf DICH selbst zu schauen,
bist du weiter im Selbstvertrauen gewachsen.
Ja?

Das ist ein Prozess im Leben, der Zeit braucht.
Dass du diesen Prozess jetzt beginnst und nicht vor zehn Jahren,
das hat ja auch seinen Grund.
Das ist ja nicht so, dass du in den letzten zehn Jahren
nicht schon gewachsen wärst.
Gehen wir da konform: Dass da viel passiert ist?

C. Ja.

E. Und jetzt ist ein neuer Abschnitt vor dir,
in dem wieder Wachstum passiert:
Wachstum zu dir, zu deinem Selbst.

Deine nächste Frage, bitte.

C. Was kann ich tun, um alte Muster leichter, einfacher loszulassen?

E. Ja.
Es wird Muster geben, die du sehr schnell aufgeben kannst,
weil du verstehen wirst, dass es nicht deine Muster sind!
Dazu werdet ihr morgen unbedingt
eine Familienaufstellung machen.

H. Hm.

E. Du trägst viele Muster in dir, die nicht deine sind! 
Die loszulassen, wird nicht schwer sein.

Anders ist es aber mit der Gewohnheit,
nach diesen Mustern zu agieren!

Nichts ist so schwer zu überwinden wie die Gewohnheit! 
Eine Gewohnheit muss ersetzt werden
durch eine neue Gewohnheit!
Das bedarf des Trainings!

Ihr werdet das im Einzelnen besprechen
und auch die Schritte, wie du damit umgehen kannst.
Ganz gewiss wird es in den meisten Fällen möglich sein.

Aber in Situationen, die auf dich einstürmen:
Da wird es höchstwahrscheinlich dir gehen
wie allen anderen Menschen auch!

In solchen Situationen fallt ihr in die alte Gewohnheit zurück!
Das ist nicht beschämend!
Beschämend ist, dann darin zu bleiben!

Also: Der Rückfall in ein altes, nicht gelebtes Muster
ist menschlich und unvermeidbar!

Aber im Rückfall zu beharren,
das ist nicht selten eine Folge von Trägheit.
Doch ich bin gewiss: Trägheit ist nicht das, worunter du leidest!
Ja?

C. Ja.

E. Deine nächste Frage, bitte.

C. Was kann ich tun,
um mit den Menschen einfach besser in Kontakt zu kommen,
damit die zwischenmenschlichen Beziehungen sich verbessern?
Das wäre mir ein wichtiges Anliegen.

E. Carin, wenn ich jetzt sage:
Das kann dir nicht möglich sein,
solange du deine Beziehung zu dir nicht gebessert hast! 
Dann klingt das nach einer Binsenweisheit, ich weiß!
Aber dennoch ist diese Thematik miteinander verwoben.

Fachlich, sachlich, korrektes Verhalten
führt zu einem Nimbus der Unnahbarkeit.
Was die Menschen aber zum Re-Agieren bringt,
das ist tatsächlich das Ungeschliffene,
das Menschliche und Eigentümliche!

Carin, deine Art ist in vielen Bereichen deines Lebens
durchaus gut so, wie du mit Anderen umgehst.
Es ist gut, dass du sehr sachlich und kompetent erscheinen kannst,
freundlich, aber reserviert bist.

Das ist gut immer da, wo du dich abgrenzen musst.
Und das sind nicht wenige Bereiche! 
Du möchtest ja gar nicht von Allen erkannt sein.
Es ist etwas sehr Berechtigtes, dies nicht zu wünschen.

Offenheit gegenüber Jedermann:
Das ist eine sehr gefährliche
und nicht selten unglücklich endende Einstellung!

Aber du bist doch jemand,
der Beziehung möchte mit dem einen oder anderen Menschen.
Und Beziehung hat etwas mit Emotionalität zu tun.

Ohne die Bewohner deines Hauses zu kennen, weißt du nie sicher: ob eine Beziehung gut wäre oder nicht.
Wer soll es dir sagen?
Die Liebe, die sich nicht erklärt?
Die Vorsicht?
Die Angst?
Die Wut?

Solange sie stumm sind, unerkennbar,
solange hast du die Schwierigkeit,
deinem Beziehungswunsch Vertrauen schenken zu können.

Du versuchst, ihn dann zu begründen mit sachlichen Argumenten.
All das spürt dein Gegenüber und sagt dann:
„Die ist ja reserviert.“

Dass du in Wahrheit nichts Anderes wünschst,
als klar in dir empfinden zu können,
ob eine Beziehung stattfinden kann und wenn ja, welche: 
Das weiß der nicht.

Und darum werde ich dir zu dieser Frage
keinen neuen Ratschlag geben können,
sondern beim Ursprünglichen bleiben:
Selbstvertrauen zu erlernen.
Ja?

Du siehst: Das Selbstvertrauen ist das Fundament,
auf dem sich alles Andere ordnet.

Wenn ein Fundament stark und breit ist,
dann kann man einen Turm darauf bauen.
Wenn nicht, dann muss man sehr Bescheiden sein mit allem,
was man zu erbauen wünscht.

Wichtig wäre in der Beziehung zu Anderen,
deine mitmenschlichen Qualitäten kennen zu lernen.

Kennst du eigentlich die Frau Fürsorge in deinem Haus?
Ja, durchaus.
Aber achtest du sie auch als etwas besonders Gutes in dir?
Achtest du deine Fähigkeit
zur Treue und Hingabe an deine Pflichten als etwas Gutes?
Auch das gehört zum Selbstvertrauen finden!

Achtest du deine Konsequenz,
mit der du das, was du dir als wichtig annimmst, auch verfolgst?
Nein.

Schon beim ersten Misslingen oder Rückfall in alte Gewohnheiten
glaubst du dir das Gute nicht mehr!
Dann stellst du dich – dein Selbst – in Frage!

Wir hoffen, dass das anders wird.
Wir wünschen uns sehr für dich,
dass du auch Vertrauen in deine guten Fähigkeiten bekommst,
ohne von dir zu fordern:
Dass diese guten Eigenschaften und Kräfte immer
und jederzeit perfekt funktionieren.

Denn das:
Das ist keinem Menschen gegeben!