Elia: Deine Seele entschuldigt nicht, sich nicht aufzuopfern!

Elia

Deine Seele entschuldigt es sich nicht,
sich nicht aufzuopfern!

Die Frage „Bin ich rücksichtslos?“
ist wie ein schwarzes Mantra in deiner Seele.

Dein Verstand sagt:
„Nein, ich bin nicht rücksichtslos, ich bin vernünftig.“

Dein Wille sagt:
„Ich will mich darum jetzt nicht scheren.“

Aber deine Seele belastet immer noch diese eine Frage.

Elia: Der Friede des Herrn sei mit euch.

Hajo: Danke, Elia.

Karin: Danke, Elia.

E: Der Friede des Herrn: tiefer kann Friede nicht sein.
Und Frieden, der nicht im Außen liegen kann, stets nur im Innern!

Die Welt kann keinen Frieden haben!
Denn sie muss sich entwickeln.
Und das kann sie nur durch Herausforderungen.
Das gilt im kleinsten Maßstab menschlicher Beziehungen
wie auch im denkbar Größten.

Und alles, was ihr braucht, das ist der innere Frieden darin!
Nichts ist köstlicher, als ihn zu Lebzeiten zu suchen:
zu suchen und ihn greifen, wann immer es geht.
Nichts kommt der Seligkeit näher.

Frieden haben: Nichts erfordert mehr Weisheit und nichts mehr Mut.
Frieden haben, weil man den Herrn hat.
Nicht machen, sondern nehmen!

Das wünsche ich euch – für die nächsten Tage zumindest –
dass ihr diese Sätze als Überschrift seht für eure gemeinsame Zeit.

Und damit genug geplaudert.
Liebe Karin, stell mir deine erste Frage.

K: Danke Elia, für die schöne Begrüßung.
Ja, es tut gut, Frieden zu spüren und an Frieden zu denken.
Der fehlt sehr oft.

Dann will ich auch gleich bei meinen vielen Fragen mit der ersten anfangen. Mit dem, was jetzt vor kurzem geschehen ist:
Nämlich damit, dass Hajo mir wieder Energie geschickt hat,
die ich beim ersten Mal wahrgenommen habe.
Eigentlich so, wie ich es auch vorher schon wahrgenommen habe.

Beim zweiten Mal empfand ich diese Energie
wie eine zähflüssige, schwere, breiige Masse.
Ich möchte es fast wie mit Lava vergleichen.

Und beim dritten Mal habe ich überhaupt nichts empfunden,
obwohl schon Hajo sagte, dass ganz viel Energie von ihm weg geflossen sei.

Und ich möchte gerne wissen, woran das lag.

E: Liebe Karin, du warst in einer sehr ambivalenten Situation!
Nicht dein Verstand, auch nicht dein Wille, beides war klar.
Aber deine Seele war in einer ambivalenten Situation.

Forderungen, Ansprüche Leidender scheinen immer noch größer
und bedeutender zu sein als eigenes Leid, eigene Forderungen
und eigener Anspruch.

Deine Seele entschuldigt nicht, sich nicht aufzuopfern!

Und so kommst du gerade dann, wenn du nehmen kannst,
wenn die Möglichkeit des Annehmens aktuell wird,
in eine Situation, in der du noch nicht sicher bist, ob es dir erlaubt ist!


Die Frage „Bin ich rücksichtslos?“
ist wie ein schwarzes Mantra in deiner Seele.

Dein Verstand sagt: „Nein, ich bin nicht rücksichtslos, ich bin vernünftig.“
Dein Wille sagt: „Ich will mich darum jetzt nicht scheren.“

Aber deine Seele belastet immer noch diese eine Frage.

Deshalb hast du, ohne es zu wollen und ohne es zu merken,
nicht zugelassen, Gutes zu spüren.
Du hast dir die Möglichkeit offen gelassen,
doch nicht in Anspruch nehmen zu können, was du plantest.

Wille und Seele im Kampf!

Was ist die Lösung?
Die Lösung, liebe Karin, liegt darin, zu erkennen,
woher diese Verurteilung kommt,
woher die große Angst kommt, rücksichtslos zu sein.

Fraglos geht es nicht darum, dass du für dich einträtest,
dazu bist du sehr viel besser in der Lage als noch vor wenigen Jahren.

Aber es schwingt die dumpfe Angst mit,
man könne dir Rücksichtslosigkeit vorwerfen.
Oder schlimmer noch:

Andere Menschen oder andere Wesen könnten darunter leiden,
dass du für dich etwas tust!

Ja, Karin?
Das ist eine Wunde deiner Seele.

Und wenn ich von Frieden sprach, dann gehört zum Frieden dazu,
dass du begreifst, woher dir dies kommt,
denn es ist nicht nur deine Kindheit.

Und dass du Frieden mit der Tatsache machst,
dass dies immer einmal wieder ein Kampf ist.
Es gibt Wunden, die verheilen schwer!
Und diese Wunde gehört dazu.

Hast du mich verstanden?

K: Ich hab dich verstanden, ja.
Wobei ich noch nicht so recht verstanden hab,
wo wirklich die Wunde herkommt.

E: Das müsst ihr sehen. Ich werde es dir heute nicht verbal mitteilen. Sondern es ist sehr wichtig, dass du es erlebst,
damit du aus dir heraus mit freiem Sinne sagen kannst:
„Diese Angst, die brauch ich, Karin, nicht mehr!“

K: Ja, dann schließt das eigentlich schon Fragen ein,
die ich eigentlich erst viel später gestellt hätte, nämlich:
Wie ich angesichts meiner eigenen Schmerzen,
meiner seelischen und körperlichen Nöte es bewältigen kann,
ohne in Konflikte mit meinem Vater zu geraten.


Eigentlich in Frieden – trotz allem – leben zu können,
ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Und dennoch verantwortungsbewusst eben auch mit Ängsten
und auch trotz aller Sorgen um den Nächsten umzugehen.

E: Ja, Karin.
Im Frieden bleiben bedeutet in dem Fall – ich beziehe mich jetzt ausschließlich auf die Situation deines alternden Vaters –
im Frieden bleiben wird dir nur dann gelingen, wenn du annimmst, akzeptierst, dass hier von seiner Seite kein Frieden kommt.

Es geht nicht um das Urteil deines Vaters,
wie er dein Verhalten beurteilt, sondern um deinen Beurteilungs-Wert.

Vater kennt dich als „dienend“.
Er erkennt dich durchaus auch als gewitzte,
sprachlich gewandte Gegnerin und schätzt das auch.

Aber im Erleben warst du die Dienende!
Das ist nicht abwertend gemeint.

Er kann sehr schwer in dir jemand Anderen sehen.
Du bist zuständig.

Der Unfriede, Karin, der in dir entsteht,
wenn eure beiden Interessen und Kapazitäten konträr sind,
der Unfriede, der entsteht in dir, weil du versuchst,
deinen Vater zu überzeugen und immer wieder erleben musst,
dass du scheiterst.

Dein Vater sieht zunehmend mehr,
dein Vater spürt auch zunehmend mehr die Grenzen deiner Belastbarkeit. Aber genauso, wie er sich selbst nicht eingesteht, wie krank er ist,
genauso versucht er auch, nicht zu sehen, wie belastet du bist.

Nicht aus Bosheit sondern aus Angst!
Eine tiefe Angst, dass Dinge sich ändern können!

Liebe Karin, verzichte darauf, sein Urteil anzunehmen.
Mach dir bewusst, dass du zweierlei Fürsorge treffen musst:
für dich und für ihn!
Verschleißt du dich zu sehr, ist niemandem gedient!

Von ihm zu erwarten, dass er dies sieht, ist zu viel erwartet.

Manchmal, an guten Tagen, wenn er ohne Angst ist, dann kann er das.
Hat er aber Angst, kann er es nicht.

Versuch zu begreifen:
Dass auch deinem Vater hier eine Chance gegeben wird:
Die Chance, eben nicht alle Zuständigkeiten auf dich zu übertragen, ja?

Woher aber kommt der Unfriede?
Der Unfriede ist in dir, denn du versuchst zweierlei:
Ihm gerecht zu werden und deinen Pflichten und dir.

Und da, wo das nicht geht, entsteht Unmut!
Unmut manchmal gegen ihn – aber schlimmer noch – gegen dich.

Ich bin der Meinung:
Du hast deine Aufgabe in den letzten Wochen mit Bravour gelöst.
Du hast trotz jenes waid-wunden Blickes, den er dir zuwerfen kann,
auch an dich gedacht und das war gut.

Aber wir hoffen, dass du um dieses „an dich denken“,
dir auch zu erlauben, nicht derart schwere Schmerzen haben musst.

Schmerzen wirst du haben.
Du hast Schmerzen!
Deine Aufgabe ist es, dass es nicht umgekehrt ist:
Der Schmerz hat dich!

In deinem Lebensplan ist dieser Faktor enthalten.
Und glaub mir, ich weiß, was dies bedeutet!

Meine letzten Jahre waren getrübt durch Gicht.
Meine Füße trugen mich selten weit.
Und kaum eine Nacht konnte ich ganz dem Schlafen frönen.

Und dann hab ich mir ein Bild gemalt, ein Bild in meiner Seele:

Ich zog den Schmerz wie wackere Ritter an:
mit rotem Federbusch und grässlichen Spießen.
Eine ganze Armee zog mitunter auf.

Und dann zog ich meine Armee an:
mit weißen Helmen und harten Schwertern.
Und dann behielt ich dieses Bild vor meinem inneren Auge.

Und so zog ich in den inneren Kampf.
Keine Schlacht hab ich gewonnen!
Aber es gelang, denen mit den roten Federbüschen Einhalt zu gebieten, Stillstand und manchmal Rückzug hinter die Linie.

Vielleicht entwirfst du ein ähnliches Bild für dich.
Scheue dich nicht, es ist kriegerisch, ich weiß.

Aber es ist auch ein Krieg!
Ein Krieg um die Macht.

Wer hat die Macht über dein Leben?
Du oder der Schmerz?

Nicht immer konnte ich die mit dem roten Federbusch verdrängen.
Manche Nacht hatten sie mich ganz im Griff.

Das ließ ich zu, das war meine Taktik.
Aber ich ließ es nicht zu, wenn es um Ereignisse, Begegnungen
und Freuden meines Lebens ging.
Dann zog ich in den Krieg!


Und wenn ich mir in meinem Kampf auch nur eine glückliche Stunde
mehr erkämpft hatte, so war ich stolz.

Ja, Karin?

K: Hm, hm.

E: Magst du so kriegerisch sein?

K: Ich möchte es schon gerne versuchen, ja.
Ich bin ja immerhin schon auf dem Weg hierhergekommen.
Ich denke, das ist schon ein Stück Kampf.
Und ich bin sehr froh, dass mir dies gelungen ist.

E: Und ein Sieg, Karin!

K: Ja, auf alle Fälle.

E: Und ein Sieg, der sein darf.
Ganz egal, ganz egal, wie andere das sehen.
Und ganz egal, welche Zustände andere haben.

Die Konzentration auf dich, liebe Karin,
ist ein entscheidender Faktor deines Lebensplanes.

Es muss so sein: Es muss gekämpft werden ums Glücklich sein,
um die kurzen oder langen Momente des inneren Friedens!

Frieden auch machen mit dem Schmerz, selbstverständlich, wenn er mag. Aber wenn er versucht, dein Leben zu beherrschen, dann nicht.
Dann nicht!
Noch einmal: Du hast Schmerzen!
Aber der Schmerz hat nicht dich!

Sag dir das immer wieder.

Mag sein, dass er dich für kurze Zeit okkupiert, aber nicht auf Dauer.
Und das hast du dir bewiesen in den letzten Monaten – immer wieder!

Karin, schau da hin. Welch schwere Bedingungen hast du durchlitten…
Und, hat der Schmerz dich vernichtet? Nein!
Hat er es geschafft, aus dir eine bittere, verwirrte Frau zu machen?
Nein!

Findest du nicht, dass es Zeit ist, ein wenig stolz darauf zu sein?
Ja! Ja!!!
Glücklich sein, wenn man keinerlei Einschränkung hat.
Das ist ganz leicht.