Elia

Schutzengel – Wenn die Gefahr für das eigene Leben als Indiz dafür nehmen, auf dem richtigen Weg zu sein.

Die Gefahr für das eigene Leben
als Indiz dafür zu nehmen,

auf dem RICHTIGEN Weg zu sein. 
Das könnte doch allmählich mal aufhören! 
Findest du nicht?

Zur natürlichen Entwicklung gehört auch DEINE Natur,
deine Kraft, deine Lust, deine Inspiration…
Du bist sehr, sehr fähig, auf Inspirationen zu hören! 
Aber diese Fähigkeit setzt voraus,
inne zuhalten, zuzuhören, hinein zu spüren…
Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Udo zu verbinden. 
Udo wurde in Münster geboren und bittet um diese Verbindung.

Völlig unvermittelt bin ich offensichtlich an einer Front.
Hinter mir liegt ein Schützengraben
in einer harten, trockenen Landschaft.
Hier und da sind auf dem Feld vor mir
Gewehre, Helme und andere Dinge verstreut.

Es ist absolut still, nichts bewegt sich!
Ich frage mich, was ich hier soll?

Wann immer diese Schlacht stattgefunden hat:
es scheint längst vorbei zu sein.
In der Ferne Berge, teilweise karstig, teilweise bewaldet,
schroffe Felsen, tiefe Schluchten.

Im Gegenlicht der gleißenden Sonne
sehe ich jetzt einen Mann auf mich zukommen.
Das Gewehr schleift er am Riemen achtlos hinter sich her,
in der anderen Hand trägt er einen Helm, aus dem Wasser tropft.
Sein Gesicht hält er gesenkt.
Sein Haar ist dunkelblond und verstaubt,
geschnitten nach der Mode des zweiten Weltkriegs.
Seine Uniform wirkt derangiert, nachlässig, wie in Eile angezogen.

Es dauert so lange, bis er zu mir kommt
und sein Gang wirkt so schwer.
Seine ganze Aufmerksamkeit scheint dem Wasser
in seinem Helm zu gehören.
Aber er stolpert oft und jedes Mal verliert er etwas Wasser.
Ich bin unsicher, ob das überhaupt ein Guide ist,
wenn ich doch nur sein Gesicht erkennen könnte!

Plötzlich – als hätte ich eine Fata Morgana gesehen – ist er weg,
wieder ist nichts zu sehen als diese öde Ebene,
in deren Ferne das Gebirge…

G: Hier ist der Krieg vorbei, schau dorthin, woher er kam…
(Eine ruhige Männerstimme, tief,
mit einem ganz leichten, hanseatischen Akzent.)

Ich drehe mich um und nehme neben mir einen Mann wahr,
der allerdings nicht in Uniform da steht. 
Sondern in einem braunen Anzug mit silberner Krawatte.

Sein Haar ist blond, die grünen Augen hinter einer Schildpatt-Brille
schauen ernst, klar und sehr direkt zu mir,
Sachlichkeit vermittelnd…

DAS ist der Guide, ich spüre es sofort.
Er lächelt, nimmt den Hut ab und reicht mir die Hand
mit einer kleinen, angedeuteten Verbeugung.

G: Gestatten, Egon.
Ich freue mich, dich kennen zu lernen!
Du bist hoffentlich nicht enttäuscht über meinen Aufzug?

Ich hielt es nur nicht für angemessen,
mich in meinem letzten Kleid zu zeigen.
(Als er das sagt, sehe ich es dennoch kurz:
Es ist eindeutig die Sträflings-Uniform eines KZ Gefangenen).

E: Ne! Kein Jude, ich war so arisch, wie einer nur sein kann!
Nur leider, leider zur falschen Zeit in der falschen Partei,
wie man mir sagte…

U: Du warst politischer Gefangener?

E: Hm, hm (nickt).
Ich war ein volksgefährdendes Element, weil ich nicht denken ließ,
sondern darauf bestand, dies selbst zu tun!

Ah, nein, bitte, mach keinen Helden aus mir!
Ich war kein Held, ich war einfach nur zu laut beim Denken
(er grinst).

U: Egon, wer war der Mann da eben?
Ich verstehe nicht…

E: Udo…

U: Oh mein Gott!

E: Hm, hm, damals Hans Udo.
Es gibt Seelen, die machen sich jede Mühe,
um wieder ihre vertrauten Namen zu bekommen.
Na komm!
Lass uns von hier verschwinden, das ist doch deprimierend!

Was würde dir gefallen?
Oh, ich weiß, warte…

Er verändert das Umfeld,
jetzt sitzen wir an einem Hafen in einem Kaffee.
Das wirkt mediterran, die Türen und Fensterrahmen
der weißen Häuser sind Blau gestrichen.

Gefällt dir das? Ja, das gefällt dir!
Hm, es funktioniert noch, ich weiß noch,
womit man einer Dame eine Freude macht!
(Er strahlt und wirkt ganz jung und unbeschwert
in diesem Moment.)

Er zündet sich eine Zigarette an und nuschelt dabei:
Hm, auch Griechenland, hübscher Ort, nicht?

Aber was sich da hinter uns in den Bergen und Ebenen abspielte,
das war nicht hübsch, das war ekelhaft! 
Kennst du dich aus mit dem Balkan-Feldzug?

U: Nein…

E. Hm, tja, warum auch.
Also, Hitler ist in den Balkan marschiert.
Übrigens hochaktuelles Thema!
Es ging ihm um Öl für seinen Russlandfeldzug.
Und sein „guter Freund“ Mussolini:
Der wollte den Balkan, ganz besonders gern Griechenland.
Nach einigem Hin und her wurde der Balkan also sozusagen
Deutsch / Italienisch.

Die Engländer haben versucht, das zu verhindern: vergeblich.
Die Balkan-Armeen haben auch versucht, das zu verhindern!
Auch vergeblich.

Aber! Sie begannen den Partisanenkrieg!
Auch hier an der Grenze zwischen Jugoslawien und Griechenland.

Die großen Schlachten waren längst vorbei! 
Als Hans Udo eingezogen wurde:
Zuhause haben wir ihm gratuliert!
„Mensch“, hab ich zu ihm gesagt: „Balkan!
Da ist längst alles gelaufen, hast du ein Glück!“

Hans Udo und ich, wir waren Freunde.
Kennst du Lübeck?
Da sind wir zusammen zur Schule gegangen.
Ich war immer der mit der großen Klappe.

Hans Udo, das war einer…
Tja, wie soll ich sagen?
Wir nannten ihn den Künstler!
Er schrieb Gedichte und er malte die Mädchen,
während ich die lieber küssen wollte.

Er war der FEINE JUNGE,
ich war einfach so ein junger Schnösel, der sich einbildete,
sich vor nichts und niemanden beugen zu müssen.
Aber wir passten zusammen.

Wir waren 10, als wir uns kennen lernten…
Hans Udo liebte Karl May, er hatte ALLE! Bände!
Ich war viel zu faul zum Lesen! 
Aber er machte aus uns Beiden Winnetou und Old Shatterhand.
Wir haben sogar Blutsbrüderschaft exerziert! 

Nur dass wir Esel das mit dem Ritzen zu drastisch gemacht haben
und wir beide danach mit viel Hallo ins Krankenhaus mussten,
weil die Schweinerei nicht aufhörte, zu bluten.

Tja, Blutsbrüder war schön, war vielleicht das Beste
in dem Leben damals.

1943 ging es für ihn ab an die Front:
frisch vom Abitur hinter das Gewehr.
Ich sollte nach Russland,
aber die haben mich schon vorher verhaftet.

Eine Eselei!
Ich habe meinen Abschied feiern müssen!
Versteht sich doch, oder?
Na ja, und dann sind wir Zwei durch die Stadt
und haben alles getrunken,
was es eigentlich gar nicht mehr gab.

Dem Hans war wie immer schneller übel,
als er besoffen werden konnte und ich war so wütend.

Da habe ich mitten im schönsten Trubel eines Ballsaals
eine Rede gegen Hitler gehalten, tja!

Sie haben dann noch meine Wohnung gefilzt
und da so Gefährliches gefunden
wie Schriften von Marx und Engels.

Die hatte ich nie gelesen, ich schwöre es!
Die hatte ich auf dem Dachboden gefunden und gedacht:
Im Winter gibt das schönes Brennmaterial für den Ofen!
Aber da konnte ich mich rausreden, wie ich wollte: Ich ging ab…

Als sie mich in den LKW setzten,
mit dem ich nach Hamburg gebracht werden sollte,
stand Hans Udo da, Kreideweiß im Gesicht:
„Pass auf dich auf, Bruder!“
Das hat er geflüstert, als ich an ihm vorbei musste.

Damals wusste ich nicht, wieso!
Aber statt zu sagen: Ja, ich pass auf MICH auf.
Da habe ich gesagt: Ich pass auf DICH auf!
Und da waren plötzlich Tränen in seinen Augen!

Heute weiß ich, dass seine Seele
damals schon mehr Ahnungen hatte als gewöhnliche Menschen.
Seine Seele wusste:
Dass ich auf ihn aufpassen werde da unten im Balkan,
weil ich auf ihn aufpassen würde,
obwohl meine Seele zu der Zeit keinen Körper mehr haben würde!

Und so kam es auch:
Ich hab kaum sechs Wochen im Lager überlebt,
dann bekam ich eine Lungenentzündung.
Das Ende war leicht verglichen mit Anderen.

Liebe ist Liebe!
Sie hört nicht auf, nur weil man körperlos ist.
Und so geschah es fast zwangsläufig, dass ich zu dem ging,
dem meine letzten Gedanken der Liebe galten:
zu meinem Blutsbruder…

Ich blieb bei ihm, bis auch er sich aus seinem Körper löste…

Hans Udo war durchaus ein Kind seiner Zeit.
Wir hatten beide allerdings zu viel „Karl May“ in unseren Herzen,
um den propagandistischen Argumenten
der „braunen Herren“
– was Untermenschen angeht –
folgen zu können.

Das reine Edle war auch in den „wildesten Menschen“ zu finden! 
Ebenso wie das abgrundtief Böse
in den zivilisiertesten Vertretern unserer „Rasse“. 

Mit dieser Weisheit sind wir Erwachsen geworden.
Das war uns Wahrheit!
Aber auch ein sehr ausgeprägter Ehrenkodex, 
was bedingungslose Kameradschaft,
persönlichen Mut und Aufopferungs-Willen
zugunsten des Wohles der Gemeinschaft angeht.

So sehr Hans Udo auch einen Widerwillen
gegen den Diktator und dessen Vasallen hatte:
So sehr hielt er es doch für seine Ehrenpflicht,
ein guter und verlässlicher Kamerad in seiner Einheit zu sein.
Das war ihm wichtiger als irgend etwas sonst.

ER war ganz und gar nicht davon überzeugt,
dass es richtig war, den Balkan besetzt zu halten. 

Und er konnte sich damit,
Teil dieses Unternehmens zu sein, auch nie anfreunden.

Aber dennoch war er seiner Einheit Gehorsam schuldig
und den Kameraden und Vorgesetzten
ein ehrenwertes Mitglied der Truppe.

Auf ihn war nicht nur Verlass! 
Sondern jeder sollte und konnte sicher sein:
dass Hans Udo sie NIEMALS
und unter KEINEN Umständen verraten würde.

So jedenfalls sah es am Anfang aus…
Aber in der Truppe, in der er war,
hatte sich eine sehr aggressive Einstellung
gegen die Bevölkerung etabliert.

Diese Soldaten – die wenigsten von ihnen waren überzeugte Nazis –
hatten mehrmals erlebt, wie eigene Kameraden aus dem Hinterhalt
von Partisanen getötet wurden.

Sie vergaßen dabei den Umstand,
dass die einzige Form von Widerstand der Bevölkerung
nur in dieser Weise stattfinden konnte! 

Die Bewohner des Landes waren in ihrer Wahrnehmung Feinde!
Egal, ob es Männer, Frauen, Kinder oder Greise waren:

Hass hatte sich entwickelt!
Ein grober, blinder Zorn auf der Basis persönlicher Angst…

Auf der anderen Seite waren die Zeiten,
in denen deutsche Soldaten wenigstens hoffen konnten,
dass dieser Krieg zu gewinnen sei, längst vorbei! 

Das Ende des Krieges würde eine Niederlage sein,
aber wenigstens ein Ende!

Jeder Einzelne der Truppe sehnte sich danach,
niemand wollte etwas anderes als nach Hause!

Aber noch war es nicht soweit,
noch ging es weiter und weiter schlimmer denn je.

So wie kurz nach Mitternacht der Mensch,
der keinen Schlaf findet, auf den Sonnenaufgang wartet,
so warteten die Soldaten auf das Kriegsende.
Es war noch mitten in der Nacht,
nur ETWAS näher dem Morgen zu als vorher…

Hans Udo klammerte sich an dieses Morgen in seinen Ängsten,
in seinen Sorgen um die bedrohte Familie Daheim.

Es ging dem Ende der „Nacht“ zu,
er hatte nur diese letzten dunklen Zeiten zu überstehen.
Mit „Anstand“, das war ihm sehr wichtig!

Anstand gegenüber den Weggefährten zuerst,
aber ihren Hass auf die Bewohner des Landes
konnte er nicht teilen. 
Er war auch anständig ihnen gegenüber,
wann immer sich die Gelegenheit bot.

Die „Nacht“ ist kurz vor Sonnenaufgang
am Kältesten und Dunkelsten, so sagt man.
Und so war es auch bei der Truppe von Hans.

Die ewigen Attentate,
das ständige sich ängstigen müssen vor Hinterhalten
hatte in seinen Kameraden eine Einstellung gefestigt,
die Hans Udo immer mehr irritierte.

Die Witze, die sie machten,
die Rache-Phantasien, die sie aussprachen:
All das wurde ihm immer fremder, immer widerlicher! 

Er fühlte sich mit jedem Tag fremder zwischen ihnen.
Er war in einer Gruppe von Menschen,
für die er notfalls sein Leben zu opfern bereit war. 
Die ihn andererseits aber in ihren Werten,
Zielen und Vorgehensweisen abstießen.

Er hatte beständig das Gefühl,
dass ihr Weg nicht der Seine war und er ging ihn dennoch.
Nachts träumte er davon, wie er von Wegen abkam,
in Schluchten stürzte, sich verlief ohne Aussicht, ohne Ausweg…

Ein Stein, der drohte,
zwischen zwei gewaltigen Mal-Steinen zerrieben zu werden:
Treue und Pflicht gegen Ethik und Glaube.

Ich blieb bei ihm, versuchte, ihn in seinen Träumen zu erreichen,
versuchte, ihm zu sagen:
Bruder, tu nichts, was deinem Gewissen widerspricht.
Tu nichts, was deiner Wahrheit entgegengesetzt ist!

Eines Tages kam der Befehl an den Trupp,
in einem nahe gelegenen Dorf ein Exempel zu statuieren.
Man vermutete Partisan dort.
Noch galt es, den Sonntag abzuwarten,
an dem alle Männer des Dorfes Zuhause waren.

Der Befehl war deutlich: KEINE Gefangenen zu machen!

Während seine Kameraden sich immer mehr
in ihre Wut gegenüber den Dorfbewohnern hineinredeten,
durch Spott und Hohn ihre zukünftigen Opfer „entmenschlichten“,
wurde Hans Udo ganz still.

Er hatte in den letzten Monaten viel mitgemacht,
oft auch Befehle durchgeführt,
die hart an der Grenze dessen waren,
die er vor seinem eigenen Gewissen vertreten konnte.

Aber JETZT war ein Augenblick gekommen, da sah er es ganz klar:
DIESER Weg war nicht seiner!
Den durfte er nicht gehen, ohne sich selbst so zu verraten,
dass er MIT SICH nicht mehr leben konnte…

In der Nacht von Samstag auf Sonntag
schlich er sich aus dem Gebäude, in dem er untergebracht war.

Er desertierte!
Mit sich nichts weiter als seinem Gewehr, sein Ziel waren die Berge.

Er hoffte, IRGEND WIE überleben zu können,
bis dieser verdammte Krieg vorbei war.

Er hatte von Höhlen gehört jenseits der nahen Bergkette
in unwegsamen Schluchten, vielleicht hatte er eine Chance!

Der Krieg ging dem Ende zu!
Wer weiß?
Vielleicht würde er bis dahin sich versteckt halten können…

Aber es war schwer, der Weg war schlimm.
Viel schlimmer, als er dachte und viel gefährlicher.

Dennoch: eine merkwürdige Hochstimmung trug ihn!
Das Gefühl, endlich, endlich SEINEN Weg zu gehen,
war ihm bedeutender als alles andere!

Er erreichte das Gebirge, er fand sogar die Höhlen,
er fand dort Wasser und es gab genug Wild.
Einige Tage war er einfach nur glücklich
und auch stolz auf sich selbst, weil er sich treu geblieben ist…

Leider machte er einen gravierenden Fehler:
Er schoss ein Reh an, konnte es später aber nicht verfolgen,
weil ihn das zu sehr in die Nähe von Menschen gebracht hätte.

Aber das Reh fand ein Dorfbewohner,
der mit den Deutschen kollaborierte.

Er erkannte die Munition, wurde neugierig,
suchte nach Bestätigungen seines Verdachts: 
Dass vielleicht ein deutscher Deserteur
sich in den Höhlen versteckt hielt.

Und er sah Hans Udo schließlich,
als dieser ahnungslos am Rand eines kleinen Flüsschens badete,
die deutsche Uniform zum Trocknen in die Büsche gehängt.

Dieser Mann meldete seine Beobachtung sofort! 
Zwei Männer kamen in der Nacht und nahmen Hans Udo gefangen.

Er wusste:
Dass sein Weg über die schroffen Pfade des Gebirges
sein letzter Weg sein würde.
Sein Engel hielt seine Seele auf der einen Seite,
meine Seele auf der anderen,
als er in einer Schlucht den freien Sprung ins NICHTS wählte!

Zum letzten Mal entschied er sich:
NICHT den Weg der Anderen zu gehen!

Udo? Warst du ein Held?
Wir meinen:
Ja!

Aber deine Seele ist in einem Irrtum stecken geblieben,
der lautet:
Wenn ich MEINEN Weg gehe,
dann ist der mit dem Leben zu bezahlen.

Udo, wieder bist du in der Auseinandersetzung damit,
welchen Weg du zu gehen hast:
Den Deinen oder den der Anderen!

Aber: Niemand stirbt dieses Mal deswegen!
Jetzt geht es nicht um Menschenleben,
weder dem Anderer noch Deines.

Jetzt geht es darum, überhaupt zu verstehen,
WANN der Zeitpunkt gekommen ist, SEINEN Weg zu nehmen.

Ein Krieger geht nicht seinen Weg,
wenn die Zeit dafür ist, den Weg Anderer zu gehen.
Aber selbst der Krieger darf sich nicht zwingen lassen,
Wege zu gehen, die SEINEM Gewissen widersprechen!

Das verstehst du und daran hältst du dich?
Doch, das tust du!

Dennoch sag mir mal, mein alter Blutsbruder: 
Wenn deine Arbeit durchaus dein Weg ist,
warum bist du dann so erschöpft?

Weil du tief in dir immer noch der Ansicht bist: 
Dass du das Gehen deines Weges mit dem Leben zu bezahlen hast!

Dass KEIN Einsatz zu hoch ist!
Nur DANN ist es gerechtfertigt, deinen Weg zu gehen…

Angenommen, du würdest heute hier an der Grenze Griechenlands
vor die Aufgabe gestellt, deinen Weg zu der Höhle zu suchen. Vernünftigerweise würdest du dir einen Führer,
der ortskundig ist, nehmen.

Und der würde dir sagen:
Guter Mann, gerne bringe ich dich da hin,
aber wir müssen jetzt erst einmal abwarten,
dass der Regen aufhört.

Dann müssten wir abwarten, dass der Fluss wieder flach ist
und dann führe ich dich mühelos
mit meinem kleinen Boot in die Schlucht.

Und dann sind auch die Wege trocken
und eins, zwei, drei sind wir da, wo du hin willst.
Aber zuerst musst du die natürliche Entwicklung abwarten!

Der Udo, der würde sagen:
Gut, passt mir zwar gar nicht in meinen Terminplan.
Ich sehe das aber ein, dass ich da warten muss!

Aber die Seele, die würde sagen:
Ui, es ist lebensgefährlich, meinen Weg zu gehen!
Ja, dann mach ich das doch SOFORT!
Dann ist mein Vorhaben ja richtig!

Die ist eben NICHT geneigt,
sich der natürlichen Entwicklung zu unterstellen,
weil sie sozusagen an dieser einen Stelle nicht ganz „richtig“ ist!

Verstehst du?

Du bist verflixt müde, alter Freund!
Und es wird Zeit, dass du wirklich verstehst,
dass es eben manchmal viel schneller geht,
den natürlichen Verlauf einer Entwicklung abzuwarten,
als ein Ergebnis zu erzwingen.

Die Gefährdung des eigenen Lebens als Indiz dafür zu nehmen,
auf dem RICHTIGEN Weg zu sein,
das könnte doch allmählich mal aufhören!
Findest du nicht?

Zur natürlichen Entwicklung gehört auch DEINE Natur,
deine Kraft, deine Lust, deine Inspiration…

Du bist sehr, sehr fähig, auf Inspirationen zu hören! 

Aber diese Fähigkeit setzt voraus,
inne zu halten, zuzuhören, hinein zu spüren…

Du willst, dass ich dich inspiriere?
Gerne!
Aber das mit dem „Schnell“ krieg ich nicht hin,
weil du dein „Ruhig“ nicht hinkriegst!

Könntest du mal einen Augenblick ZEIT für MICH haben?
Ich trage nämlich dich in mir!
Und ich habe dir so viel zu schenken.

Du bist ein Macher, ja?
Mensch, Udo: Das ist aber nur EINE SEITE von dir!
Du bist auch ein Inspirierter, ein Visionär!
Einer, der hineinspüren kann in das, was möglich ist.

Wohin mit diesem Teil deiner Selbst?
Wenn der Macher macht und macht und macht…

Du hast keine Zeit, Okay!
Willst du echt ZEIT haben?

He, pass auf, was du dir wünschst (lächelt)!
Udo, du hast Zeit!
Aber du TEILST sie nicht ein!
Egal, ob du arbeitest oder Wochenende hast oder Urlaub:
Der Macher macht sogar im Schlaf…

Warum?
Weil dein Weg nur RICHTIG sein KANN,
wenn er dich Kopf und Kragen kostet!
Komm da raus! Das ist überlebt!

Den Dingen ZEIT zur Reife geben, Udo! 
Das ist eine sehr neue Herausforderung für deine Seele! 
Aber sie will das lernen und ich helfe dir so gerne dabei.

Komm mir entgegen, Freund, werde still!
Hin und wieder…

Wenn man Billard spielt, macht es keinen Sinn,
alle Kugeln auf einmal anzustoßen.
Eine ins Rollen zu bringen, das reicht!
Die Anderen folgen dem natürlichen Verlauf der Dinge.

Es ist eine sehr gute Zeit, EINE Kugel anzustoßen
und dann deren Verlauf zu folgen.

Ich mache das jetzt mit diesem Reading und ich warte ab:
Ob du es zulässt:
Dass die Dinge ihren natürlichen Lauf gehen dürfen.
Na komm, es macht Spaß, du wirst sehen!

Freiheit, Udo, es geht um Freiheit!
Weißt du, was Freiheit ist?

Sich entscheiden zu können, woran man sich bindet.

Du bist nicht mehr an einen „Herrn“ gebunden,
der dir nur dann deine Freiheit der Entscheidung gibt,
wenn du bereit bist, dein Leben dafür zu opfern!

Sei bitte auch dir selbst nicht ein solcher Herr!

U: Puh, klare Worte!

E. lächelt: Hm, er ist schließlich Münsteraner,
da hat ein Guide klar zu sein.

Ich könnte natürlich auch sagen:
Hey, ich liebe dich zu sehr, um dich nicht zu stoppen.

Aber dann würde er glatt sagen:
Na, dann lieb mich doch weniger und lass mich meinen Weg gehen.

U: Gut, du kennst ihn besser als ich.
Darf ich dir jetzt seine Fragen stellen?

E: Klar!

U: Udo fragt, was seine Aufgabe in dieser Inkarnation ist?
Und was kann er derzeit tun,
um dieser Aufgabe besser gerecht zu werden?

E: Udo, alles SELBST machen verwandeln in die Fähigkeit,
die Zeit unterscheiden zu lernen!

Wann muss ich meinen Weg gehen?
Gradlinig, zielgerichtet unter Einsatz aller meiner Kräfte?
Und wann gilt es, den natürlichen Verlauf der Dinge abzuwarten?

Zwischen Einwirken und Abwarten
eine stabile Position zu bekommen,
gehört zu einer der wichtigsten Aufgaben deines Lebens!

Hindernd ist da die Angst, auf falschem Weg zu sein,
wenn du einmal NICHT in bedrohlicher Lage bist!

Das möchte deine Seele korrigieren!
Sie spürt: Da ist ihr etwas abhanden gekommen.
Sie weiß aber nicht, WAS!

U: Was hat es mit seinen Süchten auf sich? 
Sollte er da etwas tun?

E: Ha! Du, sie ersetzen dir SCHNELL, was dir sonst zu lange dauert!
Wie wir wissen, vermutest du ja, dass Zeit zu wenig da ist.
Sie ersetzen dir, wie es ist,
wenn du still wirst und wahrnimmst, was du wahrnehmen könntest.

Du, mein alter Freund,
du könntest im wahrsten Sinn des Wortes die Engel singen hören,
wenn du nur einmal die Zeit hättest, zuzuhören!

Dir könnte jeder Wald, jeder See, jeder Wind erzählen,
was gut und wahr ist!

Die Süchte?
Hm, Einerseits nehmen sie dir die „Zeitverschwendung“ ab.
Andererseits willst du stets geerdet sein.

Du hast eine ziemliche Angst davor,
WIE spirituell du bist!
Das war hier schon so!

Du warst es aber!
Damals ergoss sich das immerhin noch
in Gedichten und Bildern!

Na ja, da hattest du auch noch Zeit!

U: Was bedeuten meine körperlichen Symptome?
a: Beinwunde.

E: Der Weg ist beinhart und gefährlich und nicht unbedingt DEINER!

b: Haut?

E: Ja, irgendwie muss deine Seele dir doch sagen,
dass sie sich für sehr dünnhäutig hält
und den Schutz der Härte braucht…

Udo, machen wir uns nichts vor:
Du bist wesentlich empfänglicher für das, was Andere fühlen,
als dir lieb ist!
Aber das Dünnhäutige hat keinen Platz in deinem Leben…

Aber, lieber Udo: Es gehört doch zu dir, das bist doch auch DU!
Das ist nicht eklig, das ist toll!
Na gut, die Männer deiner Sippe sagen vielleicht:
Lass das Dünnhäutig sein,
dabei kommt nichts raus außer vielleicht ein Alkoholiker.

Aber das ist nicht DEINE Aufgabe, Dünnhäutigkeit zu unterdrücken!
Mensch, man kann BEIDES sein: mal dünnhäutig, mal hart.

DAS ist es doch, worum es geht, Udo:
GANZ sein, Vielseitig sein…

c: Gelenkschmerzen?

E: Das ist auch genetisch, Udo, manches muss man annehmen.
Es bremst dich, nicht wahr?
Hm, hm, na ja, da wird man langsam, hm, hm…

U: Was kann er tun, um das zu beseitigen?

E: Ach, hör mal, du kriegst das nicht einfach beseitigt.
Das mit der Beinwunde, na gut.
Aber die Haut, die Gelenke: Das sind Anzeiger und Mahner!
Ganz ohne wird’s nicht gehen.

Na komm: MUSST du WIRKLICH perfekt sein?
Du erwartest das von keinem Anderen!
Aber von dir?
Nein? Tust du gar nicht?

Ach! Wie ist das dann mit der Dünnhäutigkeit?
Hm?
UNWICHTIG!
Klar, deine Gefühle, die sind eher sekundär!

Und deine Bedürfnisse?
Na, sekundär…

Erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen.
Und überhaupt: Sei doch vernünftig!

Hm…

Ist das alles wirklich wahr, Udo?
Ist das DEIN Weg?

Weißt du, es könnte doch sein:
Dass du, wenn du DEINEN Weg gehst,
LEBENDIG wirst!
Es könnte wirklich sein!
Denk mal nach!

Wenn du mich fragst, was du tun kannst,
um diese Beschwerden zu beseitigen…
Dann ist das so:
Als würde ein Autofahrer mitten in München darum bitten,
die Ampeln abzuschaffen.

Aber da sind wir uns einig, oder?
So ganz ohne Ampel-Anzeige geht ganz schnell GAR NICHTS mehr.
Deine Beschwerden sind solche Ampeln!
Da lohnt es sich, bei Rot anzuhalten.

U: Es gibt immer wieder Konflikte zwischen meiner Tochter und mir.
Worauf sollen sie mich aufmerksam machen,
was ist meine Rolle dabei?

E: Freund: DEINE Rolle einzunehmen!
Deine Rolle ist: Von deiner Frau zu NEHMEN,
was eine Frau dir geben kann.

Und von deiner Tochter zu nehmen,
was eine Tochter dir geben kann.
Da kommt es zu erheblichen Verwechslungen!

Positioniere deine ANSPRÜCHE klarer!
Mehr kannst du nicht tun!
Das allerdings solltest du tun!

Aber, oh, ich weiß:
Deine Angst, nicht fair zu sein…

Klarheit ist IMMER fair, Udo!
Und sagen, was du brauchst, bedeutet:
Dem Anderen die Freiheit zu geben,
entscheiden zu können, ob er das, was du von ihm brauchst,
zu geben bereit ist…

Das hat auch was damit zu tun,
die eigene Dünnhäutigkeit zu akzeptieren!

Ich bin zuversichtlich!
Ich glaube an dich!

Ich bin sicher, du wirst DEINEN Weg gehen.
Und ich bin sicher, du wirst aufhören,
das mit deinem Leben bezahlen zu wollen!!!

Ich liebe dich, Bruder!
Und ich passe gut auf DICH auf.

Dein Egon