Pferd

Elia – Chiron ist der Meister aller Heiler. Er war ein Leidender und doch der große Weise.

Chiron ist der Meister aller Heiler.
Er war ein Leidender und doch der große Weise.
Chiron war ein Zentaur,
halb Mensch – halb Pferd, halb Gott – halb Mensch.

Er erlitt in früher Jugend eine schreckliche Wunde.
Von da an war er behindert
und kein Tag seines Lebens verging ohne Schmerzen.

Weil dies so war, suchte er nach Linderung
und auf seiner Suche begegneten ihm viele Heilkräuter.
Und bald schon kannte er sich wie kein Anderer
in der Kunst des Heilens aus.
Elia

Zu Gast ist Rita.

Elia: Der Abend trägt einen goldenen Glanz.
Der Tag geht zur Neige.

Du hast deinem Mann einen goldenen Abend geschenkt,
als sein Tag zur Neige ging.

Seelen ist ein Leben wie ein Tag –
Zeitlos sind wir!

Und unser ganzes Mitgefühl gilt euch, die ihr in der Zeit seid.
Ich möchte, dass du das weißt.
Wir fühlen mit euch.

Wir wissen darum, dass wir den besseren Teil haben.
Aber wir wissen auch,
wie wichtig die Arbeit in der Schule des Lebens ist.
Und wie wichtig es ist, dass Seelen in die Welt gehen,
um zu lernen, aber auch um zu lehren.

Oft zweifelst du am Sinn deines Seins. 
Aber wenn wir nur deinen Mann nehmen, so gilt,
dass du ihn – seiner Seele – viel gelehrt hast.

Das hätte er nicht erfahren, nicht erlebt ohne dich! 
Du denkst, deine Art, zu sein, sei ein Makel.
Die Wahrheit ist:
Du lehrst umso mehr, weil du nicht perfekt bist.

Kennst du Chiron, hast du je von ihm gehört?

R: Nur den Namen.

E: Chiron war ein Zentaur,
halb Mensch – halb Pferd, halb Gott – halb Mensch.

Er erlitt in früher Jugend eine schreckliche Wunde.
Von da an war er behindert,
kein Tag seines Lebens verging ohne Schmerzen.

Und weil dies so war, suchte er nach Linderung
und auf seiner Suche begegneten ihm viele Heilkräuter.

Und bald schon kannte er sich wie kein Anderer
in der Kunst des Heilens aus.

Das hörten die Helden der Antike und kamen zu ihm,
denn stets wusste er Rat für ihren Schmerz.
Dem Einen gab er ein Kraut,
dem Anderen ein Heil bringendes Wasser,
dem Dritten sang er ein Lied.
Immer heilte er.

Nur seine Wunde, die heilte nie! 
Denn wäre sie geheilt, er hätte aufgehört,
nach Heilmitteln zu suchen. 
Chiron ist darum der Meister aller Heiler.

Er scheint so gar nicht als Held. 
Er war ein Leidender – und doch der große Weise.

Denk darüber nach, was du mit ihm gemeinsam hast.

Ich möchte dir sagen: 
Dass wir dich wegen deiner Krankheit nicht verachten,
sondern ehren.

Und nun stell deine nächste Frage bitte.

R: Zu welcher Seelenfamilie gehöre ich?

E: Ich sagte es bereits, wenn auch indirekt.

Du gehörst zur Familie der Heiler.
Heiler müssen nicht unbedingt Körper heilen,
es können auch Seelen sein, ja?

R: Hm.

E: Gut.

R: Danke.
Ja, kann ich denn die Angstzustände
und die Depressionen auch mal überwinden?
Was mache ich falsch auf dem Weg?

E: Bitte lass dir noch einmal die Geschichte Chirons
durch den Kopf gehen.
Du bist ein Chiron!

R: Hm.

E: Halt, einen Augenblick bitte.
Ein Chiron zu sein, bedeutet,
dass derjenige immer mehr Erfahrungen darin sammelt,
mit seinem Schmerz zu leben.

Es geht nicht darum, die schmerzende Wunde auszubrennen.
Es geht nicht darum, die Krankheit als Feind zu betrachten,
sondern zu verstehen, dass sie dich befähigt,
weise zu werden.

Nichts sonst hätte dich so sehr reifen lassen wie dies.

Nichts sonst als dieser Schmerz hätte dich so sehr
in die Tiefe wachsen lassen wie dies.

Und nichts sonst wäre in der Lage gewesen,
deinen Mitmenschen so deutlich vor Augen zu führen,
dass es Wichtigeres gibt als Äußerlichkeiten,
als schnelles Glück bringende Illusionen.

Unterschätze bitte nicht deine Wirkung auf die Seelen Anderer,
gerade weil du diese Erkrankung hast.

Etwas völlig anderes ist die Tatsache,
dass du immer wieder damit kämpfen musst,
dich deswegen als wertlos zu empfinden.
Das Gegenteil ist der Fall!

Glücklich sein und schön, wenn es geht,
auch noch reich und erfolgreich, das ist leicht!

Es ist ein Leben ohne Schwere.
Aber es ist sehr schwer für eine solche Seele,
heimzugehen und etwas gelernt zu haben.

In dir wirkt ein genetisches Prinzip,
das seit vielen Generationen
in deiner Sippe immer wieder auftaucht.

Die Depression ist nicht nur und ausschließlich Ergebnis
deiner kindlichen Erfahrungen und Traumatas,
sondern sie ist auch Ergebnis deiner Sippen-Geschichte.

Und du bist keineswegs die Ausnahme in deiner Familie!
Sondern viele Generationen vor dir
gab es diese traurigen Formen schon.

Aber du wirst schwerlich darüber Auskunft finden,
wie sie damit umgingen.

Denn nichts scheint irritierender,
ja gar beschämender für die Mitmenschen zu sein
als ein trauernder Mensch.
Und ich spreche hier nicht von der Trauer eines Hinterbliebenen, sondern ich spreche von den Depressiven.

Es wird verschwiegen! 
Man fühlt sich beschämt,
denn es zeigt sich die Ohnmacht des Einzelnen.
Depression als Krankheit:
Dies immerhin wird anerkannt.

Das Problem resultiert daraus, dass Menschen dazu neigen,
entweder sich selbst oder Einander Schuldzuweisungen zu geben.

Depression ist ein Zustand,
der selbst bei günstigsten Bedingungen vorhanden sein kann,
der völlig unabhängig vom Umfeld entstehen kann.
Natürlich: Je negativer ein Umfeld ist,
um so schmerzvoller ist diese Wunde.

Du machst nichts falsch, Inge!
Außer dass du in der Depression einen bösen Feind siehst.
Das ist er nicht, sondern er ist deine Form von Behinderung.

Ich wähle bewusst dieses Wort, weil es wertneutral ist.
Es ist eine Form der Behinderung,
denn sie hindert dich immer wieder,
in deine volle Kraft zu gehen.

Sie hindert dich, indem du immer wieder
mit deinem grundsätzlichen Schmerz konfrontiert wirst!
Und dieser Schmerz heißt: Ich lebe.

Aber gerade dieser Schmerz hat dich dazu gebracht,
Wissen und Qualitäten zu entwickeln,
die du sonst nicht erreicht hättest.

Wenn du einmal heimkommst,
wirst du mit dir einen Schatz führen.
Etwas, was dir niemals jemand nehmen kann:
nämlich Erfahrungen mit dir selbst.

Erfahrungen damit, wie man Ohnmacht aushalten kann
und Erfahrungen damit, dass man diese Erde so lieben kann,
dass man Jahrzehnte lang dafür kämpft, Teil von ihr zu sein.

Das ist jetzt sehr schwer zu verstehen, das weiß ich.
Ich möchte, dass du begreifst, dass du einen guten Kampf kämpfst!
Aber wir bitten dich, schau auch darauf:
Wie viele Siege du schon über dich selbst errungen hast, ja?

R: Hm, hm.

E: Ja. Vor allem aber merke dir eins:
Du bist ein Chiron!

Deine nächste Frage bitte.

R: Warum ist der Friede und das Verständnis
in meiner Familie so schwierig?

E: Ja, weil das Urteilen bei euch so groß ist!

Ich darf nichts über deine Familienmitglieder sagen.
Das verstehst du sicherlich, aber ich denke,
du weißt, was ich meine.

Urteile fällen, das scheint so eine beiläufige Angelegenheit zu sein.
Besonders wenn die Urteile, die gefällt werden,
niemanden direkt betreffen.

Aber jedes Urteil hinterlässt eine Spur in der Seele des Anderen.

Ihr habt – und das ist schwerwiegend –
in eurer Familienstruktur sehr viel Distanz,
wahre Nähe ist verboten! 
Dafür kann keiner der Beteiligten etwas.
Sondern das liegt als Problem schon zwei Generationen zurück:
Wahre Nähe ist verboten.

Und so wird diese Distanz immer wieder neu geschaffen
in immer wieder neuen Urteilen.
Wenn der Andere aber mein Richter ist,
dann kann er nicht mein Nächster sein.
Verstehst du, was ich meine?

R: Ja.

E: Größer kann man eine Distanz nicht schaffen!
Und, Inge, was ich dir hier mitteilen möchte, ist sehr wichtig.

Durch deine Krankheit appellierst du unentwegt
gegen das Gesetz der Distanzierung.
Du appellierst immer wieder dafür, sorgsam, vorsichtig
und bedächtig miteinander umzugehen, zumindest mit dir.

Sie wissen, dass du verletzlich bist
und müssen sich der Verletzlichkeit beugen… eigentlich.
So bist du ein Dorn.

Du bist jemand, der einen Stachel ins System bringt,
der immer wieder sagt: 
„Ihr habt nicht Recht!
Distanz ist nicht heilig, sondern Distanz macht krank!“

Urteilen ist nicht gut, sondern Urteilen macht krank,
zumindest dich.

Du hast mit deiner Krankheit also eine Funktion –
die Funktion der Mahnerin.

Ich bin mir nicht sicher, ob es schon die Zeit ist,
das familiäre Problem zu bearbeiten.

Es sollte erst einmal reichen,
dass du dir dieser Tatsache bewusst bist.

Denn auf den ganzen Kern, auf den eigentlichen Auslöser,
der schon so viele Jahrzehnte zurückliegt, zu kommen,
könnte dich derzeit noch überfordern.

Wichtig ist nur, dass du begreifst,
dass du eine gute Funktion in der Familie hast.
Du bist nämlich keineswegs als Belastung in die Familie gekommen
– keineswegs – sondern als Heiler.

Auch wenn sie es nicht verstehen, wenn sie es nicht einsehen:
Ihre Seelen müssen sich mit dem Problem auseinandersetzen,
solange du da bist.
Und das ist gut.
Und das heilt, ja?

Du bist Diejenige, die Nähe wieder als etwas Positives
in diese Familie hineinbringt, die sagt:
„Nähe ist gut, egal, was ihr sagt!“

Verstehst du mich?

R: Ja.

E: Hast du noch Fragen dazu?

R: Kannst du mir bitte sagen,
wie ich mich meiner Mutter gegenüber richtig verhalte?

E: Hier möchte ich einen Vorschlag zum Seminar-Ablauf machen,
wenn ich das darf, Hajo?

Hajo: ja.

E: Ich würde sehr gerne, wenn du es möchtest, liebe Inge,
dass du mit der Seele deiner Mutter morgen sprichst.
Ist das möglich?
Meinst du, dass du das kannst?

R: Kann ich das, obwohl meine Mutter lebt?

E: Ja. Die Seele deiner Mutter –
nicht mit deiner Mutter.

R: Ja.

E: Und vielleicht gelingt es euch,
wenn ihr euch als Seelen miteinander trefft,
eine gegenseitige Akzeptanz zu erreichen.

Ich weiß, du bist gerne bereit, sie zu akzeptieren
und hast dir schon viele Gedanken darüber gemacht,
warum sie ist, wie sie ist.
Aber ihre Akzeptanz dir gegenüber könnte sich verbessern! 
Darauf hoffe ich.

R: Hm, hm. Danke.

E: Gern geschehen.
Gibt es noch eine Frage?

R: Ich würde gerne mit Hans und auch mit Anita
kommunizieren können oder es lernen.
Kann ich es schaffen?

E: Nähe zu erreichen?
Warum solltest ausgerechnet du das nicht schaffen?

Nähe ist eine Spezialität von dir! 
Wahrhaftigkeit der Gefühle auch.
Ich sehe keinen Grund, warum du es nicht schaffen solltest.

Weißt du, warum ich mit Uta kommunizieren kann?
Das ist ganz einfach:
Ich liebe sie und
sie liebt mich!
Ganz einfach!

R: Hm.

E: Du kannst lieben.
Ist dir eigentlich bewusst, wie erstaunlich diese Fähigkeit ist
trotz deiner Krankheit?
Nein, das ist dir nicht bewusst.

R: Nein.

E: Dennoch ist es so.
Du kannst lieben.
Und du kannst wahrhaft sein.
Mehr brauchst du nicht.

Alles, was darüber hinaus nötig ist,
das mögen meine beiden Freunde dir erklären.

Hast du noch eine Frage?

R: Kann man als Verstorbener
mit allen Familienmitgliedern Kontakt haben,
die schon vorausgegangen sind?

E: Wenn man das möchte und diese dies auch wünschen: ja.
Das ist freiwillig und keinesfalls immer so.
Weil: Es gibt keinen Zwang!

Manchmal sehen sich Familienmitglieder
auch gar nicht mehr wieder.
Eure Familien sind nicht identisch
mit den Seelenfamilien.
Meistens ist dies so, aber nicht immer.
Ja?

R: Danke.
Das waren erstmal meine Fragen.
Danke dafür.

E: Ich danke dir für deine Geduld
und ich danke dir für dein Vertrauen
und ich danke dir für deine Gaben.

Ich bitte dich, verstehe, wenn ich sage:
Wir ehren dich.
Du bist ein guter Chiron.

Du magst ein noch wirksamerer Chiron werden,
wenn du verstanden hast,
dass du diese Fähigkeit des Heilens als Gabe mitbekommst.

Und nun schlafe wohl, genieße die letzten Sonnenstrahlen.
Schau dich um, unbedingt:

So wie jeder Strauch und jeder Baum,
jedes Vöglein und jede Blume
seinen berechtigten Platz auf dieser Erde hat,
so auch du.

Gute Nacht.

R: Danke, gute Nacht.

H: Danke, Elia.