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Verstorbene – Wenn Männer eine Ahnenlast zu tragen haben.

Wenn Männer eine Ahnenlast zu tragen haben.
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Ich bitte meinen Guide, mich mit Erna zu verbinden.

Vor mir steht eine  kleinere, ältere Frau.
Sie trägt eine Art Strick- oder Häkel-Jacke aus weicher Wolle. 
Das könnte Mohair sein, das sieht nach Handarbeit aus.
Kann es sein, das sie  gerne gestrickt oder gehäkelt hat?

Ich sehe nämlich, wie sie versucht,
ein auseinander gefallenes Wollknäuel zu entwirren
und ganz plötzlich zornig wird,
den Faden zerreißt und das Knäuel wegwirft.
Dann lacht sie.

Sie setzt sich in eine Art Sessel,
aber der hat keine gepolsterten Lehnen,
sondern solche aus Holz.

Sie setzt beide Füße „artig“ nebeneinander
mit zusammengestellten Beinen,
die Hände liegen auf den Sessellehnen und mit dem Zeigefinger
und Mittelfinger tippt sie immer auf und ab,
klopft leicht auf das Holz.

Dann nimmt sie mit einer Hand einen Kettenanhänger:
Er ist goldfarben, oben schmal, unten breit.

Sie lächelt die ganze Zeit, ihre Augen sind so lustig,
ganz voller Freude.
Sie sitzt ruhig da, aber vom Gefühl her spüre ich Unruhe.
So, als ob sie  nicht gerne so ruhig saß,
lieber immer irgendetwas tat!
Es sie nervös machte, untätig zu sein.

U: Bist du Erna,
die Großmutter von Harry?

E: Ja! (Das sagt sie sehr fröhlich.)
In dem Moment, wo ich Harry erwähne,
kommt sehr viel Freude, Heiterkeit und Liebe als Gefühl.

Da ist überhaupt keine abgeklärte Einstellung,
wie ich sie oft bei Verstorbenen finde,
sondern fast etwas wie eine kindliche, reine Freude.
Ganz ungetrübt, ganz ursprünglich!

Mir kommt ein Vers eines Liedes in den Sinn.
Ich weiß nicht, ob Erna das macht: 
„Glücklich ist, wer vergisst,
was nicht mehr zu ändern ist.“

Und gleich danach noch Eines:
„Warum ist es am Rhein so schön…“

Und danach:
„Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin…“

Hat Erna diese Lieder geliebt oder hat sie gern gesungen?

E: Musik ist schön, die habe ich hier auch.

U: Erna, ich würde dich gerne ein wenig beschreiben,
wenn du erlaubst.

E: Na, aber ich war nicht so,
ich konnte auch was verbergen.
Man muss Andere nicht mit seinem Kummer belästigen.

U: Den hast du lieber für dich behalten?

E: Es muss ja weiter gehen.
Als ich jung war, da war ich ungestüm,
aber das Leben verändert einen.

U: Gut, dann beschreibe ich dich,
so gut es geht, wie du jetzt bist.
Nicht, wie du warst?

E: Ach, doch, so war ich auch.
Aber mit dem Alter verlierst du die Kanten.

U: Gut, danke für den Hinweis. 
Ich glaube, das hast du gut gekonnt:
Die Menschen darauf aufmerksam machen,
wenn ihnen selbst was nicht auffällt.

Erna lacht und nickt.

U: Ich empfinde Erna als sehr herzlichen Menschen.
Gütig im wahrsten Sinn des Wortes einerseits…
Andererseits hat sie die Fehler Anderer sehr gut wahr genommen.
Aber da war, glaube ich, in ihr immer so ein Vertrauen,
dass sie es schaffen werden, weiter zu kommen.

Ich glaube, das war ihre große Stärke,
dass sie Andere ermutigen konnte,
wenn die für sich schon aufgegeben hatten.
Sie schenkte Zutrauen!

Aber ich glaube, wenn man sie an ihren Idealen packte,
an das, was für sie als gut und richtig galt:
davon ließ sie sich nicht abbringen,
da konnte sie auch sehr hartnäckig sein. 
Da gab es dann einfach keine Diskussion mehr.

Sie war ein sehr liebevoller Mensch.
Aber sie hat auch versucht,
bisweilen recht stur ihre Ansicht durchzusetzen!
Und ich glaube, dass sie das in ihren jungen Jahren
auch ganz deutlich gezeigt hat.
Dann mag es nicht nur mit dem Kopf durch die Wand,
sondern sogar gegen die Wand gegangen sein!
Ganz besonders, wenn sie etwas als ungerecht
oder moralisch nicht richtig empfunden hat.

Aber im Vordergrund steht bei mir das Gefühl,
einer Person zu begegnen,
die auf eine  ganz einfache Weise „Weise“ war.

Nicht gebildet, das meine ich nicht,
sondern eine sehr natürliche Lebens-Klugheit.
Sie konnte, glaube ich, viel verzeihen,
dass Menschen schwach sind,
auch, dass sie dumm sind.
Nur nicht, dass sie boshaft sind
oder wenn sie Macht missbrauchen,
das ertrug sie nicht.

Kann es sein, dass sie am Ende ihres Lebens
wenig Einsicht hatte in ihre eigenen Grenzen?
Dass sie einfach nicht wahrhaben wollte oder konnte,
dass sie Hilfe brauchte?
Dass es überhaupt schwierig für sie war,
Hilfe anzunehmen?

Was ich auch spüre, ist ein ganz großer Wunsch,
Anderen zu helfen, großzügig zu sein
und die Menschen oder Situationen
so positiv wie möglich zu sehen.
Ich glaube, dass sich daraus einiges
an Enttäuschungen ergeben hat,
aber selbst die hat sie nicht an sich heran gelassen.
Ist das möglich?

Gerade, was das angeht,
spüre ich einen tiefen inneren Konflikt.
Einerseits hatte sie ein ganz sicheres Gespür dafür,
was in den Anderen vorging.
Und Andererseits versuchte sie immer, das Gute zu sehen.

Ich denke, so hat sie mehr auf sich genommen, als sein muss!
Und ich frage mich, wie viel Kraft es sie gekostet haben mag,
so konsequent gütig zu bleiben?

Aber sie hat sicher gerade daraus
auch ihren Selbstwert genommen:
Da zu sein für Andere,
wenn die sie brauchten.
Nicht gebraucht zu werden,
muss ihr schlimm gewesen sein.

U: Danke, Erna, dass du mich das fühlen lässt.

E: Im Alter lernst du viel, aber nur, wenn du willst.

U: Erna, kannst du mir bitte einige Bilder geben?

E: Ja, sind die auch alle richtig?

U: Na, nicht alle,
aber das wissen Linda und Harry, versuch es einfach.

Ich sehe zuerst ein Schwarzweiß Foto,
das ist auf einer Art dünner Pappe.
Ein Mann in dunklem Anzug
und streng gescheitelten Haar steht neben einer Frau.
Die Frau hat Wellen im Haar und einen Knoten,
sie trägt ein helles Kleid, das irgendwie sackartig aussieht,
obwohl es sicher wertvoller Stoff ist.
Aber der Schnitt des Kleides ist so.
Dazu nehme ich eine Art Korbstuhl wahr.

Deutlicher sehe ich das Bild nicht, es schwankt.
Einmal ist nur das Paar zu sehen
und ein anderes Mal tauchen drei Kinder auf…
Vielleicht versucht sie auch,
mir zwei Bilder zu zeigen.

Jetzt sehe ich ein anderes Foto.
Sie hat ein Kostüm an mit sehr großen Knöpfen,
kastenförmige Jacke, schmaler Rock,
über dem Unterarm eine Handtasche
und sie trägt einen Hut.
Alles passt farblich exakt zusammen.
Ich sehe einen Fluss im Hintergrund.

Szenenwechsel:
Ein großer Tisch, eine blütenweiße Tischdecke,
feinster Damast, eine richtige „Kostbarkeit“.
Und ich sehe, dass eine Tafel gedeckt ist.
Ich denke, es sind wenigstens 8 Gäste, die erwartet werden,
ich nehme den Duft von Glühwein wahr.

Szenenwechsel:
Ich sehe eine hohe Pflanze im Fenster stehen,
aber wie die heißt, weiß ich nicht.
Lange, lanzenartige Blätter, fast wie bei Kakteen,
aber keine Dornen.
Ich sehe die Hand einer älteren Frau,
sie trägt einen Ring, ein kleiner Stein mit Gold eingefasst.
Sie hat ganz viele Pigmentflecken auf der Hand.
Aus einer Metall-Kanne
– ich bin mir nicht sicher, ob das Kupfer oder Zinn ist –
gießt sie die Pflanze.
Das ist ein helles Zimmer hier.
Es steht ein wenig zu voll mit Möbeln.
Ich habe das Gefühl, zu warten und zu warten…
Dabei bin ich ganz ruhig.
Es ist so, als hätte ich mich daran gewöhnt,
zu warten.

Ganz kurz sehe ich ein Paar Hausschuhe, innen gefüttert.
Das sind hohe Hausschuhe,
die gehen sicher bis zum Fußgelenk.
Dieses Bild wechselt und ich sehe Hausschuhe,
die hinten runter getreten sind.

Szenenwechsel:
Ich sehe eine Art Krankenhaus-Nachttisch,
jemand stellt ein Glas Wasser darauf, verfehlt aber die Platte
und das Glas fällt runter.
Ich sehe wie in Zeitlupe, wie das Glas zerspringt.

Szenenwechsel:
Ich sehe ein Bügeleisen, Rowenta steht da drauf,
das Kabel ist geflickt,
dazu bekomme ich einen merkwürdigen Impuls.
Kann es sein,
dass sie Einerseits sehr großzügig sein konnte,
Andererseits aber seltsame Anflüge von Geiz hatte?
Ihre Einstellung dazu, was notwendig war,
nicht immer ganz nachvollziehbar war?

Jetzt sehe ich ganz kurz aus der Perspektive eines Liegenden,
wie sich Krankenhaustüren öffnen,
ich durch mehrere solcher Türen gefahren werde.
Ich bin mir gar nicht sicher, ob das Erna selbst ist
oder ob damit ein Mann gemeint ist, der da gefahren wird.
Ich spüre den dringenden Wunsch,
die Leute anzutreiben, die mich fahren,
als sei es sehr eilig.

Szenenwechsel:
Ich sehe nur sehr kurz, als sei es sehr lange her,
nicht viel mehr als eine flüchtige Erinnerung: 
Einen zierlichen Mann in einem weißen Hemd
in weißer Bettwäsche liegen,
es könnte ein Krankenbett sein.
Der Mann sieht verfallen aus, sehr mager,
obwohl der Bauch gebläht wirkt
und seine Hautfarbe ist komisch, irgendwie gelb.

Jetzt sehe ich ein offenes Grab.
Es ist mit Kunstrasen ausgeschlagen,
aber ich sehe nicht den Sarg.
Vor mir stehen Menschen in dunkler Kleidung,
nicht alle in Schwarz.
Ich sehe einen Mann, der schlank ist,
einen dunkelblauen Anzug tragen.
Ich bin merkwürdiger Weise fröhlich!
Ich weiß, die da vor mir stehen, sind es nicht!
Aber ich bin es.
Eine Frau steht da,
die hat helles Haar,
aber das ist nicht Linda, sie ist älter, kleiner…

Ich möchte ihr etwas sagen,
aber sie nimmt mich nicht wahr.
Ich bin dieser Frau dankbar,
ich finde, dass sie sich nicht grämen sollte.
Aber das kann ich ihr nicht mitteilen.
Sie ist gut,
ich weiß, dass sie es schwer hatte.

Szenenwechsel: Ein Baby liegt in einem weißen Kissen,
das Kind lebt nicht mehr,
das sehe ich an den Augen.
Die sind halb auf, das sieht schlimm aus.
Ich möchte am Liebsten schreien bei diesem Anblick!
Ich liebe dieses Baby, es tut so weh!

Ich sehe Wolken an einem blauen Himmel,
ein Karussell ist da, so ein Kinderkarussell.
Ein kleiner Junge mit brav frisiertem Haar. 
(Ich ärgere mich, weil ich mir solche Mühe gegeben habe,
dass sein Haar glatt sitzt
und es fängt schon wieder an,
an den Wirbeln hoch zu stehen.)
Er sitzt auf einem Karussell-Pferd.
Er ist gar nicht so mutig, wie er tut,
er ist eher sehr skeptisch.
Das merke ich daran,
dass er immer versucht,
mich mit den Augen zu finden.
Ich liebe diesen Jungen!

Szenenwechsel: Eine Kinderhand, mollig,
hält einen Strauß Wiesenblumen.
VIEL zu kurz gepflückt, ich nehme sie, freue mich.
Die Blümchen sind  ganz warm und „schweißig“,
ich stelle sie sehr sorgfältig in eine kleine Glas-Vase.

Ich glaube, das Kind, das gemeint ist,
hatte ganz oft Mittelohrentzündung.
Es ist inzwischen erwachsen.
Diesem Kind soll ich sagen,
dass Erna es sehr lieb hat.

U: Danke Erna!
Ich würde jetzt gerne die Fragen von Harry und Linda stellen.
Ich bin mir nicht sicher,
ob du diese Frage überhaupt beantworten kannst.
Denn in mir wirst du ja keine Antwort finden können:
Es wird gefragt:
Warum sie den Neujahrs-Nachtisch nicht hinkriegen?

E: Muss alles die gleiche Temperatur haben!

U: Die Zutaten?

E: Ja.

U: Es gab etwas,
was du Linda im Krankenhaus sagen wolltest.
Dazu kam es allerdings nicht mehr.
Du hattest dich krampfhaft an Linda festgehalten.
Willst du es uns jetzt sagen?

E: Ich war doch auch hellsichtig!

U: Was?

E: Ich hab das gesehen
und ich will es ihr immer noch sagen!

U: Dann sag es doch!
(Ich spüre, dass sie sich aufregt, es ihr sehr dringlich ist.)

E: Wut, es geht um Wut!
Wenn du dich nicht traust,
wütend zu sein,
dann kommt die Wut Anderswo raus.
Das ist wichtig,
dass du auch mal platzt!

Nicht nachtragend sein,
nicht im Alten bohren,
das meine ich gar nicht!
Aber mal richtig aus der Haut fahren.
Das ist wie ein Pickel, der platzt.
Wenn er das nicht darf,
geht alles nach Innen
und vergiftet dich selbst.

Linda, das musst du lernen,
an der richtigen Stelle mal zu platzen,
dass das Gift raus kommt.

Ich konnte es ihr gar nicht sagen!
Ich hatte da nur so ein Gefühl,
dass da was aus ihr raus platzen muss,
weil es sonst eine Katastrophe gibt.
Aber das konnte ich alles gar nicht mehr sagen,
ich hatte nur das Gefühl, aber keine Worte dazu.

Die ist immer so brav und sanft und vernünftig,
aber die Wut muss raus, sonst wird man nicht Alt.

Man kann sich doch immer wieder versöhnen,
das hat damit doch gar nichts zu tun.
Linda ist mutig, die kann das vormachen,
das gilt auch für Harry.
Das ist wichtig, das gilt für Beide!

U: Kannst du uns sagen,
warum die Familie so verbittert wirkt.
Gibt es einen Grund dafür?

E: Alle sind im Grunde beleidigt.

U: Wie?
Wer hat sie beleidigt?

E: Alle sind nicht das,
was sie meinten,
werden zu können.
Jeder hatte große Träume von sich!
Und nun sind sie beleidigt,
weil die nicht Wahr werden.

U: Welche Ursache hat das?

E: Das ist die Ahnenlast!
Da wurde Einem nicht zugesprochen, was er hätte erben müssen.
Der war dann ärmer, 
als ihm nach dem Geburtsrecht zugestanden hätte.
Das zieht sich durch!

Die haben Fähigkeiten, aber es wird immer verhindert,
dass sie ihr Ziel erreichen, das sie erreichen könnten.
Und das verbittert sie!
Das ist es!

Es ist ja nicht weg zu kriegen,
aber Verbitterung ist der falsche Weg.

U: Was können sie tun?

E: Na, das verstehen.
Wenn der Erste sich damit zufrieden gegeben hätte
und ohne Verbitterung das Beste daraus gemacht hätte:
Da wäre das Alles so nicht entstanden.

So muss jeder Nachfahre zuerst hohe Träume haben,
gute Chancen
und dann gedemütigt werden.

Es geht doch Anders!
Es spielt doch gar keine Rolle, was du bist!
Es ist doch nur wichtig,
ob du glücklich bist mit dem,
was du hast!

Das war doch nur dessen Sache,
dass er mit seinem Beleidigt sein leben musste!

Das ist doch kein Gesetz!
Damit kann Jederzeit aufgehört werden.
Das muss man verwandeln.
Die fragen sich alle:
Warum passiert ausgerechnet mir das?

Aber da müsste man ja antworten: 
Warum soll es ausgerechnet dir nicht passieren, oder?
Das ist doch so,
so kann das doch nicht ewig weiter gehen.

U: Danke.
Dein Sohn Manfred ist früh gestorben,
wie bist du damit fertig geworden?

E: Tja, ich habe versucht, es hinzunehmen,
aber es hat weh getan, immer.
Nur: Sollte ich das immer wieder aufreißen?

U: Warum hat er getrunken?

E: Das war seine Form, beleidigt zu sein.
Das war sein Weg.

U: Diese Ahnenlast:
Für wen gilt die?

E: Alle Männer tragen sie!
Aber auch die Frauen tragen dazu bei,
dass es nicht aufhört.
Das ist ganz verzwickt.

U: Wer hat dich im Jenseits empfangen?

E: Meine Mutter.

U: Was machst du im Jenseits?

E: Ich lerne.

U: Was lernst du?

E: Das Träumen.

U: Das verstehe ich nicht…

E: Dass das, was ich träume, Wirklichkeit wird,
wenn es mit den Träumen Anderer zusammen kommt…
Nein, das könnt ihr nicht verstehen.
Wir sind zusammen und schaffen neue Welten!

U: Willst du deiner Schwiegertochter noch etwas sagen
oder Linda und Harry?

E: Das Wichtigste habe ich gesagt. 
Ich will mich bedanken
und ich will sagen:
Dass Alles seinen Sinn hat,
auch wenn man den nicht immer versteht.

Alle lernen von einander,
Jeder trägt seinen Teil dazu bei.
Ich habe keine Möglichkeit mehr,
in der Not zu helfen,
aber ich war gerne bei euch.

U: Wolltest du mit dem Ausschlag der Pendeluhr
zu ihnen durchdringen?

E: Na ja, das war aber nicht möglich.
Aber es geht darum, dass ich euch immer
– wenn ihr so verbittert und so beleidigt wart,
weil ihr nicht so geehrt werdet,
wie es euch zusteht –
ich euch warnen wollte.

Seid ruhig wütend darüber,
aber nicht beleidigt.
So was zerfrisst dich!
Das ist wirklich so!

U: Sie bereuen es,
dass sie sich nicht mehr um dich gekümmert haben.

E: Ach, ist schon gut.
Das ist eben so, wenn man Alt ist.
Aber wenn sie da waren, dann war es  gut.

U: Linda hatte Krebs,
eine Fehlgeburt, im Job geht es auf und  ab.
Warum haben wir so viel gelitten?

E: Siehst du, das meine ich.
Die sehen einen  Zusammenhang, wo gar keiner ist!

Es ist keine Strafe, es ist auch keine Last,
die ihr für Irgend wen auszutragen habt.

Seht euch mal um: 
Alle Menschen leiden unter Irgend was!
Einfach Alle erleben Unglück, Krankheit, Demütigung.
Früher oder später erleben das fast Alle,
dass das Leben schwierig wird, dass es Herausforderungen gibt…
Aber entweder seht ihr es, wie es ist:
Dass es zum Leben gehört
und dass es einfach ein Teil der Schule ist,
die ihr Leben nennt…
Oder ihr glaubt, 
hinter allem eine Strafe zu wittern, die ungerecht ist!

Ach bitte:
Versucht, da raus zu kommen!
Das macht krank!
Es ist nicht so,
weil ihr davon vom Schicksal auserwählt seid…
Oder weil ihr das anzieht,
weil ihr was falsch macht.

Ihr macht nichts falsch!
Das ist einfach das Leben!
Die Frage ist doch,
wie ihr aus allem das Beste machen könnt.

Linda, du kannst dich darüber grämen,
dass du Krebs hattest
und dein Kind verloren hast…

Aber du kannst auch schauen,
wie du daraus nun am Besten dich weiter entwickelst…
Und ich rate dir dazu,
das als Hinweis zu sehen:
Nicht alles, was Wut ist,
zu unterdrücken,
sondern es raus zu lassen,
wenn es hoch kommt.

Harry, du hattest andere Vorstellungen
von deiner Zukunft und vom Leben.
Du bist ein guter Junge
und du bist sehr begabt!

Aber das Leben stellt dich an einen anderen Platz,
als du gehofft hast.
Jetzt nimm das mal als Anlass, darüber nachzudenken:
Wie du das Beste aus der Situation für dich selbst machen kannst.
Anders geht es doch nicht!

Ist das nicht so?
Wenn alle Menschen unter dem Krieg leiden,
dann kommt keiner auf die Idee,
sich als besonders Ungerecht behandelt zu fühlen,
weil er zum Beispiel zu wenig zu essen hat.
Es geht ja allen so!

Aber in der Zeit jetzt
leiden doch auch Alle an irgendwas,
kommt jeder an seine Enttäuschungen.
Die Frage ist, wie man dann trotzdem
das Beste aus dem Leben macht.
Sich mit Anderen zu vergleichen, was bringt das denn?
Macht das denn glücklich, wenn man hat,
was Andere gut finden?

Ach, nein, das macht es gar nicht.
Der Eine hat,
was dem Anderen fehlt!
So ist das!

Guck mehr auf das, was du hast
und tu alles, damit du es behältst!
Was macht dich denn glücklich!?

U: Danke Erna,
das scheint dir sehr wichtig zu sein.

E: Ja, jetzt kannst du wohl nicht mehr, was?

U: Nein, alles, was du jetzt noch gibst, kommt durcheinander.
Ich spüre nur,
dass es um deine Schwiegertochter geht.

E: Das gilt auch für sie:
Das Beste draus machen,
die Vergangenheit lässt sich nicht ändern.
Das Glück kommt nicht durch Andere,
das kommt nur durch Einen selbst!

U: Gut, dann danke ich dir, Erna,
und wünsche dir eine segensreiche Umgebung.