Gefühl

Elia – Das Alter als Freude erleben: Das ist eine unglaubliche Frechheit!

Das Alter als Freude erleben:
Das ist in deiner Zeit und deiner Welt
eine unglaubliche Frechheit.
Da stehst du gegen den Wind.
Du lachst und bist im Frieden mit dir!
Du schaust dein graues Haar an und lächelst,
du schaust deinen Körper an und lächelst.
Ja sag einmal:
Was ist denn mit dir los?
Elia

Zu Gast sind Ingrid und Agnes.

Elia: Einen wunderschönen, gesegneten und erfreulichen Abend,
meine liebe Ingrid.
Und auch dir, mein Freund, ein fröhliches Sein.

Ich begrüße mit Freude Mutter und Tochter.

Und ich möchte – liebe Ingrid, du verzeihst mir sicher –
in besonderer Weise dich, liebe Agnes, sprechen.

Das Alter als Freude erleben:
Das ist in deiner Zeit und deiner Welt eine unglaubliche Frechheit! Weißt du das?
Da stehst du gegen den Wind.
Du lachst, du bist im Frieden mit dir!
Du schaust dein graues Haar an und lächelst,
du schaust deinen Körper an und lächelst.
Ja sag einmal: Was ist denn mit dir los?

Sieh nur, du bist ein Vorbild!

So viele Menschen fürchten sich vor dem,
worüber du milde und freundlich zu lächeln weißt.
So viele Menschen leben in beständiger, täglicher Angst davor,
ihre Schönheit, ihre Kraft, ihre Klugheit zu verlieren!

Und du?
Du sagst „Danke“!

Ich möchte, dass du weißt:
Dass dies dein ganz besonderes Geschenk ist an deine Kinder,
an deine Enkel, aber auch an allen Anderen, die dich kennen.

Sie mögen den Kopf schütteln, sie mögen sich fragen:
„Was ist nur mit der los?“

Lass sie nur!
Du bist ein Vorbild!
Und darum freuen wir uns mit dir.

Und wir loben dich für das,
was du jetzt und heute bist und weitergibst.
Dein ganzes Sein sagt Jedem, der es hören will:
„Fürchtet euch nicht, sondern nehmt in Dankbarkeit an,
was euch zugeteilt ist!“
Wir danken dir!

Und du, meine liebe Ingrid,
kommst mit besorgtem Herzen zu mir!
Und mit deinem dir seit jeher innewohnenden Kampfgeist! 
Auch dir danke ich.
Denn du hast richtig verstanden:
Es muss, wenn es dunkel wird, mehr Licht gemacht werden.

Und du hast es in dir gespürt.
Dafür bist du verantwortlich, denn keiner weiß, dass es so ist.
Ich danke dir für all die Anstrengungen, Mühen und auch Verzichte,
die du leistest, um dem Licht zu helfen.

Und wir wollen alles tun:
Damit dieses Licht so hell wie möglich strahlt! 
Ja?

I: Ja.

E: Gut.
Dann bitte ich dich, liebe Agnes,
zuerst deine Frage zu stellen in der Hoffnung,
dass ich Utas Stimme laut genug bewegen kann,
dass du mich verstehst.
Wenn du etwas nicht verstehst, dann frage bitte, ja?

A: Ja.

E: Gut, ja?

Ingrid: Ich sage die Fragen meiner Mutter,
denn sie hat keine Brille dabei.

Wie kann ich mich verhalten,
da Harald überhaupt nicht auf Vorschläge reagiert?
Was mache ich falsch?
Wie kann ich ihm, bzw. uns helfen?

E: Ja…
Dieser Satz: Den hätte Zweifels ohne
meine geliebte Gattin Luise auch sagen können.
Was soll ich nur tun, dass er auf mich hört?!

Ja, liebe Agnes:
Kann man aus einem Korb voll Äpfel ein Birnen-Kompott machen?
Kann man das?

A: Nein.

E: Nein!
Nein, das kann man nicht.
Man kann allerdings damit beginnen,
das Apfel-Kompott zu akzeptieren.
Außer in all jenen Dingen, die dich selbst angehen.

Ich weiß: Gerade in gesundheitlichen Fragen
fällt es dir oft schwer, zu akzeptieren,
was seine Entscheidungen sind oder seine Ansichten.

Aber des Menschen Wille ist frei!
Und das gilt es, wirklich zu beachten.

Du machst Vorschläge, die er durchaus hört.
Du machst Angebote,
du versuchst sogar diplomatisches Entgegenkommen.
Aber wenn er überhaupt antwortet, dann mit: „Nein“.

Des Menschen Wille ist frei, auch in einer solchen
– du verzeihst mir sicherlich, wenn ich es so nenne – 
Ehe.
Denn vor Gott seid ihr Mann und Frau.

Es ist sehr, sehr schwer, den Willen eines Menschen zu akzeptieren,
wenn man weiß: Das ist nicht gut für ihn!

Wenn der Wille nicht gut für dich ist:
Nun, dann musst du deine Entscheidungen so treffen,
wie du sie für dich richtig empfindest! 
Das ist nur konsequent!

Und konsequent: Das allerdings musst du sein!
Aber wenn es um ihn geht, dann tust du schon, was du kannst.
Aber es bleibt dabei:
Es ist das Apfelkompott,
ein Birnenkompott wird’s niemals.

Manchmal mag es dir helfen,
wenn du bei deiner positiven Sicht bleibst! 
Er ist immerhin… da.
Er ist in seiner Art und Weise dir gut.
Und er hat dich auch in schwierigen Zeiten nicht verlassen.
So magst du das Gute fest in der Hand halten
und darüber milde werden, was das weniger Gute angeht.

Die Eigenheiten des Alters sind ein Thema,
das wir nicht unterschlagen wollen.
Du bist von einem frischen, wachen Verstand!

Immer noch?
Nein – immer mehr!

Wenn ich dein Sein als fünfundzwanzigjährige Frau
mit heute vergleiche, dann frage ich mich:
„Ja, wie hat sie das gemacht? Sie ist ja jünger als damals!“

Denn dein Denken und Fühlen, deine Interessen:
die sind jung und lebendig.

Da kann er nicht mithalten.
Da ist er langsamer.

Sag mir, meine Liebe:
Wenn zwei Menschen auf einen Berg steigen müssen,
weil das Ziel ganz wichtig ist!
Und der eine Mensch, der kann, weil er schwache Füße hat,
nicht so schnell wie der andere Mensch gehen.
Wer bestimmt dann das Tempo?
Was meinst du?

A: Ich helfe dem Anderen.

E: Ja!
Der Langsame gibt vor, wie schnell es gehen kann.
So ist es!

Und, ja: Sieh mal, das machst du ja schon.
Das ist gar keine Frage!
Das tust du mit solcher Selbstverständlichkeit,
dass du es nicht einmal merkst.

Aber du bist unzufrieden damit!
Das ist ungewöhnlich, Agnes!

Weißt du, so sehr ich meine Frau Luise liebte:
Als wir beide alt waren,
da war ich manchmal recht unzufrieden mit ihr.
Sie ähnelte, je älter sie wurde, umso mehr meiner Mutter.

Sie sorgte und tat und machte!
Sie versuchte, mich zu behüten wie ihren Aug-Apfel.

Und je mehr sie dies tat, um so unzufriedener wurde ich.
Denn sie schien etwas nicht mehr in mir zu sehen,
was sie früher doch gesehen hat:
Den Mann in mir.

Alles, was sie sah, war mein Magen,
der nicht mehr so viel vertrug.
Und meine Gicht, die sie mit allerlei Salben und Tees bekämpfte.
Wohl sah sie meine Weisheit noch, aber nicht mehr den Mann.

Und das war etwas:
Das war eine große Bewährungsprobe in unserem Leben.

Und so gehörte die tägliche Unzufriedenheit miteinander
in den letzten Jahren unseres gemeinsamen Lebens zum Alltag.

Bis sie einmal sehr krank wurde und es fast schien,
dass ich mich verabschieden muss von ihr für immer.
Und ich ertappte mich dabei,
dass mir das tägliche Unzufrieden sein fehlte.

Da begann ich, zu lächeln!

Ähnlich wie du darüber lächeln kannst, dass dein Haar grau ist,
weil es dazu gehört.
Man kann sogar das lieben, was Unzufrieden sein lässt!

Und man kann sogar diese Unzufriedenheit vermissen!

Liebe ihn so gut du kannst – treu und fürsorgend –
aber auch kopfschüttelnd.
Übe Nachsicht und sei dankbar!

Aber bleib auch dabei, dir das vom Leben zu nehmen,
was du als die wachere, temperamentvollere Jüngere brauchst!

Denn auch dein Wille ist unantastbar!