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Schutzengel – Das Selbst: Es geht verloren, wenn die Wahrnehmung nur noch dem Spiegelbild entspricht.

Das Selbst:
Es geht verloren,
wenn die Wahrnehmung nur noch
dem Spiegelbild entspricht.

Die essenziellen Fragen:
Wie fühle ich mich,
wonach sehne ich mich,
worauf hoffe ich,
was benötige ich,
um mich SELBST zu wissen,
zu lieben,
wird sekundär.

Was zählt, ist eben nicht:
Wie sehe ich die Welt?
Sondern:
Wie sieht die Welt mich!

Schutzengelkontakt

 

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Tamara zu verbinden.
Tamara bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe auf einer grob gepflasterten schmalen Straße,
hinter mir geht ein Hang steil in die Höhe,
direkt darüber sehe ich hohe Mauern einer Burg.
Rechts von mir mündet der Weg in einem großen Tor,
das von behelmten Soldaten bewacht wird.

Unterhalb vom Weg liegen Häuser mit mittelalterlich verwinkelten Gassen, dann ein Fluss und wieder ein Berg auf der anderen Uferseite.
Auch hier eine Burg, aber wesentlich kleiner als die Anlage,
die sich über mir erstreckt.

Am Straßenrand stehen viele Menschen,
Kinder mit Blumen in den Händen, es ist laut und fröhlich.
Fahnengeschmückte Häuser und Zinnen,
es scheint so, als würde eine wichtige Persönlichkeit erwartet…

Suchend sehe ich mich nach jemandem um, der ein Guide sein konnte.
Das ist schwierig in dieser Menschenmenge.
Schließlich sehe ich auf einem großen Stein einen Mann,
gekleidet in schmalen Beinkleidern
und einem in viele Falten gelegten Oberteil sitzen, der mir zuwinkt.

Er hat hellbraunes Haar,
das fast wie bei einer Frau in Wellen bis auf die Schulter fällt.
Aber sein Gesicht ist keineswegs weiblich, sondern ernst und würdevoll.
Die Augen durchdringend, klar, dunkel, kritisch.

Ich setze mich neben ihn…

G: Da bist ja!
(Er sagt das, ohne mich anzuschauen, sein Blick geht die Straße hinunter.
Dort sammeln sich immer mehr Menschen,
Fanfarenbläser gesellen sich dazu.
Und schließlich setzt sich der Zug der Menschen in Bewegung,
dem Tor entgegen…

U: Bist du Tamaras Guide?

G: Pst, ja, bin ich, aber pass auf, sonst wirst du sie verpassen…

In diesem Moment haben die Fanfarenbläser uns erreicht.
Es folgen acht junge Mädchen, Blumen bekränzt in hellen Kleidern.

Und dann wird eine Sänfte an uns vorbei getragen, kostbar verziert.
Darin sehe ich nur einen flüchtigen Augenblick lang
eine junge Frau im hellen, antik wirkenden Kleid.
Ein weißer Schleier verdeckt vollständig das Haar,
dennoch ist mir sofort klar, dass es Tamara ist:
die Augen, der Mund, das Kinn, nur die Nase ist anders.

Genau in diesem Moment verändert sich die Kulisse.
Jetzt bin ich in einer Art Werkstatt.
Bilderrahmen stehen an Wänden leer und ohne Leinwand,
es riecht nach Farben und Ölen…

Am Fenster steht eine Staffelei.
Ich sitze auf einer einfachen Holzbank, an einem grob gezimmerten Tisch,
auf dem viele Skizzen liegen: Gesichter, aber auch Landschaften.

Der Guide stellt mir einen Tonbecher mit Wein hin, dann hebt er den Stoff, unter dem das Bildnis verborgen war.
Das Bildnis hat große Ähnlichkeit mit eben jener jungen Frau,
die ich eben in der Sänfte sah.
Nur ist sie jetzt mit einem Helm dargestellt, unfertig ist dieses Bild,
dennoch bezaubernd schön…

Mit einem Lächeln deckt der Guide es wieder zu und setzt sich zu mir.

G: Du kannst mich Sandro nennen.
Dies hier ist meine Werkstatt.
Ich hoffe, du interessierst dich ein wenig für die Kunst?

U: Ja. Du warst Maler?

G: Unter anderem, ja…

U. War das eine Hochzeit und in der Sänfte die Braut?

G: Hm… Nein, nein, ein Turnier!
Und sie war sozusagen der allegorische Preis:
Sie war DIE SCHÖNE!

U: Was meinst du mit allegorischem Preis, ich verstehe es nicht.

G: Wie solltest du auch.
Dieses Turnier diente im Grunde nur einem einzigen Zweck.
Es sollte der Anlass sein,
dass einer der reichsten und mächtigsten Männer des Landes die Frau,
die als die Schönste des Landes galt, als sein EIGENTUM vorstellt!
Der breiten Öffentlichkeit sozusagen…

U: Es handelt sich also um eine Liebesgeschichte?

G: Nein, es handelt sich um Missbrauch!
Dem Missbrauch an der Seele einer schönen Frau.
Simone wurde schon als Kind verheiratet
an vermutlich den einzigen Mann des Landes,
der NICHT von ihrer Schönheit angezogen wurde.

Aber sie war einfach ein optisches Juwel
und so wurde sie das Modell vieler Künstler.
Auch meines.

Du musst verstehen:
Für uns war die natürliche Darstellung des Menschen eine Revolution!

Es ging NICHT mehr darum, Heiligenbilder darzustellen!
Es ging darum, die ganze Schönheit des Menschen in Würde abzubilden,
wie es einst in der Antike geschah.
Und Simone war perfekt und ihr Gatte fühlte sich durchaus geschmeichelt,
dass seine Frau, von der er ansonsten nicht begeistert war,
die Vorlage für die Abbildung der Göttinnen der Antike wurde:
Venus, Minerva, sogar Kleopatra!

Und Simone:
Sie war so jung, so unbeschwert,
sie fand es einfach wunderbar, mit uns Künstlern zu arbeiten.
Sie fand es auch wunderbar, ihren Körper zu zeigen!
Sich in ihrer ganzen Schönheit zu präsentieren
und dafür bewundert zu werden, gefiel ihr anfangs sehr gut.

Das kannst du durchaus mit den jungen Mädchen vergleichen,
die ihr heute Models nennt.

Aber, Simone war eben NICHT nur das Abbild der Weiblichkeit,
sie war durch und durch Frau!
Ihr ganzes Wesen, ihr ganzes Sehnen galt,
sich als als Empfangende zu erleben.
Die Küsse und Umarmungen, die Liebe und das Verlangen,
empfangen zu dürfen, sich ihr hinzugeben mit aller Kraft und aller Macht,
die in ihrer Weiblichkeit lag.

Kannst du dir vorstellen, wie das war in meiner Zeit?
Für euch in eurer Zeit scheint es leicht zu sein,
euren Bedürfnissen zu folgen.
Wenn ihr jung seid und beginnt, euch danach zu sehnen,
dann werdet ihr nicht eher ruhen, als bis ihr den findet,
der eure Sehnsucht stillt.
Nichts ist daran verderblich, niemand, der euch daran hindern würde.

Zu meiner Zeit aber und in meinen Kreisen
durfte ausschließlich der Gatte das spenden,
was empfangen werden wollte.

Simone wusste, dass sie da nichts zu erwarten hatte.
Aber eine Frau in solcher Unerfülltheit sehnt sich dennoch weiter
und sie verliebt sich, das bleibt nicht aus.
Zuerst in mich (lächelt).

Aber auch ich war nicht der Geeignete, ihre Sehnsucht zu stillen…

Und dann eben in jenen Mann
aus der vornehmsten und reichsten Familie der Stadt.
Nur: Auch er war verheiratet!
Und was erschwerend dazu kam:
Diese Familiendynastie stand in engster Verbindung mit dem Vatikan…

U: Liebte dieser Mann denn die Simone?

S: Nein, er verehrte sie!
Das heißt: ihren Anblick…

Er vergötterte sie!
Das heißt: ihr Äußeres…

Und so empfing auch nur ihr Äußeres,
was ihr Innerstes so sehr ersehnte.

Ihre Seele blieb hungrig.
Die Göttin war sie ihm, nicht die Frau.

Es war eine furchtbare Inkarnation für die Seele.
Denn sie liebte ihn SEHR!

Eine platonische Beziehung!
So nannte man das, was beide verband.

Eine völlig verdrehte Vorstellung von dem,
was einen Menschen in seinem tiefsten Wesen ausmacht,
war die Ursache.
Das war – du würdest sagen: krank!

Er wollte nie wissen,
was sie denkt,
was sie glaubt,
was sie hofft.
Er wollte nie wissen,
wie dieser von ihm so verehrte Körper sich anfühlt,
wenn er neben ihm liegt.
Oder wie dieses perfekte Gesicht aussieht,
wenn es weint
oder im Zorn schreit
oder aus tiefster Liebe heraus selig lächelt.

Er wollte das lebende BILDNIS einer Frau,
nicht die Frau selbst.

Sie aber hoffte weiter!
Sie tat alles, um ihn zu einer seelischen Reaktion zu bringen.
Sie lernte, wurde eine der gebildetsten Frauen überhaupt.
Sie verwöhnte seinen Geist, nicht nur sein Auge.
Und sie hoffte, sein Herz so doch endlich, endlich zu erreichen.

Und dann schließlich, in einem – wie er danach sagte –
„schwachen Augenblick“ gab ER sich IHR hin.

Verstehst du?
Das war eben wieder nicht die Erfüllung ihrer Sehnsucht!

Sie geriet außer sich vor Wut.
Sie begann einen sehr unklugen Streit!
Und sie fing an, Forderungen zu stellen!
Sie wollte das Recht durchsetzen, als offizielle Mätresse zu gelten.
Sie drohte, erpresste,
suchte listig nach verwundbaren Stellen und
verlor dabei Alles.

Zuerst ihren Glauben daran, dass es RICHTIG war,
sich nach Liebe zu sehnen.

Dann schlug seine Bewunderung in kalte Abneigung um:
Die Göttin war entzaubert.
Das Antlitz der enttäuschten, zornigen Frau
hatte nichts mit dem Bild seiner Göttin zu tun.

Sie verlor die Solidarität ihres Gatten,
die Sympathien der Künstler und
zuletzt die Bewunderung der Bevölkerung der Stadt.

Der Schmerz, in dieser Weise zurückgewiesen zu sein,
war unendlich groß für ihre Seele!
So tief und tragisch, dass sie sich bis heute nicht davon erholt hat.

In dieser Seele ist nicht die Zurückweisung des eigenen Wesens
zum Schmerz geworden, den es zu meiden gilt.
Sondern die Lösung scheint darin zu liegen,
SELBST das eigene Wesen zu meiden,
sich selbst mit den Augen des Künstlers zu betrachten,
das Vollkommene darstellend,
das Vollkommene immer mehr und mehr zu perfektionieren MÜSSEN.

Dem BILDNIS der Weiblichkeit mehr und mehr zu entsprechen,
ohne die eigene, tiefste Weiblichkeit noch zu kennen.

Das Selbst, es geht verloren,
wenn die Wahrnehmung nur noch dem Spiegelbild entspricht.

Die essenziellen Fragen:
Wie fühle ich mich,
wonach sehne ich mich,
worauf hoffe ich,
was benötige ich, um mich SELBST zu wissen, zu lieben,
wird sekundär.

Was zählt, ist eben nicht:
Wie sehe ich die Welt, sondern:
Wie sieht die Welt mich!

Sie ist gekommen, herauszufinden, wie ihr Wesen Erfüllung findet.
Denn die Irrfahrt durch das Spiegelkabinett soll ein Ende haben.

Ihre Seele hat dies in der Folge der letzten Inkarnation erkannt.
Und nun ist sie als Tamara in eure Gesellschaft geboren
mit dem festen Vorsatz, sich selbst als Frau zu finden,
ihre Weiblichkeit zu leben.
Eben nicht nur körperlich,
sondern das Körperliche spirituell zu erfahren.

Das ist ein gewaltiger Wandlungsprozess, der keinesfalls leicht ist.
Er kommt der Wiedergeburt des Phönix gleich
und mir ist sehr klar, dass sie schwer darunter leidet,
sich davor zu fürchten,
dass nur Asche bleibt und nie die Befreiung kommt.

Wenn ich vom Wesen des eigenen Weiblichen spreche,
dann sind darin alle weiblichen Wirkungsbereiche gemeint!
Nicht nur die im Verhältnis zum Männlichen,
sondern auch zum Mütterlichen.

Auch die Erfahrungen im Bereich der weiblichen Macht
ebenso wie die der Ohnmacht.
Und es geht wirklich nicht darum,
DAS Weibliche zu leben,
sondern gerade die Form,
die ganz und gar zu Tamara gehört.

In dieser Zeit der Renaissance
begann eine Veränderung im Bewusstsein der Menschen:
Wir entdeckten die Individualität des Einzelnen!

Noch nur in ersten Ansätzen…
Wir entdecken,
dass Gott in dieser unendlich großen Vielgestaltigkeit
uns ein wunderbares Geschenk gemacht hat.
Und das kam einer Revolution gleich!

Nicht umsonst habe ich diese Inkarnation gewählt,
um mein Anliegen zu erklären.

Tamaras Seele hat wenig Bewusstsein ihrer Individualität.
Oh, ich weiß, sie widerspricht mir jetzt aus tiefstem Herzen.

Aber:
Liebe Tamara, du DENKST individuell,
du handelst auch individuell,
das ist richtig.

Doch du fühlst noch nicht individuell!
Das wagt deine Seele nur sehr, sehr selten…
Die dahinterliegende Angst ist alt und tief.
Es ist die Angst vor Ablehnung,
die Angst vor Verstoßung.

Meine liebe Seelenfreundin,
was deine Seele nicht weiß:
Es gibt keine Verstoßung,
die dein Selbst zu Boden schmettert!
Es gibt keine Ablehnung, die dein Selbst zerstört!

Wovor sich dann fürchten?
Lass es uns gemeinsam wagen,
diesem Selbst zu helfen, in die Empfindung zu kommen.

Deine Empfindungen sind kein Trugschluss!
Sie mögen hier und da der Logik entbehren,
sie mögen sogar dir selbst lästig sein,
das gebe ich zu…

Aber sie sind auch sehr interessant,
sie sind auch gut und schön und reichhaltig.

Sie sind tief und wahr
und können sogar brennen wie Feuer
und leuchten wie die Sonne…

In jedem Fall sind sie DEINE!
Und nichts und niemand hat ein Recht,
den Wert, den sie dir haben, anzuzweifeln!
Auch du nicht!

Du möchtest so sehr eine faire Persönlichkeit sein
und das ist durchaus lobenswert.
Aber an dieser Stelle bist du nicht fair!
Zu dir nicht!
Ich fühle, was ich mir erlaube!

Und ich erlaube mir,
was mir meinen Anblick im Spiegel erträglich macht?

Nein, nein, liebe Seele.
Ich fühle, was ich fühle!
Warum fühle ist so und nicht anders?
Und welches Gefühl liegt noch tiefer unter diesem Gefühl?
Was will dieses Gefühl?
Mich schützen?
Vor was?

Mich erfreuen?
Worüber?

Mich erinnern?
An wen oder was?

Mich ermahnen?
Wozu?

Deine Empfindungen sind der Schlüssel zu deinem Selbst.
Sie sind nicht das Selbst,
aber sie geben Auskunft über dein tiefstes Wesen.

Wann hörst du auf, zu glauben,
dass dieses tiefste Wesen eventuell ein Monster sein könnte?
Erst wenn du beginnst,
dem vermeintlichen Monster ins Gesicht zu schauen!

Du wirst feststellen:
Es ist keine Schreckens-Gestalt! 
Das einzig „Monströse“ daran ist
die Angst deiner Seele vor der Wahrheit deines Wesens.

Das Wesen selbst ist gut und treu sich selbst,
Gott und der Schöpfung gegenüber.
Es trägt in sich das Feuer der Liebe zu allem,
was wahr, schön und rein ist.

Es ist hell und leicht!
Es belastet nicht: weder sich selbst noch Andere…

Aber es ist auch zu vielschichtig,
um irgendeinem Wesen je ganz gleich zu sein.

Das „Schrecklichste“ an deinem Wesen ist,
dass es ANDERS ist!
Anders als Andere!
Genau, wie diese es auch sind!

Ich bin bei dir,
weil ich dich gebeten habe, dein Guide sein zu dürfen.
Denn ich trage mit Verantwortung
für die Entwicklung deiner Seele.
Ich war Teil jener Kräfte, die dir die Vorgaben gemacht haben,
„Göttinnen gleich“ zu sein.

Dir jetzt dabei zu helfen, dein Mensch sein
als göttlich genug zu lieben,
ist mir eine heilige Aufgabe.

U: Vielen Dank, Sandro,
ich würde jetzt gerne die Fragen von Tamara stellen.

S: Gern.

U: Tamara fragt: Was macht mich so ambivalent
und Entscheidungen so schwer
wie in der Trotzphase eines Kleinkindes?
Nichts geht mehr!
Das kenne ich an mir schon so lange.

S: Tamara, wie sollst du NICHT ambivalent sein,
wenn du selbst die Wichtigkeit und das Recht,
den Bedürfnissen deines Wesens zu folgen,
beängstigend findest?

So willst du Einerseits bleiben
und gleichzeitig gehen,
willst du Einerseits lieben
und Andererseits dich distanzieren,
willst du dich weiterentwickeln
und Andererseits stehen bleiben.

Du willst DU sein,
aber du schaust nicht nach
dem DEINEM IN DIR,
sondern nach dem AUSSEN!
Das, was du in den Augen der Anderen bist!

Nicht: WAS wirke ich,
sondern: WIE wirke ich…

In der Folge wirst du zornig,
denn du spürst keinen Nachhall,
wenn du dem gefolgt bist,
was die beste Außenwirkung hatte…

Erinnerst du dich?
Am Anfang hast du noch geglaubt,
dass es dich weiterbringt,
das AUSSEN zu wechseln.

Aber das Bild einer Göttin
bleibt ein Abbild,
das nie GANZ korrekt sein kann,
ganz egal, wer dieses Abbild deiner Selbst entworfen hat.

Als ich dich malte,
malte ich MEINE Vorstellung von dir
mit in meine Bilder ein!
Das warst nie du,
das war immer nur
MEINE Sicht deines Du´s…

U: Tamara fragt:
Die Diagnose meiner Tochter hat mich überfordert,
lange Zeit schien alles aufzubrechen,
ein Stopp und Rückzug war mein Ausweg.
Ich hab Neues kennen gelernt, mit mir gearbeitet.

Ich hab mich gegen ein weiteres Kind entschieden,
weil ich die Grenzen
von meiner Kraft und Machbarkeit kennengelernt habe:
meine Begrenztheit der Hoffnung und Zuversicht,
gar der Liebesfähigkeit.

Vor allem musste ich eine Phase
destruktiver Aggression
an mir wahrnehmen!
Mein Sohn, bald sieben Jahre, hatte es zu spüren bekommen.

Was mache ich nur mit dem „Potenzial“?
Ich mag keine Zerstörung und Jähzorn!
Wie wandelt man so was?

S: Tamara, du kannst nicht wandeln, was Potenzial IST.
Du kannst es aber als Werkzeug benutzen.
Fürchtet sich ein Krieger davor, dass er ein Schwert hat?

Nein!
Alles, was er fürchtet, ist:
Zwischen Freund und Feind nicht unterscheiden zu können!

An deinem kämpferischen Wesen kannst du nichts ändern,
das liegt in dir!

Was du verändern kannst, ist dein Umgang damit!
Dieser Teil deines Wesens,
den will keiner in sein Abbild von dir hineinmalen.
Und weil das so seit deiner Kindheit ist,
meinst auch du selbst,
er sei durch und durch Unwert.

Aber er ist viel Wert,
solange er unter deiner Einsatz-Befugnis steht!

Aber wo ist sein Platz bisher?
Weit, weit weg!

Kann man beobachten, was ein Gast tut,
den man zwar eingeladen hat,
aber nicht zu Tisch bittet?
Sondern dem man einfach ungeordnet
Zugang zu allen Räumen bietet,
während man selbst an der Tafel sitzt?

Nein, natürlich nicht!

Deinem Zornesmut fehlt gänzlich deine Wertschätzung.
Natürlich macht er sich gerade dann bemerkbar,
wenn du ihn am wenigsten Wert findest!
Er kommt genauso,
wie du es ihm beigebracht hast!

Du hast zu ihm gesagt:
Du bist hier in meinem Hause
der böse Gast!

Warum?
Setz ihn dahin, wo er hingehört:
Dein Leben zu verteidigen,
deine Kräfte zu schützen,
deine Ressourcen vor ERNSTEN Angriffen zu bewahren…

Dein Zornesmut hat keine Ahnung,
was du von ihm willst!

Also macht er es so,
wie du meinst,
dass er seinem Wesen nach ist.

U: Noch mal zur Tochter.
Sie wird bald 4 Jahre und hat vor ein paar Tagen,
als ich verzweifelt war, gesungen:
Ich hab alles, was ich brauch und einen Bruder hab ich auch…

Sie gibt mir Kraft.
In der Zukunft stehen Fragen zur OP…

Und jetzt eben (ich fasse hier zusammen) ist mein Mann zum Kernspin.
Wir fragen uns,
was uns nicht mutiger und handlungsfähiger macht? 
Wir haben so viel!

S: Für deinen Mann darf ich nicht antworten,
für dich aber antworte ich.

Wie willst du zufrieden sein,
wenn du mit deinem WESEN
nicht Frieden machst?

Wie willst du mit deinem Wesen
Frieden machen,
wenn du versuchst, den Bildnissen,
die Andere von dir machen,
zu entsprechen?

Und wie willst du den Mut aufbringen,
zu verteidigen,
was WESENTLICH ist,
wenn du DEIN Wesentliches nicht beachtest?

Du fürchtest dein Selbst,
weil in dir die „Wahrheit“ nach Perfektion liegt:
GÖTTIN sollst du sein
und musstest doch sehen:
Dafür reicht es nicht.

Darüber kannst du klagen, gewiss.
Aber du könntest diese Erkenntnis
auch als große Befreiung betrachten!

Doch hier stehen dir sowohl
deine karmischen Fehlurteile über deinen Wert
als auch deine Erfahrungen
innerhalb deiner Grund-Familie entgegen
.

Wie viel UNMENSCHLICHES
wird von einer Frau und Mutter verlangt?

Venus soll sie sein und Athena und Minerva
und die heilige Maria…
Und warum sieht keiner – auch du nicht –
dass Tamara selbst in all ihrer
begrenzten Menschlichkeit göttlich genug ist?

Weil es verboten ist!
Von wem?
Von Dir und deinen Ahninnen!

Überprüfe bitte,
ob deine Gesetze diesbezüglich
wirklich deinem Selbst entsprechen…

Nein, das tun sie nicht!
Oder würdest du sagen,
dass du an Pia die gleichen Ansprüche stellst
wie an dich selbst?

Nein!

U: Frage: Wo ist der Platz, schon räumlich gesehen?

S: BEI DIR!
Es spielt keine Rolle,
wo du BEI DIR bist! 
Gerade darin findest du Freiheit…

U: Worin liegt die Aufgabe?

S: Im Authentisch SEIN.

U: Wo sind meine Gaben
und wie finde ich die Freude,
diese anwenden zu können?

S: Liebe Tamara, das Leben ist dir LEID! 
Solange du damit beschäftigt bist,
dich darüber zu empören,
dass diese Erde NICHT der Himmel ist
und du nicht Göttlich bist.
Solange KANNST du gar keine Freude an dir haben!

Freude daran haben,
was GUT UND RICHTIG ist,
das fällt sehr schwer mit deiner Vorgeschichte.
In der nämlich die eigene Persönlichkeit
nur dann vom „Himmel“ belohnt wurde,
wenn sie den Vorschriften entsprach.

Du wirst deine Gaben
erst als erfüllende Freude empfinden können,
wenn du Frieden mit der Tatsache machst,
dass auf der anderen Seite
dir auch Unvermögen und Grenzen gesetzt sind.

Du kennst deine Gaben,
ich muss sie dir nicht erklären.
Aber natürlich ist mir deine Gabe,
Schönheit in das Leben zu bringen,
die Wunderbarste.

Doch irr dich nicht!
Ich liebe dich nicht deswegen.
Ich liebe dich,
weil DU du bist inklusive deiner Begrenztheit.

Tust du das auch?
Nein!

Komm, lass uns daran arbeiten.

U: Manchmal frage ich mich,
ob ich zu viele Verhaltensweisen
einer Pech-Marie aus dem Märchen habe?
Aber ein Trotzkopf ist keine Pech-Marie!
Was steckt dahinter?

S: Das habe ich, wie ich hoffe, hinreichend erklärt.

U: Tamara bittet um den Segen für ihre Kinder,
für ihre Partnerschaft und ihr Tun.
Ist dafür eine Kirchenzugehörigkeit notwendig?

S: Der Glaube daran, von Gott geliebt zu sein,
ist notwendig!

Wird eine Zeremonie dir dabei helfen?
Es ist schwer für dich, zu glauben,
OHNE GRUND geliebt zu werden!

Aber Gott liebt uns VÖLLIG ohne Grund! 
Was hätten wir ihm auch zu bieten?

Was könnte ihn bezaubern?
Nichts!
Denn er sieht, wie weit wir von dem entfernt sind,
was er uns einmal sein lassen wird
und liebt uns dennoch!

Es ist sehr, sehr schwer,
von deinem Standpunkt aus
hier ins Vertrauen zu kommen!
Verlange nicht mehr von dir, als möglich ist.

Was ist Segen?
Tamara?
Segen bedeutet, zu bekommen,
was unsere Seele braucht,
um sich weiterzuentwickeln.
Nicht zu bekommen,
was unser Ego will!

U: Sandro,
ich würde gerne ihre nachgereichte Frage im Wort-Umfang reduzieren,
ich komme an Ende meiner Kraft…

S: Gut.

U: Was ist der tiefste Grund ihrer Krise
nach der Diagnose bei ihrer Tochter?

S: Liebe!
Sie liebt ihre Tochter so sehr!
Aber ihre Tochter ist kein Abbild einer Göttin!
Sie ist nicht fehlerfrei!

Ein Außenseiter kann nicht ermessen,
welch tiefsitzenden Ängste dies in Tamara aufgewühlt hat.
Und es ist kein Ausweg da!
Außer Einem:
Die eigene Betrachtung dessen zu ändern,
was perfekt ist!
Aber das verhindern die Schicksale der Frauen vor ihr!

Sie hat unendliche Angst davor,
dass ihre Tochter „verstoßen“ wird
und weiß sich gar keinen Rat.

Aber die Tochter ist da,
um Tamara zu BEWEISEN,
dass ihre Angst in die Irre geht.

Sie ist schön!
Eine wunderschöne Seele!

U: Wie kommt Tamara zu einem gesunden Selbstverständnis?

S: Tamara,
das ist nicht in reinen Erkenntnisgewinnen zu erreichen,
sondern, indem du deine Selbstbeobachtung veränderst.

Deine Tochter macht es dir vor,
findest du nicht?

Leg die geforderte Eitelkeit ab, meine Liebe,
die alte Eitelkeit,
dass immer alles Schön und Leicht und Heil zu sein hat!

Du wirst dich auseinandersetzen müssen
mit deinen Vorfahrinnen!
Und ihnen sagen müssen:
Es ist genug der traurigen, hartherzigen,
aber perfekten Frauen!

Und du wirst deiner Seele sagen müssen:
Die Furcht, ein Monster statt einer Göttin zu sein,
lege ich jetzt ab!

Ich mach Frieden damit,
dass es nicht reicht bei mir außer zu einem:
Mensch sein,
Frau sein.

Das ist das Ziel, Tamara! 
Und der Weg ist nicht mit einem Schritt getan.

Ich helfe dir auf deiner Suche nach deinem Wesen,
ohne dass ich je wieder ein Bildnis von dir mache.

Dein Engel!