Duale

Elia – Verliebt sein und die Angst vor Liebe.

Verliebt sein und
die Angst vor Liebe.

Verliebt sein bedeutet:
Etwas haben,
was viel wichtiger, größer und schöner ist,
als jeder alltägliche Schatten sein kann.

Es setzt im Menschen etwas frei
von jener unbändigen Lebenslust,
mit der eine Seele sich
zu einer Inkarnation entschließt.

Elia

Zu Gast ist Paula.

Elia: Guten Abend, liebe Freunde.

Paula: Guten Abend, Elia.

E: Das Leben ist wunderschön! Kannst du das sagen?

P: Puh… Da müsste ich ein bisschen ausholen…

E: Das brauchst du nicht.
Allein, dass du ausholen musst…

P: Hm, hm.

E: Das Leben ist wunderschön!
Das sollte ein Mensch wenigstens hin und wieder sagen.
Das ist eine seiner Aufgaben.

Die Suche nach persönlichem Glück ist ein Auftrag,
der in jedes Menschenherz gelegt wird.
Das hat nichts mit Egoismus zu tun!
Sondern das hat etwas damit zu tun:

Dass
– wenn alle Menschen sich erlauben würden,
nach ihrem persönlichen Glück zu suchen,
sie auch allen anderen Menschen diese Suche erlauben würden –
ihr dann eine wunderschöne Welt hättet.


Denn das persönliche Glück findet sich nur dort,
wo der Mensch das leben kann,
was in seiner Seele wahr ist,
wo er das verwirklichen kann,
was sein Teil Gottes ist.


Dem Einen ist dieses Glück,
Heiterkeit und Frohsinn genießen,
aber auch zu verbreiten.

Und wieder einem Anderen
ist es das größte persönliche Glück,
Weisheit zu sammeln, im Stillen zu wirken
und Weisheit weiterzugeben.


Wieder einem Anderen
ist es das größte persönliche Glück,
genießen zu können und Genuss zu bereiten.

Und so würde sich Eines zum Anderen fügen,
gäbe es nur die Erlaubnis dazu,
dass jeder sein persönliches Glück suchen darf.


Dann würde ich die Frage
„Kannst du sagen, das Leben ist wunderschön?“
niemandem stellen müssen!
Es wäre selbstverständlich!


Paula, worum es gehen wird, ist:
Dass du dir erlaubst,
auf deine Suche nach dem persönlichen Glück zu gehen.
Dass du dir die Erlaubnis gibst,
persönliches Glück finden zu wollen.
Das ist weit weniger egoistisch, als du meinst.
Denn nur so können auch die, die du liebst,
sich die Erlaubnis geben,
ihr persönliches Glück zu suchen.

Das soll meine Einführung sein.
Und nun will ich schweigend zuhören, was du mich fragst.

P: Erstmal möchte ich mich ganz herzlich bedanken,
dass ich überhaupt fragen darf und da sein darf.
Und dass das alles geklappt hat
und dass ich die Möglichkeit hab.
Also das ist mir ganz wichtig!


Ja, mit was fang ich jetzt an?
Ich fang jetzt mit dem an,
was mich einfach gefühlsmäßig so sehr beschäftigt:
mit diesem Mann, in den ich mich verliebt hab.


Ich frage mich: Wieso ist mir das passiert?
Ist das eine reine Projektion dessen,
dass ich irrsinnig bedürftig bin?
Sind meine Gefühle wirklich echt?
Also, ich empfinde sie ganz stark! 
Aber ich habe Angst, dass das nicht echt ist.

E: Gefühle lassen sich nicht lügen.
Ich bitte dich,
Uta nachher zu fragen!
Und sie wird dir dazu etwas sehr Wichtiges erklären.
Wenn es zum Beispiel darum geht, herauszufinden,
ob ein Verstorbener im Licht ist
oder ob er eine Beltseele ist,
dann gibt es Fragen, die sich auf die Gefühle beziehen.

Gefühle können nicht gelogen werden.
Also können sie auch nicht falsch sein.

Aber ich möchte differenzierter sein:
Verliebt sein ist schön!

Verliebt sein bedeutet: Etwas haben, was viel wichtiger,
größer und schöner ist, als jeder alltägliche Schatten sein kann.

Es setzt im Menschen etwas frei
von jener unbändigen Lebenslust,
mit der eine Seele sich zu einer Inkarnation entschließt.


Es setzt in einem Menschen
Fähigkeiten und Fantasien frei.
Es setzt Lösungsmuster frei und Kräfte,
von denen man vorher nichts wusste.

Verliebt sein verändert den Blick auf die Welt,
aber auch auf sich selbst und auf das Leben.

In dieser Weise geliebt werden von Jemandem,
der verliebt ist in uns, ist ebenso schön!

So wie dieser Eine dir all das ist,
was du dir wünschst:
intelligent und wissbegierig,
aufmerksam und Jemand,
der jedes deiner Worte ernst nimmt.

So wie du dich gewürdigt und erkannt fühlst,
so auch er…

Darum ist Verliebt sein schön und darum ist es etwas,
das dir deine Guidin in deinen Lebensplan geschubst hat.
Ohne dieses Ereignis wärest du
noch trauriger an dir geworden
und noch trauriger an der Welt.


Aber natürlich hast du Recht,
dass du als eine erfahrene Frau,
die du bist, auch Fragen stellst.
Natürlich hast du Recht,
wenn du hier auch eine Form der Projektion vermutest.

Auf beiden Seiten ist dies so.
Und dies ist immer so,
wenn Verliebt sein stattfindet!

Verliebt sein ist das Tor zur Liebe!
Aber es ist nicht gesagt,
dass durch dieses Tor auch gegangen wird.

Das Verliebt sein an sich aber hat einen guten Sinn:
Es heilt.
Es lindert tiefe Verwundungen.
Und es hält gerade jene Menschen auf,
die auf dem besten Grund sind, 
zu ihrem persönlichen Abgrund zu rennen.

Wer verliebt ist,
der will nicht sterben!

Kannst du es aushalten?
Das Verliebt sein? 
Dass vor dem Tor der Liebe stehen?
Kannst du das aushalten?

P: Also das macht mich jetzt sehr traurig,
weil ich das Gefühl habe,
dass es damit jetzt beendet ist!
Dass ich nicht die Möglichkeit habe,
durch dieses Tor zu gehen.

E: Das habe ich nicht gesagt! 
Ich habe dich gefragt,
ob du es aushalten kannst.

P: Vor dem Tor zu stehen?

E: Ja.

P: Ist damit jetzt gemeint,
immer vor dem Tor zu stehen
oder vor dem Tor stehen zu bleiben oder…

Irgendwie verstehe ich das nicht so ganz.

E: Jetzt soll es eine Zukunftsprognose bekommen.
Jeder Verliebte möchte diesen wunderbaren Zustand
für immer konservieren.
Hab ich Recht?

P: Wahrscheinlich ja.

E: Ja.
Aber die Wahrheit ist:
Diese Entscheidung,
durchs Tor zu gehen oder nicht,
die musst du treffen,
die muss er treffen,
die muss das Leben treffen!

Alles, was jetzt ist,
ist Verliebt sein
und das ist wunderbar!

Was jetzt ist,
ist wunderbar!
Was jetzt ist
und was in den letzten Monaten und Wochen war,
das ist außergewöhnlich köstlich.

Habt ihr Menschen je mehr als das Jetzt?
Nein, nein, das habt ihr nicht!

Jetzt ist ein Mann in dich verliebt,
der klug ist und sanft,
der aufmerksam ist und dem du wichtig bist.

Und jetzt bist du in einen Mann verliebt,
dem es sehr viel bedeutet,
dass eine Frau wie du Vertrauen hat! 
Störe dieses Glück nicht!
Sondern erlebe das Jetzt,
das darin möglich ist!

Dies ist mein Rat als Freund, ja?
Was das Morgen bringt,
hängt doch auch vom Jetzt ab, verstehst du?

Aber dir muss klar sein! 
Dass der Mann, in den du verliebt bist
– und umgekehrt für ihn die Frau, in die er verliebt ist –
nicht zum Alltag gehört!
Und das ergibt eine Sonderposition, nicht wahr?
Warum sich dagegen wehren?!
Warum nicht begrüßen,
dass es so ist, wie es ist?!

Das ist mein Rat! 
Ich weiß es ja: Wenn ein Mensch verliebt ist,
dann sucht er die Ewigkeit.
Aber mehr darf ich dir nicht sagen.

Deine nächste Frage bitte.

P: Ob du mir vielleicht etwas sagen kannst
zu den dauernden Ängsten, die ich habe?

E: Ja. Die Angst, nicht leben zu dürfen,
ist der tiefste Grund.
Die Angst, nicht sein zu dürfen: 
Das ist zum Einen die Folge deiner familiären Prägung.
Und das ist zum Anderen ein Ergebnis deiner Seele:

Ich darf nicht Ich sein –
Ich darf nicht sein!

Es fehlt die Bewilligung für Leben.
Und du suchst sie,
seit du Kind bist!

In dir ist so viel Schmerz.
Und du suchst in DIR den Grund.

Und dir ist,
als hinge unablässig ein Damoklesschwert über dir.
Dieses Damoklesschwert hat mit einem tiefen Mangel zu tun:
einem Mangel an inniger Zuwendung!
„Inniglich liebe ich dich.“

Das ist, was deine Seele sucht!
Jemand, der dir dies sagt! 
Und wenn es nicht wahr ist 
– wenn dies niemand sagen will – 
dann muss es doch einen Grund geben!

Ich möchte diese Frage ein wenig ändern:
Was beschützt meine Angst?
Angst als ein Schutz.
Wen schützt sie?
Wovor schützt sie?

Liebe Paula, die Angst vor Vernichtung,
die über dich kommt,
weil böse Mächte dies so wollen,
die ist sehr alt in deiner Seele und sehr, sehr tief.

Die Angst,
dass etwas in dir sich so verschuldet haben könnte,
dass niemand sagen kann „Ich lieb dich innig“,
die ist ebenso alt.
Und es wird sehr wichtig sein,
dass du verstehst,
dass du ein Recht darauf hast,
das Leben zu lieben!

Ehe es dir ein Anderer geben kann,
gib du es dir:
„Ich habe ein Recht, mein Leben zu lieben!“
Nein, mehr noch:
„Ich hab eine Pflicht, mein Leben zu lieben!“

Angst als Schutz für Andere! 
Solange du Angst hast,
zu sterben – bald, schnell, unerwartet –
solange du Angst hast, zu vergehen,
solange macht es keinen Sinn,
Kämpfe zu kämpfen,
deren Erfolge du nicht feiern kannst.

Ein Sterbender kämpft keine Kämpfe mehr.
Ein Sterbender macht keine Pläne mehr.
Ein Sterbender hat nur noch ein Ziel:
Raus aus diesem Leben zu gehen!

Die Angst zu vergehen,
schützt also jene,
die ein Interesse daran haben,
dass du nichts veränderst! 
Und da deine Liebe
und deine Verantwortung tief und groß sind,
nimmst du diese Angst, ja?
Hast du mich verstanden?

P: Ich glaube, nicht ganz.

E: Was verstehst du nicht?

P: Ich hab diese Angst,
weil ich mich nicht traue, zu leben?

E: Ja, zum Einen.
Und du traust dich nicht,
dein Leben zu lieben,
dich zu lieben,
weil du fürchtest,
damit Andere, die du lieb hast, zu verletzen.
Und weil du fürchtest,
dass es etwas geben könnte, das sagen würde:
Das hast du auch nicht verdient.

Die Angst, sterben zu müssen,
ist eigentlich eine Angst davor, leben zu dürfen!
Ja?

Ich hoffe, ich habe mich jetzt klar ausgedrückt.

P: Ja… ja.

E: Deine nächste Frage, Paula.

P: Das mit der Angst, Andere zu verletzen…
Was du gesagt hast,
führt zur nächsten Frage meiner jetzigen Familie
– also meiner Ehe –
die ich denke, dass ich die beenden möchte.

E: Kann man beenden,
was nicht ist?

P: Das ist etwas ironisch?

E: Nein.

P: Ich verstehe.
Ich meine, das Äußerlich zu vollziehen,
das schaffe ich irgendwie nicht.

E: Aha.
Darf ich ein bisschen detaillierter antworten?

P: Gerne.

E: Wenn ich sage,
man kann nicht beenden, was nicht ist,
dann bezieht sich das auf Ehe in eurem Sinne:
eine Lebensgemeinschaft
der gegenseitigen Wertschätzung.

Dies ist nicht der Fall.
Was aber der Fall ist:
Es ist eine gegenseitige Förderung auf minimalster Basis.
Eine Form von Förderung,
die zumindest die grundmateriellen Bedürfnisse
des jeweils Anderen abdeckt.
Dies ist das Eine…

Und die andere Form eurer Beziehung ist,
dass ihr euch gegenseitig genau dort fördert,
wo eure größten Schwächen sind.
Das ist nicht ungewöhnlich,
sondern häufig die einzige Ursache,
warum Ehen über sechzig Jahre funktionieren!

Damit sage ich nicht:
Das ist gut.
Sondern es führt dazu,
dass etwas verhindert wird,
das auch in euch Menschenherzen gelegt ist:
nämlich die Angst vor unabsehbaren Veränderungen.

Solange beide Seiten
Angst vor einer Veränderung haben
und diese Angst größer ist als das Bedürfnis,
sich auf die Suche nach persönlichem Glück zu machen,
solange existiert eine sehr dauerhafte Beziehung!

Es wird sehr wichtig sein,
beiden Ängsten auf die Spur zu kommen.
Es wird sehr wichtig für dich werden,
zu verstehen, wo dein Anteil liegt, ihn daran zu hindern,
sich auf die Suche nach persönlichem Glück zu machen.

Wo sein Anteil liegt, dich zu hindern:
Das weißt du ja.
Aber du musst auch die andere Seite sehen.

Liebe Paula, wahre Liebe besteht nicht darin,
einem anderen Menschen
in seiner Suche nach persönlichem Glück eine Barriere zu sein.
Auch wenn er darum betteln mag,
weil die Angst vor Veränderung so groß ist.

Wahre Liebe muss manchmal sehr schmerzhaft sein!

Wenn eine deiner Töchter sich verletzt hat,
die Haut aufgeschlagen ist,
was hast du dann auf die Haut getan?

P: Eine Salbe.

E: Ja.
Und das brannte manchmal.
Es half nichts!
Du hast es getan aus Liebe.

Jeder Mensch versucht, Schmerz zu verhindern,
Verlust zu verhindern,
Veränderung zu verhindern,
Angst zu verhindern.
Aber manchmal zeigt sich wahre Liebe gerade darin,
dass man diesen Ansprüchen nicht folgt! 
Dass Fairness,
die dir sehr wichtig ist – nicht wahr –
gerade darin bestehen kann,
dass man einmal auch etwas Schmerzhaftes tut,
weil sonst die Suche nach persönlichem Glück nicht nötig ist.

Diese Suche ist ungemein anstrengend! 
Und es kann so viel bequemer sein,
sich der Angst vor Veränderung fügen zu wollen.
Darum braucht es Menschen,
die den Mut haben,
in ihrer Liebe so weit zu schauen,
dass sie nicht nur tun, was der Andere verlangt,
sondern dass, was ihn fördern würde:
Endlich mit seiner Suche
nach dem persönlichen Glück zu beginnen.

Wenn du jemandem nicht sagen kannst
– in aller Wahrhaftigkeit –
„Ich bin die Antwort auf deine Suche nach persönlichem Glück“,
dann zeigt sich Liebe darin, dass du sagst:
„Ich helfe dir, dass du erkennst,
wie wichtig es ist,
dass du dein persönliches Glück suchst
und eben nicht mich damit verwechselst!“

Ja?
Hab ich jetzt dich ordentlich verwirrt?

P: Schon… ja.

E: Ja.
Ich wünsche mir
– auch im Namen deines Engels
und auch im Namen der Engel,
der Menschen, die du liebst –
dass du den Mut findest,
dein persönliches Glück endlich zu suchen! 
Es da zu genießen, wo es schon ist.

Sprich: Deine Verliebtheit zu genießen
und dankend anzunehmen
als ein Geschenk des Lebens an dich! 
Aber auch, wenn es darum geht,
in deine Wahrhaftigkeit kommen zu dürfen!

Ich wünsche mir,
dass du aus dem Schmerz heraus wächst,
den der Blick auf gestern dir bereitet.
Ich wünsche mir, dass du aufhörst,
zornig auf dich zu sein,
weil du nicht geändert hast,
was dir noch nicht zu ändern war.

Ich wünsche mir für dich ein Gefühl tiefen Mitgefühls
und Würde für dich selbst!

Damit du ein für alle Mal das Gefühl verlierst: 
Angst davor haben zu müssen,
dass du einen überzogenen Anspruch ans Leben stellst,
wenn du sagst:
„Jetzt suche ich mein persönliches Glück!“

Hast du noch eine Frage?

P: Ich bin jetzt ein bisschen im Dilemma.
Ich spreche es jetzt einfach mal aus.
Eigentlich hätte ich noch gerne gewusst,
was ich noch für eine Aufgabe in meinem Leben habe,
was ich für meine Töchter noch Gutes tun kann.

Aber ich merke,
dass in meinem Kopf noch das herum düst,
was ich gerade gehört habe
und vor allem das mit diesem Mann.
Das ist einfach so präsent in mir im Moment,
dass es alles Andere,
obwohl das vielleicht noch wichtiger ist,
in den Hintergrund drängt.

E: Das gehört zum Wesen des Verliebt seins.
Im Mittelpunkt steht eben dieses Du! 
Das macht ja so viel des Glücks aus,
das ihr erlebt, wenn ihr verliebt seid! 
Ich möchte dir sagen,
mehr darf ich aber nicht sagen:

Wenn dir dieses „sich verlieben“ in dieser Phase deines Lebens
in den Lebensplan geschrieben ist,
dann ist dies nicht beliebig! 
Sondern ein wichtiger Faktor deiner seelischen Entwicklung, ja?

Frage mich aber bitte nicht:
Wie geht es aus?

Ich weiß wohl!
Dies ist die brennendste Frage aller Fragen,
aber das darf ich nicht beantworten.
Lass es damit genug sein.

P: Okay.

E: Ich möchte gleichwohl auf deine Frage danach antworten,
wie du deinen Töchtern
– ja, was eigentlich –
eine gute Mutter sein kannst?
Ich denke, das bist du schon und das weißt du auch.
Aber du bist darüber hinaus noch etwas:

Du bist ein Wegweiser, Paula!
Freilich auch mit dem,
was du ihnen gesagt hast und zu sagen hast.
Aber noch viel mehr mit deinem ganzen Leben.

Ein Wegweiser sein, das heißt nicht,
dass sie notwendigerweise
den gleichen Weg gehen müssen wie du.
Aber das kann es sein.

Und das bedeutet, Paula! 
Dass du ihnen gegenüber vor allem eine Pflicht hast!
Nämlich:
Wahr zu sein!
Ein Wegweiser, auf dem ein falsches Wort steht, was nützt der?
Stell dir einmal vor,
du müsstest mit Wegweisern zurecht kommen,
die dich zurück nach Wesel bringen sollen.
Und dann wäre irgendein Narr auf die Idee gekommen
und hätte statt Wesel darauf geschrieben: Rom.

Was dann?
War wäre dann?
Verwirrung!

Oder nimm an, auf dem Wegweiser stünde zwar Wesel,
aber er würde in die falsche Richtung gedreht:
wiederum Verwirrung.

Ein wahrer Wegweiser sein bedeutet:
Wahr sein, Paula!

Ganz wahr, darum bemühst du dich so sehr!
A
ber ebenso sehr bemühst du dich darum,
ganz fair zu sein.
Und du bemühst dich darum,
deine Töchter zutiefst zu verstehen.

Das ist gut.
Aber schon damit weist du ihnen einen Weg,
nämlich folgenden:
Eine gute Frau:
Die bemüht sich vor allem darum, nicht zu verletzen.
Die bemüht sich um Verständnis.
Die bemüht sich um Fairness für die Anderen,
aber nur eingeschränkt für sich selbst.

Sie sind jung.
Sie versuchen sich dieser Wegweisung
mit Widerstand zu entziehen,
aber es ist die Weisung der Mutter.
Und die wiegt schwerer als Worte.

Wahr sein!
Das bedeutet in deiner Situation,
dir einmal Folgendes vorzustellen:
Alles, was nicht benannt wird,
alles, was nicht gesagt wird,
das werden sie in ihrem Leben versuchen,
nach zu tun.
Und darum ist es so wichtig, Wahr zu sein.

Es ist gar nicht schlimm,
einer erwachsenen Tochter zu sagen:
In meinem Leben hab ich mich selbst versäumt.
Und das ist schade.
Denn diese Worte so ausgesprochen,
befreien deine Tochter vom Zwang,
dies selbst zu tun.
Schweigst du aber zu deinem Schicksal,
dann gilt es der Tochter als Wegweisung.
Wollen wir dies ändern? Ich hoffe!

Hier einen Hinweis an, dich lieber Hajo:
Es ist unabdingbar nötig,
hier sowohl eine familiäre Aufstellung zu machen
als auch eine Ahnenaufstellung.
Unbedingt.

Denn diese Last der Mutter, die versteht und fair ist
und das Heil der Anderen sucht, sich selbst aber – Achtung! –
auflöst in ihrer Persönlichkeit,
ist ein viel zu lange schon gelebtes Frauenschicksal in deiner Ahnenkette.

Diese Töchter sind viel zu kostbar, um sich aufzulösen,
habe ich Recht?

P: Ja.

E: Ja. Und diese Töchter, die brauchen vor allem eine Weisung von dir:
Geh, Kind, und such dein persönliches Glück.
Hab ich Recht?

P: Hm, hm.

E: Gut.
Liebe hält Veränderungen aus.
Und die Liebe deiner Töchter zu dir und deine zu ihnen, die ist so alt
und so innig, da kann sie die Stürme auch aushalten,
die durch Wahrhaftigkeit entstehen mögen.
Ja?

P: Hm, hm.

E: Ja. Gut. Ich würde es gerne hierbei bewenden lassen.
Ich möchte zu deiner Aufgabe im Leben vor allem Eines sagen:
Die schönste und vornehmste Aufgabe,
die du im Leben der Paula hast, ist:
Wahrhaftig zu lieben!
Hier liegt sowohl dein Glück als auch das derer, die du liebst.

Ich spreche nicht vom Lieb sein,
ich spreche nicht vom sich fügen.
Sondern ich spreche von jener Liebe,
die du deinen Freundinnen gegenüber ganz selbstverständlich hast.
Denen du auch einmal etwas sagst, was die vielleicht nicht so gern hören.
Und denen du auch dort eine Unterstützung gibst,
wo sie vielleicht denken, dass es das gar nicht wert wäre.

Diese Art zu lieben, diese tiefe Solidarität, die du zu Menschen hast,
das ist sowohl deine Aufgabe als auch dein ganz persönliches Glück,
da, wo du das leben darfst.
Ja?

In der gelebten Hinwendung zum Anderen leben,
das ist der göttlichste Teil deines Selbstes.
Und damit solltest du sehr glücklich sein.

Und jetzt fang an, auf dem Weg dein Glück zu suchen.

Zu suchen, das setzt Aktivität voraus.
Glück ist kein Ball, der auf einen zugerollt kommt,
sondern Glück ist ein Weg, der manchmal sehr anstrengend ist
und der manchmal auch gefährlich ist.
Und manchmal muss man ihn ganz allein gehen
und manchmal ist er ganz simpel und leicht.

Aber er ist ein Weg!
Geh ihn!
Geh und suche, was dich glücklich macht!

Fürchte dich nicht davor.
Denn es ist nicht wahr,
dass ausgerechnet dich etwas glücklich machen könnte,
das rein egoistisch ist.
Gerade du brauchst zum Glücklichsein die Hinwendung an Andere.

Ich wünsche euch eine gesegnete Zeit.

Hajo: Danke, Elia.

P: Danke, Elia, vielen Dank.