Elia – Hör auf, dich Klein zu machen!

Die Überwindung der Angst vor der eigenen Größe:

Was geschieht, wenn die Anderen merken,
wer du wirklich bist?

Wer groß ist,
ist auch verantwortlich!

Zu uns kam letztens eine Frau,
die war an sich nichts Besonderes.
Und doch löste sie eine Lawine in der ganzen Welt aus!

Elia

Zu Gast ist Irmi.

Elia: Jetzt möchte ich mit dir reden, Irmi.

Du bist nicht Irmi, du bist Irmingard.
Du bist groß, du bist eine Frau:
stark, ausdauernd, geduldig,
einfühlsam und auch konsequent.

Was geschieht eigentlich,
wenn die Anderen merken, wer du wirklich bist?

Sie werden sich erschrecken.
Sie werden sagen: Wer ist das?
Ist die frech.
Was traut die sich, die traut sich was!

Ja, das kann schon sein,
dass dich die E
inen oder Anderen
gar nicht mehr angenehm finden.
Sie haben es gerne angenehm, weißt du?
Es ist sehr schön, wenn man es leicht hat mit Anderen!
Dann kann man bleiben, wie man ist.
Dann braucht man sich nicht bewegen,
das ist sehr schön.

Aber weißt du, Irmi,
irgendwer muss diese Annehmlichkeiten bezahlen.
Wer war denn das bis jetzt,
wer hat bezahlt?
Du!
Du hast bezahlt.
Das wäre in Ordnung,
wenn es dir damit gut ginge,
wenn du damit glücklich wirst.
Aber das bist du nicht! 
Das ist es,
was dich darauf aufmerksam gemacht hat,
dass sich etwas ändern muss.
Ganz grundlegend reicht es nicht mehr,
Irmi zu sein!

Es ist an der Zeit, Irmingardi zu sein.
Lass dir einmal erzählen von unseren Freunden hier,
wer Irmingardi war.
Was sie bewirkte vor langer Zeit.

Und ich sage dir:
Du trägst diesen Namen nicht zufälligerweise.
Ihr habt viel gemeinsam: sie und du.

Die Rolle, die du gerade spielst in diesem Leben,
scheint damit nichts zu tun zu haben.
Du wirst sehen, wer du bist,
wer hinter der Irmi steht
und wo die Irmingardi verloren ging.

Und du wirst sehen,
dass du neue Wege gehen darfst,
neue Rollen ausprobieren darfst,
dich selbst ausprobieren darfst.

Schauen, welche Stärken du hast!
Das könntest du auch heute schon tun.
Schau doch einmal,
was du alles leistest:
Eine allein erziehende Mutter von zwei Söhnen,
die Alles selbst auf die Reihe kriegt.
Das hast du geschafft!

So enttäuscht von den Männern ihres Lebens,
trotzdem nicht verbittert.
Das hast du geschafft!
Sind das keine Leistungen?

Ist das selbstverständlich?

Wenn du dich so oft daran misst,
was Andere sagen,
dann schau hin – schau genau hin –
was Andere leisten.
Schau doch einmal hin:
Ist da auch nur Einer,
der so makellos, fehlerlos und perfekt ist,
wie du meinst, dass du sein müsstest?

Nein!

Darum geht es nicht im Leben.
Fehler vermeiden?
Ich bereue nicht einen einzigen Fehler,
ich habe aus jedem lernen dürfen.
Fehler müssen sein, das weißt du auch!
Vom Verstand her weißt du das.
Dein Herz:
das scheint dafür aber taub zu sein.

Die Anderen denken über mich…
Die Anderen urteilen über mich…
Die Anderen…

Du glaubst gar nicht, wie wenig Gedanken
sich die Anderen wirklich über dich machen.
Nicht, weil sie böse sind oder zu dumm.
Sondern weil es in der Natur der Menschen liegt,
dass sich die meisten ihrer Gedanken
um sich selbst drehen.

Du machst einen Fehler bei der Arbeit.
Und deine Kollegen verschwenden vielleicht
von den 24 Stunden des Tages ganze zwei Minuten
mit Gedanken an den Fehler,
den du gemacht hast.
Und das ist noch hoch gegriffen!
Dann hast du schon einen ganz massiven Fehler gemacht.
So ist es einfach!

Aber du, du wiederholst diese Fehler!
Du durchdenkst sie!
Du überlegst, wann du was hättest tun und sagen sollen:
Stunden und Tage lang.
Du selbst!
Wem kommst du durch diese Art gar nicht mehr nach?
Dir selbst!

Das ist deine Angst,
deine große Angst:
Dass du gar nicht klein bist,
dass du groß bist,
groß und verantwortlich.
Wer groß ist,
ist auch verantwortlich!

Aha!
Eigentum verpflichtet?
Vielleicht…

Wer groß ist, der macht auch große Fehler?
Weißt du, das sind alte Wunden!

Du hast auch jeden Grund,
mit deiner Seele zu hadern.
Was ist denn das für ein Leben?
Wo bleibt denn deine Freude?
Was wird dir angetan?

Immer und immer wieder Hoffnung fassen
und enttäuscht werden!
Was fällt denn deiner Seele da ein?
Doch sie will auch nur Eines:
Frei sein und groß sein.
Und Frei sein und dafür nicht den Preis der Isolierung zahlen.
Verstehst du mich, Irmgard?

Auch du bist viel größer, als du denkst.
Und auch dir macht das Angst!
Verstehst du mich, Irmgard?

I: Ja, ich glaube schon…

E: Ich habe jetzt sehr viel aus mir selbst heraus
zu euch gesprochen.
Ich weiß, ihr habt wichtige Fragen und ich beantworte sie gerne.

Doch mir war dies sehr wichtig.
Mir und Irmingardi.

Weißt du, Irmingardi:
Gerade vor Kurzem kam eine Frau zu uns,
die war gar nichts Besonderes.
Sie war eine einfache Arbeiterfrau, eine Schwarze obendrein.
Und sie hat nie besonders von sich gedacht.

Eines Tages setzte sie sich,
weil sie so schrecklich müde
von ihrer Arbeit war, im Bus dort hin,
wo nur die Weißen sitzen durften,
obwohl sie Schwarz ist.
Sie wurde sehr drastisch aufgefordert,
sich dorthin zu setzen,
wo der Platz für die Schwarzen ist.

Aber der war schon besetzt
und sie hätte stehen müssen
und sie konnte nicht mehr stehen.
Sie konnte einfach nicht mehr stehen, nichts weiter!
Und sie war zu müde, um zu streiten!
Sie sagte einfach nur immer „Nein!“,
als man sie ihres Platzes verwies.

Sie sagte: „Nein. Nein, ich gehe nicht“.

Keine große Sache, nicht wahr?
Doch eine große Sache!
Mit ihrer Weigerung und den Folgen,
den die damaligen Gesetzesgeber für sie vorsahen,
löste sie eine Lawine in der Welt aus.
Es war eine Lawine im Bewusstsein der Menschen:
Dass es nicht sein kann,
dass Schwarze und Weiße ungleiche Rechte haben!

Sie war eine sehr einfache Frau
und hatte allergrößte Bedeutung
für die Entwicklung der Menschheit.
Größe ist nicht unbedingt von außen sichtbar
und Bedeutung auch nicht.

Manchmal sind es sehr kleine Dinge,
sehr kleine Menschen,
die ganz große Entwicklungen in Gang setzen.
Nur Mut!

Geh und wirf deine Krücken weg!
Du wirst schwanken,
du wirst schrecklich Muskelkater haben! 
Ui, schrecklich.
Du wirst dich zurücksehnen nach deinen Krücken.

Und dann kommt der Moment,
da bemerkst du, dass du tanzen kannst.

Du wirst schon sehen…