Die Lehre von der Liebe

Elia – über Kinder, Teil 6: Das sexuelle Wachstum eines Kindes.

Die Entwicklung der Kinder 
Teil 6:

Das sexuelle Wachstum eines Kindes.

Elia

Hajo: Dann würde ich sagen,
fangen wir mit dem Thema an,
das du heute hast.

Elia: Ich möchte heute auf die Entwicklung
des sexuellen Wachstums zu sprechen kommen.

Es geht darum, das bereits in der Kindheitsphase
zwischen 6 und 7 Jahren ein erstes sexuelles Erwachen stattfindet. 

Dieses ist von der Art,
dass die Kinder ihre Sexualität erkennen
und bemerken, dass sie ihnen Freude machen kann.

In dieser Zeit kommt es leider und bedauerlicherweise
sehr häufig zu Übergriffen von Menschen,
die gestört sind und das ausnutzen,
dass die Kinder in dieser Zeit neugierig
auf derartige Erfahrungen sind.

Ich möchte, dass alle Erziehenden
ihre Kinder dahin gehend informieren,
dass sie unterscheiden lernen
zwischen einer guten Berührung
und einer Berührung, die nicht sein darf! 

Das ist sehr wichtig!

Ich möchte aber, dass die Erziehung so stattfindet,
dass das Kind an sich keine Hemmnisse
vor der eigenen Sexualität hat,
sondern diesen Bereich seines Leibes
als etwas Schönes und Gutes erfährt.

Es soll nicht ein Bereich sein,
über den nicht gesprochen wird,
der nicht zu sehen sein darf,
der nichts empfinden darf.

Das wäre eine schwere Last für die Zukunft des Kindes!
Sondern es soll so erzogen werden,
dass es ihm ein Selbstverständliches ist,
dass auch dieser Bereich zu ihm gehört.

Es gibt sehr viele Probleme
in dieser Phase einfach deshalb,
weil die Eltern ihre eigenen Hemmungen
dem Kind aufoktroyieren,
was völlig unnötig ist.

Ich bitte, wenn Eltern oder Erziehende Probleme haben
mit der erwachenden Sexualität ihrer Kinder:
Dass sie
– ehe sie dem Kind etwas sagen, was Schaden anrichten könnte –
in sich gehen und überlegen,
woher ihre eigene Abscheu
oder ihre eigene Hemmung kommt
und erst dann dem Kind
eine erzieherische Maßnahme angedeihen lassen.

Ich bitte sehr darum,
dass dem Kind gegenüber Respekt vermittelt wird
und seiner Sexualität.

Dass damit gleichzeitig auch ausgeschlossen wird,
dass jemand, der keinen Respekt davor hat,
von dem Kind als jemand erkannt wird,
der ihm nicht gut tut!
Das gehört Beides zusammen!

Wenn das Kind gelernt hat,
seine eigene Sexualität zu respektieren
und es als etwas zu betrachten, was ihm gehört,
dann wird es nicht jeden X-Beliebigen da ranlassen,
dass er sich an diesem Kind vergehen kann. 

Ich meine damit natürlich nicht nur schwere Vergehen,
sondern auch jene,
die man als leicht bezeichnet.

Das Erwachen der Sexualität flaut wieder ab
im Lauf der ersten Jahre danach.

Im 8. bis 9. Lebensjahr wird das Kind
sich zwar als männlich
oder weiblich definiert haben,
aber es wird dann kein so großes Interesse mehr haben
an der Funktion seiner Geschlechtsorgane. 

Das ist ein natürlicher Prozess.
Es reift in dieser Zeit auf einer anderen Ebene weiter.

Doch wird hier wirklich schon festgelegt,
in welche Richtung es einmal gehen wird. 
Hier findet auch schon eine erste Orientierung statt,
was das Aussuchen eines Sexualpartners angeht!
Ihr könnt das nicht beeinflussen!

Und ich bitte Diejenigen, die feststellen,
dass es keine gegengeschlechtliche Entwicklung,
kein gegengeschlechtliches Interesse zu geben scheint,
darüber nicht zu erschrecken!

Sondern es hinzunehmen
als einen natürlichen Prozess,
der überall, bei allen Wesenheiten so abläuft!

Es gibt nun einmal Bi-Sexualität
und Hetero-Sexualität.
Beides hat seinen Platz
und seinen Sinn
und seine Funktion
und es ist gut, wie es ist.

Es ist gut, wie es ist,
das möchte ich Allen ganz deutlich sagen,
es gibt hier keine unnatürlichen Regungen.

Die Identifizierung mit dem eigenen Geschlecht beinhaltet
auch die Identifizierung mit dem jeweiligen Elternteil.

Dass heißt, in dieser Zeit identifiziert sich das Kind auch
im besonderen Maße mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil: 
der Mutter oder dem Vater.

Es lernt am Vater und es lernt an der Mutter – je nachdem –
seine eigene sexuelle Position und Ausdrucksweise kennen. 

Damit sind nicht sexuelle Praktiken gemeint,
sondern die Art und Weise, sich selber darzustellen
gegenüber anders geschlechtlichen Menschen.

So lernt also zum Beispiel ein kleines Mädchen
durch Anschauung von der Mutter, was weiblich ist:
Wie Weiblichkeit sich ausdrückt in Form von Kleidung,
Gesten, Ansprüchen und Verhaltensmustern.

Das Gleiche gilt für einen kleinen Jungen:
Er lernt hier in dieser Zeit, was männlich ist,
direkt von seinem Vater.

Und ich bitte,
dass ihr darauf wirklich aufmerksam werdet! 
Ihr seid in dieser Zeit in extremer Weise
ein Vorbild zum Guten wie zum Schlechten.

Wenn also zum Beispiel die Mutter
ihre eigene Weiblichkeit prinzipiell ablehnt und dieses spürbar wird – das Kind ist sehr sensibel dafür –
dann wird dieses Kind eine negative Einstellung
zum eigenen Geschlecht entwickeln.

Eine Mutter, die in dieser Situation ist,
sollte sich wirklich Ratschlag holen und schauen,
woran ihre Hemmnisse liegen
und weshalb sie unzufrieden
mit ihrem eigenen Geschlecht ist.

Denn wenn die Mutter das nicht klärt,
wird sie diese Einstellung auf ihr Kind übertragen.
Dies geschieht in der Tat über Generationen
von einer Mutter zur nächsten.

Und es ist dramatisch, zu sehen,
wie sehr später die heranwachsenden Mädchen
darum kämpfen müssen,
eine positive Position zum eigenen Geschlecht zu bekommen.

Das Gleiche gilt im ganz besonderen Maße auch für die Knaben. 
Sie haben es sehr schwer in eurer Gesellschaft,
eine eigene Position zu finden.

In aller Regel ist die Mutter bis zu diesem Zeitpunkt
und innerhalb der Familie
der dominantere und prägendere Elternteil.

Doch in der Phase, in der ich jetzt gerade bin,
ist es so, dass das Kind sich am Vater orientiert und schaut: 
Was heißt es eigentlich,
dass ich männlich bin?
Was bedeutet das? 
Wohin wird es mich bringen?

Und es beobachtet sehr genau den Vater,
es beobachtet seine Verhaltensweisen,
es beobachtet, wie er mit Freude umgeht, mit Trauer,
was ihm wichtig ist,
was ihm unwichtig ist,
wie er sich selbst einfügt in verschiedene soziale Strukturen.

Also es wird sehr konkret beobachten:
Wie verhält er sich innerhalb der Familie?

Welche Position hat er dort,
wie verhält er sich innerhalb der Nachbarschaft,
des Bekanntenkreises,
des Vereins, was auch immer.

Und genau diese Art,
wie er sich dort verhält,
ist für das Kind „männlich“!
Das Männliche schlechthin.

Und daran wird er versuchen,
sich selber zu orientieren.

Denn er hat es ja jetzt begriffen!
Genauso, wie das Mädchen es jetzt erst begriffen hat!

Er hat ein Geschlecht,
er ist eingeteilt in „männlich“ oder „weiblich“,
da gibt es jetzt zum ersten Mal
eine Festlegung für das Kind.

Ich möchte jedem Einzelnen von euch,
auch jene, die nicht direkt als Erzieher zur Zeit leben,
klar machen, dass ihr
– so, wie sich eure Geschlechtlichkeit ausdrückt –
Vorbild der Kinder seid,
mit denen ihr zu tun habt.

Ich möchte euch aber auch ganz persönlich
darauf ansprechen,
euch selbst zu untersuchen,
in wie weit jene Männlichkeit
und jene Weiblichkeit,
die euch Vater und Mutter vorgelebt haben,
in eurem Selbstverständnis bis heute wirken.

Ihr werdet feststellen,
dass der Anteil dessen,
wie ihr euch bis heute definiert,
immer noch sehr davon abhängt,
wie eure Eltern ihre Rolle wahrgenommen haben
und dargestellt haben.

Das geht so weit,
dass es für euch auch heute noch eine Hemmung,
ein Handicap ist,
mit dem ihr fertig werden müsst
und das es zu überwinden gilt.

Denn leider ist es so,
dass über viele Generationen
hier eine Rollenverteilung stattgefunden hat
und eine Zuordnung zur Geschlechtlichkeit stattgefunden hat,
die eben gerade nicht dazu beiträgt,
dass ihr eure vollen Potenziale lebt.

Dies meine ich keinesfalls nur auf Sexualität bezogen,
sondern ich meine es insgesamt gesehen
als Anteil eurer Persönlichkeit.

Immer da, wo ihr eine Rolle spielt,
die von den Eltern übernommen ist,
spielt die frühe Erfahrung,
von der ich euch gerade schilderte,
eine sehr große Rolle!

Ist zum Beispiel euer Vater dadurch aufgefallen,
dass er besonders fleißig war,
so werdet auch ihr bestrebt sein,
besonders fleißig zu sein.

Selbst dann, wenn dies keinen Sinn für euch ergibt
und am Ende kein Gewinn dabei herausspringt.

Oder ist euer Vater etwa sehr schwach gewesen,
so werdet auch ihr Männlichkeit
immer mit Schwäche gleichsetzen.
Und ihr werdet versuchen,
schwach zu sein, um männlich zu sein!

Ihr seht, was das für ein immenser Konflikt ist,
in dem man sich dann emotional befindet.

Das Gleiche gilt für die Frauen: 
Wenn die Mutter – sagen wir – sehr zurückhaltend war,
so wird „Zurückhaltend sein und Weiblich sein“
direkt miteinander verbunden.

Die Frau wird immer versuchen,
in dieser Weise sich selbst darzustellen.

Es ist sehr wichtig für jeden von euch,
dass er genau untersucht,
welche Rolle der Vater,
welche Rolle die Mutter in jenem Alter hatte.

Und dann daraus einen Rückschluss zieht,
welche Rolle man selber übernommen hat,
die diesem Verhalten entspringen.

Eine Reaktion in diesem Rollenverhalten
kann im Übrigen auch die direkte Umkehrung sein! 

Also: Jemand, der eine sehr schüchterne Mutter hatte,
wird als Kompensation im Erwachsenenalter
besonders forsch auftreten.

Jemand, der einen sehr dominanten Vater hatte,
wird als Kompensation darauf damit reagieren,
dass er sehr zurückhaltend ist.

Es lohnt sich für euch,
wenn ihr euch auf dem Weg befindet
zu euch selbst und zu euren ursprünglichen Potenzialen,
dieses ganz genau zu untersuchen!

Welchen Eindruck haben eure gleichgeschlechtlichen Eltern
beide auf euch gemacht im Alter zwischen 6, 7,
vielleicht auch noch 8 Jahren?

Was haben sie euch vermittelt,
was Frau ist,
was Mann ist?

Das ist sehr, sehr wichtig für euch,
um zu euch selber zu finden!

Und wenn ihr erkannt habt,
wie schwerwiegend diese Zusammenhänge
sind für euch bis in euer Alter hinein,
dann werdet ihr zweifellos auch erkennen,
wie wichtig es für eure Kinder ist,
wenn ihr euch dieser Zusammenhänge bewusst werdet.

Ihr könnt, wenn ihr Kinder habt,
euch nicht aus der Verantwortung nehmen!

Die Verantwortung dafür,
wie eure Kinder ihre Geschlechtlichkeit leben,
liegt wirklich an euch selbst!
Sie liegt eindeutig daran,
wie ihr eure Geschlechtlichkeit definiert
und darstellt und zum Ausdruck bringt.

Und damit kommen wir jetzt zum nächsten Punkt,
zum „sich zum Ausdruck bringen“.

Ich sprach im letzten Diktat noch eingehend davon,
dass eine Identifizierung mit der Gruppe stattfindet
in diesem Alter. 

Dazu gehört auch die Möglichkeit,
sich selbst zum Ausdruck zu bringen.

Zum Einen ist das der Ausdruck
der eigenen Geschlechtlichkeit, also:
„Ich bin männlich, ich bin weiblich“.

Zum Anderen liegen hier auch all jene Gaben dar,
die dem Kind mitgegeben wurden.

Sich zum Ausdruck bringen, heißt:
Ich stelle dar, was ich kann,
ich stelle dar, wozu ich fähig bin.

Dies ist ein wunderbarer Prozess und
er stärkt das Selbstgefühl ganz erheblich,
wenn diese Fähigkeiten mit großer Freude und Respekt
von der Umwelt aufgenommen werden.

Also: In dieser Zeit solltet ihr wirklich loben,
wenn etwas Lobenswertes geschieht!

Ihr solltet unterstützen,
wenn etwas sehr Individuelles geschieht.
Und ihr solltet auch ehrlich sein,
wenn das Kind nicht sein volles Potenzial lebt.

Denn auch das wird das Kind versuchen, auszutesten: 
Was geschieht, wenn ich nicht tue,
wozu ich fähig bin?

Hier liegt die Basis für die schöpferischen Potenziale
des heranwachsenden Menschen:
Entweder gelingt es, ihm zu vermitteln,
dass er Freude daran hat, die Dinge zu tun,
zu denen er fähig ist.

Oder aber es wird leider
in solche Grenzen und Blockaden hinein manövriert,
dass es niemals in seinem weiteren Leben
in der Lage sein wird,
seine eigenen schöpferischen Potenziale auszuleben.

Letzteres geschieht zum Einen
durch ein Übermaß an Kritik:
Nichts ist gut genug!

Zum Anderen,
indem gar nicht respektiert wird,
dass Schöpferisch sein immer individuell ist.

Und dass es eben keine allgemein gültigen Bewertungen
dessen gibt,
was schön ist,
was gut ist.

Ihr müsst,
wenn ihr eure Kinder in dieser Zeit anleitet,
auf die Motivation achten!

Ist die Motivation des Kindes einfach die,
aus Freude etwas zu tun,
etwas herzustellen, zu lernen, zu entwickeln,
so ist dies immer ein lobenswerter Prozess,
unabhängig davon,
wie das Ergebnis aussieht.

Ist das Kind allerdings in einer Motivation,
wo es lediglich austesten möchte
– wie viel muss ich eigentlich tun,
um gelobt zu werden –
so gilt es, vorsichtig zu sein.

Bitte hinterfragt die Motivation!

Macht euch klar,
was das Kind gerade antreibt!
Und unterstützt es, wie ich sagte,
wenn die Motivation aus innerem Schöpfungsdrang
und Freude heraus geschieht.

Das Kind wird so für sich eine sehr gute Basis haben,
um später weitere Fähigkeiten zu entwickeln
und Freude daran haben,
sich selbst zum Ausdruck zu bringen.

Die Fähigkeiten jedes Kindes sind natürlich verschieden!
Und es ist völlig unwichtig,
ob seine Fähigkeiten euren Eigenen entsprechen.
Wichtig ist lediglich,
wie das Kind sich selber dabei fühlt,
wenn es etwas schöpferisch darstellt oder herstellt.

Unterschätzt diese Phase nicht!
Sie ist die Basis für die weitere berufliche Entwicklung.

Sie ist die Basis für innere Zufriedenheit.

Ein schöpferischer Prozess kann es schon sein,
wenn ein Kind in der Lage ist,
Musik schön zu finden.
Das kann die Basis sein für spätere Zeiten,
wenn es unter schweren Belastungen steht,
diese Belastungen besser tragen zu können.

Nur ihr müsst es darin auch bestärken!
Nehmt es so an,
wie es sich darstellt.
Nehmt es auf,
freut euch mit dem Kind
und ihr werdet einen Menschen heranwachsen sehen,
der in innerer Zufriedenheit
auch jenen Phasen seines Lebens entgegensieht,
die schwierig und problematisch sind.

In diese Phase kommt dann auch ein neuer Aspekt:
nämlich das Konkurrenzdenken.

Wir werden über Konkurrenzdenken
im nächsten Diktat sehr ausführlich eingehen.

Denn so sehr die Eigendarstellung nun eine Rolle spielt,
so sehr spielt
– wie ich schon im letzten Diktat erwähnte –
auch die Reaktion der Umwelt eine Rolle!

Und hier findet zum ersten, allerersten Mal
ein „aneinander Messen“,
ein Beobachten statt.

Wer ist besser,
wer ist weiter,
größer,
schneller,
männlicher,
weiblicher,
schöner?

Diese Fragen hat das Kind davor nur sporadisch gestellt
und in der Regel hat es sie überhaupt nur gestellt,
weil die eigenen Eltern sich diese Fragen stellten:
Ist mein Kind besser,
schöner,
weiter,
klüger?

Doch jetzt ist es ihm ein eigenes Bedürfnis,
sich zu messen innerhalb der sozialen Strukturen,
in denen es ist,
seinen Status festzustellen
und gegebenenfalls zu festigen
oder zu verlieren.

Auch hierin braucht es eure Hilfe
und eure Unterstützung.

Doch zuvor wollen wir das Problem
ausführlich erläutern in einem weiteren Diktat.

Hast du dazu noch Fragen, Hans-Jürgen?

Hajo: Nein, habe ich nicht.

Elia: Dann sollten wir dieses Diktat für heute beenden,
das nächste Diktat ist am Freitag.

Hajo: Ja, schönen Dank.

Elia: Gern geschehen.