37

Uta – Karl, die Anhaftung von Richard, geht ins Licht.

Ja, da ist das Licht
und da steht seine Frau.

Sie ist sehr hübsch, dunkles Haar, dunkle Augen, sehr zart.
Und seine zwei Kinder stehen da.
Er kann es kaum glauben.

Uta

 Teil 2.

Entfernung der Anhaftung von Richard.
Uta ist in Trance.

Uta: Da ist ein Schlafzimmer.
Ich sehe einen, ich denke, es ist der Richard, ein ziemlich Großer.
Er scheint gerade aufgestanden zu sein.
Er trinkt etwas und ich glaube, er nimmt eine Tablette.

Hajo: Hm.

U: Ich schau mich mal um.
Das ist eine Küche hier.
Und am Fenster steht der Andere.
Der hat so Zimmermanns-Sachen an, aber altmodische.
Er hat so einen hochgezwirbelten Bart.
Er schnitzt an irgendwas rum.
Mit einem Auge guckt er immer zum Richard und grinst.
Ich glaube, vielleicht hat der Richard auch was getrunken
und hat Kopfweh deswegen.

H: Hm.

U: Und es gefällt ihm eigentlich.
Er beobachtet das so ein bisschen zynisch,
aber nicht böse eigentlich.
Es wird sehr schwer.
Er ist in seiner Aufmerksamkeit komplett auf Richard gerichtet.

H: Hm.

U: Was mir auffällt, ist, dass er den Richard gern schubst.
Irgendwie scheint ihm nichts schnell genug zu gehen.
Ich habe den Eindruck, dass er ihm so eine Unruhe macht,
so ein inneres Getrieben sein.
Das finde ich überhaupt nicht komisch,
sondern das hat schon was von Aggression.
Und ich habe auch den Eindruck, dass ihm das gefällt.

Ich bekomme immer wieder gezeigt,
dass dieser Andere dem Richard sehr nahe kommt,
sodass es dem Richard unangenehm wird,
er sich sehr eingeengt fühlt.
Und ich glaube, dass der dies mit Absicht macht,
dieses Eingeengt sein benutzt.
Aber ich weiß nicht, zu was.
Das sehe ich immer wieder.

Auch bekomme ich Bilder, dass er dem Richard
eine Enge macht um den Brustkorb herum.
Also er hebt so die Arme um ihn
und zieht dann an so unter Druck.

Und es…
Ich weiß nicht, ob es Angst auslösend ist.
Jedenfalls habe ich das Gefühl,
dass Richard dann in so eine Situation kommt,
in der ein Funke reicht,
ein falsches Gucken oder ein falsches Wort
und dann platzt er aus sich heraus.

Immer wieder dieses viel, viel zu nahe sein.
Dabei ist es noch früh,
aber es ist nicht nachts – das glaube ich nicht.

Und dann zieht er sich wieder zurück und lässt den Richard in Ruhe.
Ich glaube, das macht er öfter am Tag immer wieder neu.
So, als wenn man jemanden immer wieder reizt,
bis es irgendwann mal zu viel ist.

Ich krieg zu dem einfach keinen Kontakt.
Das hab ich so auch noch nicht erlebt.
Er ist komplett fixiert auf den Richard.
Ich versuche jetzt mal, dazwischen zu gehen.

Jetzt hab ich ihn.
Okay.
Also das ist schon sehr unangenehm.
Ich habe da ein bisschen Schwierigkeiten, weil:
Er stinkt nach Alkohol.

H: Soll ich ihn ansprechen?

U: Ja.

H: Zimmermann, wie ist dein Name?
Kannst du mir den sagen?

U: Karl.

H: Karl. Danke, Karl.
Karl, du weißt, dass du vom Gerüst gefallen bist, gell?

U: Er guckt nur erstaunt auf.
Es wundert ihn, wer ich bin.

H: Karl, wir werden geschickt, um dir zu helfen.
Wir wissen,
dass deine Frau und deine Kinder im Krieg umgekommen sind
und dass du sehr zornig darüber bist.

U: Er ist ganz erstaunt.
Er zieht einen Zettel aus seiner…
Er hat so eine schwarze Weste an mit einem Täschchen dran.
Da ist ein Zettel, den zeigt er mir.
Der scheint ihm ganz wichtig.

Das ist wie ein Brief, Hajo, aber nur so ein ganz kleines Blatt
und da ist mit ganz steiler Handschrift und Tinte
was drauf geschrieben.
Und er sagt, das sind doch alles Lügen.

H: Lieber Karl.

U: Das geht um die Kinder, glaube ich.

H: Karl, die Kinder warten auf dich.
Sie warten auf dich, dass du ins Licht kommst.

U: Jetzt wird er ganz traurig.

H: Du brauchst nicht traurig zu sein.

U: Er weint.

H: Ja.

U: Er war kein guter Mensch, sagt er.
Er zeigt mir seine Hände: starke Hände mit dicken, groben Fingern.
Mit diesen Händen hat er sie geschlagen.

H: Ja.
Aber diesen Händen ist vergeben.
Deine Frau und deine Kinder haben dir voll und ganz vergeben.

U: Was er angerichtet hat,
das kann man nicht wieder gut machen, sagt er.

H: Doch. Das kann man wieder gutmachen.
Deine Frau und deine Kinder warten doch auf dich.
Du hast keine Schuld.

U: Doch.
Er hat Schuld.
Er hätte nicht weggehen dürfen.
Er erzählt.
Lass ihn erzählen.
Das muss in Polen oder Ostpreußen gewesen sein.

Und er ist weggegangen,
weil er keine Arbeit hatte.
Und er wollte für die Familie Geld verdienen.
Er hat sie allein gelassen.

H: Das ist doch eine gute Sache, Karl.

U: Nein.
Dann sind die Russen gekommen.

H: Ja.
Da kannst du ja nichts für.

U: Die haben sie alle, alle niedergemacht.
Jetzt sehe ich den Zettel.
Den hat ein Pfarrer auf der Flucht geschrieben.
Er weint, er weint so sehr.

H: Schau, Karl, das ist doch ganz selbstverständlich,
dass du da trinken musst.

U: Ach, er sagt, er war nicht recht.
Er war kein rechter Mann.
Seine Frau hat so oft um ihn geweint.
Seine Kinder haben so oft Angst gehabt.
Er wollte das nicht.
Er zeigt mir das.

H: Deine Frau und deine Kinder wollen das auch nicht,
dass es dir schlecht geht.
Sie möchten, dass es dir gut geht.

Und wenn du ins Licht gehst,
kannst du alles haben,
was du möchtest – die größte Glückseligkeit.

U: Ach, so einer wie er.

H: Dir ist alles vergeben, Karl.
Du trägst keine Schuld.

U: Er schlägt sich auf die Brust und sagt:
ICH kann mir nicht vergeben.
Er hätte sie so gern auf Händen getragen.

H: Das darfst du jetzt.
Jetzt darfst du es, Karl.

Du darfst sie auf Händen tragen:
deine Frau und deine Kinder.
Es ist alles vorbei!

U: Er kann es nicht glauben.
Weil jede Nacht, wenn er auf dem Bett gelegen hat,
waren sie da, die Gespenster
und dann hat er gesoffen.

H: Karl, das ist es ja gerade –
die Gespenster waren da.

Die Gespenster sind das,
was du jetzt für den Richard bist.

U: Er ist Richards Gespenst?

H: Ja, genau.
Du machst genau das,
was die Gespenster mit dir gemacht haben.
Das muss ein Ende haben.

U: Er dachte, der Richard versteht ihn.

H: Nein, der Richard…

U: …Der Richard will auch seine Familie auf Händen tragen.

H: Nein.

U: Doch, er hat sie lieb.

H: Er hat sie lieb, ja.
Aber er will sie nicht schlagen.

U: Nein, das will er nicht.
Er will sie auch nicht anschreien,
er will sie auch nicht beleidigen.
Der ist genau wie ich.
Aber dann kommt sie, die Wut.
Und dann wird man Böse.

H: Ja. Aber die Wut kommt nur,
weil die Gespenster kommen.

U: Der Richard hat auch genug Gespenster, sagt er.

H: Ja, der hat dich und deine Mutter.

U: Der musste immer seine Wut unter Kontrolle halten.
Die haben ihm immer gesagt:
Der ist nicht in Ordnung.

H: Es ist nicht gut für den Richard,
dass du da bist.
Das tut ihm nicht gut.
Bitte schau dich doch mal um.

U: Aber ich dachte, der ist genauso wütend.

H: Nein, das bist nur du.
Schau, er hat ja noch seine Frau und sein Kind.

U: Es ist ja nicht seins.

H: Ja, aber du hast deine Frau und Kinder verloren
und die warten jetzt auf dich im Licht.
Schau dich doch mal um,
schau, ob du das Licht siehst.
Sie warten auf dich.
Schau dich bitte um,
wo du Licht siehst.

U: Er bittet, ich soll trinken.
Er hält mich nicht aus.

H: Karl, das geht so nicht.
Bitte schau dich um, schau ins Licht.
Schau, wo Licht ist – bitte!

U: Er geht raus.
Wir sind draußen.
Hier ist eine Straße,
da steht ein kleiner Lieferwagen mit einer Schrift drauf.
Es ist ein regnerischer Tag.
Er sucht ein Gerüst.

H: Karl, du brauchst kein Gerüst.
Schau dich um, wo ein Licht ist.

U: Ob er noch mal springen soll.

H: Nein.
Du brauchst nicht mehr zu springen.
Du bist ja schon tot.

U: Das war kein Unfall.
Er ist gesprungen.

H: Ja.
Das ist auch ganz egal jetzt.
Du hast keine Schuld.
Du bist dazu getrieben worden durch die Gespenster.

U: Wir sind jetzt auf einem Friedhof, Hajo.
Alte Grabsteine.
So ein Kreuz mit etwas Rundem drauf.
Er versucht, die Schrift zu erkennen.
Ich glaube, das ist nicht sein Grab.
Es ist das seiner Mutter.

H: Ja, Karl, deine Mutter wartet auf dich.

U: Die müsste ich doch sehen, sagt er.

H: Du musst sie nicht sehen.
Du musst erst ins Licht gucken
und dann kannst du sie sehen.
Sie wartet auf dich.
Sie liebt dich.
Sie will dich beschützen.

U: Er sucht die Mutter.
Sie ist nicht im Licht, Hajo.

H: Wo ist sie denn?

U: Die ist hier Irgendwo.
Jetzt, jetzt!
Sie ist bekleidet mit Kopftuch und hat keine Zähne.
Und er, er freut sich jetzt.
Aber er schämt sich.

H: Karl, du brauchst dich nicht zu schämen.
Deine Mutter vergibt dir voll und ganz.
Deine Mutter liebt dich.

U: Die ist bei ihm und nimmt seine Hand, streichelt sie.
Sie ist viel kleiner als er.
Sie ist im Belt geblieben.
Sie ist froh, dass er sie sieht.
Er ist sehr, sehr scheu.

H: Ja.
Kannst du die Mutter ansprechen?

U: Ja.

H: Mutter von Karl?

U: Hm?

H: Es ist Zeit für euch Beide,
jetzt ins Licht zu gehen.

U: Ja, weiß ich, weiß ich.
Weiß ich doch.

(Die Mutter will Uta besetzen und spricht durch sie.)

H: Geh raus aus der Uta!
Geh bitte raus aus der Uta!

U: Sie weiß das.
Sie hat darauf gewartet, dass er sich traut.

H: Liebe Mutter,
zeig dem Karl jetzt, wo das Licht ist.

U: Ja, macht sie, macht sie.
Er tut mir schon leid.
Er kann auch nicht so lieb sein,
wie die von ihm wollen.
Er hat halt so viel Temperament.
Und er sagt, ja, deshalb hat er den Richard so lieb.
Das ist doch erklärbar.
Er hätte immer jemanden gesucht, der ihn versteht.

H: Wenn du ins Licht gehst,
kannst du sehr viele Menschen finden,
die dich verstehen – sehr viele Menschen.

U: Die Mutter hält so seine Hand und streichelt sie.

Ob er dem Richard nicht fehlen würde, meint er.

H: Nein, nein.
Schau, die Gespenster, die du damals hattest,
die haben dir ja auch nicht gefehlt.

U: Nein. Die haben ihm nicht gefehlt.

H: Nein.
Du bist ja das Gespenst von Richard
und du fehlst dem Richard auch nicht.

U: Ja, das wäre aber schade, weil:
Er hat ihn so lieb.

H: Ja.
Du kannst ihn ja auch weiter lieb haben.
Aber du musst jetzt ins Licht gehen mit deiner Mutter.
Denn dann bekommst du höchste Glückseligkeit.
Dann wird dir alles vergeben und vergessen.

U: Ja?

H: Ja.

U: Ja?

H: Jaaa.

U: Er nimmt einen Stein.
Ich weiß nicht, was das soll.
Das ist ein Pflasterstein und den wirft er.
Ich glaube nicht,
dass das was mit ihm zu tun hat.
Er geht mit seiner Mutter, weil…
Jetzt kommt das Kind.

Er möchte Richard noch etwas sagen.

H: Ja, sag es, Karl.

U: Er sagt, er soll nicht glauben, dass er schlecht ist.
Er ist nicht schlecht,
aber er hat viel Wut.
Er hat viel Wut in sich
und er muss das lernen, damit umzugehen.

H: Das ist Richards Sache, ja.

U: Es ist wichtig.
Er hätte immer versucht,
ihn im letzten Augenblick zu bremsen.
Er muss das lernen.

H: Ja, Karl, das werden wir ihm sagen.

U: Er will nicht, dass es ihm mal so geht,
wie es ihm gegangen ist.
Und dass er bereut und bereut.

H: Ja, das machen wir.

U: Er ist ein guter Junge, sagt er.
Der Richard ist ein Guter,
aber er hat viel Temperament
und da muss er lernen.

H: Ja, gut.
U: Er sagt, er war auch immer ein Lustiger.
Als er nicht mehr Lustig sein durfte,
wurde er wütend.

H: Ja. Schaust du jetzt mal ins Licht?

U: Seine Mutter zieht ihn schon.
Ja, da ist das Licht
und da steht eine Frau.
Sie ist sehr hübsch, dunkles Haar, dunkle Augen, sehr zart.
Und zwei Kinder stehen da.
Er kann es kaum glauben.

Die Mutter nimmt ihn bei der Hand.
Sie stehen beide am Rand des Lichts.
Die Frau von ihm schaut aus wie eine Madonna,
ist aber seine Frau.

Hajo, er lässt dem Richard etwas zurück.
Das ist wie eine Kette mit einem Anhänger,
ich weiß nicht, was es ist.

H: Das, was die Zimmermänner so tragen?

U: Weiß ich nicht, kenne ich nicht.
Es ist etwas Rundes und da ist was eingraviert.

H: Ja.

U: Er sagt, es tut ihm leid,
wenn er dem Richard Schaden zugefügt hat.
Aber er glaubt´s nicht.
Er hat versucht, ihm zu helfen.
Aber vielleicht…
Das mit dem Saufen war keine gute Idee.

H: Nein.
Dem Richard wird jetzt geholfen.

U: Das geht da nicht von allein.

H: Nein.

U: Er ist ein Guter.
Ach, das verfluchte Saufen.
Das ist, als wenn der Teufel in einem los wird.
Es ist kein Teufel,
es ist nur die Wut in ihm, sagt er.

Er küsst seine Mutter.
Das sieht niedlich aus.
Sie ist so viel kleiner.
Sein Sohn kommt.
Er ist sehr schüchtern,
aber er streichelt die Hand seines Vaters.

Jetzt weint er und geht ins Licht.
Es wird ganz hell.
Da ist eine breite Straße
und er geht die jetzt lang.

Weiter zum 3. Teil:
https://jenseitsmedium.eu/0840-elia-botschaft-von-elia-an-richard-nach-der-beseitigung-der-anhaftung/