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Elia – Clearing Haus, Teil 2: Götz von Wolfersdorf geht ins Licht.

Clearing Haus, Teil 2:
Götz von Wolfersdorf geht ins Licht.

Jetzt wird es hell,
ja, es wird ganz hell, das Licht. 

Es wird ganz hell!
Er geht, er geht.

Hey! Aber das zischt übers Land, ganz hell.
Es erreicht noch nicht jeden Winkel,
das Licht,
aber es ist da.

Elia

Elia. Herzlich willkommen, liebe Freunde und Krieger des Lichts.

Hajo. Ja.

E. Ja, es ist Krieg!
Ein immerwährender Krieg, so darf man es sehen.
Nicht weil das Licht den Krieg wünscht,
sondern weil er in der Natur der Sache liegt! 
Wie das Meer an den Strand brandet
und die Ufer der Welt verändert
und damit altes Leben nimmt und Neues schafft,
so kämpfen eben auch Licht und Finsternis miteinander
zum Zwecke Gottes neuer Welt!

Und wenn auch das Finstere darum nichts weiß,
weil es außerhalb seiner Erfahrungsmöglichkeit liegt,
ist es doch so:
Das Finstere hat dem Licht zu dienen!

Hier jedoch haben wir eine Situation,
in dem sich das Finstere etabliert hat,
sich dem Wandel wider allen natürlichen Gesetzen entzogen hat.

Ich bitte dich, Hajo, dass du mir die Fragen stellst,
die ich beantworten darf.

H. Ja, es geht um Götz von Wolfersdorf,
der im Ort dort
und im Rest-Turm seines Schlosses sein Unwesen treibt.

E. Es geht viel weiter.

H. Es geht viel weiter, aha.

E. Götz von Wolfersdorf war ein sehr mächtiger Mann,
der in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges
zu Macht, Ruhm und Ansehen kam.
Könnt ihr euch vorstellen, was das heißt?

Kein Krieg war je so gnadenlos grausam wie der Dreißigjährige! Und jene, die zu Macht, Ruhm und Einfluss kamen
– dessen darf man gewiss sein –
kamen dorthin durch eine unsägliche Brutalität!
So auch hier.

Diese Seele ist in sich zutiefst davon überzeugt,
der Machthaber der ganzen Region zu sein,
nicht nur des Schlosses:
Alles Seins, für ewig Seins!

Aber wie es so geht:
Über zweihundert Jahre und
viele Generationen seiner Nachfahren
konnten letztlich den Besitz nicht bei denen von Wolfersdorf lassen.
Die Wolfersdorfer mussten Schepsdorf
und alle umliegenden Dörfer aufgeben.

Im Bewusstsein jener Seele
ist unsägliche Wut und Hass auf all jene,
die sich selbst behaupteten.
Und je selbstbewusster jemand war,
um so größer war der Zorn der Beltseele.

Ich spreche jetzt dich an, Andreas.
Es geht ans Selbstbewusstsein, nicht wahr?

A. Hm.

E. Ja. Denn das ist dem Wolfersdorf ganz zuwider,
Götz leidet Selbstbewusstsein nicht.
Das konnte er nie.
Und jetzt in seinem verengten Zustand erst recht nicht.

Darum bist du Feind, sogar sein ihm widerlichster Feind.
Und wenn du die Menschen deiner Gegend betrachtest,
dann ist die Frage berechtigt: 
Wie viel Selbstbewusstsein in eurer Gegend erlaubt ist.
Verstehst du?

A. Ja.

E. Ich möchte euch sagen, wie es war,
damals dort zu leben unter jenem harten Regiment:
Man hatte zu kuschen, man hatte abzuliefern!
Und zwar ihm.
Alles Seins.

Und obendrein und zu allem Unglück
machte er auch noch Gebrauch vom Erst-Recht.
Das heißt: Jede Frau, die verheiratet wurde,
wurde von ihm entjungfert!
Und so stammen viele Schepsdorfer von ihm ab.
Verstehst du die Schwere der Bedeutung?
Er ist nicht nur Beltseele,
er ist auch Urahn vieler!

Und hier kommst du als Fremder mit fremden Genen
und versuchst, das Ganze mutieren zu lassen
in Selbstwert, in Individualität
und setzt auch noch Zeichen des Endes der Knechtschaft.

Dass dies nicht ohne Widerstand geschieht,
lässt sich unschwer denken.
Doch die Verknüpfung geht noch viel weiter, Alexander.

Auch du warst Krieger im Dreißigjährigem Krieg.
Und du warst ein Gegner von diesem Herrn.
Und du hast ihn verwundet mit einer Wunde,
die ihn Zeit seines Lebens Schmerz bereitete:
eine Wunde am Auge.
Er konnte danach nicht mehr richtig sehen.
Verstehst du?

A. Hm.

E. Nun wollen wir besprechen,
wie wir dem ein Ende machen?

A. Ja.

E. Nach über zweihundert Jahren soll es genug sein mit all dem.
Götz ist müder geworden und das ist die Chance des Lichts.

Er ist müde geworden, jenem Wesen,
das er unter deinem Haus installiert hat, Kraft zu geben.
Es saugt ihn zusehends mehr aus.
Woher soll er auch Energie bekommen?
Sein Schloss ist dahin.
Nur seinen Nachfahren
– die ihn aber weder ehren noch darum wissen,
dass sie seine Nachfahren sind –
denen kann er Kraft abnehmen!

Das ist nicht genug.
Ich bin fast versucht, zu sagen:
nicht genug zum Leben und nicht zum Sterben.
Es ist nicht genug,
um in seiner ursprünglichen Kraft und Macht zu sein.
Und es ist zu wenig, um völlig zu erstarren!

Ich möchte euch um etwas bitten, Hajo.
Besonders dich.

H. Ja.

E. Sprich mit ihm von Mann zu Mann,
sprich von Krieger zu Krieger.
Erinnere dich an deine eigene Inkarnation.
Sprich mit ihm von Kreuzritter zu Kreuzritter,
denn auch das war er immer.
Und weise ihn darauf hin,
dass es nun an der Zeit ist,
die Ritterschaft an Gott zu übergeben.

Sag ihm, es ist Zeit, sein Schwert abzulegen.
Sag ihm, es ist Zeit, zu akzeptieren,
dass selbst sein Grab schon vergeht.
Hilf ihm, zu akzeptieren,
dass er jetzt die Geschicke der Schepsdorfer
in die Hände Gottes zu legen hat.

Es ist ein Wahn, unter dem er steht! 
Es ist der wahnhafte Gedanke,
dass er allein dafür zu sorgen hat,
dass alle seine Nachfahren
von besonderer Art zu sein haben.
Seine Nachfahren sind so viele.
Es sind Tausende!
Und sie wissen nichts von ihm.
Und er kann es nicht leisten, sich um sie zu kümmern.
Er kann es nicht leisten, dafür zu sorgen, dass man ihnen dient.
Das muss er Gott überlassen.

Er hat eine – sagen wir – exzentrische Vorstellung von Gott.
Gott ist für ihn ein grausamer, rächender, gewalttätiger Gott.
Einer, der zürnt und zerschlägt.
Einer, der Opfer fordert und verwirft, was schwach ist.
Daran kann man nichts ändern.

Mach ihn bitte darauf aufmerksam,
dass man es ihm als Feigheit auslegen wird,
wenn er sich diesem Gott nun nicht selber stellt.
Das wird das rechte Argument sein.
Hast du verstanden?

H. Ja, ich habe verstanden.
Feigheit wäre von ihm,
wenn er sich diesem Gott nicht stellt.

E. Ja, Feigheit wäre unsäglich für ihn.
Das ist etwas, was nur den niedrigen Ständen zukommt,
nicht aber ihm.
Und das ist das Beste aller Argumente.
Wenn wir hier so vorgehen, besteht die Wahrscheinlichkeit,
dass wir ihn dazu bewegen können,
ins Licht zu diesem Gott zu gehen.

Hajo, er erwartet dort nichts Gutes.
Er erwartet dort seinen gerechten Richter
und den braucht er auch unbedingt.
Und er ist ein Schuldiger und er weiß es! 
Er ist böse und er weiß es!

Und er hat nirgendwo und nirgends Einen gefunden,
der seiner Schuld ein Ende bereitet.
Er ist müde vom Schuldig sein.
Und deshalb muss er jetzt zum Richter gehen.
Ja?

H. Ja.

E. Gut.
Andreas, hast du noch Fragen dazu?

A. Ich hab noch eine Frage zu dem Wesen unter unserem Haus.

E. Ja. Das bearbeiten wir später.
Das ist jetzt nicht vorrangig.
Wir müssen erst den,
der das Wesen installiert und nährt, fortführen. Ja?

A. Okay.

E. Gut. Dann schlage ich vor, dass wir beginnen.
Ich ziehe mich zurück.

H. Uta.

U. Hm.

H. Ich werde jetzt mit ihm sprechen.

U. Ja. Ich muss ihn suchen.

H. Ja.

U. Sein Name?

H. Götz von Wolfersdorf vom Schloss…

U. Das Erste, was ich finde, ist so eine Grab-Liege.
Aber das ist ja schon gar nichts mehr.
Ich kann das gar nicht mehr identifizieren.
Das ist schon so verwittert.
Ich weiß auch nicht, wo das ist, da ist er auch nicht.

Ich gehe jetzt so einen kleinen Hang hoch.
Es ist ziemlich trübes Wetter.
Ja, ich bin jetzt am Turm.

Hajo, ich habe ihn, er sitzt vorne.
Er sitzt neben dem Eingang, er trägt Rüstung, er ist alt!
Alt und grau. Er starrt nach unten.
Man kann von hier aus heruntersehen auf die Ortschaft.
Ich denke, das da unten, was da in seinem Fokus ist,
ist der Hof von Andreas.

H. Hm.

U. Aber er guckt nicht nur dahin.
Er guckt an verschiedene Punkte.
Da ist auch noch ein Haus weiter nach rechts,
das kann ich schlecht ausmachen.
Acht Häuser rechts, da ist so eine Hauptstraße,
da guckt er auch immer hin.
Dann guckt er weiter auf der gegenüberliegenden Seite,
da sind vielleicht nochmal sechs, sieben Häuser.
Dann guckt er wieder zum Grundstück von Andreas.
Und dann stellt er sich auf und
sucht anscheinend noch einen anderen Ort.
Der ist ganz schön beschäftigt, der ist echt im Stress.

H. Ja.

U. Ich versuche, ihn mal anzusprechen.
Schwierig, ihn da rauszuholen.
Ich nehme nur seine Augen wahr,
die gehen ganz unruhig hin und her,
es sind hellblaue Augen.

Ah! Jetzt fokussiert er mich.
Er ist wütend.

H. Soll ich ihn mal ansprechen?

U. Nein, warte noch.
Ich ziehe mich etwas zurück.
Er hat ein Schwert bei sich.
Das hat er so vor sich stehen.

H. Sehr gut, ja.

U. Er macht sich sehr groß, sehr imposant
und schnauzt mich an, was ich will.
Ich habe offensichtlich Seins betreten und störe ihn.

H. Ja.

U. Ich sage ihm, ich komme in Gottes Auftrag.
Er grinst nur.
Ich sage ihm, ich habe jemanden mitgebracht,
der mit ihm reden wird,
den er schon aus vergangenen Zeiten kennt.
Er meint:
Hoffentlich – das verstehe ich nicht richtig –
ein eitel gut Mann.

H. Ja.

U. Ich bestätige das.
Dann will er, dass ich weggehe.
Er sagt: „Geh weg, Weib.“

H. Gut, dann spreche ich ihn jetzt mal an.

U. Ja.

H. Götz von Wolfersdorf, ich spreche zu dir
von Mann zu Mann,
von Krieger zu Krieger,
von Kreuzritter zu Kreuzritter!

U. Er steht gerade, er klopft sich mit der Faust aufs Herz,
verneigt sich und sagt:
Nenne mir deinen Namen, Edler.

H. Ich komme im Auftrag Gottes.
Es ist Zeit für dich, das Schwert abzugeben.

U. Er zeigt eine Urkunde.
Das ist ein Pergament mit drei, vier Wachssiegeln dran.
Die Schrift kann ich nicht lesen.
Ich glaube, das ist Latein.
Es ist eine Besitzurkunde.
Er hat das hier verliehen gekriegt als Verdienst
und als Aufgabe von irgendeinem König.

H. Du hast es verliehen bekommen.
Aber deine Zeit ist zu Ende.
Es ist Zeit, das Schwert abzugeben
und zu Gott zu gehen.

U. Er sagt, er…
Er hätte diesen Brief schon längst seinen Nachfahren geben wollen,
aber keiner wäre bereit gewesen wie er, hier zu bleiben.
Er hat vielen das Angebot gemacht.
Oh! Auch Andreas ist dieses Angebot gemacht worden.

Andreas, möchtest du die Urkunde von dem nehmen
und für immer dort bleiben?

H. Nein.

U. Er fragt Andreas:
Andreas, möchtest du seine Urkunde und Erbe übernehmen
und für Ewigkeit und Ewigkeit dort bleiben?

A. Nein.

U. Jetzt rollt er das zusammen.
Jetzt schaut er mich an wie ein getretener Dackel.

H. Es ist Zeit zu akzeptieren,
dass du jetzt die Geschichte der Schepsdorfer
in die Hände Gottes gibst.

U. Er sagt, er hört an deinem Ton,
dass du ein eitel edler Mann bist.

H. Ich bin Kreuzritter wie du
und habe mit dem Schwert gekämpft.
Und es ist Feigheit, nicht das Schwert abzugeben
und wenn du dich dem Gott nicht stellst.

U. Ja!
Ja, darüber ist er sich im Klaren.
Er sagt, er ist nicht feige.
Er hat nur versucht, wenigstens Einen dazu zu kriegen,
ihn hier abzulösen.
Es scheint sich keiner zu finden.

H. Das ist auch ein schweres Erbe bei so vielen Nachfahren.

U. Er weiß nichts von vielen Nachfahren.

H. Du hast viele Nachfahren gezeugt.

U. Er ist müde, sie zu suchen.

H. Das ist richtig.
Deshalb solltest du dich dem Richter Gottes stellen.

U. Dann muss es wohl sein.

H. Was dich erwartet, ist ein gerechter Richter.

U. „Dann erwartet mich die Hölle“, sagt er.
„Dann soll es so sein“.

H. Erst einmal erwartet dich Gott.
Was danach kommt, ist in Gottes Hand.

U. Er, Götz von Wolfersdorf, war nie ein Feigling.

H. Das weiß ich.

U. Er hat gebrandschatzt,
gemordet,
vergewaltigt.
Er hat ausgehungert
und verpestet.
Und er hat vergiftet,
getäuscht,
gelogen.
Aber feige war er nie.
Er hat nie Jemanden von hinten erstochen.
Und er hat nie Jemanden den Kampf verneint,
der den wollte.

H. Ich weiß das.
Darum stelle dich jetzt Gott.

U. Er fragt noch einmal Andreas,
ob er sicher ist,
dass er das Erbe nicht übernehmen will.

A. Ja, ich bin mir sicher.

U. Er nimmt die Rolle mit.
Er sagt:
Dann muss Gott entscheiden, wer Erbe wird.

H. Genau.
Das wird er auch.

U. Er möchte noch etwas sagen.
Er erkennt in dir den eitlen, edlen Mann.
Ob du weißt – das ist ihm nämlich gar nicht klar –
was Gott zur Hexerei sagt.
Er hat gezaubert.
Er fand auf dem Dachboden eines jüdischen Kaufmannshauses
in Prag ein Buch über Hexerei.
Ob du weißt,
was darauf Gottes Antwort ist.
Wird es Vernichtung sein?

H. Es wird nicht Vernichtung sein.
Jeder Mensch kann das lernen.
Es liegt in der Macht der Menschen!
Magie ist jedem Menschen angeboren!

U. Das heißt, da muss er damit rechnen,
dass er nicht vernichtet wird von Gott?

H. Richtig.

U. Das wird schwer.

H. Warum?

U. Weil es schwer ist,
Götz von Wolfersdorf zu sein.
Aber er ist nicht feige.

H. Nein.
Du hast ein Bild von einem
grausamen, berechnenden Gott,
der zurückschlägt und Opfer fordert.

U. Den hat er kennengelernt.

H. Aber das ist jetzt nicht mehr so.
Dies hier ist ein gerechter Gott,
der dich anhören wird.

U. Das soll ihm Recht sein.
Er sucht schon lange nach seinem Richter.

H. Gut.

U. Er macht sich auf und hört dir nicht mehr zu.

H. Sieht er jetzt das Licht?

U. Das ist ganz schwierig.
So was hab ich überhaupt noch nicht gesehen.
Es liegt wie so ein schwarzes, durchsichtiges Gewebe
wirklich über der ganzen Gegend.
Und es ist mit ihm verhaftet.
Und es ist ganz schwer für ihn,
sich weiter zu bewegen.
Er versucht das,
aber es ist unglaublich schwierig.
Wie, wenn jemand durch Lehm geht.

Aber mit jedem Schritt, den er macht,
zieht das weiter zu ihm hin
und weg aus der Landschaft.
Er hat…
Schräg gegenüber, da ist eine Erhebung!
Da ist Licht!
Und er zieht es wirklich hinter sich auf diesem Weg,
er zieht das mit wie…

H. … Spinnweben.

U. Ja, nur viel feinmaschiger.
Eher wie so ein Fliegen-Gitterstoff, so was.
Der müht sich.
Echt, der müht sich, das kostet ihm sehr viel Kraft.

Ich bin jetzt an einem Platz,
das ist am Waldrand, Weide und Waldrand.
Er sucht was, er sucht einen Grenzstein.

H. Soll ich ihn noch einmal ansprechen?

U. Nein, lass den mal.
Der sucht den Grenzstein und findet den auch.
Da setzt er sich hin und erwartet Gott.
Also, er hat sich da auf diesen Grenzstein gesetzt
oder irgendeinen Stein.
Da hat er sich darauf gesetzt.

Da ist sein Schwert.
Jetzt fällt ihm ein, dass du gesagt hast:
Er muss es abgeben.
Er geht auf die Knie und hält das Schwert so gerade in den Händen.

Jetzt wird es hell,
ja, es wird ganz hell, das Licht.
Es wird ganz hell!
Er geht, er geht.

Hey! Aber das zischt übers Land, ganz hell.
Es erreicht noch nicht jeden Winkel,
das Licht, aber es ist da.

Es dauert…
Dieses Netz.
Das dauert, bis das mit reingeht.
Er geht sehr einsam.
Das ist noch Kampf.
Jetzt aber: Gut, der ist weg, der ist rüber.

Gut.

H. Okay.