Medialität ist ein Wesensmerkmal einiger Seelen.

Medialität ist ein Wesensmerkmal einiger Seelen.

Die Gabe der Medialität ist da wie andere Fähigkeiten auch.

Und obwohl die Medialität als Gabe immer in der Inkarnation dabei ist,
ist sie doch von Leben zu Leben unterschiedlich stark ausgeprägt.

Es gibt Leben,
da soll die Gabe nur dem eigenen Entwicklungspfad dienen.
Es gibt andere Leben, da dient sie den Mitmenschen.

Und es gibt Leben, da wechseln sich beide Weisen ab.

 Engelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Andrea zu verbinden, Andrea bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe in einem Krankenzimmer, ein Metallbett, in dem ein sehr dicker Mann liegt. Seine Hautfarbe ist ein leichter Bronzeton, ich vermute indische Abstammung. Seine Atmung ist oberflächlich rasselnd.

Schwere, rote Samtvorhänge verhindern, dass Sonne in das Zimmer strahlt, es ist unerträglich heiß in diesem Raum. Denn obwohl draußen offensichtlich sommerliche Temperaturen herrschen, glüht in einem Eisengestell eine Mischung aus Kohlen und Kräutern. Letztere riechen stark nach Kampfer.

Neben dem Bett des Kranken steht ein kleiner, zierlicher Mann, ganz in Weiß gekleidet, sein sehr langes Haar wirkt ungepflegt, auf der Mitte seiner Stirn hat er ein für Hindus nicht ungewöhnlichen roten Punkt.

Er hält beide Hände gegeneinander gefaltet und murmelt in einem monoton an- und abschwellenden Singsang Texte, die ich nicht verstehe.

Dass der Kranke mehrmals Durst signalisiert, entgeht ihm.

Ich stehe mit dem Rücken zu einer Tür, die sich hinter mir plötzlich leise öffnet. Eine sehr elegant gekleidete Frau zieht mich sanft mit sich in den hinteren Raum, ein prächtiges Zimmer, geradezu überladen mit Kostbarkeiten. Die Frau setzt sich auf das Bett dort und schaut mich lange ruhig an.

In ihren braunen Augen ist eine sehr starke Willenskraft. Ich spüre, dass sie versucht, mich ohne Worte zu belehren, aber das ist sehr anstrengend für mich und so bitte ich sie, mit mir über meine Gedanken zu kommunizieren.

Sie lächelt: Ja, das ist anstrengend, ich weiß. Aber siehst du, so anstrengend ist es selbst für dich, wie sehr erst für Andrea!

Und ich habe keinen anderen Weg! Früher schon konnte ich sie über Bücher erreichen oder Songs, die sie mochte. Ich konnte jemanden unvermutet Kluges sagen lassen.

Aber um all diese Wege der Inspiration zu gehen, braucht es genau das, was nicht mehr da ist: Zeit! Muße!

Du lieber Himmel, Muße? Ja, stimmt, die gehört wohl den himmlischen Gefilden an mittlerweile.

Oh, bitte, wir MÜSSEN reden! Ich steh mitten im Kampf! Und brauche Hilfe!

U. Du bist Andreas Guide?

G. Ja, ja, hast du mich erkannt?

U. Die Augen!

G. Ja, die verändern sich nie. Ich bin Deri, die Frau des Fürsten. Wir sind in Indien, eines der unzählig vielen, kleinen Fürstentümer, wir schreiben das Jahr 1847. Eine wirklich fürchterliche Zeit für mein Land, aber auch für die Engländer.

Sie hatten die Macht, sie hatten aber nicht die Legitimation in ihren Herzen für das, was sie uns antaten.

Bitte verzeih mir, wenn ich hier nicht zu sehr ins Detail gehe, wenn euch der geschichtliche Hintergrund interessiert, dann wisst ihr sicherlich, woher ihr die bekommt.

Andrea, ich will, dass du anfängst, zu verstehen, wer du bist, was du bist.

Ich will, dass du anfängst, zu begreifen, welchen Kampf du kämpfst, heute wie damals…

Noch während sie redet, höre ich aus dem Krankenzimmer Tumult. Deri öffnet die Tür und winkt mir, mitzukommen, allerdings muss ich mich hinter dem Türrahmen verbergen, sagt Deri, sie sieht dich sonst…

Ich weiß, damit meint Deri Andreas Seele in der hiesigen Situation.

Medial veranlagte Seelen nehmen Besucher wahr, auch dann, wenn sie im materiellen Verständnis zur Zukunft gehören.

Das Szenario, das sich mir bietet, könnte aus einem Slapstick sein. Der Fürst sitzt nun aufrecht im Bett, jemand hat ihm Kissen in den Rücken gestopft, der zierliche Beter kreischt und schimpft, weil ein junger Mann gerade mit einem einzigen Schwung einen Eimer Wasser auf das Kohlebecken schüttet.

Was den Beter dazu veranlasst, in die Knie zu gehen und laut zu weinen. Völlig ungerührt davon aber reißt der junge Mann die Vorhänge auf und die Tür, endlich erfüllt ein Luftzug den Raum…

Der junge Mann ist sehr gut gekleidet, allerdings nicht indisch. Es ist schwer für mich, zu sagen, ob er Europäer oder Inder ist: Seine Augen sind braun, seine Haut kann genauso gut die sonnengebräunte Haut eines Weißen sein wie die eines Inders. Aber er trägt westliche Kleidung.

Ich werde aufgefordert, den folgenden Dialog wieder zu geben:
Deri. Oh, John, das ist vielleicht etwas zu viel Einsatz! Der arme Mahndi, er denkt, wir sind gekommen, die Teufel einzuladen! Ich hatte sie doch nur gebeten, ihn hier diskret zu entfernen…

J. Aber, Milady, diese Luft hier drin war wirklich teuflisch! Ich konnte das nicht eine Sekunde länger ertragen, wenn das übereifrig war, bitte ich um Verzeihung, aber richtig war es!

Deri lachend: Ja, richtig war es, mein lieber Freund! Bitte begleiten sie den Priester in meine Räume, ich werde versuchen, ihn zu besänftigen…

Beide Männer verlassen das Zimmer.

Deri streichelt ihrem Mann liebevoll die Stirn, gibt ihm zu trinken, worauf er bald ruhig einschläft. Dann geht sie mit mir wieder in den Nebenraum.

D. Andrea, es ist nicht ungewöhnlich, dass wir mit den Inkarnationen auch das Geschlecht ändern. Das ändert vielleicht in gewissen Punkten unsere Art, uns im Leben zu verwirklichen, nicht aber unser tiefes Sein.

Deine damalige Existenz war – gelinde gesagt – eine Ungewöhnliche.
Dein Vater war ein englischer Priester, deine Mutter war eine Inderin. Also standest du schon von Geburt an zwischen allen Stühlen. Und beide waren nicht nur durch ihre Herkunft so verschieden, sondern auch vom Gemüt.

Der Vater streng und unnahbar, aber gerecht und klar in seiner Weisung, die Mutter fast ein Kind noch, liebevoll, fast zu sehr nachgiebig, doch im Gemüt stets schwankend, und dazwischen du.
Mit all deinen seltsamen Ambitionen, wie dein Vater es nannte.

Du warst wirklich ein seltsames Kind. Nie hattest du Angst vor Dingen, die andere Kinder fürchteten: etwa im Dunkeln in die Kirche zu gehen oder über den kleinen Garnisonsfriedhof oder vor einer Schlange oder einem Skorpion…

Im Gegenteil, du schienst gerade diese Dinge besonders faszinierend zu finden. Und solange du klein warst und es dir niemand verbot, führtest die heitersten Konversationen mit einen alten, weißen Schlange, die sich unter einer Mauer in eurem Garten eine Höhle als Heim genommen hatte.

Du tatest das Gleiche mit dem alten Baum dort, aber gerne auch mit Jesus, der in der Kirche an ein Kreuz genagelt war und der dir unendlich leidtat.
Ich könnte noch viel mehr darüber erzählen, aber was ich auch sage, es läuft alles darauf hinaus, dass du außerordentlich medial warst.

Nein, nein, bitte, meine Liebe, bekomm jetzt keinen Schreck, NIEMAND will dir NOCH eine Bürde aufladen, ich zu allerletzt!

Mein Ziel ist, dich im Gegenteil von solchen zu befreien, die du nicht zu tragen hast!

Die Zeit dieser medialen, kindlichen Freiheiten hatte ein Ende, als du sechs Jahre alt warst. Solange bestimmte deine Mutter über deine Erziehung, nun aber kamst du in die Obhut des Vaters und derer, die er darum engagiert hatte.

Während deine Mutter mit gewissem Stolz auf deine Wahrnehmung schaute, passte sie ins Weltbild deines Vaters nicht hinein. Und so warst du gezwungen, in zwei Wahrnehmungswelten zu denken, zu fühlen und zu handeln, vor allem aber zu werten, was zu werten ist.

Eine Wahrnehmungsart war die erlaubte, durch Zustimmung des Vaters abgesegnete, die nennst du bis heute Realität.

Die andere Wahrnehmung war ausschließlich die deine. Niemand, der sie teilte, niemand der sie bestätigen konnte und nun, nachdem die wohlwollende Mutter dich nicht mehr erzog, auch niemand mehr, der sie wenigstens als möglicherweise richtig tolerierte.

Kann es wundern, das letztere Wahrnehmung in dir selbst dir immer lästiger wurde? Ich denke, nein.

Es kann zum Lebensplan gehören, die mediale Fähigkeit der Seele auszuleben oder auch nicht. Und manchmal gehört es zur Lebensaufgabe, zu wählen, was man zu leben wünscht.

In diesem Leben hier hattest du aber keinerlei Wahl. Dein Vater und seine Werte ließen es nicht zu. Die Folge war nicht einmal ein Verlustgefühl, es war eher der Eindruck, seltsam fremd zu sein!

Und das, liebe Andrea, ist immer noch ein Thema deines Lebens, nur dass du heute wählen DARFST.

Du liebtest deinen Vater, dein Vertrauen in ihn war grenzenlos, er war der zuverlässigste Mensch, den man sich vorstellen konnte und dein kleines Herz hing an ihm so sehr wie an der sanften, aber stets hochemotionalen Mutter.

Strenge aber stand nun im Mittelpunkt deiner Erziehung: Es gab Pflichten, Regeln und die waren nicht zu diskutieren. Und Wahrnehmung und Werte erst recht nicht.

Es war gar nicht so, dass du darunter sonderlich gelitten hättest, denn der Liebe des strengen Vaters warst du dir sicher. Und aus Liebe heraus – so sagte er dir – sollte Pflichtbewusstsein dir so früh wie nur möglich beigebracht werden.

Im Geheimen aber hast du weiter mit Engeln und Göttern gesprochen, hast dich an der schillernden Farbenpracht der Seelen ergötzt und dir von Bäumen und Tieren erzählen lassen, wie ihre Welt ist.

Obwohl dein Vater Indien liebte und auch seine Frau von Herzen, soweit man Letzteres von einem Mann wie ihn sagen kann, hatte er große Vorurteile gegen Inder. Sie galten ihm als sehr unzuverlässig und dem Weißen gegenüber als undiszipliniert und schon darum unterlegen.

Da lag die Furcht nahe, dass sein Sohn vielleicht ausgerechnet diese Neigung zur „Bummelei und Unredlichkeit“, wie er es nannte, geerbt hatte. Darum war dein Tag nun angefüllt mit Pflichten und absolutem Gehorsam. Doch von diesem Hintergrund wusstest du nichts.

Kaum warst du 12 Jahre alt, wurdest du in ein Internat nach England gebracht, eines, das sich auf „Mischlinge“ wie dich spezialisiert hatte. Was nichts anderes bedeutete, als dass du unter einer schrecklichen Mischung von Hochmut und Strenge der Lehrer zu leiden hattest.

Mit 16 Jahren durftest du endlich wieder heim. Aber das Indien deiner Kindheit hatte sich verändert: Deine Mutter war gestorben, dein Vater hatte ein zweites Mal geheiratet.

Dieses Mal eine Weiße und die hatte darauf bestanden, dass keine Inder mehr im Haus leben sollten, auch kein Dienstpersonal.

So war nun auch deine geliebte, vertraute Ainini fort, die Köchin, und Banbhu, der alte Gärtner, der dir so viel über die Berge im Norden erzählt hat. Und der dir genauso viel über seinen Glauben sagte, wie dein Vater es tat, nur dass Letzterer nichts davon wusste, dass du im Geheimen buddhistischen Religionsunterricht gehabt hattest.

Was niemand wusste, war, dass deine innigste Sehnsucht dahin ging, endlich auch wieder in der Wahrnehmungswelt Indiens leben zu dürfen: Aura sehen, Götter sehen, das war, was du als wundervolle Kindheitserinnerungen in dir trugst, ebenso wie die Begegnungen mit Engeln. Deine mediale Wahrnehmungswelt war so reich wie eben der Glaube, den deine Mitmenschen hatten.
Nun, in England verarmte dies, in Indien hofftest du darauf, ES zurückzugewinnen, wenn du deinen Gärtner wiederfindest. Und natürlich Ainini mit ihren tausend Geschichten über die Welt der Götter und Helden ihres hinduistischen Glaubens.

All das gab es nicht mehr und dein Schmerz darüber war unermesslich groß!

Äußerlich hast du dir nichts anmerken lassen, aber innerlich war es zu der Zeit sehr dunkel in dir geworden. Und je demonstrativer in deinem neuen / alten Zuhause deine indische Abstammung unterdrückt wurde, umso mehr sehntest du dich danach, sie leben zu dürfen.

Um es kurz zu machen: Du bist ausgerissen. Deine Banklehre bei der britischen Kompanie Filiale im Ort hast du einfach GAR NICHT mehr ertragen.

Es gab nur eines, um das es dort ging: So viel wie nur möglich aus den Indern auszupressen, rücksichtslos in einem Ausmaß, das die heutigen Verhältnisse noch übersteigt.

Der eine, verhungerte Arbeiter wurde eben ersetzt durch den nächsten. Es gab doch Millionen. Wozu teures Gemüse kaufen, wenn schlechter Reis reicht?

Also bist du fort. Eine lange Reise begann vom mittleren Indien bis zu den Bergen des Hindukusch, um zu suchen.
Was? Ein Zuhause! Auch ein Zuhause der Wahrnehmung.

Irgendwer, irgendwo, der genauso wie du sieht, weiß und fühlt? Vielleicht die Gurus, vielleicht die Mönche, vielleicht die Heiligen?

Aber es ging nicht, es gab gar keinen für dich, der wahrnahm wie du UND du warst auch kein Inder. Nie durftest du bleiben, durftest niemandes Schüler werden.

Deine Haut zu hell? War das der Grund? Nein, deine Art, zu denken, war zu sehr auf Logik ausgerichtet.

Alles hast du hinterfragt, auch das, was nicht erlaubt war, zu hinterfragen.  Hinter allem wolltest du den Sinn verstehen und gabst unumwunden zum Ausdruck, was du für unsinnigen Aberglauben hieltest.

Und doch: Du hattest viel gelernt! Über das Leben, über das, worauf Menschen hoffen und darüber, was sie fürchten.

Und bist für dich zu dem Schluss gekommen, dass all die Abgrenzungen und Feindschaften gar keinen Sinn ergeben.
Weder sind die Inder den Weißen überlegen noch umgekehrt.
Weder war die eine Kultur noch die andere die Bessere und BEIDE hatten wenig Sinn und Verständnis für einen, der sah und wusste und fühlte, was sonst keiner tat.

Und du dachtest dir: Wenn es so ist, kann es sein, dass ich dies erlebe, um das Schweigen zu leben?

Und deine Seele verknüpfte alle Religionen, die sie nun kannte, und wertete die eigene Gabe nun so: Gott hat mir das Kreuz des Schweigens auferlegt, vermutlich, weil ich das Aussprechen missbrauchte in anderen Leben. Dann will ich mich nun nicht mehr danach sehnen und schweigen, was auch immer ich sehe, fühle und weiß.

Als dir dieser Gedanke kam, bist du in eine tiefe, innere Einsamkeit gegangen, in eine Resignation, die deine Seele bis heute trägt.

Was IMMER ich glaube, sehe, fühle und weiß, es wird NIEMAND verstehen. Ich verstehe es selbst nicht.

Wir haben dich kennengelernt, als du als Boy in einem Sanatorium für Lungenkranke in den Bergen gearbeitet hast, wo ich und mein Mann uns Genesung für ihn erhofften.

Es war zwischen uns sozusagen Liebe auf den ersten Blick. Uns gefiel deine Art und wir begannen, mit dir zu plaudern. Schon bald faszinierte uns die Welt deiner Gedanken und Ansichten, ganz besonders, wenn es darum ging, zwischenmenschliche Zusammenhänge zu analysieren oder darum, welche Motivation jemanden bewegte.

Es schien uns, als hätten wir das große Glück, einem jungen Weisen begegnet zu sein.

Schließlich fragten wir dich, ob du mit uns kommen würdest als eine Art persönlicher Referent von mir und mir helfen würdest, mich auf dem glatten Parkett der Diplomatie zwischen meinen höherstehenden Landsleuten und der indischen Kompanie zurechtzufinden.

Nur zu gerne hast du das getan. Und du warst mir in den Jahren, die du bei uns warst, ein sehr geschätzter junger, weiser Freund und Begleiter, auch über den Tod meines Mannes hinaus.

Die Offenheit unseres Miteinanders, die gegenseitige Wertschätzung, all das tat dir gut, änderte aber nichts mehr daran, dass du zu meinem Schmerz doch im Wesentlichen unnahbar bliebst. Ich spürte es wohl, wie tief dein Schmerz war, erfuhr ich aber erst viel später.

Das wurde mir sehr deutlich, als ich zufällig in der Nacht aus deinem Zimmer lautes Klagen hörte, ich war besorgt und öffnete die Tür vorsichtig.

Du hast im Yoga Sitz da gesessen und bitter geweint und immer und immer wieder zu jemandem – den ich nicht sah, weil er der geistigen Welt angehörte – gesagt, er möge seine Worte zurücknehmen, es seien unerträgliche Wahrheiten, wenn es denn solche wären.

Ich war geschockt und fragte mich, ob du vielleicht den Verstand verlierst, doch am nächsten Morgen warst du ganz wie immer: höflich, manchmal ein wenig zu durchsetzungsfreudig. Aber nichts und niemand hätte von deiner Not in der Nacht auch nur den leisesten Schimmer gehabt.

Da wurde mir wehmütig klar, dass unsere gemeinsame Basis nicht Vertrauen war, jedenfalls nicht auf deiner Seite. Du bist nicht einmal davon ausgegangen, dass ich deine spirituelle Not verstehen KÖNNTE.

Erst zwei Jahre später – es war das Jahr 1856 – änderte sich etwas. Du wurdest unruhig, fahrig, deine Konzentration ließ zu wünschen übrig, blass und übernächtigt sahst du aus. Aber so oft ich auch fragte, du sagtest NICHTS.

Und eines Morgens warst du einfach weg. Ein Brief lag für mich auf deinem Bett, in dem du versuchtest, dich zu erklären. Du würdest vermuten, einer Art Wahn anheimgefallen zu sein, denn dich plagten schreckliche und sehr konkrete Träume von fürchterlichen Geschehnissen, die sicher eine Ausgeburt deiner übergroßen Fantasie seien. Und du bittest um Verständnis, wenn du sie mir nicht darlegst, es würde nur unsinnige Beunruhigungen bringen.

Die Qual darüber, mit niemandem reden zu können, würdest du aber nicht mehr aushalten und du hättest beschlossen, das Land zu verlassen. Denn du hieltest es für deine Pflicht, mich vor den Auswüchsen deines Wahns zu schützen.

Nun ja, Andrea, was du damals gesehen hast, war, was sich schon bald ereignen sollte. Es kam zu einem schrecklichen Massaker in unserer kleinen Hauptstadt, auch ich fand dabei meinen Tod. Und du warst zugegen!

Meine liebe Seelenfreundin, es wird Zeit aufzuräumen!

Medialität ist ein Wesensmerkmal einiger Seelen, die Gabe ist da wie andere Fähigkeiten auch.
Es gibt Leben, da soll die Gabe nur dem eigenen Entwicklungspfad dienen, es gibt andere Leben, da dient sie den Mitmenschen. Und es gibt Leben, da wechseln sich beide Weisen ab.

Und obwohl die Medialität als Gabe immer in der Inkarnation dabei ist, ist sie doch von Leben zu Leben unterschiedlich stark ausgeprägt.

Im Leben hier hattest du auch die Gabe der Vorausschau, aber das erfuhr ich erst nach unserem Tod.

Du hast SOVIEL vorausgesehen: Den Tod deiner Mutter hast du schon gesehen, ehe du nach England ins Internat musstest, aber wie hättest du wissen sollen, dass es kein Traum war?
Und selbst wenn du es gewusst hättest, was hättest du machen können?

Und doch quälte dich ein Leben lang die Frage, ob du sie vielleicht zu wenig geliebt hast und darum lieber der Pflicht nachgekommen bist, die dich nach England führte. Es quälte dich, ob es deine Lieblosigkeit war, die sie ohne dich hat sterben lassen.

Das Gleiche hier bei uns. Du warst inzwischen aufgrund deiner Erfahrung mit deiner Gabe der Präkognition ziemlich sicher, dass sich ereignen kann, was du siehst. Aber je eindeutiger die Beweise wurden, umso weniger wolltest du sie akzeptieren.

Als dann schließlich jahrelang Träume unseres schrecklichen Endes kamen, WOLLTEST DU, dass es WAHN ist!

Denn was dir ein unlösbarer Konflikt war, war die Tatsache, dass du dich verpflichtet fühltest, stets unser Leben vor Lasten zu bewahren. Du fühltest dich verpflichtet, mir einen ruhigen Lebensabend zu verschaffen, und es gab GAR NICHTS, was dich davon abhalten konnte.

Dein ganzes Streben galt dieser Verpflichtung, die du bei mir eingegangen bist. Rational, klar und zuverlässig warst du mir der beste „Sekretär“, den ich je hatte.

Aber was deine LIEBE mir hätte sagen müssen, hätte genau das Gegenteil dessen bewirkt, wozu du dich verpflichtet sahst!

An diesem Konflikt wurdest du krank, zwar keineswegs wahnhaft, aber dein Gemüt würde sehr schwer, deine Einsamkeit grenzenlos.

Ach, du liebe Seele!

Und als sich schließlich alles Grauen bewahrheitete, da ist dein Herz gebrochen. Das war einfach zu viel! Du hast dir selbst ein schreckliches Urteil gefällt: Nämlich Schuld an unserem Leid zu sein!
Doch es gab NIEMANDEN, der dich anklagte!

Aber der Konflikt ist immer noch da, unbearbeitet, unerkannt von der Seele bist du in dieses Leben der Andrea gegangen, um neue Wege der Lösung zu finden.

In der Zwischenzeit hast du beide Teile einseitig gelebt, warst einmal ABSOLUT PFLICHTTREU und ein andermal ABSOLUT emotional / MEDIAL.

Beides war nicht gut! Und jetzt, Andrea, wird es Zeit, sich dem ganzen Konflikt endlich bewusst zu stellen!

Es mangelt dir nicht an Liebe zu deinen Mitmenschen, wenn du Pflichtbewusstsein verlangst, aber es mangelt dir auch nicht an Verantwortungsbewusstsein, wenn du deiner Intuition folgst.

Der Fehler, den du machst: Du weißt GAR NICHTS von deiner Motivation, die dich einmal diese Seite und einmal jene Seite leben lässt.

Jede Seele, Andrea, hat eine Basis–Motivation!
Das ist genau der Teil in ihr, den sie vom Göttlichen geerbt hat.

Bei der einen Seele ist es die Hingabe an die Schöpfung, bei der anderen der Kampfgeist FÜR das, was gut ist…
Bei dir?
Liebe!

Ja, ich weiß, das klingt dir zu platt, warte bitte: Eine tiefe Liebe zu dem, was gut und wahr ist, um es zu erhalten!

Du bist eine Bewahrerseele, Andrea, eine Seele, die das, was im Leben ist und gut und wahr ist, unter allen Umständen schützen und bewahren will.

Das ist Liebe, Andrea, das ist ein unverbrüchliches JA! zur Schöpfung.

Und du bist eine mediale Bewahrerseele! Es geht um das Bewahren des Guten in BEIDEN Welten.
Es gibt keinen Weg, da herauszukommen, du BIST das!
Du bist eine Liebende! Und wie du liebst!

Das ist dein Leid, Andrea, dass du in deiner Liebe nicht parteiisch sein KANNST. Denn das schließt sich aus!

Und gleichzeitig pflichttreu bist bis ins Innerste. Pflicht im Irdischen ist oft einseitig. Das macht es so schwer für dich.

Aber, mein Lieb, siehst du, es ist nun einmal wahr: Es gibt nur sehr wenige, lebende Menschen, die diese Art, zu lieben, mit dir teilen können.
Du kannst sie nicht belehren, du kannst sie nicht ändern, so wenig wie dich selbst.

Deine Art, zu sein, ist eine Art, die nur wenige Menschen teilen können. Sie können davon profitieren, aber nur sehr selten dir geben, was du doch so sehr wünschst: Gemeinschaftsgefühl.

Andrea, hinter dem Bedürfnis nach Gemeinschaft liegt eine noch viel tiefere Sehnsucht, nein, lass es mich Hunger nennen. Es ist der Hunger danach, behütet zu sein, beschützt, genährt, gehalten.

Und, mein Lieb, du hast recht mit diesem Hunger: Es war zu wenig, um satt zu werden! Ach, ja doch, ich weiß es!

Nur, Andrea, diese Nahrung, die du brauchst, die bekommst du nicht über die Gemeinschaft, das ist leider nicht möglich.

Wo denn dann?

Oh, es gibt so viele Nahrungsquellen, doch ohne Achtsamkeit darauf verfehlst du sie. Eine hast du schon gefunden, nicht wahr? Uns!

Aber wir wirken doch auch in Menschen, in Tieren, in Pflanzen.
Und wir möchten dir so gerne das Bewusstsein dafür stärken, dass, so gering ein Wesen auch sein mag, so unsensibel ein Mensch auch sein kann, ganz egal, JEDES und ALLES kann dir Nahrung geben, wenn du nur beginnst, sie zu sehen.

Da fragst nach neuen Wegen, mein Lieb, nun das ist ein neuer Weg: Lerne Gottes Fürsorge mit dir zu finden in dem, was dir täglich begegnet.

Es wird nicht leicht, ich weiß!

Eingefahrene Betrachtungsweisen zu ändern, ist dem Menschen immer eine Anstrengung und die kannst du gerade da nicht gebrauchen. Aber dies ist auch nicht meine Empfehlung.

Sondern nimm diesen langen Brief an dich als Anfang.

Ein neuer Weg beginnt immer damit, eine neue Blickrichtung zu bekommen. Dies ist der erste Schritt und dann lerne, wie es sich geht auf dem neuen Weg. Ein Weg des NEHMENS.

Du musst immer stark sein?
Nein, Liebling nicht so, nicht für uns, nicht für das Leben…
Es will dir auch GEBEN dürfen.

U. Deri, ich muss an dieser Stelle unterbrechen, die Kraft reicht nicht mehr lang und wir sind schon weit über mein Maß hinaus…

D. Nun hast du ihr gegeben und sie wird NEHMEN, jeden Satz.

U. Da sind noch ihre Fragen…

D. Wir beantworten jene, die sich nicht selbst aus dem Kontext erklären.

U. Gut. Andrea fragt, wie sie mit ihren Wahrnehmungen auf nicht diesseitiger Ebene umgehen soll, sie fühlt sich überfordert.

D. Andrea, stell dir vor, deine Gabe wäre Musikalität und deine innere Wahrnehmung würde überflutet mit Melodien, du könntest aber weder Noten lesen noch gar ein Instrument spielen und würdest nun fragen: Wie soll ich damit umgehen?

Natürlich muss meine Antwort sein: LERNE, MUSIK zu verstehen! Lerne erst einmal Noten und die Prinzipien der Harmonie. Und wenn du dann noch magst, dann lerne Klavierspielen.

Eine Gabe ohne Grundlage, ohne Theorie und Konzept ist gefährlich und belastend.

Deine Wahrnehmung ohne die Prinzipien der Abgrenzung oder der willentlichen Steuerung ist ein weiterer Stressator. In diesem Leben hier in Indien fandest du keinen Lehrer, nun, das ist nicht so heute.

U. Sie schreibt: Ich stehe immer wieder vor Gericht, habe das Gefühl, das ich sehr viel strenger beurteilt werde als andere, warum? Und warum fühle ich mich in meiner Seele angegriffen und abgewertet?

D. Du selbst bist ein Richter, dessen Gesetze die anderen nicht teilen KÖNNEN, sie sind nicht soweit! Und gleichzeitig bist du ein Fordernder, der sein Recht einfordert, dazuzugehören.

Das ist der Konflikt! Die Lösung ist über den Konflikt nicht zu schaffen!

Sondern darüber, den inneren Hunger mit etwas stillen zu wollen, was nicht erbracht werden kann und obendrein die falsche Nahrung ist: aufzugeben.

U. Obwohl sie sich so sehr dafür engagiert, will niemand ihr Freund sein, warum?

D. Andrea, du BIST nicht einer von vielen!
Wenn es Freundschaft gibt, muss es eine sein, in der die Rollen, die gespielt werden, den inneren Wahrheiten entsprechen.

Hast du je davon gehört, dass ein Weiser Freunde hatte? r hat Schüler oder er hat – wenn es gut läuft – Menschen, die ihn bemuttern oder bevätern. Aber die Freunde, die kann er nicht diesseitig haben…

Insofern ist es wahr: Du bist ein „Little Alien“…

U. Ich stehe beruflich immer wieder in Extremsituationen, die aber eigentlich immer positiv enden, bin ich aber gar nicht wild drauf, warum ist das so?

D. Weil du das BESTE bist, was der Engel der Menschen, die in Not sind, aktivieren kann! Darum ist das so!

U. Beruflich habe ich sehr viel Selbstbewusstsein, habe auch eine angeborene, super Hardware, nur keinen Ehrgeiz, mich zu profilieren. Wie kann ich meine Fähigkeiten für mich befriedigender einsetzen?

D. Liebe Andrea, solange dein wahrer Hunger nicht gestillt wird, sag mir: WARUM sollte dein Ich Wege suchen, in denen noch mehr Fast Food geboten wird?

Es geht nicht um Anerkennung, es geht darum, FÜRSORGE zu erhalten, Andrea! DA liegt der Hunger, da ist die Unterernährung.

Nimm dir Fürsorge, lerne, wie das geht. Der Rest erledigt sich von selbst.

U. Andrea bedankt sich bei allen Engeln und jenseitigen Begleitern und fragt, ob sie noch etwas für die von ihr Behandelten tun kann oder ob sie alles falsch macht?

D. Wir bedanken uns, liebe Andrea!
Ja, du kannst noch etwas tun! Du kannst deine Kraft erhalten lernen, deine Liebe erhalten lernen, so, dass sie nicht deine Schuldner sind.

Ein Feuer braucht, um zu brennen, irgendetwas, das seine Flamme nährt: Holz oder Kohlen. Und wenn alles Holz verbrannt ist? Geht das Feuer aus.

Du kannst etwas tun: Du kannst lernen, wie und wo du dir den Nachschub an Feuerholz, den du brauchst, nehmen kannst…

U. Deri, vielen Dank, du warst sehr, sehr engagiert und ich hoffe, dass wir Andrea helfen können.

D. Es ist nicht einfach! Wenn ein Mensch gibt und gibt und gibt, dann braucht er einen Ort, an dem er nimmt und nimmt und nimmt. Wenn dieser Ort nicht gefunden wird, dann kommt der Zorn, dann kommt die Ohnmacht.

Wir sind voller Besorgnis um Andrea. Sie nimmt nicht, weil sie nicht gelernt hat, warum das nötig sein soll, wer es geben sollte und wie sie es finden und erkennen kann.

Wir sind so voller Fürsorge für sie, aber wir schaffen es nicht ohne Hilfe von außen.

Sie ist unterernährt worden, immer schon, immer schon! Der Hunger ist so normal geworden, dass er nicht mehr wahrgenommen wird! Und der Weg, dies nicht wahrzunehmen, ist, ANDEREN das zu geben, was sie selbst nicht bekommen hat…

U. Ich verstehe: Das wird ein Weg, der Schritt für Schritt gegangen werden sollte.

D. Ja! Ich hoffe sehr, wir verstehen uns.
Hab Dank für deine Geduld, ich konnte einfach nichts kürzen.

Auf Wiedersehen, Uta!

U. Auf Wiedersehen, Deri!