Frieden

Verstorbene – Die Lebenden denken, dass nur wir ihnen helfen können.

Die Lebenden denken,
dass nur wir ihnen helfen können.

Aber das stimmt gar nicht.
Das Tun und Handeln der Lebenden
hilft auch uns!

Verstorbenenkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit Arthur zu verbinden.
Seine Tochter Anneliese bittet um diesen Kontakt.

Er kommt sehr schnell.
Die Tür öffnet sich und er betritt den Raum
in der Gestalt eines Mannes um die 40.

Arthur ist ausgesprochen gut angezogen:
Ein grauer Anzug, ein weißes Hemd
und eine silbergraue Krawatte mit blauen Streifen.

In der Hand hält er einen Strauß rosa Rosen.
Es sind diese vollen Rosen, sie duften wunderbar.
Und sie schauen aus, als wären sie aus einem Garten.

Er lächelt, legt die Blumen auf meinen Schreibtisch:
A: Für Anneliese, sie weiß, warum.

Er zieht die etwas schief sitzende Krawatte gerade, schaut sich um,
schaut kurz durch das Veranda-Fenster,
als suche er etwas, dann wendet er sich wieder mir zu.


A: Darf ich mich setzen?!

(Das klingt nicht schüchtern, sondern so,
als ob er mich auf den Fehler mangelnder Höflichkeit
aufmerksam machen wolle.)


U: Oh, bitte! Natürlich, setz dich doch bitte!

Das tut er, er zieht an den Hemdaufschlägen,
überprüft den Sitz der in Gold und Perlmutt
ausgelegten Manschettenknöpfe,
dann legt er seine Hände ruhig in den Schoß.


A: Vielleicht sollten wir nicht zu persönlich werden?


U: Du magst nicht von mir geduzt werden?


A: Im Grunde ist mir das heute einerlei,
aber vielleicht der Deutlichkeit wegen…


U: Aber ich muss mit dir sehr vertraut sein, um dich zu verstehen.
Distanz macht mir meine Arbeit sehr schwierig…


A: Unter diesem Aspekt stimme ich natürlich zu.


U: Danke, Arthur.

Er verändert das Umfeld.
Wir sitzen jetzt auf einer Terrasse, ein kleiner Garten.
Blühende Rhododendren kann ich erkennen,
einen ziemlich großer Baum, der Schatten wirft.


Das Haus hinter mir wirkt wie eines dieser Bungalow-artigen Immobilien der späten Fünfziger Jahre,
alles ist schon ein wenig “abgelebt“.

Arthur ist jetzt älter, das Haar silberfarben.
Er hat eine Brille auf und studiert eine Zeitung.
Auf der Seite, die er liest,
sind politische Nachrichten und ein Börsenteil.

Dann legt er Brille und Zeitung auf den Tisch.
Ein Zigarettenetui aus Silber liegt dort
mit einem schwungvoll ziselierten Buchstaben.
Ich bekomme immer wieder ein „B“, weiß aber nicht,
ob ich mich da irre…


Dann steht er auf, geht ins Haus,
kommt mit einer Teekanne wieder heraus,
schenkt ein und nimmt eine ziemlich große, weiße Tablette.

An mich gewandt, sagt er: 
Der Magen, das war so eine Sache! 
Möchtest du Zucker?
Meine Frau ist leider nicht hier.


U: Nein, danke…

Wieder steht er auf, geht zu einem Rosenbeet.
Von hierher scheinen also die Rosen zu kommen,
er bindet Zweige an.

Obwohl er jetzt legerer gekleidet ist (keine Krawatte, kein Sakko).
wirkt er immer noch penibel gut angezogen.


U: Ist das der Platz, an dem du heute im Jenseits lebst?


A: Nein, das könnte ich, aber daran habe ich kein Interesse mehr.
Ich denke nur, wir haben so einen angenehmeren Rahmen.
Ich höre, du bemühst dich um Immobilien?


U: Ja…


A: Man muss vorsichtig sein, die Alters-Absicherung muss tragbar sein…


U: Da hast du Recht, war dir das auch wichtig?


A: Ich habe versucht, abzuwägen…


U: Was hat du abwägen müssen?

A: Ich habe ein Bedürfnis nach Schönem gehabt,
aber auch nach Sicherheit. 
Manchmal kann man nicht beides bekommen.
Dann muss einfach der gesunde Menschenverstand
den Ausschlag geben!

U: Sagst du das mir oder deiner Tochter?
Zum ersten Mal lächelt er.

A: Anneliese zuerst, wenn du es mit benutzt, soll es mir recht sein.

Er zeigt mir ein Bild, das ich nicht zu deuten weiß.
Er geht mit einer jungen Frau in einem hellen Sommerkleid
auf einem erhöhten Weg entlang.
Auf der einen Seite sind Wiesen, auf der anderen Seite ein Fluss…

Sie hat sich bei ihm untergehakt.
Ich sehe ihr Gesicht:
Sommersprossen über der Nase, leuchtende Augen.
Sie lacht und ist offensichtlich sehr verliebt in ihn.
Und er freut sich an ihrer Leichtigkeit,
diesem spielerischen Treiben…

Sie spielt mit ihm, setzt ihre Reize ein,
tändelt mit einem Schirm,
den sie bei sich hat.
Sie scheint sich lustig darüber zu machen,
dass er ihn mitgenommen hat,

obwohl das Wetter nun doch gut ist.

Emotional scheint er zwischen Baum und Borke zu sein…
Einerseits ein wenig verzaubert,
andererseits fühlt er sich nicht ernst genommen.
Das verunsichert ihn, erzeugt aber auch eine positive Spannung.

Dann wischt er dieses Bild weg.
Die eben noch sehr heitere Atmosphäre wird dunkler.
Er ist allein, steigt aus einem Auto aus,
in der Hand wieder einen kleinen Blumenstrauß.
Da ist ein Haus, in das er gehen will.
Und in diesem Haus erwartet ihn eine andere, jüngere Frau…

Die ist wesentlich ernster als die Erste.
Die Augen sanft und ruhiger, aber auch reservierter,
eine völlig andere Persönlichkeit.
Er zeigt mir, dass er aus seiner Jacke ein Etui nimmt
und dieser Frau einen schmalen goldenen Ring aufsteckt…


U: War das eine Entscheidung der „Alters-Absicherung“?


A: Nicht ganz, ich habe eben Beides geliebt.
Aber die Entscheidung fiel dann
zugunsten meines Pflichtgefühls aus.
Das muss nicht falsch sein…

Ich möchte, dass Anneliese das versteht: 
Liebe ist so unterschiedlich,
wer kann sagen, was mehr Bedeutung hat?
Das kann man nur selbst beurteilen,
womit man leben kann und womit nicht.

Wir sollten dieses Thema jetzt beenden.

U: Einverstanden.

Arthur, mir fällt auf, dass du selbst in diesen beiden
so emotionalen Augenblicken doch recht distanziert bist…


A: Ist das so? Dessen bin ich mir nicht bewusst!

Er wehrt anscheinend ein weiteres in ihn dringen ab.
Er mag hier nicht weiter zeigen, wie er was fühlte.
Er versucht, unsere Unterhaltung auf einer
möglichst sachlichen Ebene zu halten.


A: Ich habe das so gehalten, weil ich es für richtig hielt.


U: Aber du warst doch sehr gefühlvoll, ich spüre es doch!

A: Für mich war das immer eine Frage des Angemessen seins,
ich wurde so erzogen!

Aber gefühlt hab ich oft anders,
da stimme ich dir zu.
Ich wäre so gerne ein ganz Anderer geworden…

U: Warum bist du nicht geworden, was du werden wolltest?

A: Pflicht? Erziehung zur Verantwortung?


U: Du gibst mir immer wieder das gleiche Bild:
Ein Soldat, der rennt, wird von hinten erschossen,
was bedeutet das?


A: Das hat mich verändert, es war entsetzlich!


U. Der Krieg?


A: Ach, lassen wir das doch!


U: Dieses Erlebnis war entsetzlich?


A: Wenn Kameraden Kameraden erschießen,
an was willst du da noch glauben?


U: Ja, an was?


A: An sich selbst, die Selbst-Verantwortung…


U: Das war dir so wichtig…


A: Ja! Es war wichtig und es war schwierig.

Er gibt überträgt mir, wie schwer es war, seine Emotionen,
die sehr heftig sein konnten, in sich zu behalten,
um äußerlich dem zu folgen,
was er als seine Aufgabe angesehen hat.

Wie wenig mitunter das innere Erleben
und das äußere Auftreten und Handeln zusammenpassten.


U: Warum war das so schwer?


A: Das war meine Lebensaufgabe:
Ich hatte das zu lernen und ich glaube,
ich habe es insgesamt doch recht gut gemacht.


U: Arthur, warum zeigst du mir das alles.
Das ist ja nun doch ziemlich intim,
das wolltest doch anfangs doch gar nicht?


A: Aber ich will, dass Anneliese mich besser versteht.

Es gab für sie einen Vater:
Es gab einen Außen und es gab einen INNEN.
Sie hat mein INNEN geahnt,
seit sie klein war.
Aber ich habe ihr nicht Recht gegeben
und das tut mir heute leid.

Sie ist in ihrem Urteil so unsicher geworden.
Sie versucht, ihrem Verstand mehr zu vertrauen
als ihrem Herzen, weil ICH das so gehalten habe.
Aber so war es doch nur meine Lebensaufgabe, nicht ihre!


U: Verstehe ich das richtig?
Du hast es als Lebensaufgabe gehabt, damit fertig zu werden,
deine emotionalen Bedürfnisse nicht ausleben zu dürfen?


A: Ich hatte die Lebensaufgabe,
meine emotionalen Bedürfnisse kontrolliert zu leben,
aber nicht sie zu unterdrücken.
Ich sollte lernen, mit Beiden richtig umzugehen.
Es war wirklich schwer.


U: In dir ist viel, viel mehr Liebe gewesen,
als du zeigen konntest?

A: Ja, ich habe versucht, gerecht zu sein.
Ich wollte ein gerechter Vater sein.
Ich wollte ein treuer Vater sein und ein guter Ehemann,
ich wollte „in den Spiegel sehen können“.

U: Ist es gelungen?

A: Ich war doch auch nur ein Mensch…


U: Und das solltest du lernen im Leben?


A: Ja.


U: Danke, Arthur.
Ich würde jetzt gerne schreiben,
wie ich hier deine Persönlichkeit empfinde,
wenn du es mir erlaubst?


A. Das ist vielleicht besser, als wenn ich das sage:
Es fällt mir schwer, über mich zu reden.


U: Gut, dann versuche ich es mal,
wenn dir etwas nicht gefällt, unterbrichst du mich.

Ich habe den Eindruck einer
wirklich beeindruckenden Persönlichkeit.
Da kommt jemand zu mir,
der auf den ersten Blick sehr klar,
sehr diszipliniert erscheint.


Jemand, dem man spontan viel zutraut.
Der ein Charisma besitzt,
das die ganze Aufmerksamkeit auf ihn zieht.
Einer, der einfach schon durch sein Auftreten
Kompetenz darstellt und Selbstbewusstsein.


Er löst in mir eine gewisse „Fügsamkeit“ aus.
Ich frage mich, ob das immer so vorteilhaft war.
Es ist nicht leicht, sich neben ihm nicht „Klein“ zu fühlen.
Und das Ganze,
ohne dass er auch nur ein einziges Wort gesagt hätte.

Er wirkt sehr, sehr „erwachsen“,
vermittelt den Eindruck, ernsthaft sein zu müssen.
In die Tiefe gehen zu müssen
und gut vorbereitet zu sein.
Es ist, als würde jemand mir dauernd sagen:
Das hier ist kein Spaß!


Aber dann merke ich mehr und mehr:
Es gab auch ganz andere Neigungen und Bedürfnisse.
Da ist so überaus deutlich sein Sinn für alles,
was Schön ist und Harmonisch.


Eben nicht eine Schein-Harmonie,
sondern eine Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit und Tiefe
und eine große Sehnsucht nach Liebe.


Das ist so schwer zu entdecken
unter dieser beeindruckenden Fassade.
Und doch: wie stark ist das in ihm!

Da ist durchaus Begeisterungsfähigkeit und Temperament.
Da ist durchaus der Wunsch nach Unabhängigkeit
und dem Bedürfnis nach Sinn-Erfüllung…


Aber es ist eben nie und zu keinem Zeitpunkt
eine Leichtigkeit in ihm zu finden, eine spielerische Heiterkeit.
Ich vermisse diesen Aspekt sehr.

Mir ist er wie ein alter König,
der unter der Bürde seiner Verantwortungen
das kindliche sich Treiben lassen völlig verlernt hat.
Das scheint bitter zu sein…


Ich frage nach seiner Kindheit und habe den Eindruck,
dass eine große Unterschiedlichkeit beider Elternteile da war.

Zur Mutter hin spüre ich Sehnsucht und Liebe,
aber auch hier scheint er schon als Kind
sich zurücknehmen zu müssen…

Und auf den Vater bezogen,
bekomme ich einen sehr! strengen Befehl zu hören:
Sitz gerade!
Und dann höre ich ein „Gerade, Junge!“
verbunden mit einem knallenden Geräusch.
Wirklich hart.
Diese väterliche Figur hat etwas Unerreichbares,
aber auch etwas sehr Imponierendes.
Das ist schwer auszuhalten.

Ich vermute,
dass Arthurs Seele als Kind geradezu „domestiziert“ wurde.
Und er tut mir leid, als ich diesen Druck auf ihn als Kind spüre.

Arthur wendet allerdings ein,
dass er sich auf die elterliche Gerechtigkeit
als Kind verlassen konnte und dafür ist er dankbar.

Er wendet außerdem ein,
dass Gerechtigkeit ein sehr wichtiges Familien-Thema gewesen sei,
an den Alle zu tun gehabt hätten
und dies sei bis heute nicht anders.

In diesem Zusammenhang zeigt er mir
noch einmal das Bild eines Soldaten,
der von hinten erschossen wird.

Ich bin mir nicht sicher,
ob dies vielleicht auch ein symbolisches Bild ist davon,
dass er auf eine Art von Gerechtigkeit gebaut hat,
die sich dann doch als „Verrat“ erwiesen hat,
was ein einschneidendes Erlebnis für ihn gewesen sein muss. 
Etwas, das aus den eigenen Reihen kam.


Sehr wenig bekomme ich zum Thema Freunde.
Es scheint, als hätte es da gar nichts gegeben,
was über ein oberflächliches Miteinander sein hinaus gehen würde.


Zum Thema Liebe kommt wieder die ganze Zerrissenheit zwischen Gerechtigkeitsstreben,
Verantwortung und
Emotionalität zum Tragen.
Im Grunde eine Seele,
die so gerne ganz romantisch gewesen wäre,
es aber sich selbst nicht zugestand
und wieder die Worte der Vater-Person:
Sitz gerade, Junge!


Er zeigt mir ein Büchlein, in dem sind Gedichte.
Rilke sehe ich und Eichendorf, es sind sehr alte Bücher.

Er meint, man habe immer Sorge gehabt,
dass ein Träumer aus ihm werden könne.

Aber er zeigt mir auch,
dass er selbst im fortgeschrittenen Alter noch die Natur geliebt hat.
Ganz besonders scheint ihn der Sternenhimmel fasziniert zu haben.

Das zeigt er mir immer wieder:
Das Sternen-Bild des „großen Wagens“
in einer sternenklaren Nacht in den Bergen.


Auf die Arbeit bezogen,
geht er in die Distanz.
Es ist, als DÜRFE er darüber nicht sprechen,
warum auch immer. 
Ich sehe eine Art Labor, weiß aber nicht,
ob das etwas mit ihm zu tun hat.
Menschen in weißen Kitteln gehen da hin und her.

Er ist völlig emotionslos dazu,
eher reserviert, analytisch, nicht negativ.
Aber sehr, sehr sachlich.


Dann zeigt er mir einen Schreibtisch aus Holz, einen Tintenlöscher.
Da ist etwas Grünes, dass ich nicht identifizieren kann.
Und da ist aus irgendeinem Grund
ein kleines Pferd aus Metall zu sehen…
Wieder ohne jede Emotion, sachlich, klar, distanziert…

Das war sicher eine seiner herausragenden Qualitäten.
Dass er in der Lage war,
Dinge aus einer sehr sachlichen, inneren Haltung heraus
zu bearbeiten, zielgerichtet und durchstrukturiert.


Aber ich frage mich langsam,
was es denn wohl gegeben hat,
das ihm einfach nur Freude bereitet haben könnte.

Da zeigt er mir,
dass er als junger Mann Freude am Wettkampf hatte,
gerne sich körperlich ausgepowert hat
und dass er wirklich sehr gerne gewonnen hat.

Ich sehe ihn als jungen Mann auf einem Fahrrad
und er ist wirklich rasend schnell…


Ich sehe ihn als Kind mit einem Lederball Fußball spielen.
Diese Art, sich auszuleben,
hat ihm sichtlich Spaß gemacht.
Und sich dem Wettkampf zu stellen, auch.

Soviel Energie hätte ich unter seiner ruhigen Fassade
gar nicht vermutet.


Er zeigt mir auch ganz kurz ein Lenkrad.
Das schaut aus wie aus Elfenbein.
Und ich habe den Eindruck,
in einem besonderen Auto zu sitzen.
Da ich aber keine Ahnung von Autos habe,
versage ich an dieser Stelle.


Dann geht er mit mir zu einem Flugplatz.
Das sind eher kleine Maschinen, die hier stehen,
aber es macht Spaß, es ist sogar richtig toll.
Ob dies aber eine tatsächliche Tätigkeit war
oder ein Jugendtraum, das kann ich leider nicht erspüren.

So oder so:
Es scheint, als hätte es eben nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Etwas, das es durchaus in seinem Leben gab,
das aber letztlich den Verpflichtungen des Lebens zu weichen hatte.

Insgesamt fällt mir eine merkwürdige Art
von Beziehungslosigkeit auf.
Damit meine ich nicht,
dass er keine Beziehungen gehabt hätte.
Sondern dass er sich irgendwie dem innerlich entzogen hat! 
Das ist schwer zu beschreiben.


Es scheint, als wäre für ihn eine tiefe Bindung
mit der Angst verknüpft gewesen,
dadurch seelisch verletzt zu werden
oder selbst zu verletzen.
Und damit meine ich keineswegs
nur Beziehungen zu anderen Menschen,
sondern auch zu Freuden, Hobbys, was auch immer…


Damit ist keine Emotionslosigkeit gemeint,
sondern ein Bestreben, auch Bindungen
so rational wie möglich zu sehen.


Mir ist ständig das Bedürfnis im Vordergrund, ihn zu fragen:
Was FÜHLST du dabei?

Und er antwortet: Was er DENKT!
Das macht es nicht leicht, mit ihm zu arbeiten und ihn zu verstehen.
Während des ganzen Readings frage ich mich,
ob er mir eigentlich nicht vertraut
oder ob diese Distanziertheit einfach Teil seiner Eigenart war.


U. Danke, Arthur, ich hoffe, dass Anneliese dich erkannt hat.


A: Das sollte gelingen.


U: Gut, dann würde ich gerne dir von Anneliese etwas ausrichten.
Es wäre schön, wenn du darauf antworten könntest.

Sie schreibt:
Seit letztem Jahr spüre ich dich an meiner Seite…


A: Ich war schon vorher bei dir,
aber das konntest du nicht so spüren.
Du musstest auch erst den Mut haben, mich so zuzulassen.

Ich freue mich, dass du mich jetzt fühlen kannst.

U: Noch stärker wurde dieses Gefühl während dieses Jahres.


A: Weil du jetzt verstehst, dass ich eben auch stützen KANN!
Es ist ja nie so gewesen, dass ich dich nicht lieb hatte.
Aber wir Zwei haben es uns so schwer gemacht
mit unseren Gefühlen.


U: Ich spüre eine deutliche Öffnung,
die zwischen mir und dir stattgefunden hat.
Auch viel Versöhnung und die Bereitschaft für Offenbarungen…


A: Anneliese, das ist es ja!
Ich hab doch deine Empfindungen von klein auf versucht,
zu rationalisieren.
Vielleicht verstehst du mich,
nachdem du mich besser kennengelernt hast.


Das war ein Schutz, den ich hatte,
weil ich Angst hatte, verletzt zu werden.
Dabei hättest du mich nicht verletzt,
ich hätte einfach deine Liebe
– und als du klein warst –
auch deine Bewunderung annehmen sollen
und mich daran freuen können.


Aber meine Angst war zu groß.
Es ist so schön,
dass wir das jetzt doch erleben durften,
ich habe mich so gefreut.


U: Sie spürt, die Zeit für Austausch ist reif.


A: Danach hast du dich immer gesehnt,
dass es zwischen uns in die Tiefe geht.
Ach, wenn wir es jetzt dürfen,
dann lass uns bedenken,
dass es ein Segen ist.


U: Es ist auch die Zeit,
Dinge, die unsere Beziehung belasten, aufzulösen
und das Licht der Liebe in den Vordergrund zu stellen.


A: Anneliese, ich bin so dankbar,
dass es kein „zu Spät“ für dich gibt.
Ich habe mich mit meinem Vater auch versöhnt,
weil ich seine Ängste verstehen gelernt habe.

Wie dankbar bin ich dir, dass du meine verstehen lernst!
Das ist nicht leicht, ich weiß es doch.
Heute habe ich keine Angst mehr.
Ich habe keine Angst vor deiner Liebe
und ich habe keine Angst vor meiner Liebe.

Du hast mir so sehr geholfen, mich zu verstehen!
Ich danke dir für alles, was du in letzter Zeit unternommen hast.
Die Lebenden denken, dass nur wir ihnen helfen können.
Aber das stimmt gar nicht, euer Tun und Handeln hilft auch uns!

Das letzte Jahr deines Lebens war auch für mich heilend.
Danke, meine – jetzt sage ich es – geliebte Tochter! 
(Zum ersten Mal fühle ich diese Distanziertheit nicht,
sondern ein tiefes, warmes Gefühl zu DIR hin!)


U: Arthur, Anneliese hat noch Fragen an dich,
die würde ich gerne stellen.


A: Dann wollen wir tun, was zu tun ist!


U: Wie denkst du über ihr Leben, ihren Mann
und ihre beiden Kinder.


A: Ich möchte zum Mann nichts sagen,
davon nehmen wir als Verstorbene lieber Abstand.

Aber ich möchte dir etwas über Liebe sagen. 
Man muss aufpassen!
Sie geht so schnell verloren
und weicht der Pflicht!


Niemand möchte nur geliebt werden
aus einem Pflichtgefühl heraus. 
Ich bin beschämt,
wenn ich an meine Unaufrichtigkeiten denke…


Nein, ich meine gar nicht mein „Geheimnis“.
Ich meine, dass ich einfach nie sagen konnte,
was ich wirklich fühlte
und was ich wirklich gebraucht hätte.


Sie sagen uns hier,
dass Scham nicht sinnvoll ist,
sondern dass die Erkenntnis aus der Scham das ist,
was wir suchen sollen!

Aber dennoch ist mir Scham sehr unangenehm,
das kannst du dir sicher vorstellen, du kennst mich ja!


Ich habe nicht erwartet,
dass ich mich dafür schämen würde,
meine Pflicht getan zu haben.
Aber es ist so! 


Es wäre so viel besser für alle gewesen,
ich hätte mich meiner Gefühle nicht geschämt.
Ich wäre wahr und aufrichtig gewesen
und hätte es euch überlassen,
danach zu einem Urteil zu kommen…

Deshalb sei so aufrichtig wie möglich, Anneliese,
versuch es einfach!


Ob das deine Töchter angeht oder deinen Mann:
Du trägst wie ich die Wahrheit im Herzen
und sprichst sie nur aus,
wenn du überzeugt bist, dass es richtig ist.

Aber was kann schon richtig sein, wenn es nicht wahr ist?

Ich sage ja nicht, dass du lügst,
aber du sagst eben nicht alles, was in dir vorgeht.

Wie sollst du dann verstanden werden?
Stell dir vor, ich hätte dir gesagt,
wie groß meine Sehnsucht nach Liebe ist.
Und meine Sehnsucht danach,
mich einfach fallen zu lassen!

Was hättest du mir aus deiner Liebe heraus alles gegeben!

Aber das hab ich für mich behalten, weil ich dachte:
Ein Vater darf seiner Tochter das nicht sagen!

Anneliese, du bist soviel weiter, als ich je war. 
Ich war klug, aber du wirst weise.

Ich bin sehr stolz auf dich, Anneliese, vergiss das nie!

U: Welche Talente und Kräfte siehst du in ihr,
die sie entfalten und leben sollte?

A: Das will ich alleine nicht beurteilen, vergiss nicht:
Ich bin immer noch ich.

Aber ich kann dir sagen, was ich nicht so gelebt habe,
wie es in mir angelegt war.

Ich hätte so gerne geschrieben
über das Leben und den Sinn des Daseins…

Ich hätte so gerne meine Träume in Worte oder Bilder gesetzt.
Frei alles der Welt geschenkt, was in mir ist.
Aber ich habe mich immer wieder
unter die Kontrolle meines Willens gebracht.

Anneliese, du hast so viele Möglichkeiten in dir,
der Welt etwas zu schenken.
Aber dazu brauchst du nicht mich,
sondern den Kontakt zu deinem Engel!

Ich bin der eine Teil von dir,
aber du hast auch noch den deiner Mutter.
Ich habe dir das geschenkt,
was ich jetzt mal Anständigkeit nenne.
Und auch den Wunsch zur Großzügigkeit und zum Mitgefühl…

Das konnte ich nie so ausleben,
wie meine Seele es sich wünschte.
Aber du hast auch noch andere Gaben.

Der Welt schenken, was in Einem ist,
nicht nur das, was man kann.
Sondern das, was man wirklich im Inneren ist!
Ja, Anneliese, mach das doch!

Du kannst mich fühlen
und du kannst auch andere Seelen fühlen.
Du spürst, was im INNEREN der Menschen liegt,
weil du das von Kindheit an bei mir FÜHLEN musstest.
Ich hab es ja nicht gesagt.

Das ist auch eine Gabe, Anneliese, eine sehr gute Gabe! 
Du hast gelernt, das INNEN zu sehen!


U: Was würdest du ihr raten,
die Gefühle von Angst,
Leistungsdruck,
Versagen,
nicht Genügen,
teils lähmende Ohnmacht loszuwerden?

A: Weißt du, dass ich die gleichen Ängste hatte? 
Ein Leben lang?

Das geben wir jetzt schon
von Generation zu Generation weiter.

Das liegt nicht bei dir, auch nicht bei mir!
Die Ursache dafür ist dein Urgroßvater.
Er hat versagt!
Und seitdem darf keiner mehr versagen.


Aber Anneliese, denk daran:
Diese Angst hat aus uns auch Menschen gemacht,
die vernünftig sind und vorsichtig.

Das ist doch gut! 
Weil es uns zu besseren Ergebnissen führt,
als wenn wir überhaupt keine Angst haben. 

Kannst du deine Angst wohl auch mal so sehen?

Angst muss nicht weggehen,
aber sie muss verstanden werden, Anneliese. 
Sonst wird sie zu groß!

Du versuchst, deine Angst loszuwerden,
indem du versuchst, alles unter Kontrolle zu halten!
So habe ich das auch gemacht.


Aber siehst du:
Genau wie bei mir hat das Leben dir gezeigt,
dass man eben gar nicht alles kontrollieren kann.
Das geht einfach nicht!

Unser Problem ist das Vertrauen, das ist schwer. 
Aber wenn man solche Ängste hat, dann gibt es nur eines,
was du dagegen halten kannst:
Vertrauen in das, was größer ist als du!

Ich konnte das einfach nicht! 
Erst meine Kindheit, dann der Krieg: 
Wie willst du da Vertrauen haben?
Aber du bist auf einem guten Weg, Anneliese!

Lass dir doch helfen! 
Ich hatte gar keine Möglichkeit, mir helfen zu lassen!

Da gab es so was gar nicht!
Aber du lebst doch in einer anderen Welt.


Oder willst du mal wie ich jeden Tag Angst haben,
die Dinge nicht mehr kontrollieren zu können? 
Der Mensch wird unwahr,
wenn er alles kontrollieren will.
Dann gibt es eine Trennung zwischen Innen und Außen…

Das war meine Lebensaufgabe, damit fertig zu werden!
Deine ist es nicht!


U: Wie kann sie Leichtigkeit und Lebensfreude
und Selbstausdruckskraft in ihr Leben lassen?


A: Anneliese, du musst dich von unserer Ahnenlast lösen,
nicht nur von meiner.
Auch die von deiner Mutter.
Ich finde einen Satz in Uta:
Lachen verboten, hier wird nicht gelacht!

Das ist zwar ein bisschen übertrieben,
aber so ist es doch bei uns!


Gib deine Belastungen uns zurück!
Nicht nur ich bin dafür zuständig,
deine mütterliche Seite belastet dich noch viel stärker.

Bei mir hat es mit Verantwortung und Pflichtbewusstsein zu tun.
Aber bei ihnen gibt es einen Zwang zum Freudlos sein!


Ich habe zwei wunderschöne und gute Enkelinnen.
Aber selbst bei ihnen macht diese Last sich breit.
Das macht das Zusammenleben
mit Frauen wie euch schwer und lastend…

Aber ihr müsst es doch nicht mehr tragen!
Es braucht nur eine Einzige, die den Mut hat,
den bösen Schmerz zu brechen…


U: Kannst du ihr einen Tipp geben,
der ihr bei der Suche nach ihrer Halbschwester
behilflich sein könnte?


A: Du musst erst ihre Seele fragen, ob sie es wissen will! 
So darf ich es nicht, Anneliese, das ist gerade mir nicht erlaubt. 
Aber ich freue mich so über dein Verständnis und über deine Liebe! 
Du ahnst nicht, wie sehr es mich erleichtert.


U: Ja, lieber Arthur, damit sind wir am Ende.
Ich möchte mich herzlich bei dir bedanken.
Es ist dir nicht leicht gefallen,
dein Inneres so zu offenbaren.


A: Ich liebe Anneliese und ich bin ihr viel schuldig geblieben:
So viele ungelebte Gefühle, das war nicht gut,
was ich da gemacht habe!

Vielleicht versteht sie mich jetzt.
Ich weiß, sie fühlt, WIE SEHR ich sie liebe!
Mehr als irgendeinen anderen Menschen.

Aber ich kann nicht mehr für sie tun, als ihr Mut zu machen,
selbst etwas für sich zu tun.

Sie weiß:
Mir ist es immer schwer gefallen, Hilfe anzunehmen,
aber ich hoffe, sie ist vernünftiger, als ich es war.


U: Danke, Arthur, ich wünsche dir ein gesegnetes Sein!


Er legt mir etwas aus Elfenbein hin, ich weiß nicht,
was das bedeuten soll,
dann legt er noch ein Armband aus Korallen dazu.
Aber er sagt nichts, er geht einfach…