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Schutzengel – Die Besitzer von Baumwollplantagen und ihre Sklaven in Amerika vor 200 Jahren

Die Besitzer von Baumwollplantagen
und ihre Sklaven in Amerika vor 200 Jahren

Seine innere Stimme hatte Jahrzehnt um Jahrzehnt
zu ihm gesprochen,

dass es einfach nicht RECHT war,
Menschen zu versklaven.

Aber er hätte mit allen Menschen,
auf deren Meinung er ansonsten Wert legte,
brechen müssen,
um seine Sklaven frei zulassen.

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Gloria zu verbinden.
Gloria bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe auf einer Wiese, hinter mir liegt eine kleine Baumgruppe,
vor mir ein Weidezaun.
Und in etwa 100 Metern Entfernung sehe ich ein großes Gebäudeensemble, teils einfache Holzhütten,
gemauerte, niedrige Gebäude mit schmalen Fenstern.
Und in der Mitte, aber etwas nach hinten versetzt ein weißes Haus, umrahmt von prächtigen Bäumen.
Fast hat dieses Gebäude Schloss-Charakter
mit seinem von Säulen umrahmten Portal und den hohen Fenstern
und zwei kleinen Türmen auf dem Dach…

S. Nein, ein Schloss ist das nicht.
Aber du hast schon Recht:
Dort wurde geherrscht.

Ich drehe mich um und wie zu erwarten war,
sehe ich Sarah hinter mir stehen,
die ich seit dem Portrait-Kontakt kenne.
Sie wirkt so jung, so zart und zerbrechlich,
wäre da nicht dieser klare Blick,
diese aufrechte Haltung und diese Kraft, die ich spüre.
Man würde annehmen,
diese Seele sei viel zu zart für ihren Job als Guide.

Sarah lacht, als ich das denke.

S. Oh, keine Sorge, ich bin stark, das war ich schon immer!
Ganz genauso wie Gloria.
Ach komm, wir müssen da rein.

U. In das Herrschafts-Haus?

S. Ja, komm schnell, sonst verpasst du das Beste…

Sie nimmt mich bei der Hand und eilt so sehr,
dass ich außer Atem gerate.
Aber schließlich haben wir es geschafft.
Hinter dem Haus – von mir bisher unbemerkt –
sind sehr viele Menschen in eleganter Kleidung,
der Mode nach würde ich auf das Jahr 1850 tippen.

S. Ja, es ist Hochzeit, sie warten auf die Braut, komm mit.
Sarah geht mit mir durch einen Seiteneingang hinein,
dann eine sehr schmale Wendeltreppe hoch.
Im ersten Stock öffnet sie eine Tür, es folgt ein heller Flur,
dort wird wieder eine Tür geöffnet
und ich bin mit Sarah in einem Schlafzimmer.
In einem Bett mit Baldachin liegt eine junge Frau in Unterwäsche,
die Arme in einer trotzigen Haltung verschränkt
starrt sie zur Decke hoch.

Vor ihr steht eine ältere Dame in Festtags-Gewand.
Sie sagt: „Emely, bitte steh auf, alle warten auf dich!
Du musst jetzt vernünftig sein, alles hängt von dir ab!“

Dann wendet sich die Dame Sarah zu:
„Oh, Gott sei Dank, Sarah!
Es ist nichts zu machen, sie weigert sich!
Sie will nicht, ich bin wirklich mit den Nerven am Ende!
Tu doch was, Sarah!“

S. „Ja, Misses, ich versuche es.
Beruhigen sie sich, ich versuche es!
Vielleicht wäre es besser, wenn ich mit ihr allein rede?“

Die Dame schnieft demonstrativ in ihr Taschentuch
und verlässt den Raum.
Sarah wendet sich der jungen Frau zu,
aber die sagt, ohne sie anzusehen:
Geh weg Sarah, geh, du verstehst mich auch nicht!

S. Doch, Misses, ich verstehe.

E. Du sollst mich nicht Misses nennen!
Du bist meine Schwester!

S. Halbschwester!

E. Für mich nicht, Sarah!
(Die junge Frau setzt sich auf,
jetzt erkenne ich deutlich die große Ähnlichkeit mit dir, Gloria.)
Du bist meine Schwester und es ist mir egal,
ob du eine dunklere Haut hast oder nicht.
Es ist mir egal, ob du im Sklaven-Haus lebst oder nicht:
Du bist meine Schwester!

Sarah, verstehst du nicht?
Ich will das hier nicht, ich will nicht, dass es weitergeht!

Und plötzlich weint Emely!
Und Sarah nimmt sie in die Arme – ganz fest –
und wiegt sie hin und her wie ein Baby und flüstert in ihr Haar:
Pst, Emely, mein Schwesterchen, pst, pst, ich weiß, ich weiß.
Ich will das auch nicht, ich will nicht, dass du das tust, er ist…
Und er ist kein guter Mann…

Aus dieser Szene sind wir plötzlich raus.
Ich sitze mit Sarah unter einer alten Weide am Rand
eines sehr breiten Flusses,
in dem sich die untergehende Sonne spiegelt.

S. Emely und ich waren Halbschwestern.
Ich war die Tochter einer Sklavin
und des Herren der Baumwollplantage.
Sie war die Tochter der Dame, die du gesehen hast.

Unser Vater war kein schlechter Mensch,
was ihr sicher gleich denkt,
wenn ihr hört, dass er ein Sklavenhalter war.
Aber er konnte sich das nicht aussuchen,
das waren damals eben die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Es gab Sklaven und es gab Herren, so war das Gesetz.
Vater war zu mir immer gut, auch zu meiner Mutter,
solange sie lebte.
Und er war auch zu meinen schwarzen
Brüdern und Schwestern gut.
Aber das war ungewöhnlich und es war eine „Schwäche“!
So sagten die anderen Herren.

Ich bin mit dir aufgewachsen, Gloria, wir waren fast gleich alt.
Solange du einen Hauslehrer hattest, durfte ich mit dir lernen,
das war etwas ganz Außergewöhnliches in unserer Zeit.
Als du in ein Internat kamst, um zu lernen, eine Lady zu sein,
war das ganz furchtbar für uns:
Wir waren doch noch nie getrennt!

Aber wir hatten das zu lernen:
Du wurdest die junge Lady und ich wurde die Sklavin.
Glaub mir: Das war für uns beide gleich schrecklich!

Nach zwei Jahren kamst du zurück.
Sie hatten gedacht,
dass wir jetzt nichts mehr gemeinsam haben würden, gar nichts.
Aber da haben sie unsere Liebe verkannt (lächelt).
Es blieb für uns, was in uns wahr war:
Wir waren Schwestern.

Auch wenn ich tagsüber in der Küche schuften musste
oder bei der Ernte helfen
und du dich um deine gesellschaftlichen Pflichten
zu kümmern hattest:
Kaum hatten wir eine gemeinsame freie Stunde,
waren wir wieder zusammen.
So groß war unsere Liebe.

Aber es begann eine sehr schwere Zeit!
In der Folge zweier Missernten kam unsere Plantage in Gefahr,
unser Vater befand sich am Rand des Ruins.

Es lässt sich leicht denken, was geredet wurde:
Er sei eben zu weich zu seinen Sklaven,
hätte er die nur härter ran genommen.
Selbst schuld sei er an seiner Miesere!

Und während den anderen Plantagenbesitzern,
die genauso unter den Missernten zu leiden hatten,
Banken Kredite gaben, verschloss sich jeder Geldgeber
unserem Vater gegenüber bis auf einen:
Der Besitzer der größten Plantage in unserem Country
suchte für seinen Sohn eine ansprechende Ehefrau.

Das war nicht ganz einfach, denn der junge Derill stand im Ruf,
ein unbeherrschter Mensch zu sein
mit Neigungen und Leidenschaften,
die für eine echte Lady unakzeptabel waren.

So hatte sich der alte Derill schon einige Absagen eingehandelt,
bis er schließlich auf unseren Vater kam, der zu ihm gereist war,
um ihn um einen Kredit zu bitten…

Na ja, versuch, ihn jetzt nicht zu verurteilen.
Vater wusste: Wenn er die Plantage aufgeben muss,
dann werden alle Sklaven verkauft.
Und er wusste: Dass seine Sklaven für die ganzen Wohltaten,
die er an uns geübt hatte, büßen würden.

Jeder der Sklavenhalter hier würde meinen,
uns erst einmal beibringen zu müssen, was Gehorsam ist.

Sie verstanden eben nicht, dass wir einfach,
weil wir dankbar waren, hier arbeiten zu können
und nicht anderswo,
von selbst und ohne Druck gut hier arbeiten.

Weißt du, unser Vater war einfach ein WIRKLICH guter Mensch.
Er wusste um die Verantwortung seiner Machtposition
und es quälte ihn, dass jetzt jede Entscheidung dazu führen würde,
dass entweder du leidest oder wir 87 Sklaven…

Eines Abends ließ er mich zu sich rufen.
Er erzählte mir von seiner Situation und wartete geduldig darauf,
meine Meinung zu hören.
Ich glaube, er hatte befürchtet,
dass ich genauso emotional reagieren würde wie du.

Aber das Einzige, was mich zum Schweigen veranlasste, war,
dass ich darüber nachdachte, wie man aus deiner Situation
für alle Beteiligten das Beste herausholen konnte.
Und so schmiedeten wir einen Plan, einen Schlimmen!
Schlimm für unseren Vater, schlimm für deine Mutter,
aber nicht für dich… hoffentlich.

Am Tag deiner Hochzeit sollte ich ihn dir enthüllen
– nicht vorher – denn dann würde niemand dir glauben,
du warst nämlich eine lausige Lügnerin.

Unser Plan war der:
Die Hochzeit musste stattfinden,
denn erst nach dem Ehevertrag
würde der Kreditvertrag gültig werden.
Aber du durftest auf keinen Fall in die Not kommen,
die Ehe zu vollstrecken.
Doch wenn du dich weigern würdest,
würde einer Vertragsklausel zufolge die Ehe annulliert
und der Kredit wäre zurückzuzahlen…

In meiner Hütte war ich mit einer Oma aufgewachsen,
die direkt aus Afrika kam.
Dort war sie eine Heilkundige
und ich wusste aus ihren Erzählungen,
dass sie noch heute ein Kraut mit sich führte,
das eine Art Scheintod verursacht.
Sie hatte es sich mitgenommen,
um im Fall der Not so die Chance zur Flucht zu haben…

Hm, das war unser Plan:
Du wärst eben offiziell und ärztlich bescheinigt „tot“.

Aber natürlich hätte auch der Plan seinen Preis:
Nie wieder dürftest du in unsere Heimat kommen…

Diese schwere Entscheidung musstest du nun treffen,
das konnten und durften wir dir nicht abnehmen.
Du hast gar nicht lange überlegt, nur um Eins hast du gebeten:
dass ich mitkommen darf.
Ja, und das war auch der einzige Wunsch, den ich gestellt hatte.

Vater hatte uns eine Wohnung in New York gekauft.
Er hatte falsche Papiere für dich und für mich besorgt
und er hatte uns Beiden eine Stellung besorgt: LEHRERINNEN!
Das war immer unser Traum, das hatten wir so oft gespielt
und in New York wäre das sogar für mich möglich gewesen:
Ich hätte unterrichten dürfen!

Aber es kam alles ganz anders.
Derill wusste von unserem Plan!
Er hatte die Information von einem Sklaven,
der sich für viel Geld freikaufen wollte.
Geld, das Derill ihm bereitwillig gab,
als er von unserem Komplott erfuhr.
Geschickt hatte er die Kräuter heimlich austauschen lassen!

Gloria, es war einfach furchtbar!
Vater und ich warteten und warteten auf die Wirkung, du auch.
Aber es geschah NICHTS!
Und schließlich mussten wir ohnmächtig mit ansehen, wie du
– blass und unter Tränen und am ganzen Leib zitternd –
in Derills Kutsche gestiegen bist.

Das hat Vater nicht ausgehalten, er ist ins Haus gerannt,
hat sein Gewehr geholt und ist euch hinterher geritten.
Er hat Derill zwingen wollen, dich freizugeben,
aber der hatte nur Spott und Hohn für euch übrig.

Vater schoss auf Derill den Rest kannst du dir denken.

Die Plantage wurde gepfändet, wir Sklaven verkauft
und unser Vater wurde hingerichtet.
Und du wurdest der versuchten Täuschung
und des betrügerischen Eheversprechens angeklagt
und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Das war zu viel für deine Seele,
zu viel Leid für deinen Körper!
Du bist gestorben ganz still, ganz leise, einfach so…

Aber das Letzte, was du gedacht hast, war:
Ich will nie wieder tun, was Unrecht ist,
egal, aus welchem Grund!

Liebe Gloria, seither hast du weitere Leben gehabt
und immer wieder wurdest du damit konfrontiert,
dich einer Situation zu stellen, in der nur du die Macht hattest,
über Recht und Unrecht zu entscheiden.

Ja, worum es mir geht, ist:
Dass ich mir wünsche, dass du verstehst,
wie wichtig dieses Thema deiner Seele ist.
Was ist Recht?
Was ist Unrecht?

Ist Recht das, was die Gesetze sagen?
Ist Recht das, was die von dir verlangen, die du liebst?
Ist Recht das, was die meisten deiner Mitmenschen sagen?

Ist man im Unrecht, wenn man Entscheidungen trifft,
die gegen das Gesetz sind,
gegen das Gebot der Liebe,
gegen die Meinung der Meisten?

Hm, weißt du, was Recht ist?
Was deine innere Stimme sagt, nichts Anderes!

Und Unrecht ist, was dem widerspricht.

Ah, es ist nicht einfach, diese innere Stimme zu hören!
Sie ist sooooooooo leise, manchmal nur ein Flüstern,
ein unbestimmtes Gefühl, ich weiß, ich weiß.
Eigentlich ist es nicht einmal das!
Es ist vielmehr das Gefühl, dass etwas fehlt,
das da sein müsste: Frieden!

Damals habe ich das noch nicht gewusst,
niemand hatte diesen inneren Frieden:
Vater nicht, er schlief kaum noch,
nachdem er zum ersten Mal bei Derill war.
Und daran änderte sich gar nichts,
als wir unseren geheimen Plan ausheckten.

Ich nicht, ich hatte keine ruhige Minute mehr.
Ich konnte an nichts Anderes denken als an die Angst,
dass irgend etwas schiefgehen könnte.
Und du?
Dir haben wir nicht einmal die Chance gegeben, nachzuspüren,
ob es sich richtig anfühlt, was wir planten…

Was meinst du? Was wäre gerecht gewesen?

Ja, Vater hätte das Angebot Derills ablehnen müssen,
es war ein ungerechtes Angebot.
Vater hatte die Macht, JA oder NEIN zu sagen.
Er hat NEIN gefühlt und JA gesagt,
um dann ein NEIN zu gestalten, das war Unrecht.

Aber wir Sklaven?
Ja, auch für uns war es Unrecht,
aber unser ganzes Dasein war Unrecht!
Auch wenn Vater ein besonders guter „Massa“ war:
Es war Unrecht, was er tat und
Unrecht, dass wir uns nicht wehrten…

Das Rechte tun, das ist schwer!
Das ist eine Aufgabe, die man nur bewältigen kann,
wenn einem klar wird,
dass man darum immer und immer wieder zu ringen hat.

Es ist nötig, sich selbst zu kennen,
es ist nötig, den Zeitgeist zu kennen,
es ist nötig, die menschliche Natur zu erkennen,
es ist nötig, die Gesetze des Universums zu erkennen…

Viel, viel muss ein Mensch zu lernen bereit sein,
wenn er ein gerechter Mensch werden will.
Denn die Gerechtigkeit ist ein verborgener Schatz,
den gilt es, unermüdlich und in jeder Entscheidung zu suchen.

Weiß du, meine liebe Gloria,
davon wusste ich nichts in jenen gemeinsamen Tagen.
Ich DACHTE, was ich plante, sei RICHTIG.
Doch in Wahrheit war es genau das, was mein Ich WOLLTE!
Nichts wollte ich mehr als diese drei Dinge:
Immer bei dir sein dürfen, Lehrerin sein dürfen, Frei sein dürfen…

Ganz leise flüsterte mein inneres Selbst mir zu:
Tu es nicht, es kann nicht der rechte Weg sein, es ist Betrug.
Zu leise, um meinen Willen zu übertönen!

Und Vater?
Vater suchte einen Ausweg,
bei dem er weiter der „Gute“ sein durfte!
Das war ihm wichtiger als alles Andere.
Seine innere Stimme hatte Jahrzehnt um Jahrzehnt
zu ihm gesprochen, dass es einfach nicht RECHT war,
Menschen zu versklaven.

Aber er hätte mit allen Menschen,
auf deren Meinung er ansonsten Wert legte, brechen müssen,
um seine Sklaven frei zulassen,
um ordentliche Arbeitsverträge abzuschließen
und ihnen zuzubilligen, dass sie selbst darüber entscheiden dürfen,
wo und mit wem sie leben wollten…

Das Rechte zu tun, verlangt immer einen Preis,
er wollte den nicht zahlen.

Und du?
Du wusstest GENAU, dass es nicht RECHT sein konnte,
von dir zu verlangen, Derill zu heiraten.
Doch die einzige Möglichkeit, dem zu entkommen,
wäre es gewesen, die Plantage selbstverantwortlich
zu verlassen mit allen Folgen, die das mit sich gebracht hätte.
Das nicht zu tun, das war dein Unrecht!

Wenn man die Macht hat, Entscheidungen zu treffen,
hat man auch die Verantwortung für ihre Folgen.

Deshalb ist es wichtig wirklich, ganz tief in sich zu gehen
und sich zu fragen:
Warum will ich, was ich will?
Was ist der tiefe Grund hinter all den Begründungen,
die mein Verstand mir anbietet?

Wer das tut, meine liebe Seele, der findet die Wahrheit!
Und wer der folgt, der geht immer RICHTIG,
egal, was Andere wollen, brauchen oder raten.

Weißt du, ich hätte dir gern andere Leben gezeigt,
die wir beide teilten.
Leben, in denen ich weiser war als in diesem hier.
Aber es ist schwer, als lebender Mensch weise zu sein,
darum muss man ringen und unermüdlich sein in dem Vorsatz,
über den eigenen, begrenzten Horizont hinaus zu sehen.

Man muss sich selbst hinterfragen, das ist schwer!

Ich hoffe, dass du jetzt nicht schlecht von mir denkst.
Ich könnte sagen:
Das habe ich damals alles aus Liebe zu dir getan
und das wäre nicht gelogen.

Aber die ganze Wahrheit wäre es auch nicht,
die ganze Wahrheit wäre:
Ich habe dich so sehr geliebt,
aber ich war viel zu sehr auf mich bezogen,
um liebevoll mit dir umzugehen.

Liebe wäre es gewesen,
dir von Anfang an die Wahrheit zu sagen…

Liebe wäre es gewesen,
dir VOR der Ehe die Flucht zu ermöglichen…

Aber dann hätte ich dich verloren!
Und damals wusste ich noch nicht, dass der, den man liebt,
niemals Besitz sein darf, den man behalten will,
koste es, was es will…

So wendet sich dein Engel an dich mit einer Geschichte,
die ihn selbst beschämt.
Aber, Gloria, diese Scham war gut!
Sie war es, die meiner Seele den Antrieb gab,
weiter zu lernen, tiefer zu sehen und zu wachsen.

Heute bin ich den Engel, ich bin
– wie ich es mir immer ersehnt habe – stets bei dir.
Ich liebe es, wenn du lachst
und ich möchte dich am Liebsten in den Armen halten,
wenn du weinst.
Du bist nach wie vor einfach ein guter Mensch, eine gute Seele…

Aber auch nach wie vor finden sich Menschen,
die halten dieses Gute in dir nicht aus!
So wie Derill, der dich gerade darum attraktiv fand,
weil es ihn reizte, dieses Gute und Reine in dir zu schädigen.

Solchen Menschen zu trotzen, ist IMMER, IMMER Recht,
liebste Gloria!

Weißt du, manchmal haben sie große Macht,
das kann eine sehr unterschiedliche Macht sein:
Eine Macht, die sich aus ihrer Position ableitet
oder eine emotionale Macht, weil sie es verstehen,
die Gefühle ihrer Mitmenschen zu manipulieren.

Und manchmal ist es auch Beides!

Und es mag so scheinen,
als wären die guten Menschen diesen unterlegen,
als wären sie einfach zu schwach.
Doch ich möchte dir eines sagen:
Wer seine Macht missbraucht
– ganz egal, ob das im großen Rahmen geschieht
oder innerhalb von Beziehungen –
der wird selbst seinen Preis dafür bezahlen!

Denn einem solchen Menschen fehlt eine Kraft,
die entscheidend ist über Sieg und Niederlage der Seele:
die Kraft, die dem hilft, der Gottes „Richtig“ lebt…

Einen solchen Menschen kann nichts brechen,
dem raubt niemand dauerhaft den Frieden,
der ist selbst dann noch stark, wenn er äußerlich am Boden scheint. Der wird getragen von „Engelsflügeln“!

Darum sage ich dir, Liebste mein:
Fürchte dich nicht davor, deiner innersten Wahrheit zu folgen!
Sie ist etwas so Heiliges, nichts kann ihr je schaden.

Nun muss ich enden.
Ich liebe dich so sehr, mehr denn je.

Verzeih mir, dass ich so schulmeisterlich war,
doch es beginnt die Zeit wichtiger Entscheidungen!
Du hast die Macht, dich zu entscheiden
und ich musste dich vorbereiten.
Ich hoffe, du verstehst.

U. Sarah, ich danke dir sehr.
Es ist schwierig, all das, was du gesagt hast, zu verstehen…

S. Meinst du, meine Gloria versteht das nicht?
Doch, das tut sie, sie ist eine weise Seele
und was ihr an Wissen und Erfahrung fehlt, ersetzt ihr Herz.

U. Schön, dann würde ich jetzt gerne Glorias Fragen stellen…

S. Ja, sehr gern.

U. Gloria fragt, ob ihr euch aus anderen Leben kennt?

S. Ja, Gloria, aus so vielen Leben.
Weißt du, es ist mir schwer gefallen,
eine so ernste Geschichte zu schreiben.
Was uns bindet, ist viel mehr als das hier.
Wir beide lieben das Leben so sehr, wir haben es gerne,
zu lachen, zu singen, zu tanzen, es ist sooooo schön, zu sein.

Das war immer das, was uns verbunden hat!
Aber wir mussten auch erwachsene Seelen werden
und das war nicht immer leicht…

U. Sie fragt weiter, ob sie noch andere Guides hat?

S. Ja, aber der ist dir noch nicht nah,
das wird noch einige Zeit dauern.
Er ist ein sehr kluger, sehr weiser Lehrer.

U. Gloria möchte wissen, ob du immer bei ihr bist?

S. IMMER?
Oh nein, es gibt Augenblicke,
da finde ich dich viel zu langweilig (lacht).
Keine Angst, ich beobachte dich nicht dauernd,
stell dir das bloß nicht so vor wie bei Big Brother.

Aber ich bin da, wenn es wichtig wird
und das bin ich, wie ein Teil von DIR immer bei mir ist.
Mitten in meinem Bewusstsein ist dein Bewusstsein, so ist das.

U. Sarah, sie möchte wissen, welches ihr Krafttier ist.

S. Der Elefant.
Na gut, wenn du den Delfin einstweilen vorziehst:
Das ist in Ordnung, sie sind beide gleichsinnig ausgerichtet.

Aber es ist wirklich der Elefant,
denk einmal über diese Tiere nach.
Sie sind so stark, so mächtig und sie lieben so sehr, so sehr.
Erkennst du dich?

Und, Gloria, sie sind kampfbereit, Unrecht dulden sie nicht,
verstehst du?

Du hast sicher schon die asiatischen Arbeitselefanten gesehen. Niemals würde ein Elefantenführer es wagen,
diesen Tieren ein Leid zu tun, weil er genau weiß:
Wenn er das tut, dann ist es vorbei mit der Freundschaft…

Hm, hm, Gloria, die Elefantenkraft, die würde dir sehr gut tun!
Schau sie an, sieh dir Filme über ihr Leben an und staune:
Wie verantwortungsvoll sie sind, wie liebevoll,
wie hilfsbereit und auch wie fröhlich, wie zärtlich, wie verspielt!
Erkennst du dich?

U. Gloria möchte wissen, wie sie es lernen kann,
im Umgang mit ihren Mitmenschen
nicht mehr so emotional zu reagieren.
Und warum das so ist?

S. Liebste Gloria, weil DU es bist, ist das so!
Eine Gloria mit abgeflachten Emotionen ist nicht zu haben,
weil es sie nicht gibt, das hat der „Bauplan“ nicht vorgesehen!
Gloria, das ist doch nicht NUR unangenehm
für deine Mitmenschen und dich,
das ist doch auch wundervoll!

Bitte, bitte:
Nicht verändern wollen, was so WAHR ist,
das wäre der ganz falsche Weg.

Deine Emotionalität ist nicht falsch!
Falsch wäre es nur,
wenn du in deinen Emotionen
für immer stecken bleiben würdest,
aber so ist es doch gar nicht.

U. Gloria fragt, wie sie mit den oft so schwierigen Situationen
mit ihrem Freund umgehen kann.

S. Ich habe dir das Wichtigste dazu gesagt, Gloria:
Was ist RECHT?
Was für ihn RECHT ist, ist das auch für DICH Recht?

Was ist LIEBEVOLL?
Lieb sein?

Oder dass Jeder das erleben darf, was er braucht,
um sich wohl zu fühlen?

Du musst nicht sein, wie er dich will,
er muss nicht sein, wie du ihn willst.
Besser gesagt: Das geht gar nicht!
Ihr könnt letzten Endes nur so sein, wie ihr seid!
Und das ist entweder so,
dass es dem Anderen wohl damit ist oder nicht.
MACHEN könnt ihr nichts daran!

Eines möchte ich sagen:
Liebe braucht keinen Beweis dafür, dass sie es wert ist,
investiert zu werden.
Liebe kennt keine Deals, keine Abmachungen, keine Versprechen. Liebe ist einfach da und sie zeigt sich darin,
dass der Eine das Beste des Anderen sucht.
Dass nachgedacht wird, was der Andere braucht, um zu gedeihen,
um weiter zu kommen: GEGENSEITIG!

Liebe dieser Art, die eine Einbahnstraße ist.
Die ist nicht Liebe, sondern der Wunsch,
im Anderen Liebe zu machen auf der Seite dessen, der lieb ist.
Und der Wunsch, die eigene Macht zu spüren auf der Seite dessen,
der die Rolle dessen hat, der nicht lieb ist.

Das wäre was?
Natürlich, das wäre Kampf!
Kampf und Liebe sind zwei sehr verschiedene Situationen
und werden sehr, sehr häufig verwechselt.

U. Gloria fragt, was ihre Lebensaufgabe ist
und ob sie schon auf dem richtigen Weg ist?

S. Oh, natürlich bist du auf dem richtigen Weg, Gloria!
Aber vergiss nicht: Es ist nur der Weg, um den es geht,
es geht nicht ums Ziel!
Dein Weg ist es, ein gerechter Mensch zu sein!

U. Gloria fragt, ob du ihr einen Hinweis geben kannst,
in welchem Beruf sie ihr Potenzial leben kann
und der ihr auch Spaß macht?

S. Das habe ich schon getan, Gloria:
Kindern die Möglichkeit zu öffnen, zu sein und zu werden,
was sie sind und wie sie sind…

Ob das allerdings immer Spaß macht?
Oh, ich fürchte nein, denn Kinder leiden vielfältig und so sehr! 
So sehr, mehr als je zuvor!

U. Nun möchte Gloria noch wissen,
warum sie sich ihre Eltern ausgesucht hat.

S. Das war ein Versprechen, Gloria!
Sie haben dich einmal sehr früh als geliebtes Kind verloren.
Jetzt bist du bei ihnen, um ihnen immer wieder zu zeigen,
dass es sich lohnt, ganz und gar lebendig zu sein.

Gloria, deine Seele ist wie eine kleine Sonne:
Du kannst so viel Wärme spenden!
Aber zu nah treten darf man dir auch nicht,
wenn man sich nicht die Finger verbrennen will (lächelt),
und das ist gut!

So bringst du das Thema Wahrhaftigkeit der Emotionen
in das Leben beider, das ist sehr gut.
Allerdings, liebe Gloria, heißt das auch,
dass du dich nicht erschrecken darfst,
wenn sie auch in dieser Weise „lebendiger“ werden!

Weißt du, was euer kostbarster Schatz ist?
Dass ihr miteinander lachen könnt!

Ihr hattet einmal ein Leben, da kam das fast gar nicht vor.
Es ist ein Wunder!
Jetzt kommt es vor, es ist möglich.

U. Vielen Dank, liebe Sarah, ich hoffe, dass es Gloria hilft,
ihre Prioritäten zu ordnen und sich wohl mit sich selbst zu fühlen.

S. Das hoffe ich auch, sehr sogar.
Sie versucht, sich ständig zu verbessern.
Aber das meint sie so, dass sie versucht, ANDERS zu werden,
als sie ist, das wäre doch gar keine Verbesserung!

Gloria? Lach doch wieder, tanze, singe, spiel!
Das bist doch DU!

Na gut, dann bist du eben eine kleine Prinzessin!
Na und?
Erst ist man Prinzessin und dann Königin, so ist das eben.

Ich habe dich sehr, sehr lieb, Gloria!
Warum du nicht?

Deine Sarah!