Du kannst deine Ängste pflegen oder auch nicht.

Du kannst deine Ängste pflegen oder auch nicht.

Je mehr du sie pflegst, um so größer und stabiler werden sie.

Weißt du, wie diese vermaledeite Pflege aussieht?

Da kommt ein Gedanke, der dich auf eine unsichere Stelle in deinem Leben aufmerksam macht und dein Verstand urteilt: Das ist gefährlich!

Als Nächstes verknüpft dein Gehirn diese Gefahrenlage mit Fantasien und Spekulationen darüber, wie es in Zukunft damit weiter geht.

Dein Verstand tut so, als wisse er das ganz genau.

Selbst der beste Schachspieler der Welt kann nicht beim ersten Schachzug vorhersehen, welchen Zug er machen muss, wenn er zum zwanzigsten Mal an der Reihe ist.
So viel zur Logik.

Alle! Eventualitäten des Lebens aufdecken zu können,
ist keinem menschlichen Gehirn eigen.
Selbst wenn es so wäre, wäre es doch nur Spekulation.

Denn welche von – sagen wir – 10 Möglichkeiten
tatsächlich eintreffen werden, liegt eben NICHT in deiner Hand.

Natürlich kannst du durch eigenen ZUTUN oder NICHTTUN die Lage verschlechtern, aber niemals mehr als das.

Eine Zukunftsprognose ist also nicht möglich.

Schutzengelkontakt

 

Ich bitte Elia, mich mit Amin, dem Guide von Anton zu verbinden, Anton hat einige drängende Fragen.

Ich stehe auf einer Art arabischen Basar, gerade noch herrscht geschäftiges Getriebe.

Aber plötzlich schauen die Menschen besorgt in den Himmel und beginnen zu laufen, lassen ihre Verkaufsstände stehen, versuchen aber noch schnell, das Kostbarste mitzunehmen.

Ich selbst werde von einer Hand kräftig gezogen.
Erst jetzt sehe ich, dass es Amin ist, der mich greift.
Er zieht mich in einen kleinen Laden hinter uns, eilt noch einmal hinaus,
schlägt Holzläden zu und kommt in den nun recht dunklen Raum.

Nun ganz ruhig und ohne jede Eile zündet er eine kleine Lampe an und bittet mich, mit in einen kleinen Hinterraum zu kommen
und mit ihm Platz zu nehmen.
Dort gerade angekommen, höre ich gewaltigen Lärm draußen, irgendetwas prasselt gegen die geschlossenen Holzläden.
Es könnte Regen sein, ist aber viel lauter.

Amin: Ein Sandsturm.

Ah, ich denke jetzt wird mein Freund Anton diesen Anfang unseres Gesprächs für ein schlechtes Omen halten.
Darum gleich jetzt, um gar nicht erst ein Missverständnis aufkommen zu lassen: Nein, Anton, kein Omen, aber ein Thema.

Wir sollten doch noch einmal über das Thema Angst versus Vorsicht sprechen.

Und ich dachte mir, dazu ist der Sandsturm als Einstieg recht gut geeignet.

Da draußen der Sandsturm, ja, das war immer eine mögliche Katastrophe,
die meine Stadt jederzeit treffen konnte.

Jeder, der hier lebte, wusste dies.

Interessant aber ist: Die Menschen hier gingen nicht gleich damit um.
Von der Nordsee weißt du, dass die Bewohner, die gleich hinter dem Deich leben, alle gleich mit der Gefahr der Flut umgehen seit Jahrhunderten.
In guten Zeiten achten sie auf die Pflege der Deiche,
bei drohender Flut ziehen sie sich in das oberste Stockwerk ihrer Häuser zurück.
Dort bewahren sie das Notwendigste zum Überleben auf.
Und dann beten sie und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Das tun sie heute, das machten ihre Väter und ihre Großväter.

Haben sie Angst? Ja, der Mensch hat Angst, wenn Gewaltiges droht.

Aber sind sie in Panik? Nein.
Warum nicht?
Weil sie es von ihren Vätern wissen und die von ihren Großvätern und die von ihren Vätern: Flut kommt, Flut geht.
Und letztlich gilt: Was des Menschen Pflicht ist an Vorsorge, liegt auch in des Menschen Kraft und Vermögen. Das ist sein Teil an Vorsorge.
Alles, was über seine Kraft hinausgeht, liegt in Gottes Hand.

Das verstehst du, nicht wahr?
Menschen am Meer können Deiche bauen und diese achtsam hüten.
Sie können Häuser bauen, auf deren Dachböden alles bereitet ist, um in Notzeiten die Bewohner durch den schlimmsten Sturm zu bringen, bis die Flut weicht.
Aber mehr ist ihnen einfach nicht möglich.

Hier, am Rand der Wüste ist es genauso.
Aber da wir eine sehr zusammengewürfelte Bevölkerung waren, gab es keinen Schutz, der traditionell von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Und so muss jeder seiner eigenen psychischen Natur entsprechend handeln. Die einen verdrängen die immer anwesende Gefahr völlig.
Sie sichern gar nichts, sondern setzen ganz und gar auf immerwährenden Optimismus.
Wieder andere fürchten sich jeden Tag.

Sie rennen zu Wahrsagern und Orakeln und geben dem armen Orakel schon indirekt mit, was es zu sagen hat.
Nämlich: Was immer kommt, für dich wird es gut ausgehen.
Solchermaßen getröstet, ziehen sie von dannen.

Aber der Trost währt nicht lange, die Angst kehrt früher oder später zurück. Und da sie zwischen Intuition und Angst nicht unterscheiden können,
nehmen sie jeden Windhauch als Erinnerung an die Angst, vor dem Unglück nicht bestehen zu können, wenn es kommt.

Dieses ängstliche Ausrichten aber lässt auch nicht zu, dass sie vernünftige Überlegungen anstellen, was im Fall des Sandsturms vorzubereiten ist.

Angst macht schnell blind vor dem, was Pflicht ist.

Und dann gibt es Menschen wie mich.
Wir wissen, dass es immer dazu kommen kann, dass der Sandsturm kommt, dass er die Straßen und Gassen meterhoch mit Sand füllen kann.
Dass man dann auf Tage danach festsitzen kann ohne Nahrung, ohne Trinken, ohne Licht.
Dass sogar die Dächer unter der Last des Sandes einbrechen können.

Und aus diesem Wissen heraus treffen sie die Vorsorge, die ihnen möglich ist.

Hier in meinem Haus habe ich diesen kleinen Notraum, hier sind alle Vorräte, die man für einige Tage Eingeschlossen sein braucht.
Von hier aus kommt man in den Keller, da stehen mehrere Amphoren Wasser. Im oberen Stockwerk stehen Schaufeln und Eimer, um nötigenfalls Sand vom Flachdach zu schaufeln, sobald der Sturm sich gelegt hat.

So war ich gerüstet auf das, was möglicherweise geschehen könnte.

Hatte ich Angst? Ja, hatte ich!
Wenn die tiefdunklen Wolken am Horizont auftauchten, ergriff mich wie jeden anderen auch Angst.

Jedes lebende Wesen hat Angst davor, einer Gefahr ohnmächtig gegenüber zu stehen.
Das ist ganz natürlich und gehört zum Leben und der Welt.
Mensch, Tier, ja sogar Pflanzen erleben dieses Gefühl.

Aber geriet ich in Panik? Nein.

Weil ich wusste: Wenn der Teil, den ich daran tun konnte, Unheil für mich und meine mir Anvertrauten zu verhindern, getan war, dann hatte ich genug getan. Traf uns dennoch die Macht des Sandsturms, fügte er uns dennoch Unheil zu, so nicht wegen mir und meiner Nachlässigkeit, sondern weil es Teil unseres Lebensweges war.
Dessen Sinn nur Gott kennt, der einen größeren Überblick darauf hat, was unsere Seele braucht als ich.

Dann gab es nur eines zu tun und zu sagen: Nicht wie ich will, Vater, sondern dein Wille geschehe.
So wie es der sich ängstigende Jesus im Garten Gethsemane gesagt hatte.

Dann bleibt nur eines: Akzeptanz.
Aber wie konnte ich solchermaßen innerlich gefasst sein?
Weil ich ein Weiser war? Ach nein, nein…
Weil ich so viel Vertrauen in Gott hatte?
Ach, in größter Not verliert der betroffene Mensch dieses Vertrauen sehr rasch, denn das ist Teil seiner Natur.

Anton, ich konnte das so ruhig und gefasst hinnehmen, weil ich mich daran erinnerte, wie oft es NICHT Gottes Wille war, mich untergehen zu lassen!

Ich hatte Erinnerungen an schlimme Zeiten, in denen die Angst mich bis ins Mark traf.

Gottes Wille mit mir hatte nicht zugelassen, dass ich an der Pest starb, als sie hier wütete.
Er hatte auch nicht zugelassen, dass ich und meine Familie verhungerten, als wir von einem feindlichen Heer belagert wurden.
Er hatte auch nicht zugelassen, dass wir, weil mich ein Geschäftspartner betrogen hatte, so verarmten, dass wir in Sklaverei kamen …
Oft, so oft hatte sein Wille mit mir Wunder wahr werden lassen.

Vielleicht würden andere sagen: Ach, na ja, der Amin hat da aber Glück gehabt!

Ich habe das nicht so gesagt.
Glück haben bedeutet, dem Zufall ausgesetzt zu sein, und der ist bekanntermaßen blind.

Ich hatte kein blindes Glück.

Ich hatte einen wirkenden Gott, der sehr genau weiß, was meine Seele und die Seelen der mir Anvertrauten brauchen, um weiter in ihrer ewigen Entwicklung zu wachsen.

So alt ich wurde, so viele Male sah ich seine großen und kleinen Wunderwirkungen. Kein Glück, kein Zufall, sondern sein Wille.

Ich kannte also Gottes bedingungsloses „Ja“ zu mir. Aber mir war auch ganz klar: Irgendwann, eines Tages wird er „Nein“ sagen zu diesem meinem Leben. Egal, wie sehr alle meine Instinkte danach schreien, überleben zu dürfen: Er wird „Nein“ sagen.

Ich kannte sein „Ja“, aber ich kannte auch sein „Nein“.

Oh, ja Anton, die gab es auch!

Nein, was die Auswahl meines Berufes anging. Nein, was die Gesundheit meiner geliebten Schwester anging.
Nein, was mein Bedürfnis nach immerwährender finanzieller Sicherheit anging. Und „Nein“, was meine die Genesung einer Rückenverletzung anging…
Doch, ja, du hast recht, das waren keine schönen Erlebnisse.

Aber wie konnten mich dann die Erinnerungen ausgerechnet daran beruhigen in Zeiten der Bedrohung, der Angst?

Das will ich dir sagen, lieber Freund: Weil all diese schlimmen Erlebnisse etwas sehr Gutes und Wertvolles für mich zur Folge hatten.

Es war schwer für mich, niemals ein Gelehrter an einer unserer großen Universitäten werden zu können.

Wie sehr habe ich da Gottes NEIN übel genommen und wie lange trug ich an diesem Unmut.
Ich verzieh es Gott nicht nur nicht, ich bezweifelte sogar, dass er mich tatsächlich lieben würde.
Bis ich eines Tages eingeladen wurde. Wir waren mit einer Karawane nach Samarkand gereist und dort lernte ich einen der angesehensten Lehrer an der dortigen Universität kennen. Der war genau das, was ich immer sein wollte.

Wir freundeten uns ein wenig an und so lud er mich zu einem kleinen Festmahl ein, das er anlässlich einer Auszeichnung, die er bekommen hatte, mit seinen Kollegen feiern wollte.

Ich stellte es mir großartig vor, unter all diesen Weisen zu sitzen. Sicher würde ich Großes lernen dürfen, wenn ich ihren Gesprächen lauschte.
Aber ach, es war ganz anders als ich vermutet habe.
Sie waren giftig und zynisch im Umgang miteinander. Die Worte, die sie benutzten, zeigten ihre hohe Bildung, doch die Themen, über die sie sprachen, waren geprägt von der Missgunst und Hochmut.

An dem Abend wurde mir klar: Ein solches Leben hätte mich tief unglücklich gemacht.
Gottes gutem Willen mit mir sei Dank, hatte mich sein NEIN zu meinem Wunsch davor bewahrt.
Ich hatte echte Freunde und wenn wir uns trafen, dann war es schön und tief und warmherzig.
Das gab mir viel Kraft in meinem Leben.

Abgesehen von dem langen Leiden meiner lieben Schwester hatte ich in allen „Neins“ Gottes etwas derart Kostbares und Gutes erreicht, dass ich es um nichts in der Welt hätte missen mögen.
Erfahrungen, Lebenswendungen, Entwicklungen, die so viel besser und tragfähiger waren als das, was ich für „Richtig“ gehalten hätte.

Bliebe noch die Sache mit meiner Schwester.
Nein, für ihr Leid fand ich gar nichts Gutes.
Ich verstand Gottes Weg, was das anging, überhaupt nicht.

Auch das gibt es, Anton: unser vollkommenes Unverständnis für Gottes Weg. Das gilt es zu tragen, ja. Und es ist schwere Last, oh ja.

Ohne meine Lieben, die mit mir waren, wäre ich vor Schmerz eingegangen.

Aber diese tröstenden Menschen, die gab er mir….

Es versteht sich sicher von selbst, dass ich nach meinem Tod verstanden habe, worum es bei dem Leid meiner Schwester ging.
Aber das würde hier zu weit führen.

Anton, es ist, wie es ist.
In der Welt haben wir Angst.
Das ist nicht erfolgreich zu bekämpfen, aber das Ausmaß der Angst, das kann der Mensch eindämmen.
Sofern er das rechte Bewusstsein dafür hat.

Schauen wir nun auf dich, lieber Freund.
Du hast eine ständige Angst, mit der du nun schon so lange, so tapfer lebst:
Es ist die Angst vor Ruin.

Jetzt könnte ich sagen: Ach, Anton, leg doch endlich diese Angst ab, da passiert nichts, was du fürchtest.

Würde dir das helfen? Ja, vorübergehend.
Bis die Zweifel kämen und dann würdest du dich nicht nur fürchten, sondern auch noch schämen, weil du mir nicht vertrauen KANNST.

Kein Mensch kann seine Gefühle MACHEN.
Du kannst nicht MACHEN, dass du deine Familie liebst, du tust es einfach.
Du kannst natürlich auch nicht MACHEN, dass du deinen Partnern vertraust, das Gefühl entsteht einfach nicht zuverlässig.
Egal, wie sehr du das MACHEN möchtest.

Du kannst nicht MACHEN, dass Angstgefühle kommen, dafür sind die Gedanken der Sorge zu sehr Teil der automatischen Gedankenketten, die Teil deines Gehirns sind.

Aber! Eines hilft schon, diese Angst nicht überwältigend werden zu lassen.

Gedanken sind es, die Gefühle MACHEN. Nicht umgekehrt.
Natürlich macht ein liebevolles Lächeln deines Kindes, dass du spürst, wie sehr du es liebst.
Und natürlich macht ein schöner Sonnenaufgang, dass deine Seele sich an der Schönheit der Schöpfung freut. Das sind sozusagen die Ausnahmen der Regel. Aber diese kurzen Momente, die tragen nicht.

Ja, da mag sich mancher beschweren und denken: Warum kann ich denn nicht immer sehen, was so schön ist?

Weil die Aufmerksamkeit des menschlichen Gehirns darauf trainiert ist, stets VORSICHT walten zu lassen.
Das ist das Erbe eurer vor-steinzeitlichen Vorfahren, das gehört einfach zu den primären Grundbedingungen der Inkarnation auf Erden.

Doch abgesehen davon: MEHR als diese gesunde VORSICHT ist wirklich nicht nötig, zu PFLEGEN!

Jetzt sind wir beim entscheidenden Punkt, Anton.

Du kannst deine Ängste pflegen oder auch nicht.
Je mehr du sie pflegst, um so größer und stabiler werden sie.

Weißt du, wie diese vermaledeite Pflege aussieht?

Da kommt ein Gedanke, der dich auf eine unsichere Stelle in deinem Leben aufmerksam macht und dein Verstand urteilt: Das ist gefährlich!

Als Nächstes verknüpft dein Gehirn diese Gefahrenlage mit Fantasien und Spekulationen darüber, wie es in Zukunft damit weiter geht.

Dein Verstand tut so, als wisse er das ganz genau.

Selbst der beste Schachspieler der Welt kann nicht beim ersten Schachzug vorhersehen, welchen Zug er machen muss, wenn er zum zwanzigsten Mal an der Reihe ist. So viel zur Logik.
Alle! Eventualitäten des Lebens aufdecken zu können, ist keinem menschlichen Gehirn eigen. Selbst wenn es so wäre, wäre es doch nur Spekulation.
Denn welche von – sagen wir – 10 Möglichkeiten tatsächlich eintreffen werden, liegt eben NICHT in deiner Hand.

Natürlich kannst du durch eigenen ZUTUN oder NICHTTUN die Lage verschlechtern, aber niemals mehr als das.

Eine Zukunftsprognose ist also nicht möglich.

Wie also hast du dann solchen Warn-Gedanken zu begegnen?

Na, mit Sachlichkeit natürlich!

Die gleiche Sachlichkeit, die ihr den Küstenbewohnern Frieslands zuschreibt. Nicht mehr, nicht weniger.

Wenn Ängste in deine Gedanken kommen – und die kommen einfach – daran lässt sich nichts ändern.

Dann musst du dich um Sachlichkeit bemühen.

Ängste sind Teil eurer Natur, um euch vernünftige! Vorsorge treffen zu lassen, SOWEIT das im Rahmen des Möglichen für euch liegt.

Weiter nichts!

Angstgedanken können mir begegnen mit einem einzigen Blick darauf, ob man den Teil des Mitwirkens, der für einem Pflicht ist, ausgeübt hat oder nicht.
Wenn nicht, gibt es eben noch etwas zu erledigen.

Und alles andere liegt einfach nicht in der Hand des Einzelnen.

Ja, ich weiß, genau an diesem Punkt wird es wirklich unangenehm.
Denn hier wird klar erkenntlich, dass das eigene MACHEN KÖNNEN begrenzt ist.
Und zwar von unvorhersehbaren Faktoren.

Anton, und jetzt komme ich zu meinem Rat.
Sag mal: Wie oft hat Gottes Nein zu deinem Willen in deinem Plan vom Glück letztlich Gutes gewirkt?
Für dich, deine seelische Weiterentwicklung und für die, mit denen du zusammen bist?

Nimm dir viel Zeit, um das zu erinnern, denn DAVON hängt dein innerer Frieden ab: nicht vom äußeren Geschehen, sondern vom inneren Realismus.

Welche positiven Entwicklungen haben sich in meinem Leben entwickelt, obwohl ich dachte, dass gerade ein fürchterliches NEIN Gottes zu verkraften ist?

Was ist der tatsächliche Zustand, in dem ich HEUTE lebe?

Was von meinen Ängsten ist der Versuch, in eine Zukunft zu blicken, von der ein Verstand gar nicht wissen kann, dass die so und nicht anders eintrifft?

Der Verstand wird immer versuchen, zu beweisen, dass er alles ganz genau weiß.
Er weiß GENAU, welche Erlebnisse welchen Wert für dein Leben hatten.

Nein, das weiß er nicht, denn er kennt nur den vertrauten Blick darauf, andere alternative Wertungen sind ihm völlig unbekannt.

(Die kann er natürlich lernen, aber dafür braucht es „Lehrer“, deswegen machen wir dieses Reading.)

Der Lehrer, der deinem Verstand hilft, neue Perspektiven einzunehmen, KANN weder er selbst sein noch deine Vorfahren.
Die Erfahrungen deiner Sippe sind zutiefst geprägt von Existenzängsten. Allerdings ist aus der berechtigten, von uns begrüßenswerten Vorsicht inzwischen ein beklagenswertes „Unglück-wird-sicher-geschehen“ Orakel geworden, das jeder Generation zur Last fällt.

Nach dem Motto: Gute Männer haben gefälligst Existenzangst zu haben.

Das ist Unsinn!

Das ist der Antrieb, der den Anton dazu bringt, dass sein so trainierter Verstand Existenzangst füttert.

Das Mittel dazu sind Spekulationen.

Stoppe das Spekulieren!
Was du nicht wissen kannst, das kann auch nicht deine Aufgabe sein, die du zu lösen hast.

Ja, und letztlich wird Angst gefüttert durch einseitige Erinnerungen an Versagen und Unglück.
Tatsache ist: Es gibt den Anton dennoch!
Und der ist trotzdem ein guter Mensch geworden, hat seine Kinder groß gekriegt, hat seiner Familie so viel möglich machen können und sich selbst auch.
Trotz allen Tiefs, die es gab.
Das ist die realistische Tatsache. Nicht wahr?

Ja, Anton, ich habe jetzt viel gesagt, nun muss ich mich mäßigen.
Auch wenn ich gerne mit dir, wie gute Freunde es tun, weiter reden würde.

Lass uns zu deinen Fragen kommen. Ich nehme an, du ahnst schon, wie ich sie beantworten werde… versuchen wir doch einmal einen anderen Blickwinkel darauf.

Uta: Anton schreibt: Kann ich erfahren, ob ich meine bisherige Tätigkeit weiterhin ausüben soll, bzw. kann? Oder gibt es Alternativen, die ich nicht kenne?

Amin: Lieber Freund, ich vermute nach all dem, was ich dir bis hierher geschrieben habe, geht es dir mit dieser Frage gerade nicht so gut? (Er lächelt ganz sanft.)

Gut, dann versuchen wir mal, deinem inneren Rätsel-Rater ein wenig Futter zu geben.
REALISTISCHES und KEINE Spekulation.

Anton, WENN es Teil deines dir von Gott zugewiesenen Platzes im Netzwerk ist, deine Tätigkeit weiter auszuüben, dann wird es auch nicht an Anlässen und Gelegenheiten dazu mangeln.

Da du Mitwirkender bist, könntest du rein theoretisch durch aktives Einschreiten dazu beitragen, dass dies nicht hemmungslos abläuft.
Aber letztlich sei sicher: Du bist jederzeit genau da, wo es gut für dich ist und gut für die, mit denen dein Dort sein verknüpft ist.

Wenn dieser Platz nicht mehr gut für dich ist, DANN erst ist die Sache erledigt.

DANN wirst du aber GANZ SICHER auch zu der Alternative geführt, der dann genau der richtige Platz ist.

Natürlich könntest du dann das Richtige versäumen, falls du trotz aller Impulse NICHT die Gelegenheit nutzt, die sich bietet.

Also, Anton, es würde doch wirklich nicht realistisch sein, dir solches Trotz-Verhalten zu unterstellen.

Das liegt doch gar nicht in deinem Wesen.

Du warst immer intuitiv weise genug, dem Pfad der sich bietenden Chancen und Möglichkeiten zu folgen, daran ändert sich SICHER nichts.

Merkst du? Ich spiele mich hier nicht zum Wahrsager auf.
Abgesehen davon, dass Zukunft voller Varianten ist, die zwar Gottes Bewusstsein kennt, aber nicht ich: Es würde dir nicht helfen.

Anton, ihr seid nicht ganz frei in euren Entscheidungen, aber ihr seid auch nicht die Marionetten eines blinden Schicksals.
Ihr seid Mitwirkende der Schöpfung.
Nicht mehr, nicht weniger.

Uta: Er fragt: Ist mein restliches Leben wie bisher auch weiter von meiner Existenzangst geprägt? Was kann ich dagegen tun?

Amin: Ich denke, mein lieber Freund, dazu habe ich dir jetzt sehr viel gesagt und das Gesagte kannst du im Gespräch noch mit Uta vertiefen.

Uta: Anton will wissen, wie sein Leben im Rentenalter aussehen kann.
Was er bereits jetzt tun kann, um es zu genießen?

Amin: Anton, übe im JETZT, das zu ERLEBEN, was gut und schön ist.
DAS ist, was dir fehlt.
Ich weiß, du willst was anderes von mir hören.
Aber, Anton: Mehr als zu handeln, wie die Friesen es machen, ist doch keinem Menschen möglich.
Und was möglich ist, das bestimmst du doch nicht alleine!

Pflicht ist immer nur das, was im Rahmen deiner derzeitigen Möglichkeiten liegt: deiner finanziellen, deiner sozialen, deiner emotionalen, deiner körperlichen Möglichkeiten.

Für den Rest sind ganz andere Mächte am Wirken.
Und hin und wieder einfach zu beten – bitte gib mir ein friedvolles Altern – kann ja auch nicht schaden, wenn die Angst mal wieder groß ist.
Weil da etwas in dir meint, herum plärren zu müssen, dass alles und jedes an dir liegt.

Uta: Er fragt, welche Aufgabe er noch zu erfüllen hat?

Amin: Anton, so gut es dir gelingen mag, zu lieben: dich, das Leben, Gott.

Das ist auch nicht, was du hören willst, ich weiß:
Aber das ist es.

Was stillt den Durst, Anton?
Die Flasche oder das Wasser darin?

Wenn es die Flasche ist, dann gerät der Mensch in Angst.
Wenn es das Wasser ist, dann wird er überall finden, was seinen Durst löscht:
in Flaschen, in Brunnen, in Bächen, in Seen…

Du bist durstig nach Sicherheit, nach Geborgenheit…
Das Wasser, das diesen Durst löscht, ist NICHT abhängig von äußeren Umständen, sondern von innerer Achtsamkeit.

Von realistischer Auswertung deiner Erfahrungen, von deinem Mut, damit zu experimentieren, die Dinge einmal ganz wo anders zu suchen, als der Verstand gewohnheitsmäßig glaubt, wo es zu finden wäre…

Versuch mal, wie weit du kommst.

Es macht nichts, wenn es nicht vollkommen wird, aber jeder kleine Schritt auf diesen Weg ist ein Schritt in ein glücklicheres Dasein.

Uta: Er fragt, ob er noch Investitionen (Hauskauf / Hausbau) vornehmen soll. Vorausgesetzt seine Lebenszeit reicht noch dazu.

Amin: Hm, hm… da sind wir wieder.

Gut, ich kann dir nicht sagen: Tue dies oder tue das.

Aber lass uns einen gemeinsamen Blick auf die Zeit JETZT werfen.

Gibt es derzeit SICHERHEIT oder auch nur die Wahrscheinlichkeit, dass Währungen stabil bleiben?
Dass die Wirtschaftskraft deines Landes stabil bleibt?

Nein, gibt es nicht.
Das ist jetzt keine Prognose, das ist die Realität.

Alles ist aus dem Ungleichgewicht und wird mit noch mehr Ungleichgewicht versucht, unter Kontrolle zu halten.
Jeder, der es wissen will, weiß es.
Erwartet wird ein Punkt, an dem das derzeitige Wirtschaftsmodell kippt.

Andererseits: Was ist mit den Immobilien?

Nun: Wer jetzt kauft, zahlt einen Preis, der nicht dem Wert entspricht.
Bricht das derzeitige Bewertungssystem zusammen, hat er zuviel gezahlt beziehungsweise zuviel an Schulden aufgenommen.

Ein Immobilienkauf kann also gefahrlos nur der tun, der die Differenz zwischen Wert und Preis aus eigener Tasche zahlen kann, alle anderen werden zwangsläufig Probleme bekommen.

Selbst wer hofft, dann vermieten zu können, wird dies nicht zum überhöhten Preis können.

Das sind die Fakten!
Das ist KEINE Spekulation, sondern Logik.
Die Finanzwelt ist derzeit ein Riese, der auf tönernen Füssen steht, die brechen werden.
WANN? Das kann auch ich nicht sagen.

Wer Vermögen hat, mag es in Sachwerten sichern oder in Dingen, die ihm nicht zu rauben sind, weil er sie verinnerlicht hat.

Du siehst, Vorsicht bedeutet: Wenn du siehst, dass sich Raureif auf kahlen Ästen bildet, dann steht der Winter vor der Tür.

Wer sieht, dass Unrecht und Gier Überhand nehmen, der kann sicher sein, dass der Zusammenbruch kommt.

Uta: Anton hat noch eine Frage, von der ich nicht weiß, ob die so gestellt werden kann: Ob du ihm sagen kannst, ob er seinem derzeitigen Arbeitgeber vertrauen kann?

Amin: Anton, ohne etwas zu ihm zu sagen: Sag mal, hat denn irgendein Mensch überhaupt in der Hand, was wird?

Natürlich nicht.

Also ganz realistisch kannst du gar keinem vertrauen, der etwas verspricht.
Ein Vertrag ist ja ein Versprechen: Niemand kann irgendwas versprechen.

Das heißt: An der Situation, nicht vertrauen zu können, ändert sich nicht einmal dann etwas, wenn du den Arbeitgeber wechselst.

Konnte ich darauf vertrauen, das KEIN Sandsturm kommt? Nein!

Aber ich konnte begrenzt Vorsorge treffen.
Aber andere, Ärmere als ich konnten auch das nicht.
Für die sorgte dann Mächtigeres als Menschen Macht.

Kannst du derzeit irgendwas anderes tun als das, wozu du verpflichtet bist aufgrund des Vertrages?
Nein.
Musst du aber Dinge tun, die darüber hinaus einseitig für dich riskant sind? Auch nein.

Uta: Danke, Amin, ich hoffe, dass Anton so gestärkter auf seine Zukunft sieht.

Amin: Ja, ich auch, das würde mich freuen.