War es schwer für dich, ins Licht zu gehen?

Verstorbenenkontakt der Tochter zur Mutter

War es schwer für dich, ins Licht zu gehen?

Anna: Na ja, am Anfang, als ich so durcheinander war, schon.
Aber dann war es schön.
Schön ist das, Stefanie!
Davor braucht sich keiner fürchten.
Es ist wie ganz, ganz lieb umarmt werden von innen…
Weiß gar nicht, wie ich das jetzt sagen soll?

Und ich wusste, das kenn ich: Das ist jetzt das Zuhause sein.
Dahinten, das war gar nicht zuhause.
Zuhause sein ist hier…
Dann wars erst mal ruhig und schön, so schön…
Ich bin über ein Feld gegangen, ein goldenes Feld,
aber die Ähren waren ganz weich wie Seide.
Und dann war da so eine Stadt, die war auch aus Gold.
Als ich sie gesehen habe, da war ich auch schon da.
Ich war da: Zuhause, das wusste ich genau.
Ich hab ein bisschen geweint, weil ich doch alles,
was ich so lieb hatte, zurücklassen musste.
Aber ich war gleichzeitig auch so glücklich,
so sehr wie nie vorher.

So war das!
Es waren viele da, DIE ICH KANNTE UND LIEB HATTE:
auch aus den Leben vorher.
Und ich hab meinen Engel da gehabt
und den kannte ich auch.

Es war wie, wenn ich nach einer ganz,
ganz langen Reise nach Hause komme
und alle sind da und es gibt ein schönes Fest.

Ich bitte meinen Guide, mich mit Anna zu verbinden, ihre Tochter hat ihr einen Brief geschrieben.

Anna ist gleich da, überraschend ist, wie sie herkommt.
Jung wirkt sie und wirklich sehr hübsch.
Sie trägt eine rosa Hose und eine weiße Bluse, sehr sommerlich.
In der einen Hand hält sie einen Strohhut, in der anderen einen kleinen Koffer,
den sie neben sich abstellt und sie strahlt über das ganze Gesicht.

Uta: Ja, grüß dich, Anna! Gut schaust du aus!

Anna: Ja, mir geht’s auch gut, sehr gut sogar!
(Die Freude, die sie hat, kommt rüber und wirkt ansteckend.)

Uta: Willst du verreisen?

Anna: Ah ja, der Koffer, ja!
Ich reise jetzt immerzu, schau mir alles an.

Mei, was ich alles verpasst hab!
Dabei ist die Welt so schön!
(Sie spricht in einem leichten bayrischen Akzent, den ich hier nicht wiedergebe, weil es mir zu anstrengend ist, da immer genau hinzuhören).

Uta: Bist du gerne gereist?

Anna: Als ich ganz jung war, da habe ich mir gedacht:
Wenn ich erwachsen bin, geh ich einmal auf Weltreise wie die Uschi Obermeier. (Lacht.)

Uta: Daraus ist nichts geworden?

Anna: Ja, wie denn?
Aber jetzt und später einmal, wenn ich wieder auf die Welt komme, das steht fest.Ich lass mich nicht wieder von meinen Träumen abbringen, nie wieder.

Uta: Das ist toll, Anna, so ist es recht.
Man soll die Freude im Leben suchen, recht hast du!

Anna: Genau das sag ich auch!
Dann schimpfen dich die Leut vielleicht, aber das tun die eh!
Darauf kannst wetten!

Uta: Das sind ja ganz neue Erkenntnisse!

Anna: ganz neu, ja! Ich tu doch keinem weh damit!

Ach, ich hab so viel neue Erkenntnisse!
Das liegt daran, dass ich jetzt glaub, dass ich schon recht bin.
So falsch bin ich gar nicht und erst recht nicht so wertlos.
Nein, so was will ich keinem mehr glauben, niemals mehr.

Uta: Hast du das denn geglaubt?

Anna: Freilich hab ich das geglaubt!

Deshalb hab ich auch jedem Mann (oder jedermann, das krieg ich nicht genau) geglaubt, der mir gesagt hat, dass ich tun muss, was er sagt.
So war das!
Ich hab mir halt nicht geglaubt!
Also nicht, was ich fühle, war mir richtig, sondern was man sagt.
Das hat mich letztlich das Leben gekostet, so ein Schmarrn!

Uta: Spielst du da auf die Medikamente an?

Anna: Ja, genau!
Aber vor allem will ich meiner Stefanie sagen:
Kind, vertrau dir selbst!

Dein Herz weiß schon ganz genau, was gut ist für dich.
Musst nicht so werden wie ich, gell?
Dass du mir nicht auf die Idee kommst!

Uta: Stefanie hat dir einen Brief geschrieben.

Anna: Das weiß ich und ich würde gerne auch noch etwas sagen.
Wir konnten doch nicht richtig Abschied nehmen.

Stefanie, ich hab dich lieb! Wirklich.
Es stimmt schon: Es war nicht leicht für mich, Mutter zu werden
und auch nicht zu sein.
Aber ich hab immer gewollt, dass du lebst,
dass du ein glückliches Leben hast, ein besseres als ich.
Immer!
Und das will ich noch! Nichts gibt es, was mich mehr freut.

Ich bin stolz darauf, dass du meine Tochter bist.
Weil du einfach ein ganz, ganz guter Mensch bist
und weil du dich nicht so leicht unterbuttern lässt wie ich.
Mir tut es so leid, dass ich dich mit dem Gejammer so oft runtergezogen habe.

Recht war das nicht…

Und wenn ich heute so drauf schau auf uns beide, da frag ich mich:
Wer war denn da die Mutter und wer war die Tochter?
Heut versteh ich dich viel besser.

Weißt, ich hab Angst gehabt, immerzu hatte ich Angst.
Mein ganzes Leben lang hatte ich Angst davor,
was falsch zu machen oder einfach nicht gut genug zu sein.

Das war schlecht für dich. Du bist anders und das hast du gespürt.
Deshalb musstest du doch kritisch mit mir sein,
das versteh ich jetzt.

Gell? Ich bin nicht du und du bist nicht ich!
Versprochen? Ja?

Siehst du? Ich hab mich verändert.
Aber na eigentlich auch nicht.
Die ich jetzt bin, so war ich einmal,
aber dann kam meine Kindheit und die war nichts.

Da bin ich so verunsichert worden, dass fast nichts von mir geblieben ist.

Jetzt sag ich dir, dass es mir immer gut getan hat,
dass du Teil in meinem Leben warst.

Sonst hätte ich gar keinen Lebenssinn gesehen.

Dank dir so sehr dafür!

Ich lieb dich so, das kann ich nicht in Worte sagen!

Es tut mir so sehr leid, dass ich keine stärkere Mutter für dich gewesen bin.
Verdient gehabt hättest du sie, aber ich konnt nicht, ich konnt einfach nicht.

So, jetzt werd ich dir antworten.
Ich wollt nur,
dass du es für alle Zeiten in deinem Herzen behältst.
Ich hab dich geliebt vom ersten Moment an.
Manchmal konnt ich das nicht fühlen,
weil ich so beschäftigt mit meinen Angelegenheiten war,
aber die Liebe war immer da.

Ich konnt dir auch nicht geben, was du gebraucht hättest, das tut mir so sehr leid.

Aber niemals hat das an dir gelegen, sondern an mir.
An meiner Geschichte.
Das hat es verdorben, was wir hätten haben können.
Ich hab zu wenig auf mein Herz gehört
und zu viel auf meine Ängste.

Uta: Möchtest du jetzt Stefanies Brief hören?

Anna: Ja sehr gern.

Uta: Sie schreibt: Hallo Mama!

Ich freue mich, dass hier noch einmal die Gelegenheit bekomme,
dir meine Fragen zu stellen, um zu erfahren,
wie es dir dort, wo du jetzt bist, geht.

Anna: Mir geht’s sehr gut, so gut wie noch nie!

Ich merk jetzt erst, wer ich bin, das war alles so vergraben,
davon war kaum noch was übrig.
Aber jetzt bin ich wieder ganz heil geworden
und das ist eine Freude.

Ich spür jetzt, dass ich gar nicht so brav bin,
dass ich so gern so viel mehr wissen und erleben möchte!

Und hier ist jeder mit jedem in Liebe,
keiner verrenkt sich
oder tut wer weiß wie
und trotzdem lieben wir uns.

Das versteh ich gar nicht, zu beschreiben,
so schön ist das für mich.

Stefanie: Ich vermisse dich und war sehr traurig,
dass ich dich nicht mehr sehen konnte
und wir uns nicht mehr verabschieden konnten.

Anna: Ja, ich weiß, du, ich auch.
Das war schade, aber vielleicht wäre das auch mehr gewesen,
als ich hätte aushalten können?

Ich glaub, ich hätte das Gefühl gehabt,
nicht ins Licht gehen zu dürfen.

Dass ich dich verraten würde, untreu zu dir wäre.
Ja, ich glaub wirklich, das wäre passiert.

Dabei warst du doch längst die Stärkere von uns beiden!
Weißt, dass ich das einfach nicht sehen konnte.
Ist doch komisch, oder?

Stefanie: Es tut mir sehr leid, dass ich nicht mehr für dich tun konnte.

Anna: Ach, ja, du bist mir eine!
Schatz, ja, ein Schatz, mein Schatz.

Aber siehst du das?
Siehst du, das hätte doch mein Satz sein sollen:
Es tut mir leid, dass ich nicht mehr für dich tun konnte.

Trägt denn die Tochter die Verantwortung für die Mutter?

Ja, ich weiß schon, ich hab meine Verantwortung getragen für dich,
so gut es halt ging.

Aber jetzt ist der Augenblick, da können wir doch auch ganz ehrlich sein.
Ich hab dir so früh die Verantwortung dafür, wie es mir ging
und wie mein Leben war, zugeschoben.

Nicht bewusst! Gewusst hab ich das nicht, auch nicht gewollt.
Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich mich geschämt dafür.

Aber deshalb ist es trotzdem wahr, Stefanie:
Ich hab dir zu viel aufgelastet, viel zu viel.

Wieso – hab ich mich gefragt – hab ich das nicht gemerkt?

Vielleicht, weil ich es bei mir selbst nicht gemerkt habe: 
Dass ein jeder Mensch Grenzen hat,
die er einfach nicht überschreiten darf.

Das es richtig ist, Nein zu sagen,
wenn es einem zu viel wird,

was man aushalten soll?

Das kann schon sein, dass es daher kommt,
dass ich es nicht gesehen habe.

Ich hab da Fehler gemacht.

Jetzt einfach so zu sagen, das tut mir leid, ist mir auch nicht recht.

Du darfst da hinschauen.
So, wie du über deinen Wert denkst, hab ich auch über meinen gedacht.
So, wie du über das Leben denkst, hab ich über das Leben gedacht.

Und das ist nicht deine Aufgabe.

Du, das sag ich dir: Das Leben ist nicht immer nur schwer
und auch nicht immer nur anstrengend und auch nicht immer nur ungerecht.

Was hab ich da in dein Herz gepflanzt?!
Kein Vertrauen haben, das vor allem!
In nichts, erst recht nicht in sich selbst.

Schau, das war so falsch.
Wir sind ja gar nicht für alles allein verantwortlich!
Es ist nur so, dass sich die Dinge eben entwickeln
und dass wir nie aus allem das Beste machen können.

Keiner kann das.

Ich seh es jetzt erst, dass ich immer auch Schönes hatte im Leben,
ganz unverdient, einfach so.
Du bist mir auf ewig eins von all dem Schönen,
das ich geschenkt bekommen hab.
Das sollst du wissen.

Stefanie: …und dir als Tochter so viele Sorgen und Probleme gemacht hab.

Anna: Mei, Stefanie, jetzt hör einmal zu.
Die Sorgen und Probleme, die waren mir deshalb so groß,
weil ich kein Vertrauen hatte.
Das hab ich ja schon gesagt: In nichts und niemanden hatte ich das.

Wenn ich auf mein Gefühl geachtet hätte, hätte ich gewusst:
Du schaffst es!
Und was du nicht schaffst, da hilft dir Gott!

Aber an das Gespür dafür, da hatte ich keinen Zugang mehr.

Heut erst sehe ich, wie schwer es für dich ist, dir zu vertrauen
und dem Leben und da bin ich die Ursache.
Verstehst du? Das will ich nicht, dass es so bleibt.

Stefanie: Du warst mir aber als Mutter sehr wichtig.
Und ich möchte mich noch einmal bei dir bedanken:
Dass du als Einzige von der Familie für mich da warst
und dich um mich gekümmert hast.
Du warst auch ein bisschen wie eine Freundin für mich,
die ich nicht hatte.

Anna: Das ist schön, wie du das sagst, dafür dank ich dir ganz herzlich.

Mehr möchte ich dazu eigentlich nicht sagen.
Das tut mir wirklich gut, wirklich!

Stefanie: Auch wenn wir oft gestritten haben und ich dir nicht die Tochter sein konnte, die du dir gewünscht hättest, hab ich mich bemüht, auch für dich da zu sein.
Und du warst mir sehr wichtig und ich hab dich als Mutter geliebt.

Anna: Ja, Kind, das weiß ich doch, ich weiß das doch!
Sogar, wenn wir uns gestritten haben, hast du mich trotzdem geliebt.
Aber ich dich ja auch!
Ist das nicht schön?

Du, aber eins muss ich sagen: Ich hab mir keine andere Tochter gewünscht!
Das war ja blöd, ach, was wir für Schaden anrichten durch dumme Redensarten!
Du bist keine Enttäuschung!
Das darfst du gar nicht glauben!

Jeder Mensch macht mal was Dummes
und keiner ist perfekt.

Glaubst du, deine Mutter ist blöd und weiß das nicht?

Du warst die beste Tochter der Welt für mich
und das wirst du immer, immer bleiben.

Stefanie, es ist mir ganz ernst, das darfst du nicht anzweifeln:
Du bist mir immer mein Herzensglück gewesen!

Nur mein Denken, das war ja manchmal doch recht dumm (sie lächelt).
Aber jetzt kennst du die Gründe. Oder nicht?

Ja, schau dir doch meine Kindheit an! Zum Ersticken war das doch!

So was verbiegt das Denken meistens ein Leben lang.
Das ist traurig, ich glaub aber, dass wir Zwei das ganz gut gemacht haben.
Letzten Endes: Wir haben das Wichtigste doch bewahrt.
Dass wir uns recht lieb haben.

Stefanie: War es schwer für dich, ins Licht zu gehen?

Anna: Na ja, am Anfang, als ich so durcheinander war, schon.
Aber dann war es schön.
Schön ist das, Stefanie!
Davor braucht sich keiner fürchten.
Es ist wie ganz, ganz lieb umarmt werden von innen…
Weiß gar nicht, wie ich das jetzt sagen soll?

Und ich wusste, das kenn ich: Das ist jetzt Zuhause sein.
Dahinten, das war gar nicht zuhause.
Zuhause sein ist hier…
Dann wars erst mal ruhig und schön, so schön…

Ich bin über ein Feld gegangen, ein goldenes Feld,
aber die Ähren waren ganz weich wie Seide.
Und dann war da so eine Stadt, die war auch aus Gold.
Als ich sie gesehen habe, da war ich auch schon da.
Ich war da: Zuhause, das wusste ich genau.
Ich hab ein bisschen geweint, weil ich doch alles,
was ich so lieb hatte, zurücklassen musste.
Aber ich war gleichzeitig auch so glücklich,
so sehr wie nie vorher.

So war das!
Es waren viele da, DIE ICH KANNTE UND LIEB HATTE:
auch aus den Leben vorher.

Und ich hab meinen Engel da gehabt und den kannte ich auch.
Es war wie, wenn ich nach einer ganz, ganz langen Reise nach Hause komme
und alle sind da und es gibt ein schönes Fest.

So war das für mich.
Und ich hab mich so gefreut, weil:
Nichts geht verloren, niemand stirbt dir für immer, selbst seine Tiere findet man wieder.
Alles, was man wirklich lieb hatte, ist da, wenn du kommst.
Nie hätte ich mir das denken können!

Ich hab so gestaunt und gelacht!
Stell dir vor: Als ich jung war, da fand ich einmal den Roy Black ganz toll
und sogar der war da!
Nur kurz, aber er war grad so lange da, dass ich gespürt hab:
Auch da war meine Liebe nicht sinnlos. 

Ach, was könnte ich dir alles erzählen,
aber das Meiste ist eigentlich so ein Fühlen,so ein Wissen auch.
Ja. 

Mehr kann ich nicht sagen, obwohl ich´s gern möchte, mir fehlen die Worte.

Stefanie: Ich hatte das letzte Mal, als wir uns gesehen haben,
ein so komisches Gefühl. Es hat sich angefühlt wie Heimweh und Angst…

Anna: Oh… (seufzt), ich weiß…
Ich weiß auch, was da geschehen ist:
Deine Seele und meine Seele haben auch immer miteinander „geredet“.
Also das, was unsterblich ist…
Deine Seele hat gewusst, wohin meine bald geht…
Das war, was du gefühlt hast, als meine Seele dich vorbereitet hat.
Oh, du Armes, ich hab dich so lieb,
aber das konnt ich dir nicht ersparen.

Stefanie: Hast du gespürt, dass du bald sterben wirst?

Anna: Mein Verstand hat es nicht verstanden,
was ich da gefühlt habe.

Es war, was du gefühlt hast: Heimweh und auch Angst.
Oder war das gar keine Angst?
Nein, ich glaub, Angst war es nicht,
es war eher so ein Gespannt sein: 

Da kommt was, damit kenn ich mich nicht aus… so.

Wenn neue Situationen auf mich zugekommen sind,
da hätt ich ja sowieso am Liebsten weglaufen wollen.
Auch dann, wenn es etwas war, was ich mir gewünscht hab.
Ja, ich glaub, das war es.
Aber richtig geahnt, was es genau war, nein, das hab nicht.

Das kam auch gar nicht plötzlich, das war ein ganz langer Zeitraum.

Ich war auch so komisch traurig!
So, wie man ist, wenn man sich verabschieden muss von etwas,
was schön war.

Das war eigentlich das, was irgendwie immer da war und immer öfter.
Wie wenn du ins Kaufhaus gehst und da Musik gespielt wird:
Die Musik ist da, aber nur, wenn es ruhiger wird, hörst du hin.

Stefanie: Du hast plötzlich so wenig gesprochen
und sehr traurig auf mich gewirkt und so,
als hättest du Schmerzen.

Anna: Wenn du mich gefragt hättest, hätte ich dir das nicht beantworten können.
Aber ich war traurig, wie ich es dir gesagt habe, als wenn man Abschied nehmen muss. So traurig in der Art.

Nur verstanden hab ich´s nicht und na:
Sprachlos hat es mich gemacht,

weil das so stark war, als du da warst.
Aber Schmerzen hatte ich nicht, das hätte ich gesagt.

Stefanie: Aber als ich dich darauf angesprochen habe,
hast du gesagt, es wär nichts.
Ich wäre am liebsten bei dir geblieben, aber das wolltest du nicht.

Johann: Ja, wie hätte ich das auch erklären können?
Das habe ich selbst gar nicht verstanden… gar nicht.
Es hat mich nur so überrascht.

Ich hatte mich doch gefreut, dass du da warst.
Irgendwie war ich ganz durcheinander davon.
Bitte, bitte, bitte: Du darfst wirklich nicht denken, dass
– wenn du gebohrt hättest –
noch irgendwas dazu von mir gekommen wäre.

Ich wusste selbst nicht, was da mit mir los war, wirklich nicht.

Stefanie: Warum wolltest du im Treppenhaus nicht,
dass Frau P., die dich gefunden hat, einen Arzt holt?

Anna: Das ist gar nicht so leicht, darauf zu antworten:

Mein Ich – also das, was ich mit dem Verstand verstehen konnte –
das wollte aus der Sache kein Drama machen und war überzeugt,
das geht gleich wieder weg.

Und meine Seele, die wollte einfach in Ruhe gelassen werden,
die hat sich sozusagen verzupft.

Uta: Das klingt nach Schock?

Anna: Ah ja, du bist ja auch noch da!
Ja, das stimmt, das war ein Schock…
So, wie wenn einer einen Autounfall hat:
Da bist du halt nicht mehr ganz beieinander.

Stefanie: Hast du viele Leute im Jenseits getroffen,
auch deine Eltern?

Anna: Ich hab alle getroffen, das muss man nicht,
wenn man nicht mag, aber mir ist es gut so.

Da hab ich viel verstanden: Warum ich war, wie ich war.
Und auch, warum es so schwierig ist, so zu sein, wie man ist.
Nicht nur bei mir: bei allen Menschen.

Ich glaub, das müsste man den Menschen sagen.
Aber da wird ja immer nur von Sünde geredet!
Kaum ist einer auf der Welt, schon lernt er, dass er nichts wert ist.
So was Dummes!
Und daraus kommt dann das ganze Elend!

Die einen sagen sich: Ja, wenn ich schon von Geburt an bös bin,
warum sollte ich es ändern?
Und die anderen sagen: Schau her, so bös bin ich,
da muss ich froh sein,
dass ich überhaupt leben darf.
So ein Schmarrn! Was daraus alles wächst, da gruselts dich!

Stefanie: Mit wem und wie verbringst du jetzt deine Zeit.

Anna: Hm (lächelt). Ich reise mit Freunden – alte Freunde, neue –
viel, um zu lernen, lernen, lernen, lernen…
Verstehen, warum was wie ist.
Mir ist das eine solche Freude!

Stefanie: Hat dir mein Guide Grüße von mir ausgerichtet?

Anna: Das brauchts nicht: Sobald du an mich denkst,
hör / weiß ich, was du fühlst.

Aber das kannst du nicht wissen, wie das ist.
Ich bin nicht da, aber du bist immer mit mir im Kontakt,
sobald du zu mir hindenkst.
So ist das!
Umgekehrt aber auch.

Stefanie: Wenn ich mal sterbe, sehen wir uns dann wieder
und werde ich dann vielleicht von dir abgeholt?

Anna: Ganz, ganz groß ist meine Freude, wenn du wieder bei mir bist,
natürlich hol ich dich gern ab.
Aber gell: Das hat Zeit und lass dir nicht einfallen, zu glauben,
dass du sterben musst, wenn du in meinem Alter bist, gell?
DARAUS WIRD NICHTS!
Du bist du und ich bin ich, vergiss das nicht!

Stefanie: Bei uns zuhause knallen manchmal ohne ersichtlichen Grund die Türen zu
oder der Fernseher spinnt.

Bist du das oder ist das etwas anderes?

Anna: Das bin ich nicht!
Ich weiß nicht, was es ist, es nicht aus unserer Welt hier
und ich treffe niemanden, wenn ich bei dir bin.
Da fragst mich umsonst.

Stefanie: Möchtest du noch zu meinen aktuellen Plänen etwas sagen
und zu meiner Situation.

Anna: Ach, ich darf dir ja keinen Rat mehr geben.
Deshalb sag ich dir aber, was du besser machen kannst als ich,
wenn du vor Entscheidungen stehst:
Such immer danach, was die Wirklichkeit ist!

Mir ist jetzt erst klar, dass ich das Meiste entschieden habe nach einer Meinung:
meiner oder der von anderen.

Aber nicht danach, was ich wirklich wusste und was ich wirklich gespürt habe.

Wenn du das machst, dann gehst du deinen Weg auch richtig.

Stefanie: Mein Freund sagt, dass er dich gerne kennengelernt hätte.
Ich finde es auch schade, dass ihr euch nicht mehr kennen lernen konntet.

Anna: Das sollte eben nicht sein.

Stefanie: Manchmal sagt er Dinge, die du immer gesagt hast,
flüsterst du ihm das ins Ohr oder schnappt er was auf, was ich erzählt habe?

Anna: Nein, da ist Seelennähe, daran liegt es.
Aber das ist doch klar: Die, die sich nah sind,
die gehen auch auf der Erde Verbindungen ein.
Alle anderen passen doch gar nicht.

Stefanie: Er sagte einmal, dass er gedacht hätte,
dich in unserem Schlafzimmer zu sehen, dass er das aber nur geträumt hätte.

Anna: Ich war aber da und wir haben uns unterhalten,
der Traum war dann nur die Erinnerung daran.

Stefanie: Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, Mama.
Und ich hoffe, dass wir uns irgendwann wiedersehen.

Anna: Das hab ich gern gemacht.

Eine Bitte hätte ich an Dich:
Tu, was immer du tun kannst, um ein erfülltes Leben zu leben.

Wir haben es nicht einfach mit unseren Vorfahren!
Da sind Werte und Urteile, die in uns wirken,
die sind nicht gut.

Tu, was du kannst, um alles loszuwerden, was dich hemmt,
du selbst zu sein.

Du bist so ein Geschenk ans Leben!
Aber was nützt es, wenn du selbst dich nicht dafür begeistern kannst.

Bescheidenheit ist schon gut, aber es gibt auch eine Bescheidenheit,
die sich wegwirft und das ist nie gut.

Ich hab gedacht, ich kann und muss alles aushalten.
Schau nur, das ist gar nicht wahr.

Du musst nicht sein wie ich.
Aber tu, was du kannst, um es besser zu machen,
was ich nicht geschafft habe.

Ich hab´s nicht geschafft, mich selbst so lieb zu haben, wie ich es wert war.
Bitte mach das besser: bitte, bitte.

Ich habe dich immer und immer sehr, sehr lieb!
Deine Mama!